Guten Morgen!
Es ist für mich auf keinen Fall ein Ausschlusskriterium. Ich schließe auch nicht aus, dass ich in dieser Hinsicht mit mir selbst vorankomme, will heißen, dass ich einfach sicherer werde.
Also Treue als manipulatives Verhalten? So ganz kann ich das nicht nachvollziehen. Bzw. ich halte es für möglich, dass Deine Interpretation nicht so sehr aus einer Intuition heraus kam, sondern aus einer Angst. Sprich, dass er mehr Nähe wollte als Du zulassen wolltest.
Wie sähe denn eine solche Reaktion aus, zu der er Dich hätte verleiten können?
Hmm, nee, leider nicht. Er flirtet gerne, das war keine Ausnahme. Nur in diesem Fall fühlte ich mich besonders bedroht – habe dies deswegen als Beispiel genommen – da diese Frau ihn gleich wissen ließ, dass sie allein lebt und sein Hobby teilt. Also über dieses begeisterte Sich-Ansehen (was aber das Schlimmste für mich war) hinaus eine ganz auf den Boden von Gemeinsamkeiten beruhende mögliche Beziehung in Aussicht stellte. Im Übrigen sah sie nicht nur sehr gut aus, sondern strahlte sehr und war als Journalistin auch sehr gut über alles Mögliche informiert, also eine interessante und interessierte Person.
Die Reaktion meines Freundes auf mich war allerdings nicht wirklich übel, da sie eben offen war.
Massashi
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Thema: Wer bin ich?
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02.11.2011, 07:35
AW: Wer bin ich?
Geändert von Massashi (02.11.2011 um 07:48 Uhr) Grund: Genauigkeit
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15.11.2011, 19:42Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Ich glaube, ich bin endlich durch mit Herrn Ex. Wirklich gebracht hat es der recht konsequente Rückzug, den ich seit einigen Wochen betreibe. Und am letzten Papa-Wochenende fiel es mir überhaupt nicht schwer, ihn auf der Türschwelle stehenzulassen, ohne ihn auf einen obligatorischen Kaffee hereinzubitten. Und ich reagierte auch sonst gar nicht mehr auf ihn.
ER ist mir egal. Great balls of fire
Vor einiger Zeit hatte ich auch meiner Thera einmal eine seiner ellenlangen Mails gezeigt, und ihre Einschätzung war, dass sie noch nie zuvor etwas derartiges gelesen habe. Er mache sich selbst extrem klein, sei super-vorsichtig und unterwürfig, dass es fast weh tue, das alles zu lesen.
Ich selbst hatte ihn als überlegen, in sich ruhend und vor Lebensmut strotzend wahrgenommen
Meine Wahrnehmung bzw. Interpretationsfähigkeit liegt da wohl doch noch sehr im Argen, aber nichts, was ich nicht ändern könnte. Es macht sogar richtig Spaß, Menschen zu beobachten, wie sie interagieren.
Achso, und Mr Option hat sich nicht wieder bei mir gemeldet. Und wenn schon
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15.11.2011, 21:46
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18.11.2011, 19:29Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Hallo Schlaflos,
habe gerade erst deinen Strang entdeckt. Was mich besonders fasziniert daran ist, wie du in deinem Eingangspost geschrieben hast „Meine Seele ist schwarz und traurig“. Ich habe jahrelang das gleiche empfunden, vor allem das meine nächsten „Vertrauten“ versucht haben mir meine Seele zu klauen. Alle Verletzungen, die ähnlich waren wie die deinigen in frühen Kindheitstagen, haben angefangen mich schon als Kind langsam aufzufressen und sind heute ein Grund warum meine Seele in vielen Momenten immer noch eiskalt ist.
Ich finde deine Entwicklung in diesem Strang sehr bewundernswert und vor allem wie sich das tiefe schwarz langsam aufgehellte. Die Spuren sind immer noch da, aber durch immer tiefere, präzisere Reflektion hast du es geschafft diesem Moor zu entsteigen, dafür hast du meinen absoluten Respekt.
Für mich war und ist es immer noch so, dass trotz aller Kälte ich im Laufe der Jahre gerade von Freunden viel Wärme geschenkt bekommen habe und dadurch lernte mir selbst die Wärme zu geben, wenn mal niemand da war.
