Hallo Ihr Lieben,
mich würde interessieren, mit welcher Einstellung ihr euer Leben plant bezüglich der Finanzen.
Ausgangssituation:
Ihr habt eine gute Ausbildung gemacht, habt Berufserfahrung, verdient inzwischen ganz gut und könnt euch ein schönes Leben finanzieren.
Oder ihr seid verheiratet, habt Kinder, kümmert euch um Haus und Hof, geht evtl. noch halbtags arbeiten. Euer Mann verdient gut, hat Karriere gemacht und ihr lebt ohne größere Sorgen.
Oder ihr verdient gerade soviel, dass es für das tägliche Leben reicht. Ein kleiner Betrag kann aber gespart werden für Urlaub, Ausbildung der Kinder, Auto, etc....
Bildet ihr Rücklagen? Habt ihr was auf der Hohen Kante? Nicht nur die übliche private Altersvorsorge, sondern zusätzliche Ersparnisse?
Seid ihr in der Lage bei einem Schicksalsschlag (Arbeitslosigkeit, Krankheit des Hauptverdieners, Scheidung, ect.) erstmal eine zeitlang aus eigenen Kräften finanziell zu überbrücken oder seid ihr ziemlich bald auf Hilfe von außen angewiesen (Staat, Unterhalt, Kredit, ...)?
Was mich interessiert und worum es mir geht:
Seht ihr eine Verantwortung für euch in guten Zeiten für schlechte Zeiten vorzusorgen oder verlasst ihr euch dann auf soziale Netze (Staat, Ex, Familie)?
Oder habt ihr das Vertrauen, dass es auch in schlechteren Tagen weitergehen wird und genießt das Jetzt?
Ich bin gespannt auf eure Sichtweisen und Antworten!
LG marlien
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12.08.2009, 23:14Inaktiver User
Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
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12.08.2009, 23:21Inaktiver User
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
aaaalso: ich bin derzeit noch fast ausschließlich auf vater staat angewiesen, sollte mich ein von dir genannter schicksalsschlag ereilen.
befinde mich im zweiten berufsjahr nach berufswechsel, daher ist das mit dem geld noch nicht sooo üppig... und da mammi und pappi als beamter der meinung waren "geld kommt immer irgendwie rein" gibbet halt auch keine elternbesorgte rücklage. immerhin habe ich anfang des jahres eine betriebliche altersvorsorge unterschrieben, und das bemühen, ein paar euros im moment zur seite zu legen, gibt's auch... die werden aber mit schöner regelmäßigkeit wieder von urlauben oder pkw-inspektionen weggefuttert. für den augenblick reichts, und wenn mal mehr geld kommt, was demnächst passieren könnte, dann kann auch mehr..., räusper, "angelegt" werden (nicht nur in form von schuhen)...
ach so: ich bin aber auch derzeit nur mir selbst verantwortlich...
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13.08.2009, 11:09
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
Ja, absolut. Etwas anderes kommt bei mir nicht in Frage. Mein Partner und ich haben ein Notfund womit wir falls noetig alles Ausgaben fuer 6 Monate lang decken koennen. Dieses Geld haben wir im Moment auf einem Tagesgeldkonto sitzen. Haetten wir dieses Geld nicht wuerden wir daraufhin sparen und andere Ausgaben zurueckschrauben bis wir soweit sind. Dazu haben wir genug Moeglichkeiten mit unseren Kreditkarten und Dispo um falls noetig sofort ein Flugticket nach Hause kaufen zu koennen und dort zeitweise in einem Hotel zu bleiben. Pension muss ich mich noch drum kuemmern.
Allerdings sind wir auch in einer bevorzugten Situation: Mein Partner verdient ab und zu recht viel Geld (ab und zu garnichts) und ich werde gerade von meinem Arbeitgeber durch die Welt geschickt und somit brauchen wir fuer Unterkunft und Auto nichts zu bezahlen und bekommen noch Auslandszuschlaege. Da ist sparen einfach.
