Ich habe lange überlegt, wie ich die Überschrift wähle. Kann man richtig lieben lernen?
Man liebt andere Menschen, das ist leicht, wenn die Situation darum quasi "rund" läuft. Wenn aber ernsthafte Probleme entstehen, so ist das doch meistens die Zerreißprobe.
Damit ist gemeint, der geliebte Mensch (das kann Partner sein, Freund o. ä.), wird plötzlich krank, verändert sich (körperlich oder in seiner Persönlichkeit).
Das bedeutet doch für den liebenden Menschen ebenfalls eine große Veränderung, vor allem sehr viel Durchhaltevermögen, Nerven, die eigene Persönlichkeit ist gefordert.
Ich habe erst einen Satz gelesen, dass in solchen Situationen die Liebe eine neue Bedeutung erhalten kann.
Ich bewundere Menschen, die das können und frage mich, woher sie die Kraft nehmen.
Meine Frage ist schon: Kann man das lernen? Kommt das von selbst?
Wer hat so etwas denn schon einmal erlebt?
Anima
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Ergebnis 1 bis 10 von 12
Thema: Richtig lieben lernen?
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03.08.2009, 20:32Inaktiver User
Richtig lieben lernen?
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03.08.2009, 20:40Inaktiver User
AW: Richtig lieben lernen?
ich weiss nicht ob es für dich in deine frage reinfällt, aber ich erzähle es halt mal.
herzblattl und ich leben nicht zusammen, er hatte mittlerweile schon zwei infarkte und einen peripheren gefässverschluss.
am schlimmsten war für mich eigentlich der erste infarkt. die angst, auch nicht mehr rechtzeitig ins krankenhaus zu kommen.
als ich hinkam, voller angst, er mich anlächelte in seinem herzbett, am monitor angeschlossen- war für mich alles anders.
seitdem ist die zeit miteinander von einer anderen qualität. es kann jederzeit vorbei sein. wir leben es bewusster jetzt.
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03.08.2009, 20:41Inaktiver User
AW: Richtig lieben lernen?
deine frage woher die kraft nehmen?
sie war da. ich wusste nicht, dass ich sie habe.
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03.08.2009, 21:16
AW: Richtig lieben lernen?
Wenn man liebt, ist es doch selbstverständlich, dass man für den anderen da ist, gerade in schlechten Zeiten. Das kommt von selbst. Die Frage stellt sich gar nicht bzw. hat sich mir noch nie gestellt. Wenn der Partner krank wird und man evtl. sogar Angst um ihn haben muss, dann merkt man, wie sehr man ihn liebt. Sollte das nicht der Fall sein, dann liebt man auch nicht.
Die wesentliche Voraussetzung für Glück ist die Bereitschaft, der zu sein, der man ist
(Erasmus von Rotterdam)
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03.08.2009, 22:27Inaktiver User
AW: Richtig lieben lernen?
Hallo Anima,
keine Ahnung ob man das lernen kann,ich glaube
nicht.Es gehört zum Wesen der Liebe dazu, den anderen
zu akzeptieren und auch zu lieben,wenn dieser
erkrankt ist oder sich psychisch verändert.
Dann ist es "normal" ,es geschieht ganz aus sich selbst
heraus, man denkt darüber nicht gross nach.
Mein Mann erkrankte an Lymphdrüsenkrebs, das war eine sehr
schwere, bis an unsere Grenze gehende Zeit,aber: sie hat unsere
Beziehung gestärkt,alles, was man vorher so unter "Kleinkram"
verbuchen konnte,also kleine Reibereien, wegen unwichtigen
Dingen,verschwand, unsere Zeit wurde so bewusst, wir genossen
alles viel mehr.Wir hatten noch 2 wirklich gute Jahre, dann kam
der Krebs zurück und es dauerte noch 3 Monate.
Diese Kräfte wachsen einem zu, erst hinterher merkt man,
wieviel Energienman gelassen hat, aber ich zumindest habe keine
Sekunde "bereut".
Dann, nach über 3 Jahren,lernte ich meinen Geliebten kennen
und er hatte eine tödlich verlaufende Krankheit (neuromusku-
lär), was ich anfangs, wir mailten nur ganz normal,war nicht
als Beziehung geplant, nicht wusste.
Vor unserem persönlichen Kennelernen schrieb er mir, wie
es um ihn steht und dachte: das war es jetzt,die meldet sich
nicht mehr.
Aber das war nicht so, ich wollte ihn kennenlernen und wir
hatten eine Liebesbeziehung, die erst nicht "geplant" war,
aber trotzdem wunderschön (und schmerzlich), die Liebe
hängt nicht davon ab, finde ich.Sie ist da und dann ganz und gar.
Oder eben nicht.Aber Halbheiten,das könnte ich zumindest nicht.
