Hi Cowgirl
ich lebe in Amerika und kenne nach einigen Jahren auch die Schattenseiten: Kulturwüste, Essenshorror, und äh, hast du weiter oben gesagt, die Deutschen seien oberflächlich?
Trotzdem vermisse ich Deutschland keine Spur. Ich fliege ein-bis zweimal im Jahr zurück, hole mir Kultur und Essen und was ich sonst noch brauche ... und das Brigitte Forum hab ich endeckt, um mich auf Deutsch auszutauschen ...
Einfach deine Sachen packen und auswandern weils jetzt auf der Ranch so schön war, würde ich dir aber nicht empfehlen. Es ist ein großer lebensverändernder Schritt, so hab' ich z.B. ab Januar keine Ahnung, wo ich Krankenversicherung her bekomme. All dies sollte dir auch klar sein.
Es gibt verschiedene Foren, auf denen sich in Amerika wohnende Deutsche austauschen, wenn du interessiert bist und mir eine PN schickst, kann ich dir die Netzadressen gerne nennen. Du kannst dann ein wenig hineinschnuppern, was dich erwarten würde, verschiedene Möglichkeiten von Visa etc. Vielleicht kannst du da deine Frage auch noch mal stellen!
Viele Grüße, Kitty
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Ergebnis 11 bis 20 von 30
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29.07.2009, 01:19
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
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29.07.2009, 07:21
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Hallo Mellissima,
ich bin auch ein Typ, der seinen Träumen nachgehen muss. Mein Traum war, seit ich zwanzig bin, mal für längere Zeit in Prag zu leben. Nach dem Studium bin dann tatsächlich für drei Jahre hin gegangen. Und es war eine tolle Zeit. Mir ist zwar irgendwann klar geworden, dass ich nicht für immer dort leben will, aber ich habe so viel gelernt in dieser Zeit und möchte sie niemals wissen. Auch das Wissen, dass ich mir meinen Traum erfüllt habe und mich den Rest des Lebens nicht mehr fragen muss, wie es gewesen wäre, wenn, hat mir viel gegeben, auch mehr Selbstvertrauen.
Es muss ja keine Entscheidung für Lebenszeit sein. Und Du musst es auch nicht überstürzen. Die Idee mit dem Praktikum finde ich schon mal sehr gut. Klar ist es traurig, wenn man merkt, dass die Beziehung daran zerbrechen kann. Ist mir damals auch passiert. Aber manchmal trennen sich Wege eben auch wieder. Wenn ich im Innersten spüren würde, dass das mein Weg ist, den ich einfach gehen muss, dann würde ich gehen. Ich hätte auch zu viel Angst, meinem Partner irgendwann vorzuwerfen, dass ich seinetwegen auf meinen Lebenstraum verzichtet hätte.
Und ich bin auch ein Mensch, der lieber die Dinge bereut, die er gemacht hat als die, die er nicht gemacht hat. Ich will immer wissen, wie es es. Insofern von mir eine klare Ermutigung. Du bist ja auch noch jung genug, dass Du, wenn Du nach zwei, drei Jahren feststellen würdest, dass es das gar nicht ist, in Deutschland sicher wieder gut Fuß fassen würdest.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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29.07.2009, 07:39
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Liebe Mellissima
Ich musste grinsen, als ich deine Geschichte las, kenne ich doch jemanden, dem es ähnlich ging wie dir...
Kennst du dieses Buch?
Falls nicht, ist es vielleicht was für dich... es ist zwar ein Roman, aber *flüster* es gibt ein paar Übereinstimmungen mit dem echten Leben. Allerdings nicht das Happy End...
Und ansonten: ich würde auch vermuten, irgendetwas an deinem Leben gefällt dir grundsätzlich nicht. Warum nicht ändern? Ob es wirklich die Ranch in USA sein muss, wer weiss - das kannst letztlich nur du entscheiden. Vielleicht ist es genau das was du bis jetzt gesucht hast - vielleicht war es vor allem eine Reaktion auf deine Unzufriedenheit mit deinem jetzigen Leben.
