Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 19
  1. Inaktiver User

    Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Hallo liebe BriCom Damen,

    ich habe viel im Netz gesurft und viele Foren "durchlesen" bis ich auf Euch gestoßen bin. Seit längerem suche ich nämlich jemanden, mit dem ich mal ganz objektiv über meine Situation sprechen kann, aber im Freundeskreis möchte ich dies mit keinem besprechen, da ich mich (momentan) nicht traue.

    Ich bin mit meiner momentanen Lebenssituation unzufrieden und weiß, dass ich etwas daran ändern muss, weil ich nicht den Rest meines so verbringen möchte. Ich habe nur keine Kraft es zu ändern. Ich habe eigentlich ein ziemlich klares Bild vor Augen, wie es (erstmal) weitergehen sollte, ich frage mich nur, wie lange es dauert, bis ich endlich sage "Schluss jetzt".

    Daher meine Frage an Euch: wie lange hat es gedauert von dem Moment, in dem Ihr wusstet, es muss sich was ändern bis zum finalen Schlussstrich und Neubeginn?

    Ich bin seit sechs Jahren mit meinem Mann zusammen, vor ein paar Monaten haben wir geheiratet. Ich wusste vorher und weiß auch jetzt, dass es ein Fehler war zu heiraten. Ich habe ihn zwar geliebt, aber ich weiß auch, dass ich mit seiner absolut negativen Einstellung der Welt gegenüber nicht ewig Leben kann. Es fehlen auch die kleinen Aufmerksamkeiten im Alltag und halt so viele Dinge, die ich mir von einer Beziehung wünsche. Ich habe mehrfach versucht, dies anzubringen, aber ohne Erfolg.

    Momentan frage ich mich teilweise sogar, ob ich ihn überhaupt noch liebe oder ob es nur noch Bequemlichkeit ist? Uns verbindet ein schönes Haus in schöner Lage, und ich fühle mich sehr wohl hier. Aber manchmal habe ich das Gefühl wir sind nicht ein kinderloses Paar Anfang 30, sondern viel älter mit festgefahrenen Strukturen.

    Wenn ich ganz genau darüber nachdenke, kann ich ihn mir zwar aus meinem Leben auch nicht wirklich wegdenken, da er mir auch Sicherheit und GEborgenheit gibt. Aber manchmal denke ich, mein Leben wäre unbeschwerter ohne ihn. Ich hätte ihn niemals heiraten dürfen, nur kann und will ich so kurz nach der Hochzeit auch nicht sagen, das wars jetzt.

    Ich würde so viel lieber im Norden Deutschlands wohnen, irgendwo in Küstennähe, weil ich mich dort einfach viel wohler fühle als hier in Hessen. Aber ein Umzug mit ihm ist nicht möglich, da er unter keinen Umständen das Haus aufgeben will.

    ich weiß also, dass mein Leben nicht dauerhaft so weiterlaufen soll, wie es jetzt läuft. Aber ich warte seit Jahren auf den Punkt, an dem ich genug Mut aufbringe um mich aus dieser Situation zu befreien. Zumal ich in meinem momentanen Job so wenig verdiene, dass ich kaum meine Miete selbst bezahlen könnte. Ich habe Angst vor dem Schritt, Angst vor den Reaktionen in meinem Umfeld, vor der Einsamkeit, vor dem Scheitern, Angst davor, dass ich den Schritt bereuen werde.

    Daher möchte ich gerne Eure Erfahrungen hören, wie habt Ihr neu angefangen, wie habt Ihr euch dabei gefühlt? Wie lange habt Ihr noch in Eurer alten Situation ausgehalten? Und ist Euer Leben nach dem "Break" besser geworden?

    Ich weiß, dass ich kein Patentrezept finden kann, aber allein das hier aufzuschreiben, tut schon gut.

    Ich danke Euch fürs Zu-Lesen und hoffe, vielleicht ein paar Antworten zu bekommen.

    Amelie

  2. Inaktiver User

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Hallo Amelie!

    Damit wenigstens jemand den Anfang macht, versuche ich es mal.
    Ehrlich gesagt, habe ich absolut keine Ahnung, was man dir raten könnte. Du wartest seit Jahren darauf, der Situation zu entkommen, aber stattdessen hast du dich zusätzlich vor Monaten in diese Ehe verstrickt. Daraus kannst und möchtest du dich nicht "befreien".
    Tja, was soll denn man noch da raten?

