Hallo,
ich habe mir jetzt mal Mut genommen um über mein "Problem" zu
schreiben und erhoffe mir dabei, das ihr ganz frei eure Meinung
und Sichtweise schreibt.
Besonders am Arbeitsplatz habe ich das Problem als Sekretärin nicht
freundlich rüberzukommen. Ich erkläre das gleich noch näher.
Dies hat in der Vergangenheit schon dazu geführt, dass ich eben
nicht in die gehobenere Position befördert wurde, obwohl ich meine
Arbeit gut mache. Einerseits will ich gar nicht mehr in andere Positionen (bin jetzt mittlerweile über 50) aber es wurmt mich eben
doch und tut mal mehr, mal weniger weh.
Ich bin freundlich in meiner Arbeit, lache aber nicht immer und wenn
ich z. B. Papiere jemandem geben muß, lege ich diese meistens
kommentarlos in den Eingangskorb der betreffenden Person, auch
wenn diese Person am Arbeitsplatz ist. Nun habe ich das Gefühl ???
ich täte besser daran, alles nochmal zu erläutern, mich über den
Vorgang auszutauschen, dann mich halt mit den meistens Männern
zu unterhalten. Ich bin da kurzangebunden. Eben nicht nett.
Aber ist das denn wirklich unfreundlich? Ich weiß, ich bin nicht
verbindlich, ich erzähle nicht viel, aber unfreundlich ist doch was
anderes. Hat jemand eine Aufgabe für mich, mache ich das auch
gerne. Manchmal fühle ich mich auch ein wenig ausgenutzt, z. B.
wenn eine E-Mail mit Ausführung von Arbeiten an mich weiter-
geleitet wird, die wichtigste Angabe aber einfach fehlt, weil der
Sachbearbeiter sich schlichtweg nicht die Mühe macht nachzu-
denken und wartet eben bis ich auf ihn zukomme.
Desweiteren kommt es häufig vor, dass ich Sachen suchen soll
bei mir, wo aber immer rauskommt, das diese Vorgänge beim
Sachbearbeiter liegen. Darüber ärgere ich mich sehr und ich
sage jetzt halt immer als Erstes der Person, dass sie doch bitte
mal den Schreibtisch absuchen soll (meistens schon ziemlich iro-
nisch).
Ich weiß, ich würde wesentlich besser fahren, wenn ich freund-
lich, verbindlich wäre, die Leute reden ließe, mich unwissend
stellen würde, aber ich platze dann meistens ziemlich direkt raus
und manchmal lachen die Männer, aber geben mir schon zu
verstehen, dass sich eine Sekretärin so nicht benimmt.
Ich will mein Verhalten eigentlich auch nicht ändern, aber es tut
schon weh.
Es tut mir weh, wenn man mich immer als erstes mal suchen läßt.
Ich bin da nicht anerkannt, so wie ich mich gebe !!!
Charlotte5
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Thema: Keine Nähe aushalten
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17.09.2009, 18:35Inaktiver User
Keine Nähe aushalten
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17.09.2009, 19:05
AW: Keine Nähe aushalten
Hallo Charlotte,
erst mal ein großes Kompliment, dass Du hier so offen schreibst
. Ich kann mir vorstellen, dass Dich das Überwindung gekostet hat.
Weißt Du, ich glaube, man hat oft einen Widerwillen dagegen, sich zu ändern, selbst dann, wenn man erkennt, dass das eigene Verhalten einem schadet. Man glaubt einfach, dass das eigene Verhalten fest zu einem gehört, sozusagen ein Teil der eigenen Persönlichkeit ist, und man hat Angst, was übrig bleibt, wenn man das Verhalten aufgibt. Das ist eigentlich ganz normal.
Ich habe z.B. viele Jahre immer und immer wieder das Feedback bekommen, dass ich zu still sei. Ich habe mir damit sicherlich auch einiges erschwert im Leben, aber es hat lange gedauert, bis ich ganz allmählich doch immer ein bisschen mehr aus mir herausgegangen bin. Und heute bin ich sehr froh, dass ich meine Schüchternkeit und Introvertiertheit zumindest soweit abgelegt habe, dass sie mich nicht mehr behindert.
Und weißt Du was ich festgestellt hab?! Dass hinter diesem Panzer aus Schüchternheit ein allseits beliebter und geschätzter Mensch steckt, den nun endlich alle erkennen.
