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  1. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Geändert von Inaktiver User (24.11.2009 um 22:49 Uhr)

  2. User Info Menu

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    War aber ne nette Ablenkung...
    hey blueserin,

    genau das erscheint mir ungeheuer wichtig - dass du dich auch ablenken lassen und fröhlichkeit zulassen kannst...

    du zeigst dich mir in deinen beiträgen als eine ernste und nachdenkliche junge frau, kannst dich nicht mit der spaßgesellschaft identifizieren, nimmst nicht alles ungefragt hin - warum bedrückt dich das?

    empfindest du es als ein persönliches manko nicht oberflächlich zu sein? ist diese allgemein um sich greifende "lockerheit " wirklich erstrebenswert für dich?

    diese fragen habe ich mir vor ein paar jahren gestellt und für mich verneint. klar, ich habe dadurch viele kontakte verloren - die, die geblieben oder neu dazu gekommen sind, sind umso wichtiger und wertvoller geworden...

    bleib wie du bist, sei traurig wenn du einen grund dazu siehst. vergiss darüber jedoch nicht, dass es auch ganz viele begebenheiten und situationen zu sehen gibt die dich erfreuen können.

    alles gute für dich (und schlaf gut ) - sihir

    p.s.
    meist sind es die großen dinge (das elend der welt) oder einschneidende erlebnisse (verlust eines lieben menschen) die uns traurig werden lassen.

    und meist sind es kleinigkeiten, alltäglichkeiten, die uns anlass zur freude geben...
    ich bin nicht wie die anderen. ich bin schlimmer.

  3. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und wenn man genug Ursachenforschung betrieben hat, muss irgendwann der Punkt kommen, an dem man sagt: es ist eben nunmal so. "Zahnschmerzen" lebenslänglich.
    Ich frage mich einfach, ob es besser ist, sich damit zu arrangieren in dem (vorübergehenden??) Gefühl, innerlich zu verkümmern, oder ob ich die ständige Dauerfrage zulassen darf: "Habe ich schon genug getan??"
    Oder ist diese Frage ein Festhalten, das es verhindert, klarzukommen.
    Das hier meine ich, liebe Blueserin, die Worte "es ist nun mal so" und "Zahnschmerzen lebenslänglich" stehen direkt neben "sich damit arrangieren" und "Gefühl, innerlich zu verkümmern".

    So stelle ich mir das natürlich nicht vor, mit dem Schmerz zu leben. Klarkommen heißt nicht "sich arrangieren", denn das ist ja das zähneknirschende "es geht ja doch nicht anders". Klarkommen heißt für mich, sich zu akzeptieren, das Sein und das eigene Wesen zu nehmen wie es ist, das Leben und so wie es mit allen Facetten der eigenen Persönlichkeit läuft anzunehmen.

    Ich persönlich würde übrigens nicht die Frage stellen: "Habe ich schon genug getan?" sondern die Frage "Habe ich das Richtige getan?"

    LG, Orlando

  4. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn ich mich in einer Situation jemandem zeige, in der ich gerade ohnehin extrem verletzlich bin (weil traurig), dann erfordert es schon sehr viel Mut zu sagen: "Bitte nimm mich jetzt einfach mal so wie ich grade bin". Wenn dann eine Zurückweisung erfolgt (auch durch Entziehen), kommt das nämlich noch zum eigentlichen Zustand der Verletzlichkeit dazu, und es geht dann über meine Kraft, das wegzustecken.

    Aber es ist einen neuen Versuch wert, das nächste Mal zu sagen: lass uns einfach einen Kakao zusammen trinken. Nichts weiter.
    Kreide es den Menschen nicht an, denn es ist wirklich sehr, sehr schwer, in einen unglaublichen Abgrund zu blicken und nicht reflexartig zwei Schritte zurückzutreten. Es ist NICHT absichtlich, nicht böse gemeint und auch nicht oberflächlich (ich habe gefühlte hundert Jahre gebraucht, um diese Aussage von Herzen treffen zu können). Sie schützen sich damit vor dem Fallen, vor dem Hineingezogenwerden in einen Dschungel oder Strudel (oder vor was auch immer sie da gerade erschrocken sind), für den sie zu wenig oder gar keine geeignete Reise-, Kletter- oder Flugausrüstung haben.

