Es war einmal ein kleines Mädchen, das träumte seit seinem 14. Lebensjahr davon, einmal mit echten Cowboys über die Prärie zu galoppieren. Über Jahre hinweg begleiteten sie Cowboys auf Plakaten im Jugendzimmer, in der Schule war sie mit Hut und Boots anzutreffen, mit 21 endlich erfüllte sich ihr Kindheitstraum und sie lernte Reiten wie die Cowboys. Von da an war dieser Wunsch noch mächtiger: Cowgirl sein!! Das Pflegepferd trug sie über Jahre hinweg durch die Wochen und Tage, bis ein Mann kam, der den Wunsch für ein paar Jahre in den Schatten stellte. Mittlerweile war das Mädchen 31 Jahre alt geworden und mit seinem Leben eigentlich sehr zufrieden. Doch leider war das Pflegepferd immer wieder krank und gab auch sonst Anlass zum Frust und irgendwann kam der Cowgirl-Wunsch wieder auf. Verbunden mit dem Wunsch, einmal allein eine große Reise zu machen. Der Mann, der den Wunsch der Frau kannte, unterstütze das sehr, wollte er doch einen alten Fehler aus einer früheren Beziehung nicht wiederholen.
Im Frühjahr war es ENDLICH so weit. Ich stieg in das Flugzeug, das mich nach Amerika bringen sollte. Ich, die ich seit fast 20 Jahren diesen Wunsch nach Cowboyleben in mir trug, viele Spötteleien für meinen Tick einstecken musste, war endlich auf dem Weg. Ich vibrierte innerlich vor Aufregung und fühlte mich stark und lebendig wie schon lange nicht mehr. Als ich viele viele viele Stunden später im Auto durch das Ranchtor rollte, konnte ich es nicht wirklich glauben. Ich war da!!! ENDLICH!!!
Die Zeit auf der Ranch war eine Offenbarung für mich, ich – immer etwas die Aussenseiterin, war ich auf einmal mittendrin im Cowboygeschehen. Menschen, (und vor allem auch Frauen) die mich wirklich mit offenen Armen empfingen und mich ohne zu fragen in Ihren Kreis aufgenommen haben. 10 Tage haben wir zusammen gearbeitet, sind mit tollen Pferden über weite Ebenen galoppiert, haben Kühe getrieben, Kälber geimpft, bis zu den Knöcheln im Schlamm gestanden und Party gemacht. Jeder Tag war neu aufregend, denn nichts läuft nach Plan, alles ist unkompliziert. Die Leute, die ich dort traf, waren aus dem gleichen Holz. Kein "das-mag-ich-nicht, das-ist-mir-zu-schmutzig, das-ess-ich-nicht, das-ist-mir-zu-laut-zuvoll-zuviel"-Gezicke. Einfach unkompliziert. Jeder macht alles mit.
Der Abschied fiel sehr sehr schwer. Als das Flugzeug gen Europa abhob, konnte ich mir die Tränen nicht mehr verbeissen. Wie solltet ich nur ohne diese Leute weitermachen??
Zurück in Deutschland habe ich den geistigen Anschluß an mein altes (doch vorher so gutes) Leben nicht mehr gekriegt. Tagelang hing ich richtig depressiv herum, mein Freund verständnislos und sauer, er sah das Ende schon nahen. DAS hatte er ja nicht gewollt. Eine saftige Beziehungskrise war die Folge. Auch mein Job erschien mit als total sinnlos, eingesperrt in einem Raum. Da saß ich nun, selbst nicht wissend, wer ich bin und was nun wirklich wichtig ist und dann noch eine bröckelnde Beziehung. Was war in USA passiert?? Wieso empfand ich mein vorher doch gutes Leben nun nahezu als bedeutungslos? Ich war mir doch so sicher! Was ist denn nun wahr?? Ich war total konfus, konnte nichts mehr essen, kaum etwas vernünftiges tun.
Mittlerweile haben sich die Wellen etwas geglättet, ich habe einige Dinge verstanden, viel mit Freunden gesprochen, mein Freund hat sich etwas beruhigt, der Alltag ist wieder zurück, aber die Ranch ist allgegenwärtig, denn der Kontakt zu den Leuten ist nicht abgebrochen.
Trotzdem ist alles wie hinter einem Schleier. Es berührt mich nicht wirklich, packt mich nicht an. Dinge, die mir früher wichtig waren, nehme ich am Rande wahr.
