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Thema: Wer bin ich?

  1. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Ehrlich gesagt, war es bei mir so, dass ich vor allem eins empfunden habe: Scham. Ich habe mich für alles geschämt und da das Alk Problem meiner Mutter auch nie thematisiert wurde sondern es nur vorwürfe seitens meines vaters gab.. habe ich einfach ertragen und mich vor anderen Menschen abgegrenzt. Klar wäre es evtl. besser gewesen andere Erwachsene zu haben, die die Situation kontrollieren und die mir Halt gegeben hätten, aber ich wäre nicht in der Lage gewesen den Halt auch anzunehemen.

    Meine Welt war so wie sie war und ich habe nicht geglaubt, dass es noch eine andere hätte geben können. Es liegt aber auch daran dass ich eine Art "Beschützerinstikt" entwickelt habe.

    Missbrauchsopfer empfinden da denke ich noch mal ganz anders. Ich habe die Hilflosigkeit meiner Mutter gesehen und nicht meine eigene, daher entwickelten sich auch andere Gefühle. Evtl wäre mir etwas erspart geblieben aber da nach kurzer Zeit die Kinderseele schon anfängt zu leiden, reicht die aussetzung einer kurzen Zeitspanne schon aus.

  2. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Klar wäre es evtl. besser gewesen andere Erwachsene zu haben, die die Situation kontrollieren und die mir Halt gegeben hätten, aber ich wäre nicht in der Lage gewesen den Halt auch anzunehemen.
    Das sagst du heute...

    Aber stelle dir mal vor, andere Erwachsene hätten nicht nur erkannt, dass ein Alkoholiker sich fehlverhält, sondern die Krankheit betont und echte Hilfe angeboten - die möglicherweise deine Mutter/dein Vater auch angenommen hätten?

    Dann wäre dir zumindest die Scham von den Schultern genommen worden und du hättest lernen können, wie Erwachsene mit schweren Krisen umgehen. Kinder lernen ja auch vom Vorbild. Doch wenn das Vorbild ein kranker Mensch ist, dann kommen überforderte Seelen dabei heraus.

    Die Dynamiken kennen wir hier ja alle. Leider.

    Ich finde es nur interessant, wie wenig du davon hältst, Hilfe hätte damals etwas bewirkt. Wie würdest du denn konkret heute reagieren, wenn beispielsweise deine Nachbarin Alkoholikerin ist mit einem Kind im selben Alter wie du damals? Wie würdest du über sie denken? Hättest du Mitgefühl?

  3. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Ich würde handeln und dem Mädchen helfen, weil ich es nicht anders könnte. Ich würde auch mit der Mutter reden. Vom logischen Denken weiß ich, dass Hilfe das einzig richtige ist aber mein Gefühl in meiner Situation sagt mir dass ich keine Hilfe gewollt habe.

    Ich fühle dass so, da kann mir der Verstand noch so sehr sagen, dass Hilfe gut gewesen wäre und dass ich Hilfe hätte fordern müssen. Es kommt bei meinen Gefühlen nicht an.

    Vielleicht liegt da noch einiges im Argen bei mir, oder nein, bestimmt liegt da noch einiges im Argen bei mir und im Laufe der kommenden Jahre werde ich sehen, wie ich damit zurecht komme, genau wie wir alle hier

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    AW: Wer bin ich?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    aber mein Gefühl in meiner Situation sagt mir dass ich keine Hilfe gewollt habe.
    Das wäre bei mir unter bestimmten Umständen genau so gewesen. Ich hätte wahrscheinlich aggressiv reagiert, weil ich um jeden Preis dazu bereit war, den Schein zu wahren. Es war ganz wichtig für mich, dass nach außen hin alles normal wirkt, das war nicht nur meinen Eltern wichtig. Ich hätte niemanden gestattet, hinter meine Fassade zu sehen, mir selber habe ich das ja auch nicht gestattet. Ziemlich sicher handelt es sich um einen Schutz, der zum Überleben wichtig war.

