schlischlaschoe, damit sprichst Du etwas Wesentliches an!
Das ist nicht so simpel mit dem Weinen-Können.
Ich würde Deine Worte noch aus meiner Erfahrung ergänzen wollen:
Selbst wenn ich aus "Jammergründen" mal weine und mir entsetzlich leid tue, kann das eine erschöpfende Wirkung haben.
Es ist dann vielleicht nicht das wahrhaft heilsame Weinen,
aber hinterher fehlt mir dann einfach die Kraft, um noch weiter ein destruktives Gedankenkarussell zu füttern.
Dann geht es mit dem Funktionieren erstmal wieder etwas leichter,
und manchmal kommen dann bessere Gedanken, die wirklich weiterbringen.
Ich halte es für essentiell, das Weinen zu lernen!
Gerade wenn man es sich ewig lange verboten hat, kann es manchmal wochenlang anhalten und wie eine Schwemme sein (die scheinbar in keinem Verhältnis zu den aktuellen Anlässen stehen muss).
Aber da bleibt man nicht für immer drin, wenn man es zulässt.
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Thema: Wer bin ich?
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15.12.2009, 11:31Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
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15.12.2009, 11:41Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Hallo Schli,
das Thema Weinen ist so eine Sache bei mir. Dass mit der Opferrolle ist einfach eine Selbst-Beobachtung. Es ist nicht meine allgemeine Auffassung vom Weinen oder meine innere Ablehnung oder so; ich beziehe das nur auf mich.
Mein Therapeut hat mir mal gesagt, wenn ich mich nach dem Weinen erleichtert fühle, dann war es genau das Richtige für mich, dann musste es halt mal sein. Aber das ist mir noch so gegangen. Ganz im Gegenteil. WENN ich weine, dann zieht es mich wirklich so richtig tief runter, dann geht es mir sehr schlecht. Und ich weiß ja, welche Gedanken mir dann so durch den Kopf jagen, und die sind immer mega-selbstmitleidig... Die verschiedenen Spielarten des Weinens kenne ich von anderen, aber nicht von mir. Es ist anstrengend, nur ein Thema zu haben
Wenn ich als Kind geweint hätte, dann wäre ich gleich Mode gewesen. Das habe ich schnell kapiert. Besser unsichtbar sein, nicht bemerkt werden. Meine Mutter sieht im Weinen in der Tat einen Versuch zu manipulieren. Gott, wie krank das alles ist
Einige meiner Ex-Partner fanden das auch.
Ich aber nicht. Wenn meine Kinder weinen, dann versuche ich ganz bewusst, das ernst zu nehmen. Manchmal sehe ich zwar schon, dass es "Krokodilstränen" sind, aber auch hinter denen steckt ja irgendein Grund
Vielleicht ist es weniger also das Große Weinen, sondern dass ich lernen möchte, angemessen der jeweiligen Situation mich zu verhalten. Hört sich jetzt nach Verbiegen an, aber so meine ich das nicht. Ich leide ja auch unter einer ganzen Reihe von Phobien, und das sind letztlich auch unangemessene Re-Aktionen, die in den Griff zu bekommen nicht unbedingt Verbiegen wäre. Verstehst du
schlaflos
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15.12.2009, 11:58Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Also ich lasse das Weinen inzwischen schon zu, schon seit einer ganzen Weile. Oftmals kann ich es auch gar nicht nach außen verbergen, weil mir ganz plötzlich die Tränen kullern und ich geschüttelt werde wie aus heiterem Himmel. Toll finde ich das nicht, aber ich kämpfe nicht mehr dagegen an. Weil mich das noch mehr Kraft kosten würde, die ich momentan schlicht nicht habe.
Aber dieses kraftzehrende In-den-Seilen-Hängen möchte ich so nicht mehr haben. Denn dann ist die Funktion dieses Weinens ja lediglich die des Ventils. Aber es geht mir ja darum, generell die Temperatur unterm Kessel etwas zu drosseln.
schlaflos
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15.12.2009, 13:27
AW: Wer bin ich?
Liebe Schlaflos,
was Du schreibst, klingt ein bisschen so, als drücktest Du Gefühle beiseite, weil sie igitt-ih-bäh sind. Aber es gibt überall ein Minimum, ein Maximum und ein Optimum. Nehmen wir mal Selbstmitleid. Warum ist es für Dich so negativ besetzt, ab und an ein bisschen Selbstmitleid zu pflegen? Das Entscheidende ist doch der Umgang damit: Du kannst Dich in die Ecke setzen, Dein Selbstmitleid zum Instrument Deiner Hilflosigkeit machen, und erwarten, dass alle Welt nun kommt und Deine Probleme löst. Oder aber Du akzeptierst, dass es genügend Gründe in Deinem Leben gibt, Dich ab und an selbst zu bedauern im Sinne von: Ich betrauere auch die vielen Möglichkeiten, die mir das genommen hat. Dann kannst Du die Schlaflos mal in den Arm nehmen und darauf warten, dass das Gefühl wieder abzieht. Das tut es nämlich, wenn es nicht beiseite gedrückt wird.
Aber für solche Deutungsprozesse brauchst Du eben einen guten Psychologen, der Dich dabei unterstützt. Wann geht es in die Heimat zurück?
LG
BabetteZurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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15.12.2009, 15:35
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16.12.2009, 08:39Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Liebe Babette,
"igitt-ih-bäh" finde ich Gefühle nicht. Ich versuche schon, sie ernst zu nehmen. Dass ich vielleicht Gefühle unterdrücke, das mag sein, aber ich tue es nicht willentlich. Das habe ich früher mit dem Weinen getan, aber jetzt achte ich bewusst darauf, die Tränen fließen zu lassen, wenn sie kommen.
Irritieren tut mich der eruptive Charakter, und nerven tut mich die allumfassende Mattigkeit, die mich danach beeinträchtigt, und zwar manchmal über Tage hinweg.
Selbstmitleid ist ja nicht per se negativ, aber irgendwann muss ja auch mal gut sein, denke ich. Diese ganzen Geschichten möchte ich begraben wissen, nicht vergessen. Ab und an mal ein wehmütiges Gefühl wie nach dem Tod eines Menschen, an den man sich nach Jahren erinnert - das wünschte ich mir.
Hallo schnarchstop,
es ist sicher wahr, dass ich mich über meine Partner und Freunde, mein Außenleben sozusagen, identifiziert habe. Das ist mir auch bewusst, und deshalb blicke ich sogar etwas neugierig auf die Zeit des Allein-Seins. Doch schon jetzt, wo ich mich absetze, erkenne ich viele Eigenschaften an mir, die plötzlich gar nichts mehr mit meinem Außen zu tun haben.
Individuation ist ein Zustand, den wohl ohnehin nur sehr wenige Menschen zu erreichen in der Lage sind; denn das ist ja viel mehr, als sich "nur" als eigenständiges Individuum zu begreifen.
Trotz allem: Sage mir, mit wem du liiert bist, und ich sage dir, wer du bist
schlaflos
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16.12.2009, 09:12
AW: Wer bin ich?
Dazu ist mir noch eingefallen, dass da auch regelmässig Yoga über einen längeren Zeitraum vielleicht was bewirken kann, also dass diese Zustände seltener, kürzer und weniger belastend werden. Aber auch bei Yoga kommt es auf die Dosierung an, zuviel kann auch zuviel auf einmal aufrühren und dann wird es wieder schwierig.
Zu der Frage 'Wer bin ich' und Deinen bishigen Beiträgen ist mir auch noch die Frage 'Welche bín ich' durch den Kopf gegangen und in dem Zusammenhang kam ich auch auf Yoga, denn welche auch immer: Alle teilen sich ja denselben Körper. Also eigentlich hilft Yoga-Praxis dann, mehr und mehr einen inneren Ausgleich herzustellen und die Frage 'Wer oder welche bin ich' auch auf diese eher nonverbale Weise zu beantworten.
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16.12.2009, 11:50Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Das, was Du, liebe schlaflos, als "eruptiv" erlebst, habe ich gemeint damit, dass es manchmal sehr lange dauern kann und oft wiederholt werden muss, um der Ursache des Weinens ausreichend gerecht zu werden.
Aber es ist eben schwer auszuhalten, wenn man noch nicht sieht und sich nicht vorzustellen vermag, was danach kommt-
nach dem Aushalten.
Der Wunsch, "es endlich begraben zu wissen" ist Ungeduld, eher wider die Heilung.
Denk doch an die vielen Jahre des stummen Leidens.
Vielleicht muss man sich einen großen Teil dieser Zeit das Weinen erlauben.
Irgendjemand hat es schonmal geschrieben: Heilung dauert mindestens halb so lange. (wenn das reicht...)
Was ich über die Entwicklung Deiner Beziehungen geschrieben habe, bedeutet MITNICHTEN eine Identifikation über die Partner!
Es geht um Kontaktfähigkeit allgemein. Die ist immer ein Indikator für einen selbst!
Hier in diesem Strang geht es aber nunmal um den Auslöser fundamentaler Probleme DURCH die Partnerschaft.
Und durch nichts wird man so stark mit sich selbst konfrontiert wie durch einen Menschen, mit dem man den Alltag teilt, vor dem man sich also nicht ununterbrochen verbergen und maskieren kann.
Wie es mit Schlaflosens Freundschaften so aussieht, war ja hier noch kein Thema.Geändert von Inaktiver User (16.12.2009 um 11:54 Uhr)
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16.12.2009, 13:58Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Hallo Alaska