    Kannst Du Dich vielleicht ein bisschen dafür wertschätzen, dass Du Dich in diesem Dschungel zurechtfindest? Dass Du weißt, wo Du das Licht anmachen musst, wo die Luftdüsen für die Sauerstoffversorgung (in Deinem Pool) sind und wie Du zumindest das gröbste Dickicht an Algen weghaust, damit Du auch ab und zu mal im Alltag der anderen mittun kannst? Das ist eine großartige Leistung, nicht viele in Deiner Situation können sie aus eigener Kraft erbringen!


  5. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Puuuh, bloß kein mehr heute...

    Dank euch, ich werde morgen dazu schreiben!

  6. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Eine Frage (bitte nicht wertend verstehen): warum ist es wesentlich für Dich, Dich mitteilen zu können? Was genau ist daran gut oder heilsam?
    Hallo Ihr lieben,

    ich bin hier völlig fasziniert hängengeblieben, habe gelesen und hoch und runtergescrollt. Und bin total bewegt. Vielleicht ist es ein Punkt an dem ich selber hängengeblieben bin in meiner Entwicklung, gerade was den Ausdruck angeht.

    Ich lese still mit und trinke auch gern ein Gläschen (hab auch schon eins intus, auch mit so einem Menschen, der sofort anfängt von sich zu erzählen ) und freu mich auf einen neuen Post.

    die anmerkende Schlischla

  7. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Klar gibt es die.
    Und?? Was nützt es einem, darum zu wissen?
    Weil ich mir ein Bild mache. Und dieses Bild beschränkt sich nicht auf die Blueserin der Gegenwart.

    Jeder Mensch ist ein Gemälde. Ein unvollendetes Werk. Jeden Tag kommen neue Farben und Formen hinzu. Manche überdecken sich, manche ergänzen sich, wieder andere löschen sich aus.

    Wir kommen bereits mit einer Pallette an Farben auf die Welt. Diese sind teilweise verblasst, manche sind verschmutzt, wieder andere sind noch unvollkommen bei anderen fehlt die Leuchtkraft.

    Nach der Geburt bekommen wir eine Leinwand und einen Pinsel in die Hand gedrückt.
    Dann wird uns gesagt, wie wir zu malen haben. Ob diese Technik für uns passend ist stellt sich erst nach einiger Zeit raus. Es werden Löcher in die Leinwand gemacht, von uns selbst oder von anderen und für manche der Löcher reicht ein Leben nicht aus diese zu reparieren.

    Um so ein Gemälde in seiner Einzigartigkeit zu begegnen und es zu würdigen frage ich die einzelnen Farben ab.
    Manchmal reicht dann schon den Pinsel in die andere Hand zu nehmen, bei anderen muss eine Farbpallette ausgetauscht werden und bei wieder anderen ist es eine Kombination dessen.

    Neugierig bin: Womit hat sie dann zu tun?
    Ich möchte darauf nicht antworten!

    Es gibt Phasen des "Besser-Gehens".
    Aber sie stehen in keinem Verhältnis, und v.a. kommen sie, ohne dass ich weiß wodurch, und sie haben deswegen nichts mit Selbstbestimmtheit zu tun. Also kann ich sie auch nicht bewusst herbeiführen, leider.
    Glaube ich, auch den Frust, die Hilflosigkeit und Ohnmacht keine Wahl zu haben!
    Ist das ein Grundgefühl bei Dir? Keine Wahl zu haben?

    Das "Nein danke"- Sagen beherrsche ich viel zu gut!
    Passt die Situation und der Augenblick oder ist es eher der Schutz?

    Hat man Dir überhaupt schon mal zugehört? Nicht nur jetzt sondern schon früher?