Was passiert denn, wenn du dir mal vorstellst, hier in Deutschland ein völlig anderes Leben zu leben? Und was passiert, wenn du dir vorstellst, wirklich 365 Tage im Jahr auf einer Ranch zu verbringen, wenig Geld zu Verfügung zu haben, dir höchstens einmal im Jahr einen Flug nach D leisten zu können (und dass auch nur für max. 2 Wochen)?
Spiel das alles doch mal in Gedanken durch und guck, wie du dich damit fühlst.
Viele Grüsse
annapaulemaxThe aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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29.07.2009, 09:24
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
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29.07.2009, 10:20
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Ich glaube kaum, dass man eine solche Urlaubsranch in Deutschland aufbauen kann.
Mal konkret.
Es gehört sehr viel Land dazu, ein großer Viehbestand, damit es so authentisch wie möglich wird.
Ebenso fehlt hier das durchgängige sonnige warme Klima.
Ich glaube nicht, dass jemand gern Cowboy spielen möchte bei kaltem, nassen, ungemütlichen Wetter.
In Amerika sind die Voraussetzungen anders.
Direkt "echt" ist das natürlich auch nicht, es klingt nach der Verwirklichung von Cowboyromantik, nach High Noon und Pionierleben.
Der echte Cowboy hat einen dreckiger, anstrengenden, öden Knochenjob, er ist ein ungelernter Landarbeiter. Wenn man das so übersetzt und gleichzeitig all die unrealistischen Bücher, Filme und daraus resultierenden Vorstellungen vergisst, hört es sich nicht mehr so aufregend an wie "Cowboy". Party jeden Abend ist bei denen garantiert nicht angesagt, dazu gehört ein Spaß- und Spielbewusstsein, die Aufregung, etwas Besonderes zu leben für kurze Zeit.
Ich will kein Snob sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass die "echten Cowboys" ziemlich dumpfe Gesellen sind, die eher den Abend komatös mit Bierkonsum verbringen statt mit anregenden Partys
.
Teste es doch nochmal aus mit einem Ranchurlaub, um zu sehen, ob Du noch genau so begeistert bist. Wenn ja, sprich mit den Veranstaltern, informiere Dich amerikaweit oder auch in Australien, wo man in solche Unternehmen einsteigen kann, was Deine Möglichkeiten sind, was Du verdienen kannst, wie in etwa Dein Leben aussähe.
Die Infos kannst Du auch jetzt schon einholen, einfach mal ausloten, was es auf dem Gebiet gibt.
Dank Internet ist alles möglich!
Auf diese Art gehst Du kein Risiko ein, Du verlierst hier weder Job, noch Wohnung, noch Freund, gewinnst aber mehr Klarheit.
Es könnte gut sein, dass Dich beim erneuten Mal die Sache eher ernüchtert. Es wäre eine Wiederholung, andere Leute, vielleicht ist der Kick weg.
Aber das wirst Du ja sehen.
Kiss
Geändert von Kisskiss (29.07.2009 um 10:26 Uhr)
Zeit ist das, was verhindert, dass alles auf einmal passiert.
John A. Wheeler
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29.07.2009, 11:43
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Hallo Melissima
Gruss aus Australien :)
Ich kann nur unterschreiben, was Kitty und KissKiss geschrieben haben - es ist sicher etwas anderes, auf einer Ranch mitzuhelfen, die sich auf Touristen eingerichtet haben (oder hier in Australien eine Zeitlang Vieh durchs Outback zu treiben), als dort den ganz normalen Alltag zu leben.
Ich bin zwar auch sicher, wenn ich von australischen Verhaeltnissen ausgehe, dass nicht alle echten Cowboys Dumpfbacken sind und sich komatös saufen - aber es wird schon Dinge geben, die du nach einiger Zeit vermissen wirst. Wenn man vom zahlenden Tourist zum Ansaessigen wird, veraendert sich oft das Verhalten der Menschen, mit denen man zu tun hat. Kann, muss nicht.
Kannst du deutlicher rausarbeiten, was dir so gefallen hat? Arbeit mit den Pferden? Die Gemeinschaft? Die Natur? Das Nichtvorhandensein von Statussymbolen?
Ich glaub schon, dass man Aehnliches in D finden kann - ok, kein Mustering, aber soweit ich weiss, gibt es doch gerade in Nord- u Westdeutschland ziemlich viele Westernstaelle, oder?.
