Hallo zusammen,
neidisch zu sein, weil einer Freundin etwas in den Schoß fällt, was man auch gerne hätte, aber nicht oder nur mit deutlich mehr Aufwand und Mühe bekommen kann, finde ich vollkommen normal.
Dazu zählen mich für mich nicht nur finanzielle Unterschiede, sondern auch wenn die eine mühelos mehrmals schwanger wird und die andere kein Kind bekommen kann, wenn eine arbeitlos ist und keinen Job findet, während die andere aus einer festen Anstellung heraus ein tolles Angebot bekommt, usw. Wer wäre in so einer Situation nicht neidisch?
Neid heißt in meinen Augen nicht unbedingt, dass man dem anderen etwas nicht gönnt, sondern dass es man selbst auch gerne hätte. Ich finde, das darf man sich ruhig zugestehen.
Auf der anderen Seite kann Neid ja auch ein Ansporn sein. Wenn die Freundin so viel materielle Zuwendung bekommt, kann sich ja vornehmen, denselben Lebensstil zu erreichen, aber eben aus eigener Kraft. Oder man hinterfragt alternativ, ob das überhaupt etwas ist, was man selbst für erstrebenswert hält.
Nicht selten sind nämlich Dinge, um die man andere beneidet, für einen selbst gar nicht so estrebenswert. Man neidet dann eher aus Prinzip. Wenn z.B. die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern ihrer gutverdienenden Single-Freundin die tollen Fernreisen neidet, aber selbst auch zu Zeiten, wo sie gekonnt hätte, nie gereist ist, dann glaube ich nicht, dass sie wirklich gerne tauschen möchte. Da denke ich, geht es dann eher darum, dass andere nichts haben sollen, was man selbst nicht haben kann, auch wenn man es gar nicht wirklich haben will.
Insofern finde ich es schon wichtig, mal zu hinterfragen, was hinter dem eigenen Neid steckt.
Viele Grüße,
Malina
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Thema: Bin ich neidisch?
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28.08.2009, 07:32
AW: Bin ich neidisch?
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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28.08.2009, 08:29Inaktiver User
AW: Bin ich neidisch?
Also gut, meine Eingangsfrage ist dann wohl geklärt: Irgendwie bin ich tatsächlich neidisch.

Messerwerferin hats eigentlich auf den Punkt gebracht: Ich gönne das meiner Freundin grundsätzlich alles schon. Wenn ich schreibe, ich wünsche ihr mal einen Dämpfer, dann meine ich damit auch nicht, dass etwas Schlimmes passiert oder sie eins der Dinge verliert, die sie hat. Sie sollte nur mal einen Wunsch haben und klar erkennen: Der erfüllt sich jetzt aus diesem und diesem Grund nicht….
Das Verblüffende: Sie merkt gar nicht was sie hat, ist im Gegenzug neidisch….
Beispiel: Anfang des Jahres erzähle ich ihr von meinem geplanten Urlaub. Es soll nach Menorca gehen. Aufgrund meines Studiums ist zeitlich nicht mehr als eine Woche drin, ist aber auch nicht weiter schlimm….Von ihr kommt keine weitere Reaktion auf diese Bemerkung von mir. Gut, denke ich mir nichts dabei. Muss sich ja nicht jeder an meinen Urlaubswünschen beteiligen. Ca. eine Woche später ruft sie mich wütend an. Sie hatte sich mit einer anderen Bekannten getroffen und die habe ihr von ihrer Städtereise erzählt und sie glaubt, dass die das nur tut, um ihr reinzuwürgen, dass sie sich selbst dieses Jahr keinen Urlaub leisten könnte.
Oha….man darf also nicht vom eigenen Urlaub erzählen, wenn sie sich keinen leisten kann, bekommt aber täglich die Luxusgüter von ihr um die Ohren gehauen. Na gut, steh ich drüber….Versuche ihr zu erklären, dass es ja wohl normal wäre, dass eine vierköpfige Familie, die in einem Jahr gleichzeitig ein Haus baut und eine riesen-Hochzeit veranstaltet nicht auch noch in Urlaub gehen kann. Ob nun selbst gezahlt oder gesponsert. Ist ja wohl ganz normal…..Nein, Prinzessin bohrt solange bei ihren Eltern, bis die eine zweiwöchige Reise nach Kuba für die ganze Familie spendieren. Kuba. Klar, mit einem Trip an den Bodensee (ist in der Nähe), hätte sie meinen Menorca-Urlaub und die Amsterdam-Tour der anderen Bekannten nicht toppen können.
Sowas macht mich dann schon leicht fassungslos.