  3. User Info Menu

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich hätte ihn niemals heiraten dürfen, nur kann und will ich so kurz nach der Hochzeit auch nicht sagen, das wars jetzt.
    Und was soll es helfen, wenn Du jetzt noch 4 Jahre wartest?

    Hast Du mit ihm darüber gesprochen? Hast Du mal über Paarberatung nachgedacht? Bist Du ein positiver Mensch?

    Wollt Ihr Kinder?

    Tabea
    Bis auf Weiteres a.D.

  4. Inaktiver User

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Hallo Amelie123-

    also ich kann Dir nur von mir erzählen, dass ich ein paar mal recht radikale Neustarts vollzogen habe- immer mit der Feststellung, dass man sich überallhin selber mitnimmt und ich irgendwann an demselben Punkt unter anderen Umständen wieder anlangte.

    Bereut habe ich es trotzdem nicht, denn auch diese Erkenntnis ist sehr viel wert.
    Das Problem liegt (oft- nicht immer) in einem selbst.
    Seitdem mir das klar ist, arbeite ich lieber an meiner Genügsamkeit und Fähigkeit, ZUFRIEDENHEIT empfinden, das JETZT genießen zu können in seinen vielen kleinen guten Schönheiten- anstatt die Gründe in den äußeren bedingungen zu suchen.
    Ein gutes Maß zu finden, womit ich mich arrangieren kann, ohne dass es ungesund ist.
    Was nicht ausschließt, dass ich nicht doch eines Tages nochmal weiterziehe, wenn es sich ergibt.
    Nur diese Einstellung kann meiner Ansicht nach den Nährboden bilden für spontane Tat-Impulse. Ein Warten darauf ist zu forciert.
    Das Gefühl habe ich latent nämlich trotzdem immer wieder, mich nur nicht aufraffen zu können oder zu bequem oder zu ängstlich in meinen vermeintlichen Sicherheiten verhaftet zu sein?

    Was Deine Ehe betrifft- puh, schwierig.
    Eine späte Einsicht, aber gar nicht so selten, kenne einige, denen es so ging. Das eine Paar war 8 Jahre liiert und ließ sich 4 Monate nach der Hochzeit dann scheiden.
    Manche verharren dann verheiratet bis ans Lebensende, haben Affären oder der Crash kommt einfach viel später, wenn plötzlich echte Liebe auftaucht, oder manche werden vielleicht auch mit den Jahren zufrieden mit der Ehe.
    Das kann keiner vorhersagen.
    Und so kann Dir auch kein anderer Mensch den Impuls ersetzen, den Du Dir wünschst und der aus Deinem Innersten kommen muss.
    Geändert von Inaktiver User (16.10.2009 um 15:36 Uhr)

  5. User Info Menu

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    >Zumal ich in meinem momentanen Job so wenig verdiene, dass ich
    >kaum meine Miete selbst bezahlen könnte.

    wie waers, wenn du hier ansetzt und dich beruflich weiterbildest?
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

  6. User Info Menu

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    hallo Amelie123,

    vor 11 Jahren habe ich neu angefangen.
    Auch ich wusste bei der Heirat schon, das er nicht der Richtige ist. Aber es war erst mal die einzige Möglichkeit klarzukommen. Ich war 9 Jahre verheiratet bevor ich es geschafft habe mich zu trennen.Während der letzten 4 Jahre der Ehe lernte mich mich und meine Bedürfnisse kennen und baute mein Selbstbewusstsein auf. Erst dann ging ich eigene Wege. Das war nicht so geplant, aber im Nachhinein sehe ich das so. Ein Puzzleteil kam zum Anderne und ich hatte die Möglichkeit und die Kraft den Schritt zu gehen.

    Heute bin ich wieder verheiratet. Der Mann an meiner Seite schätzt meine Werte und macht mich nicht immer runter. Ich selber kann aber auch mit Kritik viel besser umgehen und kontern, ich kann auch klar sagen was mir nicht gefällt und Dinge einfordern und er ist selbstbewusst genug um das aushalten zu können.
    Sich selbst bekriegen ist der allerschwerste Krieg
    Sich selbst besiegen ist der allegrößte Sieg

  7. User Info Menu

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich bin mit meiner momentanen Lebenssituation unzufrieden und weiß, dass ich etwas daran ändern muss, weil ich nicht den Rest meines so verbringen möchte. Ich habe nur keine Kraft es zu ändern. Ich habe eigentlich ein ziemlich klares Bild vor Augen, wie es (erstmal) weitergehen sollte, ich frage mich nur, wie lange es dauert, bis ich endlich sage "Schluss jetzt".
    Ich habe das 2 mal in meinem Leben durchgezogen: Beziehung beendet, neuer Job, neuer Wohnort, neues soziales Umfeld.