Was ich Dir damit sagen will, ist glaube ich klar?!
Du erkennst ja selbst, dass es angebrachter wäre, freundlich und verbindlich zu sein. Ein bisschen Smalltalk, ein paar nette Worte am Telefon oder wenn man dem anderen was vorbeibringt, ein bisschen freundlich-humorvolle Nachsicht, wenn andere Menschen Fehler machen, das ist einfach das soziale Schmiermittel, das unser Leben angenehmer macht. Du freust Dich ja sicher auch, wenn andere Menschen freundlich sind, wenn man Dir Deine Fehler nicht vorhält, sondern verständnisvoll reagiert.
Es ist immer schwer, sich zu ändern, schließlich war das alte Verhalten ja auch für etwas gut. Vielleicht solltest Du Dir das mal überlegen:welchen Vorteil hat Dein distanziertes, kühles Verhalten? Wie hilft es Dir?
Wenn Du das weißt, kannst Du Dir überlegen, ob Du diese Vorteile überhaupt noch brauchst, und wenn ja, ob Du sie Dir anderweitig verschaffen kannst. Brauchst Du dieses Verhalten unbedingt dazu?
Vielleicht gelingt es Dir auf diese Weise, Dein altes Verhalten loszulassen und neue Facetten Deiner Persönlichkeit zu entdecken. Wie wäre es denn, wenn da auf einmal eine warmherzige, offene, herzliche Charlotte zum Vorschein käme, die von allen strahlend begrüßt und gern gemocht wird?
Kannst Du Dir vorstellen, dass diese Charlotte in Dir ist?
Kannst Du Dir vorstellen, sie zu entdecken?
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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17.09.2009, 19:14Inaktiver User
AW: Keine Nähe aushalten
Ach Malina,
du hast das so toll geschrieben, großes Kompliment.
Bin ganz baff und will jetzt nochmal in Ruhe alles durchlesen,
deswegen erstmal nur dankeschön
Charlotte5
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17.09.2009, 23:29
AW: Keine Nähe aushalten
Hallo Charlotte,
auf mich wirken deine (sehr offenen) Zeilen in diesem Teilbereich ein wenig resignativ - täusche ich mich da?
Deine Leistung würde ein Weiterkommen begünstigen, dein Verhalten stellt sich deinen eigentlich vorhandenen Ambitionen in den Weg.
Dein Verhalten ist sicherlich fachlich und sachlich korrekt. Alles, was an Kommunikation diesen Fach/Sachbereich überschreitet, ist diese Nähe, die du nicht erträgst.Ich will mein Verhalten eigentlich auch nicht ändern
Kannst du da deine Berührungsängste näher begründen?
Wie "benimmt" sich eine Sekretärin?manchmal lachen die Männer, aber geben mir schon zu
verstehen, dass sich eine Sekretärin so nicht benimmt.
(Im Übrigen verstehe ich dich sehr gut ... hat im weitesten Sinn mit dem richtigen Maß an Abgrenzung zu tun, gell?
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18.09.2009, 08:08
AW: Keine Nähe aushalten
Hallo Charlotte5,
deiner Wortwahl entnehme ich, dass du "euch" nicht als Team siehst, sondern sehr isoliert. Ich, die Sekretärin, die Sachbearbeiter, die Männer und genauso verhälst du dich wahrscheinlich.
Die Kollegen sieht man oft länger am Tag als alle anderen Menschen im Umfeld. Genau deshalb finde ich es schon wichtig, dass man da harmonisch miteinander umgeht.
Mal ein bisschen miteinander zu plaudern, offen und locker aufeinander zuzugehen, dass kann man üben, auch wenn man generell eher ein zurückhaltender Typ ist.
Mit allem anderen macht man sich den Tag schwerer als nötig.
Du schreibst, dass du öfters mal ironisch antwortest. Ich glaube Ironie ist etwas, mit dem man sich viele Unsympathien einfangen kann. Die wenigsten Menschen können das ab.
Sei aber auch nicht zu weichgespült.
Mein Tipp: versuche dir ein paar Ecken und Kanten zuzulegen. Du bist zu glatt und da können deine Kollegen dich nicht einordnen und werden menschlich auf dich nicht zugehen.
Sag was du denkst, das ist ok und grenze dich auch ab, wenn dir jemand was zuschieben will, wovon du genau weißt: auf meinen Tisch liegt das nicht.