Wenn ich ihr erzähle „das oder dies hätte ich gerne“, kommt von ihr jedes Mal die saloppe Antwort „mach doch“… Ich: „Kann ich mir nicht leisten, muss ich noch so und so lange auf die lange Bank schieben“….sie ist total erstaunt ob des Satzes „kann ich mir nicht leisten“….Das gibt’s für sie einfach nicht. Wenn sie etwas will, dann bekommt sie es auch, diese Frage stellt sich gar nicht. Bleibt nur die Frage zu klären: „Sag ichs meinen Mann oder meine Eltern“….Ob das nun auf Dauer unbefriedigend ist oder nicht….Bisher machts ihr nichts aus…
Glücklich (im Allgemeinen) ist sie schon. Nur dauernd unzufrieden. Also sie ist unzufrieden, bis sie was bekommen hat. Dann ist ne zeitlang gut und dann kommt wieder die Unzufriedenheit und sie braucht was neueres, tolleres, größeres als zuvor und vor allem als die Anderen.Man kann ein Leben führen wie Deine Freundin und trotzdem nicht glücklich sein. Man kann ein Leben führen, wie Du es jetzt führst, und dennoch glücklich sein.
Das ist natürlich klar. Ich hab auch schon die Erfahrung gemacht, dass es erstens anders kommt und zweitens als man denkt. Aber ein bisschen träumen und ein ungefähres Wunsxch-Ziel vor Augen muss erlaubt seinDu kannst Dir natürlich einen Mann, Kinder und ein Eigenheim im Grünen wünschen. Das Leben ist Dir jedoch nichts davon schuldig, und schon gleich gar nicht alles drei zusammen. Das muss Dir klar sein. Überlege Dir daher, wie Du glücklich sein könntest, wenn nicht alles oder gar nichts davon eintrifft. Versteif Dich nicht auf einen Traum, sondern überlege zufriedenstellende Ausweichmöglichkeiten
Einmal rutschte mir peinlicherweise auch direkt sowas raus. Kollegin eins wurde schwanger - ich sagte "Herzlichen Glückwunsch" und meinte das auch so. Kollegin zwei hat jahrelang versucht, ein Kind zu bekommen, hatte vier erfolglose künstliche Befruchtungen hinter sich und eine Psychotherapie, um mit der Tatsache fertig zu werden, dass es niemals Nachwuchs geben wird. Und dann wurde eben diese Kollegin mit 41 Jahren vollkommen unverhofft schwanger! Ich heulte Freudentränen und sagte: "Dir gönne ich das wirklich" und meinte das auch so. Kollegin eins verzog allerdings das Gesicht und sagte "Was soll das denn heißen? Mir gönnst Du es nicht?"
Oh je, Fettnäpfen-Gefahr….Aber ich weiß wie du es meinst. Ist wie als diese alleinerziehende Mutter mal so viel Geld gewonnen hat (wars beim Günther?). Da denkt man „hat die richtige getroffen“…..
Also über 16.000 hat sie dann doch nicht zur VerfügungOb jemand glücklich ist oder nicht, hängt nicht vom Geld ab. Soweit lt. Glücksforschern das Einkommen über 16.000 EUR liegt.
Und selbst erarbeitetes Vermögen macht einfach mehr Spaß.
Von daher können Eltern ihren Kindern auch das Glück verbauen, wenn sie zu großzügig sind.
Zumal die Abhängigkeiten und die sich daraus ergebenden Ansprüche der Eltern oft ein hoher Preis sind.
Zu den Eltern: die wohnen nicht in der Nähe, reingeredet wird da wenig. Das Verhältnis ist ok, aber nicht leidenschaftlich gut (der „Punkt geht an mich“, habe ein super Verhältnis zu meinen Eltern).
Ich muss nicht alle Eigenschaften meiner Freunde lieben. Bis auf ihre Starallüren ist sie ein lieber Mensch. Wir sind noch nicht sooo lange befreundet, Krisen hatten wir noch keine zusammen, also halte ich mich zurück was die Lobeshymnen angeht. Aber ich mag sie sehr…@ TE
mir wärs wurscht.
tatsächlich wäre ich mit so einer Frau gar nicht befreundet.
Neid heißt in meinen Augen nicht unbedingt, dass man dem anderen etwas nicht gönnt, sondern dass es man selbst auch gerne hätte. Ich finde, das darf man sich ruhig zugestehen.