    Aber mit diesen erwähnten "bestimmten Umständen" meine ich eine solche Hilfe, von der ein missbrauchtes Kind überfordert gewesen wäre. "Richtige" Hilfe muss die gesamte Familie mit einbeziehen.

    Massashi

  5. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Zitat Zitat von Massashi Beitrag anzeigen
    Das wäre bei mir unter bestimmten Umständen genau so gewesen. Ich hätte wahrscheinlich aggressiv reagiert, weil ich um jeden Preis dazu bereit war, den Schein zu wahren. Es war ganz wichtig für mich, dass nach außen hin alles normal wirkt, das war nicht nur meinen Eltern wichtig. Ich hätte niemanden gestattet, hinter meine Fassade zu sehen, mir selber habe ich das ja auch nicht gestattet. Ziemlich sicher handelt es sich um einen Schutz, der zum Überleben wichtig war.

    Ich kann das nicht einschätzen...

    Aber denkst du, dass die Bestrebung den Schein zu wahren wirklich von dem Kind/Jugendlichen kommt ... ?

  6. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Hm, ich denke, in der Anfangszeit, als ich noch recht klein gewesen bin, hätte mir Hilfe von Außen nicht nur vieles erspart, ich hätte sie auch sicher "angenommen". Immer mit dem Fokus darauf, dass jüngere Kinder sehr viel obrigkeitshöriger sind als beispielsweise Jugendliche (und auch noch nicht so konditioniert).

    Ein Beispiel: Als ich etwa 8 Jahre alt gewesen bin, hatte ich immer wieder arge Bauchschmerzen. Ich musste ins Krankenhaus wegen des Verdachts auf Blinddarm. Dort wurde unter anderem eine gynäkologische Untersuchung vorgenommen, bei der die Ärztin verwundert feststellte, dass ich ja gar keine Jungfrau mehr wäre. Meine Mutter, die auch anwesend war, insistierte, der viele Sport wäre sicher schuld.

    Ich weiß noch genau, wie unangenehm und falsch sich das alles anfühlte. Die Zusammenhänge habe ich sicher nicht begriffen, klickern ja auch erst heute so langsam in mein Bewusstsein.

    Aber EIN Wort der Ärztin, ein Nachhaken... Ich bin sicher: Vieles hätte sich bei mir geändert. Und ich wäre nicht in die Position gelangt, Hilfe anzunehmen oder abzulehnen.

    Später, als Teenager - ja, das wäre dann bestimmt auch schon zu spät gewesen. Aber wer weiß? Mein Fluchtreflex war extrem hoch gewesen; wer mir dahingehend Hilfe angeboten hätte, dem hätte ich sie förmlich aus der Hand gerissen!!!

    Aber ich sehe auch ein, dass bei so einer subtilen Trinker-Geschichte andere Abläufe eine Rolle spielen, als in meinem von purer Gewalt und Abscheu geprägten Milieu, wo niemand sich große Mühe gab, nach außen heile Welt zu spielen. Das musste mir auch niemand sagen. Ich war ja viel zu sehr mit der kaputten Innenwelt beschäftigt.

    Ach Mensch, Leute...............

  7. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Zitat Zitat von Massashi Beitrag anzeigen
    Das wäre bei mir unter bestimmten Umständen genau so gewesen. Ich hätte wahrscheinlich aggressiv reagiert, weil ich um jeden Preis dazu bereit war, den Schein zu wahren. Es war ganz wichtig für mich, dass nach außen hin alles normal wirkt, das war nicht nur meinen Eltern wichtig. Ich hätte niemanden gestattet, hinter meine Fassade zu sehen, mir selber habe ich das ja auch nicht gestattet. Ziemlich sicher handelt es sich um einen Schutz, der zum Überleben wichtig war.
    Ganz genau so empfand ich es auch Ich wusste dass, das was hier ablief nicht "normal" war aber habe dennoch immer gehofft, dass irgendwann alles gut wird. Meine Mutter kam nachts immer zu mir, besoffen, machte das Licht an und fragte mich ob ich schon schlafe. Ich versuchte ihr jahrelang zu erklären, dass wenn sie das Licht anmacht, ich automatisch aufwache und ich WEGEN IHR nicht mehr schlafen kann. Ich wunderte mich jedes mal warum sie das nicht verstand weil es doch so logisch war.

