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    Sozialisierungskrise

    Hi, gerade komme ich von einem herrlichen Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein und entgegen kamen mir überwiegend Pärchen. Das hat mich mal wieder zum Grübeln gebracht. Ich habe gerade, ich nenn es mal eine Sozialisierungskrise oder genauer ausgedrückt eine Anpassung an die Gesellschaftsnormen-Krise. Ich, 39, hatte noch nie eine längergehende Beziehung, viele Kurzgeschichten, Affären, ect. Ich hatte nie das Bedürfnis verspürt, eine dauernde Beziehung einzugehen, wenn ich mal tief in mich hineinhorche. Meine Mutter meinte mal, der Traum jedes Mädchens sei es, in Weiß zu heiraten und Kinder zu bekommen. Ich find den Gedanken einfach nur öde, spiessig, konservativ, erschreckend, freiheitsraubend. Um mich herum wird gerade geheiratet, was das Zeugs hält, Kinder werden geboren und ich versteh all das nicht, wie man das haben will. Wie kann man sich zeit seines Lebens an nur einen Menschen binden. Find ich voll langweilig! Und das ist für mich einfach so das erschreckende, dass ich so ganz anders ticke. Ich komme mir vor wie der totale Außenseiter, einer der nicht ganz normal ist und ernte mitleidende Blicke, weil es bei mir mit den Männern nicht klappt. Aber eigentlich klappt es ja, ich lerne viele kenne, habe schönen Sex mit denen und manchmal denke, wäre ja auch schön, mal an einem Sonntagnachmittag Händchen haltent durch die Gegend zu spazieren oder gar zusammenzuziehen, andererseits bekomm ich davor den Graus. Nur von einem für ewig? Never!!! Ich dachte immer, warte mal ab, bis der Richtige kommt, willste das auch alles. Aber so langsam glaube ich, dass ich das im Grunde meines Herzens gar nicht möchte. Ach, ich hab das jetzt alles irgendwie so wirr geschrieben, ich hoffe, ihr versteht's

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    AW: Sozialisierungskrise

    Wenn Männer so leben, nennt man sie "Hagestolz".

    Zitate aus der Literatur:

    „Ein alter Hagestolz, alle Gebrechen seines Standes in sich tragend, geizig, eitel, den Jüngling spielend, verliebt, geckenhaft!“
    – E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder

    „Und sich als Hagestolz allein zum Grab zu schleifen, das hat noch keinem wohlgetan.“
    – Goethe: Faust I, 3092f.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. Inaktiver User

    AW: Sozialisierungskrise

    Och Opelius, wo ist sie denn da eitel? Wo verliebt? Wo geizig? Wo geckenhaft?
    Nirgendwo.
    Ich sehe das bei mir ähnlich. Allerdings gab es mal einen Mann, von dem ich damals gesagt hätte: Ja, für immer. (In der Liebe ist der Moment eben ewig.)
    Das "für immer" schreckt mich nicht ab, wenn es nicht langweilig wird. Es gibt solche Menschen, mit denen das möglich ist. Dir ist Deine Freiheit eben wichtiger. Das ist doch okay und legitim und ich nehme an, Du bist Dir über die Schattenseiten dieses Entschlusses im Klaren.
    Bei mir überwiegt einfach die Vorstellung von einer Beziehung als Gefängnis, als Funktioniermaßgabe für mich, dem Mann und für die Beziehung alles zu tun bis hin zur Selbstaufgabe. Das Durchhalten. Da würgt es mich. Daraus erklärt sich für mich mein Freiheitswille.

  4. Inaktiver User

    AW: Sozialisierungskrise

    Es gibt, wenn auch schwer vorstellbar, Grautöne zwischen Schwarz und Weiss.

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    AW: Sozialisierungskrise

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Wenn Männer so leben, nennt man sie "Hagestolz".
    Na hoffentlich klärst du dann auch die betreffenden Männer immer
    auf, dass sie "Hagestolze" sind.

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    AW: Sozialisierungskrise

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das Durchhalten. Da würgt es mich. Daraus erklärt sich für mich mein Freiheitswille.
    Toll geschrieben!

    Ich sehe das für mich im Moment auch so. Was passiert, falls irgendwann mal ein Mann auftauchen sollte, der mein Herz ins Stolpern bringen kann, sehe ich dann, vielleicht wäre ich dann bereit, meine Freiheitsliebe aufzugeben. Aber derzeit kann ich mir das auch überhaupt nicht vorstellen. Ich will derzeit keine Kompromisse eingehen müssen, was ja zwangsläufig zu einer Beziehung dazu gehört. Je mehr fixierte Beziehungen ich erlebe, desto mehr graust es mich davor, ich sehe da für mich eher die Einschränkungen als die positiven Seiten. Vor zwei Jahren hatte ich mal so was leichtes Richtung Kinderwunsch, aber das ist auch völlig abgeflaut.

    Ich bin froh, dass man mit einer derartigen Einstellung heute gut und angenehm durchs Leben kommt, ohne abisoliert als "alte Jungfer" gebranntmarkt zu werden - im Zeitalter des Hedonismus ist man ja bei weitem nicht in der Einzahl.
    Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. (Kierkegaard)

  7. Moderation

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    AW: Sozialisierungskrise

    Liebe Analytikerin

    Mütter haben manchmal eine besonderen Art, einem das Leben zu erklären -- und wenn man dann nachbohrt, kommt gelegentlich raus, dass sie selbst am liebsten ganz anders wären.

    Ich glaub, das hat mit deinem Alter zu tun, so kurz vor 40 hat man schonmal das Gefühl, um einen herum wird nur noch geheiratet und sich fortgepflanzt.