    Das erste mal ein Jahr nach meiner Heirat (ich hatte das Gefühl: das war es jetzt - eigentlich kannst du dir schon einen Plot auf dem städischen Friedhof aussuchen - ich sah mein Leben glasklar vor mir, ohne Überraschungen). Da war ich 22.

    Das 2. Mal mit 28.

    Allerdings bin ich ein Mensch mit extrem viel Energie - und ich würde mich auch als ziemlich mutig bezeichnen. Ich finde meine Entscheidungen, auch wenn sie mit viel Schmerz verbunden waren, bis heute richtig.

    Daher meine Frage an Euch: wie lange hat es gedauert von dem Moment, in dem Ihr wusstet, es muss sich was ändern bis zum finalen Schlussstrich und Neubeginn?
    Wie lange willst du denn warten? Ich will dir damit nicht irgendeine Entscheidung einreden. Ich glaube nur, dass (was immer du auch ändern möchtest) es immer schwerer wird, je länger du wartest.

    Momentan frage ich mich teilweise sogar, ob ich ihn überhaupt noch liebe oder ob es nur noch Bequemlichkeit ist? Uns verbindet ein schönes Haus in schöner Lage, und ich fühle mich sehr wohl hier. Aber manchmal habe ich das Gefühl wir sind nicht ein kinderloses Paar Anfang 30, sondern viel älter mit festgefahrenen Strukturen.
    Schöne Häuser in schöner Lage gibt es viele in diesem Land. Frag dich doch erst einmal, was du vom Leben erwartest. Was ist dir wirklich wichtig?

    Ehe, Familie, Selbständigkeit, Wohnumgebung, Job, Freunde und soziales Umfeld, etc. pp.

    Und dann überlege, was du davon realisieren kannst. In der jetzigen Situation. Oder nach einem Neubeginn.

    Wenn ich ganz genau darüber nachdenke, kann ich ihn mir zwar aus meinem Leben auch nicht wirklich wegdenken, da er mir auch Sicherheit und GEborgenheit gibt. Aber manchmal denke ich, mein Leben wäre unbeschwerter ohne ihn. Ich hätte ihn niemals heiraten dürfen, nur kann und will ich so kurz nach der Hochzeit auch nicht sagen, das wars jetzt.
    Aber wenn du meinst: "das wars jetzt", wäre es ja auch ihm gegenüber fair. Weil dann hätte auch dein Mann die Chance auf einen Neubeginn. Und nicht erst, wenn Kinder da sind oder mit Mitte 50.

    Ich würde so viel lieber im Norden Deutschlands wohnen, irgendwo in Küstennähe, weil ich mich dort einfach viel wohler fühle als hier in Hessen. Aber ein Umzug mit ihm ist nicht möglich, da er unter keinen Umständen das Haus aufgeben will.
    Wenn du dir schon unsicher bist, ob du ihn überhaupt liebst, solltest du ihn nicht noch dazu ermuntern etwas aufzugeben, das ihm anscheinend wichtig ist.

    Was machst du, wenn er darauf eingeht? Haus und Hof verkauft, mit dir nach - weiß der Teufel wo - zieht? Und du anschließend feststellst: Ist ja doch nicht besser geworden mit der Beziehung.

    ich weiß also, dass mein Leben nicht dauerhaft so weiterlaufen soll, wie es jetzt läuft. Aber ich warte seit Jahren auf den Punkt, an dem ich genug Mut aufbringe um mich aus dieser Situation zu befreien. Zumal ich in meinem momentanen Job so wenig verdiene, dass ich kaum meine Miete selbst bezahlen könnte. Ich habe Angst vor dem Schritt, Angst vor den Reaktionen in meinem Umfeld, vor der Einsamkeit, vor dem Scheitern, Angst davor, dass ich den Schritt bereuen werde.
    Wer etwas Neues macht, tut etwas, das er zunächst nicht kann. Rückschläge können vorkommen.

    Nach meiner Scheidung hatte ich keine Freunde (mein Exmann war darauf versessen, dass wir uns nur mit seinen Freunden trafen. Persönliche Freundschaften meinerseits hat er eifersüchtig überwacht und trotzig missbilligt) und meine Mutter hat 1/2 Jahr kein Wort mit mir gesprochen.

    Ich habe sprichwörtlich bei NULL angefangen. Und das 800km von meinem alten Wohnort entfernt.