  8. User Info Menu

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Puuuh, bloß kein mehr heute...
    hey - das war ein alkoholfreiercocktailabsacker!!!

    (ein bisschen ot: ich trinke aus prinzip keinen alkohol, in meiner familie gab es genug menschen die sich das leben schön getrunken haben...)

    gruß - sihir
    ich bin nicht wie die anderen. ich bin schlimmer.

  9. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Ihr seid wirklich wunderbar!
    Das habe ich nicht für möglich gehalten.

    Heute ging mir den ganzen Tag über immer wieder das Pool-Bild durch den Kopf, liebe Orlando- was für eine Phantasie, das ist so konstruktiv und ein richtig wertvoller Ansatz!
    Ich nehme das wie ein Schwamm in mich auf- wissend, dass ich es noch umformen will, damit es zu etwas Eigenem werden kann.
    stecher36, auch Dein Farbenbild ist so gut und so tröstlich-
    ich bin euch wirklich sehr dankbar!

    Ich dachte gerade so: Was aber, wenn es im Pool einen Wasserrohrbruch der Hauptleitung gibt, nachdem ich ihn in mühevollster Arbeit gerade trocken gekriegt habe. So fühlt es sich nämlich meistens an. Da bräuchte ich dann einen Schnorchel oder so, aber der liegt am anderen Beckenrand, und ich bin wie mit einem Wasserwerfer in die Ecke gequetscht.

    Ich werde testen, wie weit ich meine Phantasie zur Verfügung haben werde das nächste Mal.

    Orlando warum ist es wesentlich für Dich, Dich mitteilen zu können? Was genau ist daran gut oder heilsam?
    Das ist eine interessante Frage.
    Es ist zu einem Glaubenssatz geworden, dem noch die empirische Bestätigung fehlt.
    Ich habe ihn in den 17 Jahren meiner Auseinandersetzung (bin 33) immer wieder vermittelt bekommen, von verschiedenen Therapeuten und vor allem durch die Bibliotheken von Büchern, die ich las.

    Immer geht es darin um die "Katharsis", dass man lernt, jemandem so zu vertrauen, dass man sich auch mit seiner ganzen Untiefe zumuten kann. Damit werde das Gefühl dann überflüssig. Bei manchen reiche einmal, bei anderen muss es oft geschehen (z.B. bitterlich weinen).
    Ich habe mich damit zunehmend selbst unter Druck gesetzt.
    Und es wurde dadurch immer unmöglicher. Warum, weiß ich nicht!
    Das waren durchaus Menschen, die es womöglich "ertragen" hätten, bei denen ich "es versuchte" (schon dieser berechnende Ausdruck...! grrrr!)
    Es ist zu einem Automatismus geworden, leider.
    Da gibt es eine Situation, wo ich im Kontakt mit jemandem plötzlich ganz nah an meinem Kummer bin-
    und der Kopf schießt sofort quer: Haaaa eine Träne, jetzt aber!
    Und weg isse.
    ("Was?! Du warst traurig? "

    warum bezweifelst Du, dass es einen solchen Menschen oder gar mehrere für Dich geben könnte? Aufgrund einschlägiger Erfahrungen?
    Ja. Die ich aber sicher selbst unbewusst bewirkt habe irgendwodurch.
    Ohne zu verstehen, wie.

    ich habe den ersten Menschen, der das konnte, mit knapp 40 Jahren kennengelernt. Der auch einen unendlichen Pool von Leid und Schmerz aushalten konnte ohne daran selbst zugrundezugehen. Der selbst heil ist, aber nicht den Anspruch hat, dass ich es auch sein soll
    Das ist so gut, tröstet ungemein, wie alles, was Du schreibst- und ich freue mich sehr für Dich, es ist ein großes Geschenk.