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13.08.2009, 17:50Inaktiver User
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
Danke für eure Antworten.
Ich bin auch so erzogen worden, dass man nicht das komplette Geld für Hobbies, Urlaub, Auto, etc ausgibt, sondern erstmal einen "Notgroschen" anspart, mit dem man eine Krisensituation eine Weile überbrücken kann. Manche sagen, dass man neben dem üblichen Ersparten für Urlaub und Auto ca. 3 Monatsgelder griffbereit haben sollte. Das Geld bleibt auch bei Anschaffungen unangetastet und ist wirklich für Notzeiten gedacht. Wobei ich 3 Monatsgelder noch wenig finde...
Auch habe ich mich als fast einzige in meinem Bekanntenkreis um eine Berufsunfähigkeitsversicherung gekümmert. Die Kommentare dazu waren: "Dafür habe ich kein Geld" und "Ach, die zahlt doch dann eh nicht" und "Darum habe ich mir noch keine Gedanken gemacht".
Mich wundert auch, wenn nach 20 Berufsjahren, in denen gut verdient wurde, kaum Vermögen oder ein Gegenwert (Haus, etc.) vorhanden ist. Diese Leute haben 20 Jahre gut gelebt und ihr Leben genossen, aber werden sie dann krank oder lassen sie sich scheiden, stehen sie schnell vor dem Nichts. Ich empfinde das als unverantwortlich, merke aber, dass ich mit dem Gefühl meist alleine dastehe. Ich werde oft schief angeguckt, wenn ich Polster anlege oder an eine Versicherung denke. Es schwingt dann immer sowas mit wie "spießig", "typisch deutsch" und es kommen Sätze wie: "Ich will jetzt leben".
Bin ich wirklich so ängstlich und unentspannt?
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13.08.2009, 18:43Inaktiver User
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
das hängt stark davon ab, was man so macht - ich habe mich da für mich mal vor einiger zeit erkundigt, und bin zu dem schluss gekommen, dass es sich für mich "wirklich" nicht lohnt, da es in meinem job (berater) eine zu große bandbreite gibt, um komplett berufsunfähig zu sein - abgesehen natürlich von äußerst drastischen einschnitten, z. B. schlaganfall oder querschnittslähmung. wurde mir tatsächlich von einer versicherung so gespiegelt...
ich kann mir vorstellen, dass das einerseits davon abhängt, was "im hintergrund" noch vorhanden ist. wenn z. B. ein erbe zu erwarten ist, täte ich mich noch schwerer, ordentlich zu sparen. ist dann halt ungünstig, wenn die scheidung kommt, bevor die eltern abtreten (tschuldigung).
andererseits frage ich mich auch, ob man sich wirklich gegen alle risiken absichern kann - gerade eine scheidung ist zum beispiel etwas, von dem ich nicht ausgehe, wenn ich gerade heirate und die entsprechenden finanzpläne aufstellen müsste. abgesehen natürlcih von der maßgabe, dass mein job mich auch in 20 jahren und als alleinstehende ernähren können sollte.
es kann ja auch eine bewusste entscheidung sein - auch in anderen generationen, meine großtante z. B. hat, wie ihr mann ebenfalls, einen guten job gehabt (finanzdirektion), aber "vermögen" in dem sinne haben sie keins. dafür haben sie sich alle paar monate in die weite welt aufgemacht - da hat ihnen eine kleine 3-zimmer-mietwohnung in einer schönen, größeren stadt gereicht... und soweit ich das beurteilen kann, waren sie sehr glücklich damit, und fühlten sich in keiner weise verunsichert. andererseits waren sie natürlich die "trümmergeneration", irgendwann zwischen 1910 und 1925 geboren, da sieht man "sicherheit" möglicherweise etwas anders, als wir das heute tun.
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13.08.2009, 22:02Inaktiver User
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?

Nein, man kann sich nicht gegen alles absichern, das ist sicherlich Quatsch. Meine BU-Versicherung hat mich allerdings gerettet. Ich kann trotz BU-Unfähigkeit meinen Lebensstandard halten und ich hatte auch einen hoch qualifizierten Schreibtischjob.