Ja das versuche ich. Weil ich’s ja eigentlich nicht von mir kenne, dass ich neidisch bin. Ich bin jetzt mal zu dem vagen Ergebnis gekommen, dass ich denke, dass ich so reagiere, weil ich nicht weiß, ob sich diese Dinge bei mir so erfüllen wie ich sie mir wünsche. Schwierig zu erklären. So eine Art vorausschauender Neid. Wenn ich wüsste, dass ich irgendwann all das erreicht habe, was ich mir wünsche, dann wäre das vermutlich keinen Gedanken wert. Ich weiß, mir „schenkt“ das niemand, ich muss drauf hinarbeiten, das ist ok. Wenn ich alles heute schon hätte, dann wüsste ich gar nicht, was ich mit morgen anfangen sollte.Nicht selten sind nämlich Dinge, um die man andere beneidet, für einen selbst gar nicht so estrebenswert. Man neidet dann eher aus Prinzip. Wenn z.B. die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern ihrer gutverdienenden Single-Freundin die tollen Fernreisen neidet, aber selbst auch zu Zeiten, wo sie gekonnt hätte, nie gereist ist, dann glaube ich nicht, dass sie wirklich gerne tauschen möchte. Da denke ich, geht es dann eher darum, dass andere nichts haben sollen, was man selbst nicht haben kann, auch wenn man es gar nicht wirklich haben will.
Insofern finde ich es schon wichtig, mal zu hinterfragen, was hinter dem eigenen Neid steckt.
Also das Problem liegt schon bei mir, seh ich irgendwie schon so….
LG Zitronensonne
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28.08.2009, 09:12Inaktiver User
AW: Bin ich neidisch?
Zitronensonne,
ich glaube aber, dass dein Problem gar nicht Neid oder Ähnliches ist, sondern eher ein sich verschärfendes Bewusstsein dafür, dass deiner Freundin irgendwie jegliches Bewusstsein dafür abgeht, wie sehr sie von außen unterstützt wird, um das Leben zu leben, das sie hat. Wie du sie beschreibst, empfinde ich sie als ignorant und auf sich fokussiert. Ich würde das, was du empfindest, nicht als Neid bezeichnen, sondern als zunehmendes Genervtsein darüber, dass sie um ihren Bauchnabel kreist, ohne ein gesundes Gefühl für die Belange anderer zu haben.
Wäre ich du, würde mich das sehr stören - ich würde aber Tacheles reden.
LG
Zuza
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29.08.2009, 13:36
AW: Bin ich neidisch?
Die 16.000 betreffen das Jahr. Das liegt heftig unter dem Durchschnitt hierzulande.
Auf diese Freundin wäre ich allerdings nicht neidisch. Mit der hätte ich Mitleid.
Du siehst doch: die kann sich über nix lange freuen. Es reicht nie.
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29.08.2009, 15:00
AW: Bin ich neidisch?
Liebe Tanguera,
das sind keine negativen Argumentationen, sondern Erfahrungen.
Dass jemand einen Dämpfer braucht, würde ich nie behaupten. Aber dass dies im Leben unvermeidlich ist, ist leider so.
Und entweder ist jemand ein Mensch, der zufrieden ist mit dem, was er hat bzw. sich bemüht, es sich schöner zu machen.
Aus eigener Kraft.
Oder es reicht niiieee. Weil Du immer jemanden finden wirst, der noch mehr hat.
Die Reichen, die glücklich waren, - klar war bei denen Haus und Auto ein bisschen größer... der Anzug besser geschnitten... aber sonst haben die im wesentlichen so gelebt, als ob sie das Geld nicht hätten.
Bei den anderen hat es nie gereicht... die waren immer unzufrieden.
Und das letzte Hemd hatte auch bei denen keine Taschen.
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29.08.2009, 15:55Inaktiver User
AW: Bin ich neidisch?
naja, Angie, wie du's jetzt auch nennst - Argumentationen oder Erfahrungen - letztlich zielt es doch darauf ab, das (als unverdient verstandene) Glück der anderen kleinzureden, d.h. sich irgendwie besser damit abfinden zu können, wenn derjenige dann letztlich doch "ein gerechtes Maß an Leid" einstecken muss.
Letztlich macht's mich persönlich weder glücklicher noch ärmer, ob ein anderer glücklich oder reich ist.
Daher finde ich Neid weder ein schönes (im Sinne von freundschaflich/gesellschaftlich erstrebenswert) noch produktives Gefühl, denn das eigene Leben ändert sich ja dadurch auch nicht.
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29.08.2009, 17:04Inaktiver User
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29.08.2009, 21:52
AW: Bin ich neidisch?
@ Tanguera, Faltenfrosch,
ich hab zu viel mit seelisch armen, aber aus reichen Familien stammenden Kindern zu tun gehabt, um Neid zu empfinden.
Und von unverdient habe ich nix geschrieben.
Nur, dass ich gesehen habe, dass alles im Leben seinen Preis hat.
Und dass viele güldene Ansichten von vorne nicht halten, was sie versprechen.
Und dass viele Leute, die neidisch sind, nicht tauschen würden wollen, wenn sie alles wüßten.