ich habe Yoga schon vor einigen Monaten angefangen, verfolge es allerdings nicht konsequent, sondern setze Neti-Neti sporadisch dann ein, wenn ich merke, dass ich den Kontakt verliere. Quasi Rescue-Yoga... Allerdings, und das ist vielleicht ein Nachteil, führt man bei dieser Variante keine speziellen Übungen aus, sondern liegt einfach nur flach da und spürt den Anweisungen des Meisters nach - sehr meditativ also.
Jedoch: Du bringst mich auf einen Gedanken, den ich noch einmal aufgreifen werden (auch von anderer Seite sind mir schon Hinweise auf Körperübungen gegeben worden...)
Spielst du hier auf die generelle Vielfältigkeit eines Menschen an oder vermutest du eine multiple Persönlichkeitsstörung...
schlaflos
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16.12.2009, 14:06Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Doch, hatte ich mal ganz am Anfang beschrieben...
Ich bin nicht so der Typ für den every-day fun, eher so für ernste Gespräche usw. Abhängige Varianten gibt es in meinen Freundschaften nicht (mehr), aber gab es immer wieder mal. Da ich oft mein gesamtes Umfeld vernachlässigt habe, wenn ein neuer Mann da war, war es ein Leichtes, die dann "abzuschießen".

schlaflos


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