Mir geht es auch nicht darum alle Eventualitäten im Leben zu bedenken und vorzusorgen, das geht nicht und ist auch eine ungesunde Einstellung. Aber sich bei der heutigen Rechtslage voll auf die Einkünfte des Partners zu verlassen und ohne weitere schriftlichen Absprachen oder finanz. Vorsorge über Jahre aus dem Beruf auszusteigen, fände ich naiv. Da braucht es keine Scheidung, es kann auch bei Krankheit, Unfall oder Tod des Hauptverdieners das bisherige Leben von heute auf morgen vorbei sein.
Den Aspekt finde ich interessant: Ist das wirklich eine bewusste Entscheidung unter Inkaufnehmen der negativen Folgen bei Scheidung, Krankheit, Arbeitslosigkeit... ? Oder ist das Gottvertrauen, dass das Leben immer so weitergehen wird? Oder Gedankenlosigkeit a la Unglück trifft immer nur die anderen?
Konkret: Man gibt sein Einkommen so gut wie komplett für Hobbies und Reisen aus, genießt und nutzt sein jetziges Leben in vollen Zügen. Sind sich diese Leute dessen bewusst, dass bei einem Schicksalsschlag der Lebensstandard von heute auf morgen massiv runtergeschraubt werden und man sich einschränken muss? Ist das bewusst mit eingeplant und dann auch okay für die Betroffenen, weil sie die schöne Zeit voll ausgekostet haben? Ich kann mir das nicht so recht vorstellen. Meist ist doch dann die Fassungslosigkeit groß, wenn man merkt, das bisherige Leben ist vorbei, womit man nie gerechnet hätte.
In einer finanziell sehr schwierigen Situation finde ich es einfach beruhigend zu wissen, dass man sich mit den Rücklagen einige Monate über Wasser halten kann bis man das Leben neu sortiert hat oder dass ein Teil des über lange Jahre verdienten Einkommens in Wertgegenständen oder irgend einer Form eines Gegenwertes, auf den man rückgreifen oder aufbauen kann, noch vorhanden ist.
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14.08.2009, 07:07
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
Hallo marlien,
ich glaube, was mir wichtiger ist als ein üppiges finanzielles Polster für den Notfall ist das Bewusstsein, dass ich meinen Lebensstandard auch wieder runterschrauben kann, wenn es sein muss.
Ich weigere mich z.B. hartnäckig, eine Hausratsversicherung abzuschließen, weil ich mir sage: selbst wenn ich von heute auf morgen alles verlieren würde, würde ich mit drei Apfelsinenkisten und eine Matratze am Boden wieder von vorne anfangen. Gut, das klingt jetzt extrem, aber ich mag mich einfach nicht darum sorgen, dass es mir materiell schlechter gehen könnte, weil ich den materiellen Dingen nicht so viel Bedeutung geben möchte.
Gut, ich würde nie als Frau den Job aufgeben und mich von einem Mann finanziell abhängig machen. Ich sorge fürs Alter vor und habe auch so ein bisschen was gespart. Aber mehr Raum will ich solchen Dingen dann auch nicht einräumen.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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14.08.2009, 07:57
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
Außer einer Altersvorsorge habe ich keine Ersparnisse. Ich bin auch der Meinung, dass ich das Leben jetzt genießen will. Jetzt bin ich gesund und kann alles mögliche unternehmen.
Und gegen Krankheit, Erwerbsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit muss ich mich von Gesetzeswegen ja sowieso absichern: Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.
Klar kann man davon dann keine großen Sprünge machen, aber wenn ich schwer krank bin ist das doch sowieso nicht möglich.Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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14.08.2009, 08:06
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
Generell ist das ja auch eine Frage der Lebensituation.
Habe ich Kinder bzw. Familie, dann muss ich mit dem Thema verantwortungsbewußter umgehen, als wenn meine Finanzen nur mich selbst betreffen.