Warum Ihr jetzt mir - so klingt das zumindest an - Neid unterstellen wollt, wundert mich.
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30.08.2009, 02:06
AW: Bin ich neidisch?
@ Zitronensonne
Das klingt in der Tat nicht gut. Deine Freundin verhält sich, als ob sie auf alles das, was sie hat und kriegt, einen selbstverständlichen Anspruch hätte. Sie merkt gar nicht, dass sie nur vom Glück begünstigt ist. Was passiert, wenn die Geldquellen für sie mal spürbar weniger werden oder gar versiegen? Das muss doch ein maßloser Absturz für sie sein, wenn ihre ganze Zufriedenheit ausschließlich von der Erfüllung materieller Wünsche abhängt! Und dann diese Sucht, ständig die anderen ausstechen zu wollen, das muss doch sehr anstrengend sein.Glücklich (im Allgemeinen) ist sie schon. Nur dauernd unzufrieden. Also sie ist unzufrieden, bis sie was bekommen hat. Dann ist ne zeitlang gut und dann kommt wieder die Unzufriedenheit und sie braucht was neueres, tolleres, größeres als zuvor und vor allem als die Anderen.
Du kannst froh sein, dass Du ein realistischeres Verhältnis zum Geld und weniger inneren Wettbewerbsdruck gegenüber Deiner Umwelt hast. Das wiegt viel auf, glaub mir!
Ich verstehe, dass Du Dich ärgerst, weil sie alles so unverdient kriegt und es dann nicht mal zu schätzen weiß. Das ist meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Aber Du sagst ja selbst, dass Du nicht mit ihr tauschen möchtest. Daran solltest Du Dich halten.Geändert von Latona (01.09.2009 um 19:40 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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30.08.2009, 13:24
AW: Bin ich neidisch?
Tanguera, ich schrieb "Gerechtigkeitsempfinden" - und wenn ich etwas ungerecht finde, dann enspricht das eben meiner Gefühlslage. Und für Gefühle gibt keinen Standard.
Neid einfach mit Mißgunst zu übersetzen, ist mir zu undifferenziert. Malina hat das schön aufgedröselt: Es gibt den Neid, weil der eine etwas hat, was man selbst haben möchte, und es gibt die Mißgunst, dass man dem anderen etwas nicht gönnt. Und ich mache eben nochmal einen Unterschied zwischen Fällen, in denen ich persönlich betroffen bin oder nicht.
Die Sache mit meinen beiden schwangeren Kolleginnen liegt Jahre zurück; damals hatte ich noch nicht mal einen Kinderwunsch. Ich war deshalb weder neidisch auf die Schwangeren, noch gönnte ich der problemlos schwanger gewordenen ihr Glück nicht oder habe es "kleingeredet", und ganz sicher habe ich ihr nicht irgendwas Übles an den Hals gewünscht.
Wenn ich persönlich betroffen bin, mich z.B. auf eine Stelle bewerbe, die dann ein anderer bekommt, dann kommt es doch darauf an, wie ich das sehe. Woran ist es meiner Meinung nach gescheitert? Vielleicht hat es deshalb nicht geklappt, weil ich mich nicht genügend vorbereitet habe. Dann ist der Neid konstruktiv, weil ich an mir arbeiten kann, und wenn ich das einsehe, bin ich auch nicht mehr neidisch, weil ich erkenne, dass der andere eben besser war. Vielleicht bin ich aber auch der Meinung, ich habe alles gegeben und ich halte den Mitbewerber für nicht so qualifiziert wie mich selbst, und denke, der hat die Stelle deshalb bekommen, weil er sich an die Personalverantwortlichen rangeschleimt hat. Dann bin ich mißgünstig, weil ich denke, ich habe mehr getan und bin besser, aber dieser ***selbstzensiertes Schimpfwort*** hat sich mit ekligen Methoden den Posten geangelt, und deshalb gönne ich ihm das auch nicht. Wobei auch sowas noch konstruktiv sein kann. Vielleicht stelle ich ja dadurch fest, dass manche Spielchen blöd, aber nützlich sind und wenn ich mich weigere, da mitzuspielen, sollte ich vielleicht die Firma wechseln.
Und manchmal ist es eben einfach Schicksal. Es gibt Glückspilze, denen ungebeten alles zufliegt, und es gibt Pechvögel, über denen eine ständige Gewitterwolke zu schweben scheint, egal, wie sehr sie sich bemühen. Ich selbst gehöre zu keiner der beiden Kategorien, kenne aber Vertreter beider Extreme persönlich. Dem Pechvogel Glück zu wünschen, bedeutet für mich nicht im Umkehrschluß, dem Glückspilz Pech zu wünschen oder ihm sein Glück nicht zu gönnen.


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