Liebe Moringanita,
ich kann Ditha gut verstehen, wir beide befinden uns auch in einer anderen Lebensphase als Du. Was uns mit Dir vereint ist, dass etwas ganz Essentielles in unserem Leben fehlt.
Es hat nichts mit fehlendem Selbstwertgefühl zu tun, wenn man sich in bestimmten Lebensphasen nach dem Sinn für etwas fragt - das sehe ich inzwischen als einen ganz normalen Vorgang an. Hinterfragen ist immer gut, um den richtigen Weg nach vorne zu finden. Ich selbst habe mich auch oft gefragt: Wozu das Ganze? Was ist aus meinen Lebenszielen geworden?
Mit den Jahren bin ich dankbar für alles geworden, was ich erleben durfte, auch, wenn es eben nicht wie im Märchen ausgegangen ist, auch wenn es schwierig war, so hat die Erfahrung dennoch meine Persönlichkeit geprägt, aber mich nicht zerstört. Im Gegenteil: Alle Erfahrungen habe ich so einsortieren können, dass sie etwas wert sind. An die glücklichen Momente erinnere ich mich mit Freude und nicht mit Frust. Das hat meiner Meinung nach nichts mit Macht des OdB zu tun, sondern mit dem Erleben des eigenen Glücksgefühls. Jeder Mensch zieht seine Motivation aus unterschiedlichen Situationen.
Oh, ich kenne das "Kreisen ums Handy" (früher war es noch das normale Telefon) sehr gut. Im Grunde war es meine eigene Ungeduld. Ich kann nicht erwarten, dass jemand ständig für mich da ist, nur weil ich mich nach ihm sehne. Diesen Teil der Ungeduld trage ich immer noch in mir, aber ich gehe gelegentlich schon dazu über, über mich zu grinsen.
Hoffen und Bangen, das wird man im Leben wohl immer. Nichts im Leben ist sicher (außer der Tod - aber das wissen sicher alle).
Ich denke es ist wichtig, die richtige Balance im Leben zu finden - auch diese Belastungen sind ein Teil der Erfahrungen, die das Leben einfach mit sich bringt. Du wirst irgendwann einmal merken, dass Sie Dich stärken können, auch wenn Du sie derzeit noch als sehr belastend empfindest. Gerade deswegen bin ich überzeugt davon, dass Du Deinen Weg finden wirst, Du wirst Sex haben, Du wirst das Leben genießen können.
Du willst Dich wirklich mit einem niedrigen Euphorielevel zufrieden geben?Ich hoffe, Du setzt Dich damit nicht zu sehr selbst unter Druck.
Anima
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Thema: Ungelebte Sexualität
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09.12.2009, 11:35Inaktiver User
AW: Ungelebte Sexualität
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09.12.2009, 11:39Inaktiver User
AW: Ungelebte Sexualität
Liebe Ditha,
wir stehen beide eigentlich mitten im Leben, warum denn alles aufgeben? Ist man nur in einer lebenslänglichen Partnerschaft wirklich glücklich? Ich erlebe zu viele Partnerschaften, wo beide Partner eigentlich doch alleine sind.
Ich möchte z. B. endlich lernen, offen zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen. Das bedeutet für mich die Entlastung. Ich glaube auch nicht, dass für Frauen mit Kindern der Verzicht auf Sex eine Entlastung darstellt, es bedeutet doch keinen Unterschied, ob man Kinder hat oder nicht.
Darf ich fragen, was für Dich die Verlockung bedeutet?
Anima
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09.12.2009, 13:51
AW: Ungelebte Sexualität
Liebe Anima,
danke für Deine Antwort, ich habe das Gefühl, wir ticken ähnlich.
Mit Verlockung habe ich gemeint, dass es viel Druck rausnehmen kann, wenn man mit dem ganzen Thema Beziehungen bewusst abschließt. Es gibt Leute, die das für sich so entschieden haben und die auf mich zwar nicht glücklich, aber auch nicht besonders unglücklich wirken. Die sind so um die 50. Ich finde schon, dass das eine Option ist, wenn es jahre- oder jahrzehntelang nicht geklappt hat mit der Partnersuche. Allerdings sehe ich das wirklich als Notlösung an, weil man einfach nicht mehr mag.
