Hallo Ihr Lieben,
ich habe lange überlegt, ob ich schreiben soll und was das bringt. Aber vielleicht gibt es ja noch jemanden wie mich und ich fühle mich nicht mehr so Außerirdisch. Ich habe schon seit Jahren ein Problem und ich komme damit nicht klar, es macht mich fertig. Mal mehr, mal weniger. Ich versuche mich mal zu beschreiben:
Ich habe sehr hohe Erwartungen an mich und an andere. Ich bin sehr ehrgeizig und bin weit gekommen im Leben, beruflich und privat. Mein Mann und ich haben uns alles selbst erarbeitet. Wir bekamen nichts geschenkt und darauf bin ich auch sehr stolz. Ich könnte der glücklichste Mensch der Welt sein, aber ich falle immer wieder in Löcher und heule tagelang.
Ich weiß, ich jammere auf hohem Niveau, weil es mir ja eigentlich gut geht.
Ich habe das Gefühl außer meinem Mann kann ich mich niemanden anvertrauen und dabei brauche ich auch Freundinnen. Ich bin sehr schnell von Menschen enttäuscht und nachtragend. Ich habe zu hohe Erwartungen und schaffe es nicht, sie niedriger anzusetzen. Wenn ich richtig enttäuscht bin, kann ich auch nicht verzeihen.
Wenn Leute, die eine schlimme Krankheit diagnostiziert bekamen in den Medien sagen: "Ja, jetzt gehe ich ganz anders mit meinem Leben um. Man lernt andere Sachen zu schätzen." Und alle klatschen. Da werde ich richtig sauer auf die Resonanz. Darf man das erst unter solchen Umständen erkennen? Ich weiß auch ohne schlimme Krankheit die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu schätzen, ernähre mich gesund, rauche nicht, trinke fast kein Alkohol, kenne meine Grenzen und verteidige sie auch. Ich antworte ehrlich, wenn ich gefragt werde. Doch das alles ist nicht sonderlich populär.
Ich rege mich über Leute auf, die Ihrem Müll überall hinwerfen. Über Leute, die Ihren Kindern nicht mehr Benimm beibringen. Leute, die das Eigentum anderer nicht respektieren. Leute, die viel von Kindergarten/Schule/... erwarten nur schimpfen was alles nicht gemacht wird, selbst aber nichts beitragen. Wenn ich mich um etwas sehr bemühe und jemand anderes bekommt es ohne Aufwand, nur durch Geld oder Einfluss und so weiter. Überall, wie sich die Leute benehmen: rauchende Schwangere, Ernährung von Kindern im Elternhaus, Umgang mit Geld (Schulden), Mord und Totschlag wohin man schaut. Es ist doch klar, was gut ist und was schlecht. Warum hält sich denn keiner dran? Dann fange ich an zu zweifeln. Die Gesellschaft ist so kaputt, ich hatte immer das Bedürfnis sie zum Besseren zu verändern. Aber ich resigniere langsam. Entweder muss ich verrückt sein, oder alle anderen.
Ich habe das Gefühl ich passe nicht dazu und das macht mich traurig.
Herzliche Grüße
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 33
Thema: unsere Gesellschaft und ich
-
29.11.2009, 22:32
unsere Gesellschaft und ich
-
29.11.2009, 22:40
AW: unsere Gesellschaft und ich
Hi
kann es sein dass du zuwenig Ablenkung hast?
Immerhin lebst du in einem der reichsten und sortiertesten Länder der Erde.
Vielleicht mal Urlaub in Lagos machen
oder Informationen über die Zustände dort einholen...
Die Dummen verwerfen, was sie sehen, nicht was sie denken.
Die Klugen verwerfen, was sie denken, nicht was sie sehen. (Huang-po)
-
29.11.2009, 22:45Inaktiver User
-
29.11.2009, 22:46Inaktiver User
-
29.11.2009, 22:55
AW: unsere Gesellschaft und ich
Büssergewand wäre falsch formuliert, besser: Demutsgewandt. In jeder Religion wird das zelebriert:
Dankbarkeit üben
Was ist daran verwerflich?
Es liegt hier ja kein Problem der TE zugrunde, ausser, dass sie sich Probleme selbst macht statt ihre Energie in Dinge zu stecken, die sie persönlich weiterbringen und ihre Zufriedenheit erhöhen.Die Dummen verwerfen, was sie sehen, nicht was sie denken.
Die Klugen verwerfen, was sie denken, nicht was sie sehen. (Huang-po)
-
29.11.2009, 22:56
AW: unsere Gesellschaft und ich
Was mich interessieren würde: Wie sahen denn Deine Bemühungen zur Verbesserung der Gesellschaft aus? Hast Du Dich ehrenamtlich engagiert oder wie kann ich mir das konkreter vorstellen, um Deine Resignation nachvollziehen zu können?
Wenn es um so globale gehaltene Bemühungen geht, wie "die Gesellschaft zum Besseren verändern", sollte man sich bewusst machen, dass man oftmals "nur" im Kleinen helfen bzw. einer geringen Anzahl von Menschen helfen kann, seltenst einer breiten Masse. Das ganz große Rad in diesem gesellschaftlichen Kontext drehen zu können gelingt nur den Wenigsten, sonst wäre die Welt voll von tausenden Ghandis ;-)
Beim Lesen Deines Postings habe ich das Gefühl, dass Du Dich eigentlich an etwas ganz anderem abarbeitest. Was könnte das sein?Geändert von Lillith11 (29.11.2009 um 22:59 Uhr)
Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. (Kierkegaard)
-
29.11.2009, 23:09
AW: unsere Gesellschaft und ich
FG von Helga
„Nehmen sie die Menschen wie sie sind, denn andere gibt es nicht“
Konrad Adenauer
-
30.11.2009, 00:03Inaktiver User
AW: unsere Gesellschaft und ich
Mir fällt das Wort "Übertragung" dazu irgendwie ein.
Wenn mich etwas an anderen Menschen aufregt oder nervt, stelle ich sehr häufig fest, dass es mit mir zu tun hat.
Es stören einen am anderen genau die Dinge, die man sich selbst nicht erlaubt.
Gerade Deine Beispiele mit dem Müll und der Erziehung-
bist Du selbst sehr streng erzogen worden?
Musstest Du Dich immer zusammenreißen?
Könnten es Internalisierungen sein, dass der Mensch "Gutes zu tun hat", was Dir vermittelt wurde?
Vielleicht ist das "küchenpsychologisch".
Dass es an der Gesellschaft viel, wirklich vieles zu betrachten, zu hinterfragen, nicht gutzuheißen gibt, steht außer Frage-
und wie brauchen Menschen, die wieder MUT haben, SELBST ETWAS ANZUPACKEN, Stellung zu beziehen, nicht nur das eigene Durchkommen im Auge haben.
es ist alles zu komplex geworden, man weiß nicht, wo man ansetzen soll oder könnte.
Du hast aber im PERSÖNLICHKEITSFORUM gepostet, nicht unter Gesellschaft.
Also vermute ich mal, Dir macht Deine Reaktion zu schaffen, nicht die Gesellschaft als solche?
Das kann auch Bequemlichkeit sein.
Sich lieber "außerirdisch" fühlen ("was kann man alleine schon ausrichten"...?) - eine andere Formulierung für "warum ausgerechnet ICH?!"
Ich sehe auch vieles von dem, was Du schreibst.
Und ermahne mich erfolgreich, die KLEINEN Dinge wahrzunehmen und da positiv zu wirken, wo es mir möglich ist.
-
30.11.2009, 00:05
-
30.11.2009, 00:14


Zitieren