    Ich kann mich noch sehr sehr gut an meine Denkmuster erinnern und daher weiß ich wie die Denkmuster eines Kindes sind. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht richtig vorstellen, von jmd missbraucht zu werden (gott sei dank) aber ich glaube da sind wie schlaflos schon sagt die Verhaltensmuster die der Missbrauch in einem auslöst einfach anders.

    @Schlaflos:

    Natürlich in deinem Fall, kann ich es absolut nicht nachvollziehen wie eine Ärztin!!! auf eine lapidare aussage deiner mutter hin einfach die augen verschließen kann. Ich weiß nicht wie es bei dir war, aber äußerlich sah man es mir stark an dass ich massive probleme daheim hatte. Bespielsweise sah ich mit 6 Jahren noch fröhlich aus und hatte einen natürlichen gesunden teint. Mit 7 war ich leichenblass, hatte tiefe augenringe und war abgemagert. Wenn ich mir Bilder von mir sehe, ich sah aus wie der wandelnde Tod...

  8. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich weiß nicht wie es bei dir war, aber äußerlich sah man es mir stark an dass ich massive probleme daheim hatte. Bespielsweise sah ich mit 6 Jahren noch fröhlich aus und hatte einen natürlichen gesunden teint. Mit 7 war ich leichenblass, hatte tiefe augenringe und war abgemagert. Wenn ich mir Bilder von mir sehe, ich sah aus wie der wandelnde Tod...
    Und ich wog mit 9 Jahren noch keine 20 Kilo und sollte auf so eine Kur fahren, um endlich zuzunehmen. Meine Thera hat mir erklärt, dass ich wohl unsichtbar sein wollte, damit mich vielleicht niemand mehr anfassen kann

    Auch da fragt man sich schon, ob uns das damals niemand angesehen hat und sich gewundert! So viele haben die Augen verschlossen, und ich kann einfach nicht glauben, dass JEDER davon es nicht besser wusste. Irgendeiner von den vielen hätte doch mal zucken müssen...

    Zu spät

  9. User Info Menu

    AW: Wer bin ich?

    Das ist schrecklich, Ihr beiden, wenn man sich denkt, dass da zwei achtjährige Mädchen waren, denen es einfach grottenschlecht ging.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ganz genau so empfand ich es auch Ich wusste dass, das was hier ablief nicht "normal" war aber habe dennoch immer gehofft, dass irgendwann alles gut wird.
    Bei mir war das mit dem "Wissen" so eine Sache. Einerseits wusste ich, dass ich sehr schlecht behandelt werde. Andererseits durfte das nicht sein. Also wusste ich und wusste andererseits nicht.

    - Das resultiert aus der allgemeinen übergroßen, lebensbedeutsamen Abhängigkeit der Kinder von ihren Eltern. Es "darf" einfach nciht sein, dass man selbst an Menschen geraten ist, die nicht gut sind. Wenn etwas verkehrt und schlecht ist, dann man selbst. Niemals die Eltern. Die müssen geschützt werden. Für das Kind macht es Sinn, die Eltern zu entlasten und sich selbst als schlecht anzusehen - unabhängig davon, dass es da diese ganz kleine, leise Stimme gibt, die etwas anderes sagt - denn man ist einfach so ausgeliefert.

    Wie sollte man es da zulassen, dass jemand ausspricht, dass man schlecht behandelt wird? Ein kleines Kind ist davon überfordert. Es gilt, da ganz anders heranzugehen - so weit auch zur Frage, die oben gestellt wurde.

    Massashi

  10. Inaktiver User

    AW: Wer bin ich?

    Vielleicht bin ich auch noch zu sehr mit Anklagen beschäftigt, als erkennen zu können, dass die Dinge nun einmal so waren WIE sie waren und Menschen so sind WIE sie sind.

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