Eine Notlösung ist es, weil es ja nicht nur Verzicht auf Sex bedeutet, sondern auch Verzicht auf Liebe mit allem was dranhängt (Motivation; sich am anderen reiben und dadurch sich weiterentwickeln; sich angenommen fühlen; usw.) Vieles kann man auch ein Stück weit in Freundschaften bekommen, aber mit dem Sex ist es schwierig, wenn man keinen Affairen mag, und vor allem auch mit der Motivation.
Ich tu mich schwer, die Motivation nur aus mir selbst zu ziehen. Ich glaube, das ist normal und hat wirklich nicht unbedingt was mit fehlendem Selbtwertgefühl zu tun. Ich sehe z.B. an Leuten, die Kinder haben, dass sie eine ganz andere Motivation haben als ich, arbeiten zu gehen. Die können zur Not die miesesten Jobs machen, weil sie ihre Kleinen lieben und ihnen ein schönes Leben bieten möchten. So wie Nietzsche sagte: "Wer ein Wozu hat, erträgt jedes Wie". Ich kenne z.B. eine alleinerziehende Mutter, die seit 12 Jahren in der Altenpflege im Nachtdienst arbeitet. Wer hält das aus, wenn er nicht eine starke Motivation hat? Oder manche bringen ihre Kinder durch indem sie Tag für Tag schlecht bezahlte Sprachkurse an der VHS oder Nachhilfe geben und dafür im ganzen Landkreis herumfahren müssen.
Das sind nur Beispiele dafür, dass Liebe sehr wohl eine motivierende Kraft hat und die fehlt mir vielleicht noch mehr als der Sex. Es stimmt schon: wenn solche Frauen auf Partnerschaft und Sex verzichten müssen, haben sie auch ein Problem. Ich wollte nicht sagen, dass man den fehlenden Sex durch Kinder kompensieren kann. Ich sehe sogar die Gefahr, dass man den Mangel an Sex als Mutter leichter verdrängt und mit der Zeit ganz vergisst, dass man ja auch noch Frau ist. Das passiert uns nicht so leicht.
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09.12.2009, 14:15
AW: Ungelebte Sexualität
Liebe Moringanita,
Deine Reaktionen sind verständlich, aber glaube mir, ich bin durchaus emanzipiert, schon meine Mutter war frauenbewegt und hat mich entsprechend erzogen, aber komischerweise bleibt eben doch ein Rest Abhängigkeit vom anderen Geschlecht, den die Frauenbewegung nicht wegerklären kann. Ich habe da regelmäßig Diskussionen mit meiner Mutter.
Das heißt nicht, dass ich mit meinem Selbtwertgefühl schon zufrieden bin. Da habe ich durchaus noch Defizite und muss dran arbeiten. Ich muss noch besser für meine Wünsche und Bedüfnisse eintreten, wenn ich mit einem Mann näher zu tun habe. Das fällt mir schwer.
Aber so weit zu gehen wie Du und zu sagen, ich will nicht mehr leiden, ich werd jetzt alleine glücklich, das ist das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Wie gesagt als Notlösung ist das durchaus eine Option. Aber ich habe das Gefühl, Du machst Dir nicht klar, wie gewaltig dieser Verzicht ist und dass es wirklich nur eine Notlösung sein kann.
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13.12.2009, 12:29Inaktiver User
AW: Ungelebte Sexualität
Liebe Ditha,
Ich habe mir überlegt, wie viele Erwartungen oft an den anderen gestellt werden, nur weil man miteinander Sex hat. Eine Erwartungshaltung der Partnerschaft für die Ewigkeit? Nestbau, Kinder usw.? Nichts ist für die Ewigkeit bestimmt, aber man sollte lernen, das Heute besser zu genießen, ohne Reue. Denke ich an meine Zeit wo ich jünger war, ich glaube ich war oft völlig verkrampft, weil ich mich unter Druck fühlte, endlich "den Richtigen" zu finden. Das beste im Leben habe ich erst erfahren, als ich nicht mehr daran dachte.
