hallo zusammen,
ich hab da mal ne frage / ein thema, welches ich schon bei einigen meiner freunde angesprochen habe und wunderbar verschiedene antworten dazu bekomme. nun stelle ich es einfach mal hier hinein, weil hier ggf. noch mehr gedankengänge dazu entstehen.
ich hoffe, ich habe es im richtigen unterforum gepostet; so richtig einwandfrei passts m.e. nirgendwo rein.
angenommen, ihr habt eine schlimme krankheit und euch wird gesagt, dass ihr nur noch soundso lange (nehmen wir hier mal ein halbes jahr an) zu leben habt - was würdet ihr tun:
- es dem partner sagen
oder
- es dem partner nicht sagen?
ich habe schon meinungen gehört, welche sagten, dass sie sich belogen vorkämen und ggf. im nachhinein die ganze beziehung in frage stellen würden (da "vertrauensbruch"), wenn der sterbende partner es nicht gesagt hätte. noch dazu würde man sich ggf. vorkommen, als würde der sterbende dem überlebenden nicht zutrauen, selbst zu entscheiden, was er aushält (wobei sich mir hier die frage stellt, was ist, wenn der überlebende mit der info nicht zurecht kommt - zurücknehmen kann man so etwas ja nun mal nicht).
ich habe aber ebenso schon meinungen gehört, welche sagten, dass ein derart großes vertrauen wünschenswert wäre, dass der hinterbliebene eben nicht böse ist, sondern sich sicher sein könnte, dass der sterbende es aus gutem grund nicht gesagt hat (um die verbleibende zeit nicht zu "vergiften", den anderen nicht zu sehr zu belasten o.ä.).
wie seht ihr das?
fragt neugierig
supawetta
und: nein; ich habe keinen grund, mir explizite gedanken um dieses thema zu machen. mir gehts mehr um die vertrauensfrage, die dahinter steht.
Antworten
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09.08.2009, 11:11Inaktiver User
tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
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09.08.2009, 11:25
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
Das kommt aus meiner Sicht auch auf den Status der Partnerschaft an:angenommen, ihr habt eine schlimme krankheit und euch wird gesagt, dass ihr nur noch soundso lange (nehmen wir hier mal ein halbes jahr an) zu leben habt - was würdet ihr tun:
- es dem partner sagen
oder
- es dem partner nicht sagen?
* Lebenspartnerschaft/Ehe - auf jeden Fall
* langjährige Partnerschaft - sehr wahrscheinlich
* kurzzeitig (< 2 Jahre) - kommt auf den Sterbeprozess/die Krankheit an
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09.08.2009, 11:26
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
Mir wäre es ein großes Bedürfnis es meinem Mann zu sagen, alles andere erscheint mir völlig abwegig.
Wie sollte das auch gehen? Mein Mann merkt sehr schnell wenn ich bedrückt bin und fragt dann auch nach...
Ich würde ihn und seinen Beistand auch brauchen in so einer schweren Zeit.
Außerdem fände ich es auch ihm ggü. völlig unverantwortlich, schließlich betrifft es auch maßgeblich sein Leben.
Brombeerkatze
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09.08.2009, 11:36Inaktiver User
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09.08.2009, 12:20Inaktiver User
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
Ich bin da eher grundsätzlich für Aufrichtigkeit und würde es auch einem Kurzzeitpartner sagen. Was soll das denn - er muss doch wissen, auf was er sich einlässt oder nicht einlassen will/kann.
Es ist seine Entscheidung, wie er damit umgeht, und die darf ich ihm nicht nehmen.
Und was die Vertrauensfrage anbelangt: Die kann ich mir ja ihm gegenüber genauso stellen.
Ehrensenf
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09.08.2009, 12:29Inaktiver User
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
Diese Variante ist doch eher ganz großes Kino und hat mit der Realität wenig zu tun.ich habe aber ebenso schon meinungen gehört, welche sagten, dass ein derart großes vertrauen wünschenswert wäre, dass der hinterbliebene eben nicht böse ist, sondern sich sicher sein könnte, dass der sterbende es aus gutem grund nicht gesagt hat (um die verbleibende zeit nicht zu "vergiften", den anderen nicht zu sehr zu belasten o.ä.).
Selbst wenn man nichts sagen würde/wollte: eine real existierende tödliche Krankheit bringt in der Regel Beschwerden und körperlichen Verfall mit sich. Nur im Film sterben die Menschen schön, schlafen sanft ein, bevor sie noch einmal die Augen aufschlagen und ein "Ich liebe Dich" hauchen.
Ich finde das abwegig, nichts zu sagen - in meinen Augen nur etwas für (Film-)Helden...
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09.08.2009, 12:40Inaktiver User
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
*kicher*
Der andere könnte sich bei diesem Szenario genauso nach dem Tod Vorwürfe machen, dass er mir nicht hätte beistehen können. Und sich fragen, warum ich ihm nicht ausreichend vertraut habe, um ihm das zu sagen.
Ehrensenf
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09.08.2009, 13:10Inaktiver User
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
ehrlich gesagt, würde ich es auch meinen besten Freunden mitteilen und mich von allen verabschieden wollen. Sowieso würden die sich Gedanken machen, wenn ich von heut auf plötzlich jede Mark aufm Konto verpulverte und mir manche Dinge gönnen würde...
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09.08.2009, 13:22Inaktiver User
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
mmh.
also, ich habe es so in etwa miterlebt ("nur" ohne deutliche aussicht auf tod).
nicht bei einem partner, sondern bei einem sehr sehr liebenswerten alten paar.
er hatte kehlkopfkrebs und sagte ihr dies nicht.
natürlich bekam sie mit, wenn er weg war (wegen der OP) und sie bekam danach auch die vollkommen veränderte stimme mit.
aber er sagte ihr nicht, dass es krebs war.
soweit ich weiß, wollte er sie nicht noch mehr belasten, denn durch eine verpfuschte OP vor langer zeit war sie gezwungen, ihr halbes leben mit starken schmerzen so gut wie ausschließlich in ihrer wohnung zu verbringen.
tja; weiß nich, aber realitätsfern is für mich dann eben doch anders.
ach so; der ausgang der wahren geschichte: sie starb vor ein paar jahren. ohne das wissen um seine krankheit.
und er gestand mir in einem mich sehr berührenden moment, dass er sich keine neue partnerin vorstellen kann, da alles in ihm noch bei ihr ist.
lgS
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09.08.2009, 13:41Inaktiver User
AW: tödliche krankheit - dem partner mitteilen?
Ja, SupaWetta, eine ähnliche Geschichte habe ich in unserem Verwandtenkreis auch erlebt. Das war tatsächlich ganz großes Kino - eine Mischung aus Tragödie und Komödie. Sehr bizarr. Jeder hat jedem etwas vorgespielt - er wollte nicht, dass sie es weiß, sie wusste es jedoch und wollte nicht, dass er weiss, dass sie weiss...
Und wir - die Statisten
Sie haben es übrigens beide überlebt und auch ihre Ehe hat es überlebt.
Auch wenn manche Menschen das praktizieren, heißt es für mich nicht, dass es Bezug zu Realität hat - das hat es gerade nicht.
Die Realität ist die Krankheit und ihr möglicherweise tödliche Ende.
Und ich sehe es auch als Chance sich mitzuteilen, sich anzuvertrauen, das Unaussprechliche auszusprechen...


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