Als Single (ohne Kinderwunsch) muss ich mir schon mal keine Gedanken darüber machen, was ich wem da zurücklasse oder wen ich da in die Notsituation mit reinziehe.
Meine persönliche Einstellung ist da eher heute gut zu leben und mir Dinge, die ich mir jetzt leisten kann auch zu gönnen.
Dabei verliere ich natürlich nicht aus den Augen, dass mein Einkommen mit größter Wahrscheinlichkeit in der Zukunft nicht größer sondern kleiner wird. Keine Ahnung, wie lange ich körperlich, nervlich ect. bereit bin, den Einsatz zu leisten, den ich heute bringe. Mir graut manchmal ein bisschen vor der Vorstellung das ich bis ins hohe Alter in der heutigen Arbeitswelt volltags meinen "Mann" stehen muss. Was ich heute locker wegstecke, kann in 15 Jahren ganz anders aussehen.
Somit will ich finanziell darauf vorbereitet sein, irgendwann mal kürzer treten zu können, wenn ich das Gefühl habe, ich mute mir zuviel vor.
Daher versuche ich so die goldene Mitte zu treffen. Mir die Dinge, Reisen ect. die mir wichtig sind heute zu gönnen (weiß ich, ob ich das später gesundheitlich noch machen kann?), aber auch ein Polster für die Zukunft anzulegen, wobei ich da schon ganz konkrete Pläne habe, wie ich mir das alles so vorstelle.
Ob´s dann auch so kommt, keine Ahnung.
Aber ganz ohne finanziellen Rückhalt will ich auch nicht sein. Nur bin ich halt in der Lage, mir heute schon ein bisschen die Weichen zu stellen.
Vielen geht das Geld das sie verdienen komplett auf, bzw. reicht so eben mal zum leben. Wie soll man da ein Polster für die Zukunft anlegen?
Naja...so Argumente, wie ich hier gerade gelesen habe, dass jemand keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, weil die eh nicht zahlen, dass hört sich für mich so an, wie jemand der sagt: ich spende nix, das Geld kommt eh nicht an. Wenn jeder so denkt, würde nie jemand auch nur irgendwas bekommen. Es sind nur ausreden um nichts bezahlen zu müssen.
So etwas ist schon wichtig. Arbeitsunfähig ist man ja nicht, wenn es der Branche schlecht geht, oder die Arbeitsplatzsituation mies ist, sondern wenn man körperlich oder psychisch nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten und das kann jeden treffen. Wenn ich gesund bin und arbeiten kann, zahle ich den relativ kleinen Beitrag gerne.viele Grüße
Mohnblume
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14.08.2009, 09:26
AW: Höhenflug ohne Sicherheitsnetz?
Nein, das ist keine Ausrede. Von dieser Versicherung etwas zu kriegen, ist wirklich schwer. Soweit man noch irgendwas arbeiten kann, zahlen die nicht. Es wird auch meist verlangt, eben umzuschulen, wenn man den erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann.Naja...so Argumente, wie ich hier gerade gelesen habe, dass jemand keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, weil die eh nicht zahlen, dass hört sich für mich so an, wie jemand der sagt: ich spende nix, das Geld kommt eh nicht an. Wenn jeder so denkt, würde nie jemand auch nur irgendwas bekommen. Es sind nur ausreden um nichts bezahlen zu müssen.
So etwas ist schon wichtig. Arbeitsunfähig ist man ja nicht, wenn es der Branche schlecht geht, oder die Arbeitsplatzsituation mies ist, sondern wenn man körperlich oder psychisch nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten und das kann jeden treffen. Wenn ich gesund bin und arbeiten kann, zahle ich den relativ kleinen Beitrag gerne.
Wenn ich körperlich oder psychisch nicht mehr in der Lage bin, überhaupt zu arbeiten, gibt es Erwerbsunfähigkeitsrente, aber das hat mit "berufsunfähig" auch wieder nichts zu tun.Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?



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