Ich glaube überhaupt, dass viele Frauen gerne ihr Bedürfnis verdrängen und die Energie in andere Dinge stecken. Auch ich zähle mich dazu, bin ein ganz toller Verdränger geworden und habe alles in den Beruf gesteckt, gar nicht mehr gemerkt, dass ich Bedürfnisse habe. Jetzt, wo der Beruf in den Hintergrund gestellt wird, spüre ich erst die Auswirkungen. Ich wünsche mir intensive Erleben - gefühlsmäßig, sexuell - alles
Noch bin ich "jung" genug. Das ist ein Teil meiner Persönlichkeit, den ich nicht mehr unterdrücken möchte. Das Leben kann doch auch schön sein, oder?
Anima
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13.12.2009, 15:20
AW: Ungelebte Sexualität
Hallo Anima,
das sehe ich ganz anders. Ich habe für mich festgestellt, dass diese Erwartungen unvermeidlich sind, und finde das auch in Ordnung. Deshalb sind ja auch Affairen nichts für mich. Für die Ewigkeit muss eine Beziehung nicht sein, so weit denke ich gar nicht. Aber eine gewisse Perspektive des "Wir probieren es miteinander" brauche ich.
Wenn das nicht zu haben ist, gibt es zwei Möglichkeiten: mit dem Thema abschließen oder sich mit weniger zufrieden geben und den Moment genießen. Letzteres ist wirklich schwierig, aber trotzdem die bessere Lösung. Bei mir geht das aber nur noch ohne Sex. Ich treffe den Typ ab und zu, freue mich an seiner Existenz, bin erstaunt, wie schön ich ihn finde, studiere seinen Charakter, träume nachts von ihm, usw.
Wenn ich mich mit befreundeten Paaren treffe, habe ich nie das Gefühl, dass die was haben, was ich nicht habe. Ich bin nicht neidisch und habe kein Gefühl des Mangels. Immerhin kenne ich einen wunderbaren Menschen. Ich glaube, das meinst Du mit "Man soll das Heute genießen" und da gebe ich Dir recht. Allerdings wenn Sex im Spiel ist, bin ich zu verletzlich. Das lasse ich lieber sein. Die Gefahr, dass dann eine reine Kumpelbeziehung daraus wird, besteht trotzdem nicht. Erotik liegt nämlich schon in der Luft und die kann ich auch genießen.
Aber wie gesagt, das ist alles sehr schwierig und ich verstehe jeden, der sagt, nee, mir reichts, mich macht das krank, ich will das nicht mehr. Ich verstehe die TE sehr gut.
Ja, viele verdrängen ihre emotionalen und sexuellen Bedüfnisse, aber Männer noch mehr als Frauen. Männer können das noch besser durch Beruf, Sport und Internet kompensieren, scheint mir.
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13.12.2009, 23:57Inaktiver User
AW: Ungelebte Sexualität
Liebe Ditha,
so weit sind wir gar nicht auseinander. Evtl. habe ich die von mir erwähnten Erwartungshaltungen auch nicht so richtig umschrieben, sondern vielmehr wie Du - "so weit denke ich gar nicht". Das Gefühl, ein Stück zusammen zu gehen, ist doch recht schön. Ich möchte einen Mann schon gerne näher kennen lernen, auch wenn die Zeit nur kurz wird.
Ich kann sie auch sehr gut verstehen. Ich kann ohne Gefühle nicht leben, auch wenn etwas auseinander geht.
Dazu kann ich leider nicht viel sagen
- das kann wohl nur ein Mann beantworten, wäre interessant.
Anima
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20.12.2009, 13:25Inaktiver User
AW: Ungelebte Sexualität
Anima,
ich stimme dir zu. Es ist eine große Inspiration sich für andere Menschen anzustrengen.
Alle großen menschlichen Leistungen sind aus der Sehnsucht geboren.
Ich kenne solche Menschen wie Moringanita - und kriege das Rennen.