    Daher möchte ich gerne Eure Erfahrungen hören, wie habt Ihr neu angefangen, wie habt Ihr euch dabei gefühlt? Wie lange habt Ihr noch in Eurer alten Situation ausgehalten? Und ist Euer Leben nach dem "Break" besser geworden?
    Ich habe die Scheidung eingereicht, mir einen neuen Job gesucht und bin für knapp 2 Jahre an den Bodensee gezogen. Diese 2 Jahre gehören zu den schönsten meines Lebens (Sonne, Wasser, Berge, Italien zum Greifen nah - Toll).

    Allerdings, wie ich schon sagte: ich war erst 22 und vielleicht ein Wenig übermütig und naiv.

    Was ich als schwieig empfand, war der Umstand, dass mein Exmann all die Dinge, die mich vorher gestört haben und zu weiten Teilen in der Beziehung begründet waren nun ändern wollte. Aber da war es zu spät. Ich liebte ihn einfach nicht mehr.

    Auch mein Umfeld, das mir massiv zusetzte, fand ich schwierig. Wenn dir alle Welt (inkl. der eigenen Mutter) erklärt, dass du den größten Fehler deines Lebens machst - kannst du schon wankelmütig werden. Der einzige Mensch, der in der Zeit zu mir gehalten hat, war mein Vater. Er sagte immer wieder: wenn es für dich richtig ist, dann zieh das durch. Du hast dein ganzes Leben noch vor dir.
    **************************

    "Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen."
    (Peter Ustinov)


  8. User Info Menu

    smile AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Bei mir war das immer so:
    Ich grüble und grüble, es brodelt irgendwie, es gibt Möglichkeiten A bis D. Keine Entscheidung möglich.

    Dann, eines Tages, bei so etwas Banalem wie zum Beispiel "Schlüssel in die Haustüre stecken" macht es - zack - und das ist sie: Meine Entscheidung.

    Und dann kann man mir nur noch aus der Sonne gehen. Dann wird verändert. Es war rückblickend immer ok so.

    Ich würde mein Leben nicht verplempern in einer Situation, die mir nicht entspricht. Ärmel hochkrempeln, Schritte A bis F klar durchplanen. Wirken lassen - fühlt sich das gut an? Sacken lassen!

    LG Karla

    PS Noch was: Das Wörtchen "MUSS" kann das Unterbewußtsein nicht leiden. Es macht daraus sofort ein "NEIN!", macht die Schotten dicht. Sage "MÖCHTE". Damit fängt dann auch dein Unterbewußtsein etwas an und hilft dir!
    Geändert von Karla48 (18.10.2009 um 10:07 Uhr) Grund: Ergänzung
    The original Karla
    est. 2006


  9. Inaktiver User

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Hallo!

    Deine Kernfrage ist doch "wann ist man bereit für einen Neuanfang?"- stimmts??

    Und das ist dann der FAll- wenn Du tief in Dir weisst, daß jetzt die Zeit da ist dafür!

    Dein Gefühl wird Dir von ganz alleine den Weg weisen......
    Wenn Dein Leidensdruck gross genug ist......wirst Du Wege finden-- um Dich nach einem neuen Job umzusehen....oder um mit Deinen Geldmitteln einen Weg zu finden!
    Du wirst vor allem eines haben- das Vertrauen in DICH......daß Du das alles kannst!

    Solange Du das nicht hast....nützen Dir die besten Worte nichts-- denn DU musst den Weg letztlich alleine gehen-- und dafür musst Du Dir SICHER sein!

    Manchmal kommt es durch Situationen- manchmal durch etwas ganz Alltägliches.......die Einsicht, daß JETZT der Zeitpunkt da ist!!

    Lass Dir Zeit....schau Dich an.....frag Dich, was Dir wichtig ist.....
    Und es werden die Antworten kommen und die Lösungen......

    Und ich weiss- man denkt immer, es muss doch DAS REzept geben- DIE Frage oder Antwort, damit man endlich "reif" ist.....-- meiner ERfahrung nach gibt es das nicht.....denn jeder hat sein Tempo und seine Zeit.....und die Lösung zu allem liegt nun mal NUR in DIR!!

    kenzia

  10. Inaktiver User

    AW: Wer von Euch hat ganz neu angefangen? (Brauche Hilfe)

    Hallo!

    Ich kann auch einen kleinen Beitrag zum "neu anfangen" schreiben, bei mir war das vor gut einem Jahr so.