Denn ich war es, der mich am meisten in die Tiefe gezogen hat. Das waren nicht mein Eltern, sondern ich, die mir die Schuld gab und die verherend über mich selbst urteilte als härteste Richterin. Wie du dich vielleicht erinnern kannst, hatte ich mal einen Strang eröffnet über Bindungsangst. Die habe ich immer noch und genau in den Situationen, in denen diese am meisten zu Tage tritt, spüre ich wie meine Seele wieder schwarz wird. Was du gelernt hast und was auch ich lange lernen musste ist mir selbst dafür zu vergeben und mir selbst den gleichen Respekt entgegenzubringen wie jedem anderen Fremden. Witziger weise würde es einem nie einfallen, jmd. anderen in der Art zu schänden wie man es sich selbst oft genug angetan hat.
Ich bin wirklich froh zu lesen, wie deine Entwicklung bis heute vorangekommen ist. In den schlimmsten Momenten glaubte ich oft, dass es niemandem so geht wie mir.
Liebe Grüße
Linda
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18.11.2011, 19:53Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Liebe Linda_Lee,
natürlich erinnere ich mich an deinen Strang
Ich habe momentan das Gefühl, dass meine Bindungsangst immer (zumindest latent) vorhanden sein wird. Aber ich habe gleichzeitig das Gefühl, dass das nicht bedrohlich ist, da ich ja momentan alleine lebe, und das auch noch sich richtig und sehr gut anfühlt. Heute würde ich es auch gar nicht mehr Bindungsangst nennen, sondern eher Bindungsscheu. Eine Beziehung brauche ich nicht mehr - nicht mehr in dem Sinne, ansonsten verloren zu sein im Universum. Diese Erkenntnis hat vieles entspannt.
Darum beneide ich dich sehr. Ich habe Freunde, auch gute Freunde. Aber es gibt keinen, der alles von mir weiß. Manche so ein bisschen, eine Andeutung, eine Ahnung. Vollständig outen - nein, das wage ich nicht. Ich weiß nicht, ob mir deshalb oft die Geduld mit mir selber fehlt, aber es ist sicher mit ein Grund. Diese Ur-Angst, sie würden mich nicht mögen, wenn sie "alles" von mir wüssten. Daran muss ich noch etwas arbeiten.Für mich war und ist es immer noch so, dass trotz aller Kälte ich im Laufe der Jahre gerade von Freunden viel Wärme geschenkt bekommen habe und dadurch lernte mir selbst die Wärme zu geben, wenn mal niemand da war.
Das sehe ich doch etwas differenzierter. Kinder (auch Jugendliche) sind doch relativ abhängig von ihren Eltern. Sie haben gar nicht die Freiheit, sich einen eigenen Standpunkt zu bilden. Wenn dann die Eltern ein Down erzeugen, dann ist es nicht möglich, sich da herausziehen. Oft fehlt im Erwachsenenleben die Erkenntnis über die (oftmals subtilen) Vorgänge in der Kindheit/Jugend. Man merkt nur, dass man unglücklich ist und widerwillig auf bestimmte Dinge und/oder Personen reagiert. Es braucht Jahre des Leidens und auch Lebenserfahrung; und selbst dann ist es manchmal unmöglich, dann bleibt man stecken da unten.Denn ich war es, der mich am meisten in die Tiefe gezogen hat. Das waren nicht mein Eltern, sondern ich, die mir die Schuld gab und die verherend über mich selbst urteilte als härteste Richterin.
An solchen Punkten ist es, finde ich, fast zynisch zu behaupten, ich wäre selbst "schuld" (weil ich mir selbst oder du dir die schärfste Richterin seist). Diese Richterin ist nicht selten souffliert durch die Stimmen unserer Vergangenheit, die so sehr gewohnt sind, das wir sie gar nicht von alleine hinterfragen. Erst, wenn es Spitz auf Knopf geht. Erst, wenn es gar nicht mehr anders weitergeht. Erst, wenn die Seele schwarz ist
Ich auchIn den schlimmsten Momenten glaubte ich oft, dass es niemandem so geht wie mir.
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18.11.2011, 20:17Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Ja mir gefällt das Wort Bindungsscheu auch viel besser
Wie du mir schon damals gesagt hast, ich habe ja Bindungen zu Freunden (vor allem zu einer sehr sehr guten Freundin die alles bis ins kleinste über mich weiß) aber auch zu ihr war ich schon eiskalt, dass sie weinend vor mir saß und es mich in der seele keine sekunde berührt hat, so eisig war sie die Kälte. Aber diese Zeiten sind gott sei dank vorbei. Der Grund, warum ich zu Männern keine Bindung aufbauen kann ist der, dass ich bestimmte Grenzen habe, die man nicht überschreiten darf sonst bin ich weg. Man braucht quasi ein sehr dickes Fell und sehr viel Geduld. Auf so jemanden bin ich bislang noch nicht getroffen. Ich bin wie der Spatz in der Hand. Wiege ich mich in der Sicherheit jederzeit emotional verschwinden zu können und so viel zu geben wie ich es kann, dann habe ich kein Problem zu bleiben. Schließt sich aber die Hand fange ich an wegzufliegen und es ist mir unmöglich zurückzukommen...
Ich muss sagen, sie ist auch ein wirklich sehr sehr großes Glück
Dennoch, ich kann deine Urangst wirklich sehr sehr gut verstehen, gerade weil bei mir in der Nachbarschaft auch wie in einem schlechten Film alle "schlecht" über uns geredet haben. Jeder wusste was bei mir zu hause passierte und hat sich das Maul zerissen... daher war auch ich sehr sehr misstrauisch am Anfang und habe von 11-14 komplett verleugnet was geschehen war. Ich habe alles geschickt zu vertuschen gewusst, auch vor mir selbst. Durch eine damalige Freundin, die ähnliches erlebt hat, habe ich erstmals Zugang zu meinen Gefühlen bekommen. Ist dir denn noch nie jmd begegnet, bei dem du das Gefühl hattest es könnte ihm ähnlich gehen? Bei den meisten sieht man es erst auf den zweiten Blick, aber im Laufe der Jahre habe ich ein sehr gutes Gespür für Menschen bekommen und weiß besser einzuschätzen wem ich vertrauen kann...Ich denke, dass wäre auch für dich eine Option. Du kannst so gut dich selbst reflektieren, warum dann nicht die anderen?
Ich gab mir nicht die Schuld an der Realität sondern an meiner Unfähigkeit,meinen Fehlern, mein Versagen was mich noch mehr runtergezogen hat. Die Verletzung war ein Teil. Dieser hat mich zum weinen gebracht und ich fühlte überdeutlich einen tiefen Schmerz der mir oft die Luft nahm. Mein "Versagen" war es, dass die Depression hervorbrachte.... (ich muss dazu sagen, dass mir auch die Schuld an allem gegeben wurde seitens meines Vaters
was das lächerlichste der Welt war)
Ich habe einen Weg gefunden mir etwas zu verzeihen woran ich NICHT schuld war. Ich weiß dass ich noch ein Kind war, das meine Eltern versagten, dass war mir völlig bewusst, dennoch spürte ich dass "das Versagen" mich in die Tiefe riss, mehr als alle anderen Gefühle. Verstehst du was ich meine?
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20.11.2011, 18:33Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Liebe Linda_Lee,
Ähnlich wie bei mir. Aber was mich heute - so mit ganz neuem Blick auf die Sache - am meisten erregt, ist die Tatsache, dass sich TROTZ des Wissens der Nachbarschaft KEIN EINZIGER diesen katastrophalen Zuständen ernsthaft angenommen hat. Wenigstens einer hätte ja mal beim Jugendamt anrufen können; meinetwegen auch anonymDennoch, ich kann deine Urangst wirklich sehr sehr gut verstehen, gerade weil bei mir in der Nachbarschaft auch wie in einem schlechten Film alle "schlecht" über uns geredet haben. Jeder wusste was bei mir zu hause passierte und hat sich das Maul zerissen...
Da könnte ich so richtig 
Ich erzählte meiner Thera von so einem kranken Typen, der bei uns im Haus gewohnt hat. Ein zwar volljähriger, aber dennoch Junge, nicht ganz knusper im Kopf, Sohn einer alleinstehenden Dame, die ganz oben unterm Dach wohnte, zurückgezogen und selber recht gewöhnungsbedürftig. Dieser "Junge" - und das war haus- und umgebungsbekannt - vergriff sich gern an kleinen Mädchen. Nicht "schlimm", aber er setzte sich mal auch bei mir vor die Wohnungstür, passte mich ab und schaute mir neugierig unter den Rock. Ich weiß noch, was für eine Angst ich hatte, aber ich ließ es geschehen
Meine Thera war vor allem deshalb entsetzt, weil JEDER faktisch bescheid wusste, aber niemand hat diesen Jungen davon abgehalten. Die Gesellschaft nahm es hin. Für mich - heute - eine interessante, neue Sichtweise.
Die Gesellschaft nimmt so vieles hin. Sie nimmt auch hin, dass es bei dir zu Hause seltsam zuging. Aber anstatt zu helfen, tratscht sie lieber darüber, zerreisst sich das Maul - und suhlt sich offenbar wohlig unter den Schauern der anderen Dramen. Daraus zieht diese feine Gesellschaft ihren Selbst"wert": bei anderen ist es viel-viel schlimmer.
So ähnlich wie heute diese Assi-Sendungen, wo sich die Leute vorführen lassen
Naja, es gibt so viele Dinge zu beleuchten und neu zu hinterfragen.
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20.11.2011, 21:14Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Ich gebe dir natürlich Recht, aber wie hätte die Alternative ausgesehen. Ich wäre im Heim gelandet und ob dass so viel besser gewesen wäre weiß ich nicht, weil das Zerren an mir ja weitergegangen wäre. Im ersten Jahr als es angefangen hat, dass war so mit 7, da ist schon etwas in mir zerbrochen. Heim/Jugendamt hätten mir glaube ich auch nicht viel weitergeholfen. Ein Kumpel von mir ist im Heim aufgewachsen und einen geringeren Schaden hat er auch nicht davongetragen.
Ich finde die Rolle der Gesellschaft schwer zu beurteilen. Natürlich ziehen sich viele daran hoch, dass es bei anderen noch schlechter läuft als bei ihnen zu hause, aber wenn Kinder im Spiel sind, ist die richtige Handlung oft einfach auch schwer einzuschätzen. Die meisten scheuen davor, das Zünglein an der Waage zu sein und den Eltern die Entscheidung abzunehmen. Natürlich wenn Kinder verwahrlosen oder Missbrauch vorliegt, dann ist es ein anderer Fall.
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21.11.2011, 11:30Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Das Heim ist doch die allerletzte Konsequenz, und es gibt so viele gute Möglichkeiten, bevor es soweit kommen muss. Alleine das empörte Wahrnehmen der anderen Menschen könnte sicher vielen Kindern/Jugendlichen helfen, weil sie so wieder ein neues Vertrauen in ihre eigene Wahrnehmung finden könnten (Ja, es ist WIRKLICH schlimm, was mir da gerade angetan wird; es ist NICHT meine Schuld; ich bin NICHT falsch...) Auch eine Solidarität, die Vertrauen in die Erwachsenenwelt schafft, manchmal erstes Vertrauen überhaupt.
Freilich für mich wäre es ein Segen gewesen, im Heim zu landen. Ich hätte mir gerne Vergewaltung und Missbrauch erspart, um ehrlich zu sein
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21.11.2011, 13:56
AW: Wer bin ich?
Ich glaube, mir hätte schon allein der Gedanke geholfen, nicht ganz alleine zu sein, zu wissen, dass es Leute gibt, die Unrecht mit "Unrecht" bezeichnen und nicht alle so tun, als sei Missbrauch normal. Vielleicht - oder wahrscheinlich - hätte ich mich dann nicht so völlig mutterseelenallein und im Unrecht gefühlt.
Und wer weiß - vielleicht hätte es auch bei meinen Eltern was geändert, wenn sie festgestellt hätten, dass sie nicht Alleinherrscher sind, sondern dass beachtet wird, was sie tun. Oder vielleicht hätte meine Mutter die Kraft gefunden, dank dieser Unterstützung von außen was zu unternehmen.
Das alles kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber so tun, als ob nichts wäre - das ist keine Alternative.
Massashi



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