Sie tun sich soo leid und neiden anderen ihr Glücklichsein. Mir hat mal eine "Freundin" meine momentane Arbeitslosgikeit geneidet wegen des Zeitfaktors.
Wer alles nur für sich tut stellt Weichen. Er wird hart.
Was ist der Dreh aus dem Selbstmitleid heraus zu kommen? Dankbarkeit. Jeder Mensch, auch Moringanita ist mit Gaben gesegnet für die er nichts getan hat. Das wird aber als Selbstverständlichkeit angesehen. Ein Teufelskreis.
Man kann wirklich mal Pech mit Männern haben, mit Arbeitsstellen und Kollegen.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten, ich forsche bei mir selber nach und stelle gegebenenfalls fest, ich stelle mich zu doof an oder ich war an der falschen Adresse.
Beides ist nicht leicht zu ändern. Es hilft nicht immer eine Therapie, manchen begegnet nie der richtige Mann. Das hört und liest man so oft. Es gibt Frauen, die wären wunderbare Mütter geworden und wurden es nicht weil ihnen der richtige Mann im richtigen Moment gefehlt hat.
Die leben alle auch weiter und igeln sich nicht ein oder machen einen auf Autisten.
Irgendwie erinnert mich das Eingangsposting an einen Song: denn du hast keine Liebe in dir.....
Ihr fehlt ja nur der Sex.
Ich kenne in meinem Umkreis keinen Mann der mal abgesehen von einer zugestandenen momentanen Enttäuschung oder Verbitterung, so redet.
Auch Männer wollen den ganzen Menschen - und sind oft anspruchsloser als Frauen.
Wenn mal in solche Radiosendungen reinhört, da werden nicht solche Sprüche losgelassen wie kein.... aber mit Auto, regelmässigem guten Einkommen, ohne Anhang....
Eine schöne Weihnachtszeit wünscht sky
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20.12.2009, 14:30Inaktiver User
AW: Ungelebte Sexualität
Ich habe mir nicht alles durchgelesen, und weiß deswgeen nicht, ob und inwiefern sich die Diskussion inzwischen vom Ausgangspost wegbewegt hat. Daher hoffe ich, dass das jetzt nicht off-topic wird, wenn ich meine Sicht zu dem geschilderten Problem äußere.
Ich bin in der gleichen Situation wie Moringanita, und erlebe ein ähnliches Dilemma.
Auf der einen Seite eine brachiale Libido
, auf der anderen Seite nicht gerade spontan, was Intimität mit anderen betrifft. Ganz abgesehen davon habe ich es - egal was landläufig so behauptet wird - nie als einfach empfunden, jemanden auch nur fürs Bett zu finden.
Ob es daran liegt, dass ich nicht gerade Eva Mendes bin, oder ob ich irgendetwas "schwieriges" ausstrahle, vermag ich nicht zu sagen.
Grundsätzlich stehen wenn dann eher "weiche" Männer auf mich, die etwas (körperlich) labiles haben, deren Erotik ich persönlich einfach nicht sehen kann. Die "mänlichen" (nein, ich rede nicht von irgendwelchen unerreichbaren Adonissen), die ich dann als doch recht weibliche Frau körperlich anziehend finde, scheinen an mir im Allgemeinen nichts zu finden.
Bei den wenigen Versuchen, Sex außerhalb von Beziehungen zu erleben, blieb meist ein bitterer Nachgeschmack. Entweder ich habe mich auch an falscher Stelle verliebt, oder der Mann hätte unter anderen Umständen für mich die erotische Ausstrahlung eines Badelatschens besessen. Oder gar beides.
Jedenfalls hat es mir doch ein gutes Stück geholfen zu sehen, dass das zum Großteil meine eigene Entscheidung ist. Zumindest, wenn es wirklich nur um Sex geht. Den kann man ja haben, aber man weiß eben auch irgendwann, was für einen dabei herauskommt.
Somit entscheidet man sich durch den Sexverzicht für den Weg, mit dem es einem besser geht. Das finde ich einem selbst gegenüber wiederum sehr liebevoll.


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