Gestern kam Post von einer der Mädels, die ich auf der Ranch kennengelernt hab. Sie fliegt nächstes Jahr wieder rüber. Ob ich nicht mitkomme, sie würde sich sooo freuen, mich wieder zusehen? Wann hat man mir sowas zum letzten mal gesagt???Jetzt ist das Gefühl wieder richtig schlimm geworden. Fühle mich mehr denn je wie in einer Warteposition. Wo ist mein Weg??? Einfach hinschmeissen und nach Amerika gehen kann doch nicht die Lösung sein. Oder doch? Das wäre zu einfach und doch eher eine Flucht. Oder nicht?
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Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 30
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28.07.2009, 11:39
Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
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28.07.2009, 11:46Inaktiver User
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Wie sähe das denn rein rechtlich aus, mit der Arbeitserlaubnis und so? Eher problematisch, oder?
Wie wäre es stattdessen mal, ganz pragmatisch zu überlegen, was du an deinem Leben verändern könntest, damit du dich nicht mehr wie in einer Warteposition fühlst?
Beruf? Freunde? Freizeit? Partnerschaft? Was vermisst du konkret in deinem Leben? Was könntest du ändern?
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28.07.2009, 11:46Inaktiver User
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Was genau hintert dich denn diesen Traum zu leben?
Wenn jemand so lange einen solchen Traum hat - dann gibts doch nur eins: Lebe deinen Traum!
Mir wäre es das alles wert, wüßte ich, dass es genau das ist was ich will!
Nur Mut!!
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28.07.2009, 12:25
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Liebe Lumming, liebe Dharma,
rein rechtlich wäre das wirklich sehr schwierig... Ich war doch nur Urlauberin dort. Will ich das wirklich auf Dauer? Um es wirklich genauer zu wissen, müsste ich mich um eine Art Praktikum bemühen... das würde mein Freund nicht mitmachen (sagte er bereits, nicht mal für 3 Monate)
Ich müsste meine Wohnung und meinen Job kündigen, denn ich habe keine Vertretung... und wenn ich danach zurückkomme... was dann?
Andererseits wollte ich immer etwas Aufregendes aus meinem Leben machen. Jetzt bin ich 31. Noch Zeit genug, aber auch nicht ewig.
Habe ich nur Angst vor der eigenen Courage??
Was mir hier in meinem Leben fehlt? Anerkennung und Begeisterung und Leute, die wirklich mit dem Herzen sehen und sich nicht an Oberflächlichkeiten festklammern.
Ich habe schon überlegt, meinen Job zu reduzieren und noch etwas anderes dazuzumachen. Aber was??
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28.07.2009, 12:29Inaktiver User
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Es hat doch etwas Gutes, dass du "aufgewacht" bist und über so etwas nachdenkst.
Es gibt auch Coaches, die einem bei der Beantwortung solcher Fragen helfen. Du bist wirklich nicht zu alt, um dich beruflich umzuorientieren.
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28.07.2009, 13:11Inaktiver User
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Melli - wie schwierig etwas ist hängt auch davon ab wie sehr man sich darum bemüht es zu bekommen! Du wärst auch nicht die Erste die in die USA einwandert um dort zu arbeiten.
Ob du es machst ist natürlich allein deine Entscheidung.
Was ich aber aus deinen Posts lese ist so eine Art "Krise" - diese Frage nach dem Sinn und "war das schon alles" - haben wir alle mal und jede von uns löst diese Frage auf seine Weise.
Wie lange bist du mit deinem Freund schon zusammen? Wollt ihr mal heiraten, Kinder, Haus etc.? Oder kommst du da auch nicht weiter?
Ich an deiner Stelle würde mir eine Liste machen mit Pro und Contra...
P.S. ein Mann sollte niemals der Grund sein etwas nicht zu machen!
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28.07.2009, 13:28
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Ein Traum ist ein Traum, sonst würde er Realität heißen
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Was ich meine ist, dass das Ideal eines Traumes der Realität nicht dauerhaft standhalten kann. Klar kannst du dein Leben ändern, alle Zelte abbrechen und nach Amerika gehen. Sofern das rechtlich möglich ist.
Aber bitte mache nicht den Fehler zu glauben, dass das Leben schwarz weiß ist. Amerika = alles toll, alle Menschen empathisch, nur Freude und Glückseeligkeit, reine Wunscherfüllung und Deutschland = nur Unzufriedenheit, der falsche Job, die falschen Menschen.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann warst du - wie die andern netten Menschen auch - in Amerika in Urlaub. In solch einer Atmosphäre sind die meisten Menschen guter Dinge und entsprechend drauf. Bei der Arbeit im Alltag sieht das schon anders aus. Auch in Amerika würde irgendwann der Alltag einkehren. Wären mal manche Menschen beschissen drauf oder unmöglich zu dir.