    Nur mal so als kleine Vorgeschichte: ich bin 26, gebürtige Niederbayerin, hab in München studiert und wohne jetzt in Würzburg. Die Aufzählung meiner Wohnorte gibt wohl schon nen ersten Eindruck von dem, was ich meinte mit neu anfangen.

    Nach dem Abi war mir klar, dass ich zum Studium etwas weiter weg will als so, dass man jeden Tag pendeln könnte. Und die TU München hatte da grad einen sehr neuen Studiengang, der mich wirklich fasziniert hat (heute - im Rückblick - denke ich: ich würd nie wieder so grün an so ein anspruchsvolles Studium gehen, aber ich war eben jung ). Tja, da war ich dann die nächsten 4,5 Jahre, hab harte Zeiten an der Uni erlebt (14 Stunden-Tage etc.), aber auch viele neue Leute kennengelernt und einige von ihnen wurden Freunde. Dann kam die Zeit, meine Abschlussarbeit zu machen und mit ihr wuchs der Wunsch, danach woandershin zu gehen. Dazu kam dann noch, dass mein Opa gestorben ist und meine Oma (nicht seine Frau/Witwe) in ein Pflegeheim ziehen musste und das alles etwa 4 bis 6 Wochen vor meinem Abschluss. Das war dann so der Punkt, wo ich endgültig gesagt habe: ich will nochmal woandershin, was anderes sehen, andere Umgebung, vieles hinter mir lassen. Dazu solltet ihr aber wissen, dass ich in MUC mittlerweile viele Freunde hatte und einer davon sogar mein bester Freund ist. Der allerdings hat gerade das, dass ich weg will, absolut verstanden und mich unterstützt, wo er konnte. Also bin ich losgezogen, hab Bewebungen geschrieben und konnte mir am Ende sogar aussuchen, welche Stelle ich annehme. Mein heutiger Chef hat mir damals sogar noch am Tag meines Vorstellungsgesprächs ein Angebot gemacht. Und ich habe es angenommen, obwohl ich auch an der TU hätte bleiben können (ich bin Doktorandin im naturwissenschaftl. Bereich). Aber ich wusste genau, dass ich was Neues will. Und so bin ich eben in Würzburg gelandet und lebe jetzt seit August letzten Jahres hier. Und was soll ich euch sagen: mir geht's super, ich fühl mich so gut, es gefällt mir hier total gut und mir wurde erst jetzt klar, dass ich in MUC nie so richtig glücklich war. Und ich hab nicht nur meinen Wohnort verändert, sondern auch noch das ein oder andere mehr, z. B. meine Haarfarbe (dunkelbraun statt blond). Es war genau das, was ich gebraucht habe und ich wünsche es dir, dass du die Kraft und den Mut hast, auch von vorne anzufangen, es kann so viele schöne Momente bringen...

    Klar ist es eine schwierige Entscheidung, ich hab ja sozusagen auch alles Vertraute hinter mir gelassen und es wär einfacher gewesen, zu bleiben, man kennt eben schon viele Leute..., aber ich habe gelernt, dass es manchmal viel schöner ist, einen neuen Weg zu gehen, als den alten weiterzuverfolgen, auch wenn das sicher einfacher ist. Aber glaub mir, der neue Weg wird dir viele schöne Erfahrungen bringen, auch wenn er nicht immer so ganz einfach ist (Freunde verlassen, neue Leute kennenlernen, usw.). Und wenn nicht gleich alles nach Plan läuft, bitte nicht aufgeben, es wird schon, bleib dran und glaub dran. Du schaffst das. Und wenn du dich mit dir auseinander setzt und dich fragst, was du willst, dann ist es auch gar nicht so schwer.

    Natürlich bringt ein Neuanfang auch den ein oder anderen Zweifel mit sich oder einsame Stunden, aber auch viele neue und tolle Erfahrungen. Und ich finde es toll, neue Sachen zu entdecken und neue Menschen kennenzulernen. Die Franken sind ein sehr nettes Völkchen, wie ich feststellen durfte (und manche Vorurteile, die man als "richtiger Bayer" hat, sind gar nicht wahr). Nur an den Dialekt musste ich mich gewöhnen, aber das war mitunter auch ganz lustig.

    Nimm dir Zeit, meine Liebe, zu überlegen, was du willst und wenn du es dann weißt, dann pack es an, mit aller Kraft und allem Mut, den du hast. Und glaub mir, in dir steckt viel mehr, als du vielleicht selber denkst. Und lass dich von Rückschlägen nicht unterkriegen, sie helfen einem oft weiter.


    Alles Gute und viele Grüße!

Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •