das ist mir gestern wieder mal so richtig schmerzhaft klar geworden. ich weiß nicht, was mit mir los ist und ob es überhaupt klappen könnte mit einer menschlichen beziehung, die den namen verdient, oder ob ich zu gestört bin.
ich war zweimal verheiratet. beide männer waren sehr unterschiedlich, wenn auch eins sie verbindet: beide sehr liebevolle, fürsorgliche männer, die alles für mich getan hätten.
das habe ich ihnen schlecht gedankt. ich habe sie belogen und betrogen, nie richtig an mich herangelassen - wobei letzteres keine böse absicht ist, ich weiß einfach nicht, wie so etwas geht.
eigentlich verlaufen meine beziehungen immer nach dem gleichen muster: anfängliche euphorie, grenzenlose verliebtheit auf beiden seiten. und irgendwann ist es bei mir vorbei mit dieser euphorie, und ich mache dicht, wortwörtlich. ich verstumme in der beziehung, erzähle nichts, gebe nichts mehr von mir preis, lasse keine (innere) nähe zu, sondern wehre ab mit spott, sarkasmus und kritik an allem und jedem. der andere nervt mich dann nur noch, und ich sehne mich beständig nach distanz - darum muss ich ihn verletzen oder betrügen.
das ist aber nur die eine seite der medaille, denn wenn es demjenigen dann irgendwann zuviel wird mit meiner kälte und abweisung, wird mir angst und bange und ich habe angst, verlassen zu werden. dann sind die so lange vermissten warmen gefühle für ihn plötzlich wieder in greifbarer nähe, es gibt eine wiederannäherung und versöhnung - bis ich ihm wieder entgleite. mich in mich selbst zurückziehe und die fallbrücke runterlass.
ich habe nach meinen beiden scheidungen jetzt wieder eine beziehung, wieder zu einem liebevollen mann, der alles für mich tun würde, und ich fühle, wie mein alter mechanismus wieder einsetzt. ich muss wieder eine distanz aufbauen, abweisend und kalt sein. ich sehe fehler über fehler an ihm, ich verletze ihn, ich benehme mich unmöglich und fühle mich selber schrecklich allein.
ich habe mittlerweile genug erfahrung mit dem leben und mit mir selbst, um diesen entsetzlichen mechanismus identifizieren zu können, aber ich habe keine ahnung, woher er kommt, oder was ich tun kann. ich wäre gern anders.
ach ja, weil sicher die frage nach einer therapie kommen wird: ich habe 2,5 jahre tiefenpsychologische therapie hinter mir. schlauer bin ich, was das anbelangt, nicht.
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Ergebnis 1 bis 10 von 36
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31.12.2009, 15:02
ich kann keine beziehung führen
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31.12.2009, 15:31
AW: ich kann keine beziehung führen
Schade, aber gib nicht auf und wechsle den Therapeuten.ach ja, weil sicher die frage nach einer therapie kommen wird: ich habe 2,5 jahre tiefenpsychologische therapie hinter mir. schlauer bin ich, was das anbelangt, nicht.
Vielleicht brauchst Du auch einen anderen Ansatz und fährst besser mit einer Verhaltenstherapie.
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31.12.2009, 15:35
AW: ich kann keine beziehung führen
Spontan fällt mir da natürlich die Frage aller Fragen ein: wie war oder ist Deine Beziehung zu Deinem Vater? Wie war Deine Kindheit? Warst Du ein geliebtes Kind? Hast Du Geschwister?
TabeaBis auf Weiteres a.D.
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31.12.2009, 15:44
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31.12.2009, 15:45
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31.12.2009, 16:09
AW: ich kann keine beziehung führen
Ich bin nun auch kein Therapeut - aber an so einem offensichtlichen Bild sollte man arbeiten, das ist eine recht prägnante Ansage.Er war der Held meiner Kinderjahre (hat mich aber auch nicht vor ihr 'gerettet')
Wenn man mit dem Wissen Dein beschriebenes Beziehungsmuster beleuchtet, sagt man von aussen spontan. "Passt doch, sie rächst sich durch ihre kalte Art am Unvermögen ihres Vaters."
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31.12.2009, 16:16
AW: ich kann keine beziehung führen
Hm ja - eigentlich dachte ich, dass ich diese Geschichten einigermaßen verarbeitet habe.
Meine Psychologin hat da jedenfalls keine Verbindung gesehen. Was natürlich nichts heißen muss.
Ich weiß einfach nicht, warum ich in dem Moment, wenn die erste Verliebtheitsphase, also die grandiosen Selbstinszenierungen und -bespiegelungen vorbei sind und die Realität ihren Auftritt hat, dermaßen dichtmache und beinahe autistisch unfähig bin, mich mitzuteilen oder auch nur eine menschliche Regung zuzulassen.
Und ich mag mich nicht, wenn ich so bin, und ich fühle mich selber unglücklich und allein mit mir. Aber ich lasse den anderen nicht rein.
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31.12.2009, 16:19
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31.12.2009, 16:23
AW: ich kann keine beziehung führen
Dann probiere etwas anders aus - Gruppentherapien haben beispielsweise den Vorteil, daß Du oft mehrere sehr unterschiedliche Meinungen zu einer Situation bekommst.Hm ja - eigentlich dachte ich, dass ich diese Geschichten einigermaßen verarbeitet habe.
Meine Psychologin hat da jedenfalls keine Verbindung gesehen. Was natürlich nichts heißen muss.
Ich persönlich finde es seltsam, daß sie nicht wenigstens mal darauf hingewiesen hat darüber nachzudenken.
Muss ja nicht der Schlüssel sein, aber ist eben naheliegend...
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31.12.2009, 16:36
AW: ich kann keine beziehung führen
Du merkst ja, dass Du es einem Partner extrem schwer machst, Dich zu lieben und Dir zu vertrauen, wenn Du ihn immer wieder wegstößt und danach wieder angerannt kommst, weil Du es allein doch nicht aushältst. Menschen mit Selbstachtung lassen sich solche „Komm her und geh weg“-Spielchen nicht ewig bieten. Es ist kein Wunder, wenn Du verlassen wirst, wenn Du Deine Partner so behandelst.
Ich glaube, durch Deine Euphorie hast Du übersteigerte Erwartungen an die Beziehung, und wenn die sich dann im Alltag nicht erfüllen lassen, bestrafst Du Deinen Partner mit Rückzug. Dabei sind Deine übersteigerten Erwartungen jedoch allein Dein Problem! Es ist nicht die Schuld des anderen, wenn er dem auf Dauer nicht entsprechen kann.Und jetzt soll Dich Dein Partner retten? Dafür sorgen, dass Du nie wieder enttäuscht wirst? Damit wälzt Du ihm eine Verantwortung auf, die jeder normale Mensch von sich weisen würde. Oder rächst Du Dich an Deinen Partnern für das, was Deine Mutter Dir angetan hat?Meinen Vater habe ich sehr geliebt, im Gegensatz zu meiner Mutter, die mich oft misshandelt hat. Er war der Held meiner Kinderjahre (hat mich aber auch nicht vor ihr 'gerettet')
Es wundert mich ein bisschen, dass bei einer tiefenpsychologischen Therapie überhaupt keine Verbindungen zu Deinen Kindheitserlebnissen gesehen werden. Vielleicht würde ein Therapeutenwechsel Dich weiterbringen.hm ja - eigentlich dachte ich, dass ich diese Geschichten einigermaßen verarbeitet habe.
Meine Psychologin hat da jedenfalls keine Verbindung gesehen. Was natürlich nichts heißen muss.
Ich finde es aber schon mal sehr gut, dass Du Deine eigenen Anteile daran, wieso Deine Beziehungen immer wieder in die Binsen gehen, so deutlich siehst. Viele Frauen in Deiner Lage jammern nur rum, aber selbstredend sind immer nur die blöden Männer schuld. Bei Dir kommt es jetzt drauf an, rauszufinden, warum Du Dich so verhältst.
Unproduktive Verhaltensweisen im Zusammenhang mit anderen Menschen erfüllen meist eine bestimmte Funktion für einen selbst, und deshalb lässt man sie auch nicht los. Man hat keine anderen Verhaltensweisen zur Verfügung, die man stattdessen anwenden könnte, und die dieselbe Funktion erfüllen. Das ist so, wie wenn Du versuchen würdest, Dir die Beine mit einem Brotmesser zu rasieren, weil Du kein Nassrasierset oder kein Enthaarungsmittel kennst.
Dein Verhalten gegenüber Deinem Partner hat etwas zu bedeuten. Du musst unbedingt rausfinden, was – und es durch ein besseres ersetzen. Dazu musst Du natürlich Deine Einstellung zu dem ganzen Problem ändern, z.B. dass niemand anderes dafür zuständig ist, Dich zu retten oder Dich im Alltag ständig wie eine Prinzessin auf Händen zu tragen, oder dass der andere auch das Recht hat, ein ganz normaler Mensch mit Macken und Fehlern zu sein, die Dir nicht alle passen, ohne dass Du ihn dafür immer wieder abstrafst.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!


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