    Wenn es nicht deins ist, dann ist's doch ok. Was scheren dich die Meinungen der anderen? Was prickt dich da?

    Wir leben heute in einer Zeit, wo Lebensmodelle möglich sind, die es bisher in dieser Ballung und offen noch nie so gegeben hat. Single, Paare, Ehepaare mit und ohne Kinder, Patchwork-, Regenbogenfamilien, Getrenntzusammenlebende, Alleinerziehende, Mehrgenerationenfamilien, Kommunen, whatever.
    Das muss sich erst hinfriemeln - und attackiert werden diese 'anderen' Lebensweisen doch oft von denen, die Angst haben, es könne sich etwas ändern.
    Es wäre schön, könne jeder so leben,wie es ihm gut tut.

    Ich bin 46, wieder Single, frag mich immer noch ab und an, wieso ich nie den Drang nach eigenen Kindern hatte und erstaune Leute, wenn ich sage, dass ich mich nie in einem weissen Kleid gesehen habe. Ist halt so.
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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    AW: Sozialisierungskrise

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es gibt, wenn auch schwer vorstellbar, Grautöne zwischen Schwarz und Weiss.
    Na ja, entweder ich habe eine Beziehung oder ich habe keine. Beziehung eingehen, heisst Treueversprechen, nie mehr mit anderen Männern. Da ist nicht viel dazwischen.

  9. User Info Menu

    AW: Sozialisierungskrise

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Wenn es nicht deins ist, dann ist's doch ok. Was scheren dich die Meinungen der anderen? Was prickt dich da?

    Mich prickt an, dass ich mit meiner Meinung und meiner Sichtweise doch eben zu einer Minderheit gehöre. Der Großteil der Menschen, denen ich begegne, und das sind viele, möchten eine Beziehung haben bzw. haben, heiraten und Kinder bekommen. Klar, gibt es immer wieder mal jemanden, der damit auch nichts anfangen kann aber das ist echt schon wie eine Stecknadel im Heuhaufen. Ich dachte bisher halt immer, es gibt mehrere von meiner Sorte aber mittlerweile fühl ich mich als Exot. Und es ist einfach nicht schön, immer so ein bisschen anders zu sein als der Otto-Normalverbraucher. Ich frag mich in letzter Zeit immer, warum das so ist. Es prickt mich an, es kostet mich Kraft, es geht mir auf die Substanz, es grämt mich. Ich möchte mehr von Leuten umgeben sein, die so sind wie ich aber davon gibt's einfach nicht viele. Ach, am liebsten möchte ich so sein wie der Durchschnittsbürger, da hat man's echt am einfachsten

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    AW: Sozialisierungskrise

    Zitat Zitat von Analytikerin Beitrag anzeigen
    Mich prickt an, dass ich mit meiner Meinung und meiner Sichtweise doch eben zu einer Minderheit gehöre. Der Großteil der Menschen, denen ich begegne, und das sind viele, möchten eine Beziehung haben bzw. haben, heiraten und Kinder bekommen. Klar, gibt es immer wieder mal jemanden, der damit auch nichts anfangen kann aber das ist echt schon wie eine Stecknadel im Heuhaufen. Ich dachte bisher halt immer, es gibt mehrere von meiner Sorte aber mittlerweile fühl ich mich als Exot. Und es ist einfach nicht schön, immer so ein bisschen anders zu sein als der Otto-Normalverbraucher. Ich frag mich in letzter Zeit immer, warum das so ist. Es prickt mich an, es kostet mich Kraft, es geht mir auf die Substanz, es grämt mich. Ich möchte mehr von Leuten umgeben sein, die so sind wie ich aber davon gibt's einfach nicht viele. Ach, am liebsten möchte ich so sein wie der Durchschnittsbürger, da hat man's echt am einfachsten
    Meinst Du nicht, der Durchschnittsbürger schaut ab und mal sehnsüchtig zu Dir und wünscht sich weg aus seinem Leben?

    Jedes Lebensmodell hat seine Licht und Schattenseiten (die sich natürlich nur erschließen, wenn man über sich selbst nachdenkt). Anflüge von Zweifeln an der Richtigkeit seiner Lebensführung sind ein Zeichen geistiger Gesundheit (und das Fehlen derselben bedenklich).

    Da Du dich nicht im Rahmen der Norm (definiert als das gemittelte Verhalten der Mehrheit) bewegst, wirst Du dich mit dem Gefühl, einer Minderheit zugehörig zu sein, wohl abfinden müssen. Es steht Dir ja frei, Dein Lebensmodell zur Avantgarde zu erklären, das sollte etwas aufmuntern.

    Gesellschaften, die nicht über ein deutlich mehrheitsfähiges Lebensmodell verfügen, sind vermutlich nicht stabil. Seien wir also froh, daß es nicht zu viele von Deiner Sorte gibt, die gesellschaftliche Dynamik wäre sonst eventuell nicht beherrschbar. Das mag Dir als Individuum (zu Recht) egal sein, mir (als Vater) nicht. Die auch von Dir genutzten Qualitäten unserer Gesellschaft (Wohlstand, Sicherheit, Reproduzierbarkeit, Vorhersagbarkeit) ruhen auf einem konservativen Mainstream (der aber nicht reaktionär sein muß). Nur eingebettet in diesen erhält nicht-konformes Verhalten überhaupt seinen partiellen Glanz und wird lebbar.

    Die Mühe, Dir ein Deinen Vorstellungen entsprechendes Umfeld zu suchen wird Dir aber niemand ersparen können. Das muß der Durchschnittsbürger auch, nur ist es (naturgemäß) nicht so schwer.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

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