Aber leg ein bisschen Lockerheit, vielleicht auch eine Brise Humor mit rein.
Frauen neigen gerne mal dazu zu denken, ich muss die Liebe, Brave sein, dann werde ich akzeptiert. Meine Erfahrung ist eher die: du musst ein "Typ" sein und hinter diesem Typ stehen. Hat was mit der berühmten "gleichen Augenhöhe" zu tun, die du gerade im Job brauchst.
Das heißt nicht, dass du dich einschleimen musst, sondern das du entschieden, aber unverkrampft mit anderen umgehst. Das ist nicht einfach, wenn man das von Natur aus nicht kann, aber man kann es lernen.
Generell spiegeln Menschen immer das, wie man auf sie zugeht und somit kann man mit seinem Verhalten viel am Verhalten der anderen schrauben. Versuche mal ein bisschen damit zu spielen.
Was mich jetzt zum Schluss noch interessiert: Ich finde die von dir beschriebene Situation im Zusammenhang mit dem Strangtitel: "keine Nähe aushalten" sehr interessant.
Vielleicht hast du da dein Problem schon genau erkannt. Lasse deine Kollegen ein bisschen an dir teilhaben, gehe auf sie zu - das fällt schwer, wenn man nicht der Typ dazu ist.
Du lebst dich dann aber viel leichter.viele Grüße
Mohnblume
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18.09.2009, 08:28Inaktiver User
AW: Keine Nähe aushalten
Offensichtlich tut's noch nicht weh genug, sonst würdest du dich vielleicht bemühen, dein Verhalten ein wenig zu verändern.
Niemand verlangt von dir, dich zu verbiegen. Aber ein bisschen Entgegenkommen dürfen deine Mitmenschen schon erwarten. Was vergibst du dir denn, wenn du Unterlagen dem jeweiligen Kollegen auf den Tisch legst, sofern er im Haus ist? Mit einem freundlichen Wort "Guten Morgen, das hier ist für dich/Sie...."
Oder wenn du mal einen Satz mit jemandem wechselst und nicht nur kurz angebunden bist?
Mit seinen Kollegen verbringt man unter Umständen mehr Zeit am Tag als mit dem Partner oder den Kindern. Da sollten sich alle um einen freundlichen Umgang bemühen. Sonst kann die Arbeit ganz schön unangenehm werden.
Ich habe in meinem Team auch eine Kollegin, die nicht "nett" ist. Offensichtlich hält sie alles, was ins Persönliche geht, für überflüssig. Hat jemand Geburtstag und bringt eine Brotzeit mit, wird ihm gratuliert.Sie gratuliert nicht, nimmt auch nichts von der Brotzeit. Das fällt halt mit der Zeit auf. Sie grüßt, sagt bitte und danke... und mehr nicht.
Wenn ich in einem Gespräch bin, nimmt sie meine Anrufe entgegen. Dass sie mir die diversen Bitten um Rückruf samt der jeweiligen Telefonnummer per mail schickt, ist ok. - was ich schriftlich habe, verbummle ich nicht so leicht. Aber ich muss auf dem Weg vom Konferenzzimmer in mein Büro an ihrem Platz vorbei, und da könnte sie ja mal sagen "waren jede Menge Anrufe für dich, ich hab dir die Nummern gemailt"..... nichts, kein Wort.
Zur Frage, wie sich eine Sekretärin "benimmt"... sie sollte schon ein freundliches, umgängliches Auftreten haben. Sie ist meistens die, bei der die Telefonate auflaufen und diejenige, die Besucher und Kunden zuerst sehen und hören. Sie ist also gewissermaßen eine Visitenkarte des Unternehmens und sollte sich entsprechend verhalten.
Was den Umgang mit den Kollegen betrifft, gilt immer noch der alte Spruch "Wie man in den Wald hineinruft..."
Und was die von dir angesprochene "gehobene Position" angeht: Je gehobener die Position, desto höher sind auch die Ansprüche an Auftreten und Umgang des jeweiligen Mitarbeiters. Es reicht auf einer gewissen Ebene einfach nicht mehr, seine Arbeit ordentlich zu machen. Ebenso wichtig sind die "softskills" - Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit usw.
Und da scheinst du ja ein Defizit zu haben.
Du hast nun zwei Möglichkeiten.
Entweder du magst dich nicht ändern. Dann musst du akzeptieren, dass alles so bleibt, wie es ist.