    aus Deinen Beiträgen heute meine ich herauszulesen, dass Du doch Hoffnung hast, Deinen Schmerz zu überwinden. Wenn das so sein sollte: tue alles dafür! Ein Leben, in dem Du nur glaubst, noch nicht genug für Deine Heilung getan zu haben und das Dir deshalb das Gefühl vermittelt, auf ganzer Linie versagt zu haben: das wäre kein Leben. Magst dazu noch mal ein paar Worte sagen?
    Hoffnung, den Schmerz zu überwinden, habe ich eigentlich nicht.
    Ich hoffe noch mit einem letzten Rest, einen guten Umgang mit ihm zu finden.
    Ich glaube, ich kann überhaupt auch gar nicht anders, als weiterzumachen, zu suchen, zu probieren.
    Auch wenn es schon mehrmals richtig auf der Kippe stand.
    Das einzige, das ich wirklich zu verhindern, zu VERMEIDEN habe, ist:
    der Angst Raum zu geben, mir könnte endgültig die Kraft ausgehen.
    Die nicht zuzulassen ist keine Verdrängung, sondern Überlebenstrieb.
    Leider zieht oft alleine das schon zuviel Kraft ab.

    Klarkommen heißt für mich, sich zu akzeptieren, das Sein und das eigene Wesen zu nehmen wie es ist, das Leben und so wie es mit allen Facetten der eigenen Persönlichkeit läuft anzunehmen.
    In der Theorie heißt es das für mich auch.
    Mit dem Wort "annehmen" habe ich aber immer so meine liebe Not.
    Manche Aspekte des "so Seins wie man ist" machen entsetzlich EINSAM. Das ist ein (zu) hoher Preis.

    Ich persönlich würde übrigens nicht die Frage stellen: "Habe ich schon genug getan?" sondern die Frage "Habe ich das Richtige getan?"
    Dieser Satz gehört ins Limbische Hirnsystem graviert. (Warum gibt es kein Kniefall-Smilie?...)

    Kreide es den Menschen nicht an, denn es ist wirklich sehr, sehr schwer, in einen unglaublichen Abgrund zu blicken und nicht reflexartig zwei Schritte zurückzutreten. Es ist NICHT absichtlich, nicht böse gemeint
    Nein, das tue ich nicht, ich weiß es. Es entmutigt nur manchmal eben noch so zusätzlich.

    An der Wertschätzung meiner Ausdauer ("Orientierung im Dschungel") arbeite ich noch...
    Geändert von Inaktiver User (25.11.2009 um 20:51 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Umgang mit Traurigkeit

    Liebe sihir- auch Dir den liebsten Dank!


    Zitat Zitat von sihir Beitrag anzeigen
    genau das erscheint mir ungeheuer wichtig - dass du dich auch ablenken lassen und fröhlichkeit zulassen kannst...
    Ja, das geht schon auch.
    Und weil da oft so eine Art "schlechtes Gewissen" zwischenfunkt (mit vielen verschiedenen Argumenten), ist es gut, diesen Satz zu lesen!

    empfindest du es als ein persönliches manko nicht oberflächlich zu sein? ist diese allgemein um sich greifende "lockerheit " wirklich erstrebenswert für dich?
    Ja, manchmal schon.
    Nicht als ein Manko direkt, aber als ein Hemmnis, zurechtzukommen.
    Ich mache immer wieder die Erfahrung, andere mit mir zu "überfordern" (klingt sehr hochmütig, ist mir bewusst).
    Deswegen sind wenig neue "wertvolle" Kontakte in den letzten Jahren hinzugekommen, denn ich lasse es nicht zu.
    Lieber überhaupt welche mit kleinen verschiedenen Berührungspunkten.
    Der Grundschmerz ist auch einfach zu dominant-
    es ist viel an möglichen Berührungspunkten durch ihn verschüttet, die mir dadurch gar nicht zur Verfügung stehen, von denen ich nicht einamal weiß.
    (es ist grad heute ein neuer Strang dazu eröffnet worden- "wer bin ich?")

    meist sind es die großen dinge (das elend der welt) oder einschneidende erlebnisse (verlust eines lieben menschen) die uns traurig werden lassen. und meist sind es kleinigkeiten, alltäglichkeiten, die uns anlass zur freude geben...
    WIE WAHR !

    ( --> Milch mit Honig! )

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