Nun, seit gut 4 Monaten,ist auch mein Freund verstorben und
ich bin mit unserem gemeinsamen,kleinen Sohn zurück geblieben,
das tut unsagbar weh.
Aber : würde die Zeit zurück gedreht, wir hatten nur knapp
3 Jahre und das auch nicht immer zusammen lebend,sondern nur zeitweise,leider.ich würde es wieder so machen,nur noch
mehr Zeit mit ihn haben wollen,jede Sekunde würde ich zurück
haben wollen, ihm immer wieder sagen ,wie sehr er mir fehlt,
wie sehr ich ihn vermisse...mehr geht nicht, an Liebe.
Diese Quelle kommt von innen, ich glaube jeder hat sie und
man kann aus ihr schöpfen,ohne es lernen zu müssen...
Lieben Gruß
S.
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05.08.2009, 18:29Inaktiver User
AW: Richtig lieben lernen?
Oh - Ihr habt so wunderbar geschrieben

Ich hatte erst kürzlich ein Gespräch, dabei ging es auch darum, wann ist es wirklich die Liebe? Wann ist es ein verkapptes Helfersyndrom?
Eine ganz klare Antwort dafür konnte ich nicht finden, wenn ich allerdings Eure Beiträge lese, käme ich niemals ins Zweifeln, dass das wirklich Liebe ist.
Einen Menschen so anzunehmen, wie er ist, jede Sekunde sich zu freuen, dass es ihn gibt.
Sicherlich gibt es immer wieder persönliche Krisenzeiten, oder? In denen man an allem zweifelt?
Anima
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05.08.2009, 20:40Inaktiver User
AW: Richtig lieben lernen?
Liebe Anima,
das gibt es sicherlich, aber es ist sehr sehr selten. Vieles wird sicherlich nach außen anders dargestellt, als es ist. Nicht umsonst ist burning out immer wieder ein Thema bei Menschen, die die Pflege von Angehörigen übernommen haben.
Häufig ist es wohl so, dass eine Scheidung (weil sie z.B. die Ehe als lebenslange Partnerschaft ansehen, oder dem Druck der Umgebung nicht standhalten, oder nicht allein sein können) nicht in Frage kommt, oder sie nicht die Kraft haben, sich für sich selbst zu entscheiden - weil sie schlichtweg falsch erzogen wurden). Das wäre dann die andere Seite.
Und mach' Dir mal nichts vor: Viele Leute sind dann auch froh, wenn diese Pflegefälle endlich ihren Frieden gefunden haben.
Der Mensch wächst auch mit seinen Aufgaben. Lernen im eigentlichen Sinn kann man das wohl nicht.
Ehrensenf
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05.08.2009, 21:53Inaktiver User
AW: Richtig lieben lernen?
Also "Helfersyndrom" war es bei mir garantiert nicht.
Ich habe einen Beruf, wo ich diese Seite ganz gut "austoben"
kann
Auch habe ich mir als Partner nicht gezielt einen Menschen, der
Hilfe braucht,ausgesucht, das ergab sich eben so und als Gesunden
hätte ich ihn auch geliebt
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05.08.2009, 22:01Inaktiver User
AW: Richtig lieben lernen?
@Ehrensenf : zum Pflegefall kann unter Umständen jede/r
werden, so ist das Leben.Und burn out (nicht zu unterschätzen!)
ist kein Indiz, das man den Partner nicht mehr liebt,oder gar los
werden möchte.
Andererseits,schlechte Ehen o. Beziehungen werden ja
nicht automatisch gut, wenn einer der Partner schwer
krank wird oder verunfallt. Sich jemandem "aufzuopfern",
den man nicht oder nicht mehr liebt und nur zu bleiben,weil
es die Konvention verlangt,ist kein guter Weg,für alle Beteiligten
nicht.
Heute traf ich eine alte Dame, die jahrelang ihren alzheimerkranken,
etwas ältere Mann gepflegt hat.Sie ist froh das er erlöst ist,
aber sie vermisst ihn trotzdem, das konnte man spüren...
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11.08.2009, 01:45
AW: Richtig lieben lernen?
Die Frage ob jemand nach einem Schicksalsschlag bleibt oder sich schleicht ist, so denke ich, eine Frage des individuellen Charakters bzw. Grades der Zuneigung zur betreffenden Person.
Dieses hier genannte "Helfersyndrom" gefällt mir nicht ganz, es scheint so als wäre das ein kranker Zustand, das ist er nicht, er ist einfach nur sozial und mitfühlend.
Leider habe ich bloß das Gefühl, das solche soziale Kompetenzen vor allem von Frauen verlangt werden, wenn ein Mann also nicht mithalten kann und abhaut, wird in der Regel, viel mehr Verständnis und Mitgefühl gezeigt, wohingegen bei Frauen eine solche Unfähigkeit viel nachtragender gewertet wird.


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