Oder du möchtest an deiner Situation was ändern. Dann musst du aktiv werden. Vielleicht gibt es in eurem Unternehmen jemanden, der für Personalentwicklung zuständig ist. Frag doch da mal nach einem Coaching. Oder tu dich auf dem Markt um. Fraueninitiativen,Gleichstellungsstellen usw. bieten sowas unter Titeln wie "Frau und Beruf" oft kostenlos an.
Aber es lohnt sich auch, hier mal Geld zu investieren, um die Situation am Arbeitsplatz für sich selber angenehmer zu gestalten.
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18.09.2009, 21:12
AW: Keine Nähe aushalten
Wenn es um Probleme im Job geht, dann finde ich folgende Frage wichtig, die man sich stellen sollte:
Was ist mein Arbeitsauftrag?
Du bist Sekretärin. Da hast du einen breit gefächerten Arbeitskatalog, der sich spezielle nach der Firma richtet, in der du angestellt bist.
Um diese Aufgaben gut erfüllen zu können, muss man gewisse Kompetenzen mitbringen. Neben der Sachkompetenz gehören da nach allgemeinem Verständnis eben auch die soft skills dazu. Da wird von einer Sekretärin eben erwartet, dass sie stets höflich, freundlich und zuvorkommend ist. Und ich persönlich finde das auch nicht zuviel verlangt.
Wenn ich was suchen würde, und die Sekretärin danach befragen würde, dann würde ich ein schnelles, freundliches Erledigen erwarten. Und nicht eine ironische Antwort.
Klar könnte man selber erst mal den eigenen Schreibtisch durchforsten, aber das hält eben doch oft lange auf. Und der Arbeitsauftrag eines Sachbearbeiters oder Chefs (oder wie auch immer) ist eben oft ein anderer, als der einer Sekretärin. Da würde seine teure Arbeitszeit draufgehn, um nach Kram zu suchen, den du schneller findest.
Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft. Und wenn ich eine Sekretärin einstellen würde, dann eine, die meine Anweisungen kompetent, schnell und freundlich ausführt. Warum die andere weniger freundlich wäre, würde mich schlicht nicht interessieren.
Ich fürchte, du befindest dich auf dünnem Eis mit der Einstellung "Ich will mich nicht ändern."Geändert von beklamo (18.09.2009 um 21:24 Uhr)
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18.09.2009, 21:25
AW: Keine Nähe aushalten
Sekretärin ist ja nunmal ein Job, bei dem man viel mit Menschen zu tun hat. Eine Sekretärin ist eine Art Bindeglied, zwischen den Abteilungen oder auch zwischen Kunden und Mitarbeitern. Neben vielen anderen fachlichen Kompetenzen ist Grundvoraussetzung für diesen Job eine kommunikative und freundliche, verbindliche Art. Wenn du auf die Mitarbeiter unfreundlich wirkst, dann ist da auch was dran.
Du bist aber nunmal, wie du bist. Natürlich kann man sich ändern, aber nicht seine komplette Art. Ich denke, du hast den falschen Job. Vermutlich wärst du besser an einem Arbeitsplatz aufgehoben, wo du nicht so viel mit Menschen zu tun hast und mehr vor dich hinarbeiten kannst (Buchhaltung, Schreibkraft, Sachbearbeitung?).Die wesentliche Voraussetzung für Glück ist die Bereitschaft, der zu sein, der man ist
(Erasmus von Rotterdam)
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19.09.2009, 11:27Inaktiver User
AW: Keine Nähe aushalten
Ein freundliches Hallo an alle die sich mit meinem Problem beschäftigt
haben und vielen Dank erstmal!
Ich werde später an diesem Wochenende noch gezielt auf die
einzelnen Beiträge eingehen, es brennt mir geradezu auf der Seele,
aber jetzt muß ich erstmal einiges erledigen.
Bis später.
Gruß
Charlotte5
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21.09.2009, 17:13Inaktiver User
AW: Keine Nähe aushalten
Liebe charlotte,
als Studentin hab ich an der Kasse gearbeitet.
Wir mussten lächeln bei der Arbeit.
Und bekamen automatisch gute Laune.
Probier's mal aus!
Mache ich heute noch,
wenn ich schlecht drauf bin.
Es lohnt sich bestimmt für dich,
wenn du etwas mehr in die andere Richtung gehst.
Dann kommt auch mehr zurück von den anderen!
Sonst grenzt du dich ja selbst aus!


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