Wieder eine Sitzung, und ab heute nun 25-mal wöchentlich. Ich hatte meinen Anamnesebogen abgegeben, der mir einige interessante Aspekte aufgezeigt hat. Unter anderem, was meine bisherigen Beziehungen anbelangte. Die richtigen Fragen reichen manchmal schon!
Thema der Sitzung war meine Kindheit gewesen und mein Verhältnis zu Mutter und (Stief-)Vater. Erschreckend, wie wenige Erinnerungen ich noch daran habe. Und wenn, dann nur schlechte. Mir fiel auch nicht ein einziges Beispiel ein, wo meine Mutter mich in irgendeiner Art und Weise gelobt hat. Das fand ich wirklich erschreckend, weil ich selbst gedachte habe: Na komm schon, irgendetwas muss doch auch gut gewesen sein!!! - Aber wie verhext: Keinerlei Anerkennung, nur Hohn und Spott, Abwertung, Vernichtung
Krass........
Da ich auch nie auch nur ein gutes Wort über meinen leiblichen Vater gehört hatte, ganz im Gegenteil, sagte die Therapeutin irgendwann, dass es wirklich interessant wäre, dass meine Mutter offenbar ihren ganzen Hass (vermutlich auf meinen Vater) vollkommen auf mich projeziert hätte.
Wieder eine neue Erkenntnis, eine Sinn machende, auf die ich trotz aller angelesener und angelernter Theorie nicht gekommen bin.
Schon jetzt, nach drei Sitzungen, hat sich das gelohnt für mich. Es arbeitet in mir, ohne dass Sand im Getriebe ist. Ich merke das, weil ich meinen Alltag trotz allen Denkens gut zu bestreiten vermag - was ja nicht immer der Fall gewesen ist.
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Thema: Wer bin ich?
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07.03.2011, 19:38Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
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17.03.2011, 15:53
AW: Wer bin ich?
Probier doch mal folgendes aus:
Da kannst du an einer aktuellen Studie der Universität Zürich teilnehmen. Gesucht werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine Online-Untersuchung zum Thema Charakterstärken. In dieser Untersuchung eines Forschungsteams von der Fachrichtung Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik können die Teilnehmenden mehr darüber erfahren, welches ihre individuellen Charakterstärken sind. Nach Abschluss der Studie erhalten alle Teilnehmenden ein individuelles Profil über die persönliche Ausprägung von 24 verschiedenen Charakterstärken. Die Bearbeitung der Untersuchung dauert insgesamt ca. 90 Minuten.
Zur Studie: www.charakterstaerken.ch
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18.04.2011, 05:56Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Ich glaube, es pendelt sich alles so langsam ein. Ein Level ist erreicht, von dem ich behaupten mag, das wäre jetzt das, was es eben ist. Kein Drama, kein Down. Medium halt.
Manchmal habe ich Sehnsucht nach jemanden, der abends auf mich wartet, mit dem ich mich über dies und das unterhalten kann, der mich versucht zu verstehen, mich auch mal in den Arm nimmt - einfach so. Das habe ich nicht, und so schnell wird das wohl auch nichts werden. Diese Sehnsucht ist normal, ich weiß. Ich versuche sie anzunehmen, was abends schwerer, morgens leichter fällt.
Manchmal denke ich, dass ich gar keine Beziehung mehr haben will, weil ich mir gar nicht vorstellen kann, dass irgendein Mannn wie selbstverständlich den Schlüssel zu meiner Wohnung hat und die Schwelle derselben übertritt, mich vielleicht einschränkt und mit Fragen wie "Wann gibt's denn Abendsbrot?" unter Druck setzt.
Ich schätze mal, diese zwei Seiten sind bei vielen im ewigen Kampf miteinander?!
Hochgekommen ist mir meine Missbrauchsgeschichte. Ich traue mich nicht nur, sie zu beschauen und in Bilder zu kleiden. Auch Zusammenhänge werden mir klar(er), die ich vor wenigen Monaten noch gar nicht habe sehen können.
Zum Beispiel brach ich nach dem Sex beinahe immer in Tränen aus (wusste nie, weswegen und war oft peinlich berührt deshalb). Heute weiß ich, dass das mit früher zusammenhängt... Ich empfinde Lust und schäme mich dafür. Ein katastrophaler Missbrauchs-Klassiker
Ob das jemals aufgelöst werden kann? Ich habe geradezu Panik, wieder mit einem Mann zu schlafen. Gelgenheit dazu gäbe es durchaus. Aber dann wieder flash-backs zu haben und Rotz und Wasser zu heulen und mich schxxxxe zu fühlen... Da rast mein Puls schon beim bloßen Gedanken daran. Hinzu kommt, dass ich das Gefühl habe, langsam in ein Alter zu kommen, wo ich diesen ganzen Liebe-Kram nicht mehr durchmachen will. Also verschließe ich mich!
Werde ich jetzt also keine Beziehung/Partnerschaft mehr leben können? War es das in dieser Hinsicht?
Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob es nicht auch eine Lösung für mich und meine psychischen Probleme sein könnte, Beziehungen bewusst zu meiden, um stabil zu bleiben. Geht so etwas überhaupt? Ist es doch nur ein Versuch, Kontrolle über sein Leben zu erlangen (also ein vergeblicher)? Ist es tatsächlich Lebensaufgabe, sich wieder und wieder den Ängsten zu stellen, sie wieder und wieder neu zu durchleben? Glaubt man den Psychologen, verschwinden sie niemals ganz. Wozu dann der ganze Schmerz?
Schlaflos(e) Grüße
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18.04.2011, 08:15
AW: Wer bin ich?
"...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')
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18.04.2011, 09:10Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Vielleicht braucht's einfach noch ein bissel Zeit, liebe schlaflos, dich wieder wirklich auf einen Mann einlassen zu können. Mit allem, was dazugehört, also auch Sexualität. Mir geht es sehr ähnlich wie dir, was dieses Thema betrifft und ich habe mich diesbezüglich seit drei Jahren 'verschlossen'. Und mir gleichzeitig das erste Mal im Leben auch diese Zeit dafür genommen, ohne in (die mir bekannte) Panik zu verfallen, das war es jetzt für's Leben. Auch wenn ich immer wieder meine Zweifel habe, ob es nicht doch so ist
, erlebe ich aber parallel wie sich durchaus wieder Männer in mein Leben bewegen, und ganz langsam könnte ich mir auch wieder Sexualität vorstellen, die nicht einem Phantasiegebilde entspricht, sondern mit einem realen Mann. Allerdings wirklich ganz langsam
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Vertraue dem Leben und gib' dir Zeit.
Deine Missbrauchsgeschichte hat mich sehr berührt. Ich habe meine sehr verdrängt, keine Erinnerung mehr, nur viele Indizien, dass es Übergriffe gegeben haben muss. Einschließlich der Tränen, die du beschreibst.
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18.04.2011, 09:14Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
P.S. Wenn der richtige Mann kommt, einer dem du vertrauen kannst, der nicht das Muster derer trägt, die immer wieder deine Angst berührt haben und mit dem destruktiven Anteil in dir in Resonanz gingen, dann erübrigen sich die Frage, ob der Schmerz niemals aufhört.
Hast du schon einmal mit Gruppen gearbeitet? Damit meine ich persönlichkeits'bildende' Seminare z. B.?
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18.04.2011, 10:28
AW: Wer bin ich?
Bei welcher Gelegenheit? In der Therapie?
Meine Perspektive dazu ist: Gelegenheit reicht nicht. Es sollte schon mehr Gefühl - auch Verantwortungsgefühl - auf beiden Seiten da sein. Du solltest sehr, sehr sorgsam sein mit der Wahl Deiner Liebespartner!
Ich glaube: ja!
Massashi
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18.04.2011, 19:16Inaktiver User
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18.04.2011, 19:29Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Vertrauen - ist doch vor allem so ein Vorschuss"geschäft". Es wird irgendwie immer schwieriger damit, habe ich das Gefühl.
Woran erkenne ich diesen Menschen, der nicht meine Angst berührt?
Nein.
Der bislang einzige Ort, an dem ich mich traue, relativ offen zu sein, ist dieses Forum hier. Mit meiner Thera habe ich auch erst in der allerersten Sitzung (sozusagen als Anlass-Begründung) über den Missbrauch gesprochen. Seitdem sind viele andere Themen bearbeitet worden; viele Baustellen halt.
Im RL bin ich so - anders. Selbstbewusst. Erfolgreich. Mutig. Fröhlich. Witzig. All die gesellschaftsfähigen Facetten meiner Person. Die doch eigentlich nur einen kleinen Teil ausmachen. Ich bin viel mehr, viel-viel mehr. Auch dunkler. Diese Seite erkenne ich erst mühsam. Sie offenzulegen - das braucht noch sehr viel Zeit, wenn es überhaupt möglich sein sollte. Heute kann ich es jedenfalls gar nicht sehen.
Diese Zeit nehmen, das will ich mir auch. Immerhin lebe ich seit neun Monaten mann-los - erstmalig.
Was mich hoffnungslos macht: Es sind ja keine bestimmten Techniken, die man zukünftig vermeiden könnte, nichts Außergewöhnliches. Da sitzt jemand auf der Bettkante und betrachtet mich... Da nähert sich jemand in der Nacht und umschlingt mich zärtlich von hinten... Das sind doch alles keine Dinge, wo ich einem Partner sagen kann: Also dies und das tu bitte niemals, weil mich das triggert
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18.04.2011, 19:43Inaktiver User
AW: Wer bin ich?
Es begann schon in meiner letzten Beziehung. Da erinnerte ich mich plötzlich an einige Sachen, hatte Ahnungen. Letzten Endes war das auch ein wichtiger Grund, weswegen ich mich für eine Therapie entschieden habe. Ohne, dass das Thema wirklich angefasst wurde während meiner ja erst seit kurzem laufenden Therapie, verfolgen mich diese Bilder, tauchen in seltsamsten Momenten auf, Zusammenhänge erschließen sich wie aus dem Nichts. Es ist ein Puzzle, das sich vor mir zusammenfügt wie von selbst. Teil für Teil. Kein spezieller Auslöser.
Nein, Gelegenheit hätte ich auch reichlich. Im Gegensatz zu "früher" halte ich mich jedoch sehr zurück, bin bislang auf lediglich einen harmlosen Flirt eingegangen. Aus genau dem Gefühl heraus, das deiner Sorge entspricht. Meine Gefühle sind allerdings wie erstarrt; wenigstens spüre ich sie aber.


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