Ich halte es für sinnvoll zu überlegen, was man alles im Leben hat, was man sich wünscht, und wie man beides dann sinnvoll kombinieren kann. Denn wie gesagt, ein Traum ist ein Traum
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Geändert von beklamo (28.07.2009 um 13:31 Uhr)
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28.07.2009, 13:46Inaktiver User
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Hallo!
Also....nachvollziehen kann ich Deine Gefühle sehr gut....
Klingt nun vielleicht blöd......aber als Kind durfte ich immer Urlaub machen bei ganz lieben Menschen-- und dort gab es auch all das, was ich sonst in meinem Leben vermisst habe!
Gleichgesinnte Kinder....Menschen, die mich annehmen lieben, so wie ich bin.....und meinem Freiheitsdrang waren keine Grenzen gesetzt.
Nach diesen Urlauben......bin ich oft sehr lange wie hiinter Nebel gewesen....und konnte mich in mein Alltagsleben nur ganz schwer einfinden!
Gut - es war Kindheit.......aber heutzutage sehe ich, daß ich sehr unglücklich als Kind war und sowas für mich DAS Paradies darstellte!
Was ich damit nun sagen will ist, daß es wohl zwei Möglichkeiten gibt!
Die eine ist, daß Dir schon sehr lange sehr stark etwas fehlt!
Man fängt an innerlich "zu fliehen" und baut Sehnsüchte und Träume auf, in denen man endlch DAS hat, was man will!
Für diesen Fall......wäre es wichtig herauszufinden, wodrin denn Dein wirkliches Glücklichsein zu finden ist!
Was vermisst Du.......was - gefühlsmässig betrachtet- Du in USA nun bekommen hast......- und was davon hier nun anders ist......vielleicht ja schon immer??
Die andere Möglichkeit ist, daß Du vielleicht ja wirklch DER Aussteigertyp bist!
Es mag selten vorkommen.....aber vielleicht ist genau DAS Dein Weg und Du wirst erst Frieden finden, wenn Du den durchgezogen hast!
Egal welche Möglichkeit nun in Frage kommt.......Dich fragen, und zwar sehr genau und detailliert......WAS Du willst.......was Du brauchst.......-- ist wohl um Dich zu finden nun sehr wichtig!!
kenzia
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28.07.2009, 14:38
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
meli,
ich kann dich gut verstehen . . ich hab so eine lieblingsranch in spanien . . aber urlaub ist halt was anderes als ganz umzusteigen. .
cowgirl sein kannst du auch in europa . . auch in deutschland . . .
warum kaufst du dir nicht irgendwo in deutschland (am besten vor meiner haustuer!) einen fetzen land und machst eine ranch auf?
western-reitstaelle sind absolute mangelware und cutting-kurse sehr begehrt. .
alles liebe!LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH
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28.07.2009, 19:14
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Liebe Mellissima!
Ehrlich gesagt war ich von der Überschrift deines Postings so überrascht, dass ich gar nicht anders konnte, als es zu lesen... und heraus kam eine zauberhafte Geschichte, die mich sehr zum Nachdenken angeregt hat.
Ich möchte das nicht verniedlichen, mir ist bewusst, dass es um DEIN Leben geht, und du über die Umstände momentan wohl eher nicht glücklich bist...
Für mich wäre die einzige Lösung wirklich ein Mittelweg. Denn wenn dich das so beschäftigt, was ich gut verstehen kann... ob dich das dann nochmal loslässt, wenn du nichts tust??
Ich fand deine Idee mit dem Praktikum sehr gut. Nur, dein Freund... ich denke, davon sollte man sich nicht abhalten lassen. Kann mir aber auch vorstellen, wie schwer das ist.
Die Idee von Luciernago, so etwas in Deutschland aufzuziehen, finde ich auch klasse. Aber das ist halt nicht leicht finanzierbar... vielleicht mit anderen Interessierten... Bedarf gäbe es mit Sicherheit.
Ich würde mich freuen, hier über den weiteren Fortgang deiner Situation zu lesen, und sende dir alles Liebe!
FeuerzeichenMache niemals einen Menschen zu deinem Mittelpunkt,
für den du lediglich eine Option bist.
Hat die Blume einen Knick,
war der Schmetterling zu dick.


Jetzt ist das Gefühl wieder richtig schlimm geworden. Fühle mich mehr denn je wie in einer Warteposition. Wo ist mein Weg??? Einfach hinschmeissen und nach Amerika gehen kann doch nicht die Lösung sein. Oder doch? Das wäre zu einfach und doch eher eine Flucht. Oder nicht?
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