Diese Pferdefluesterin (hab den Namen grad nicht parat, aber sie ist ja oft in der Presse, wie ich hoere), waere das etwas fuer dich? Oder ist die schon zu 'kommerziell"? Bei der koenntet du dich ausbilden lassen.
Ich kenne auch noch einen alternativen Reitstall (Rai Reiten) in Westfalen, da hast du extrem viel Natur um dich.
Ich wuerde dir auch empfehlen, noch ein, zwei "Arbeits"urlaube anzuhaengen. Hier in AUS koennte ich dir per PN eine Adresse in den Snowy Mountains geben.
Hier unten etwas aufziehen, wirst du nur koennen, wenn du entweder sehr viel Geld hast,oder einen Jackaroo (hier heissen sie nicht Cowboys) heiratest - anders wirst du in dem Bereich kein Visum bekommen :)
Dass es dir in der Enge D's schwerfiel, dich wieder einzugewoehnen, kann ich mir gut vorstellen
"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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29.07.2009, 12:07
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Hallo zusammen,
danke für die vielen Kommentare!! Ich kann gar nicht auf alle antworten: Trotzdem: Ein bisschen haben sie mir schon geholfen: auf jeden Fall soweit, dass ich weiss, daß ich nie daran gedacht hab, gleich komplett auszuwandern. Dazu bin ich zu bodenständig und vernünftig (und wäre es manchmal doch lieber nicht). Ich weiß, daß ich im URLAUB dort war und dass viel an den Leuten liegt. Allein in the middle of nowhere auf ner Ranch ist es bestimmt nicht lustig.
Trotzdem reizt es mich immer mehr, mal zu testen, wie lange ich aushalten würde. Bisher ist ein 2. Ranchurlaub in Planung ... aber reicht das? (auch das ist meinem Freund nicht soo recht)
Ich arbeite seit meinem 16. Lebensjahr im selben Job. Andere gehen im Studium ins Ausland oder jobben erstmal rum, bevor sie wissen, wo's langgeht. Und ich?
Ich würde glaub ich gerne einfach mal raus! Richtig raus! Der Gedanke ist ganz frisch, deshalb taste ich momentan erst bei so 3 Monaten herum.
Hier stolpere ich aber trotzdem schon über mein mir anerzogenes Sicherheitsdenken... meinen Job aufgeben?? Welche Rolle spielt mein Freund?
Sollte er das nicht aushalten können? Würdet ihr das tun??
Zurückkommen und erstmal nichts haben? Braucht man unbedingt Geldreserven? Wieviel? Wohnung untervermieten?
Natürlich habe ich schon drüber nachgedacht, was mir hier in meinem Leben fehlt, sonst hätte es ja in USA nicht so eingeschlagen. Und ich glaube, ich könnte es auch relativ gut benennen. Aber ich habe keine Ahnung, wie ich von meiner jetzigen Position dort hinkommen soll. Will ich zuviel auf einmal?
@ annapaulemax: klar kenn ich das Buch. Verschlinge momentan alles, was es in der Richtung zu lesen gibt :-)
@ Kitty: ich fürchte, die Amerikaner sind auch oberflächlich... aber irgendwie offener gegenüber Fremden und generell kontaktfreudiger ... oder täusche ich mich? Ich finde die Leute in Deutschland teilweise sehr sehr egoistisch. Man denkt nicht über den eigenen Tellerrand hinaus... was nicht heissen soll, dass es bei euch anders ist. Dazu war ich nicht lang genug da.
Soweit erstmal für jetzt
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29.07.2009, 13:17
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Hallo Mellissima,
gerade wenn Du schon seit Deinem 16. Lebensjahr im selben Job bist, kann ich mir gut vorstellen, dass Du Dich nach Veränderung sehnst. Bestünd eventuell die Möglichkeit, Dich für ein ganzes oder wenigstens halbes Jahr unbezahlt beurlauben zu lassen?
Ich glaube, um herauszufinden, was Dich genau an dieser Lebensweise reizt, wäre es schon hilfreich, sie mal für längere Zeit kennenzulernen. Dann kannst Du immer noch entscheiden, was davon Du auf Dauer gerne haben möchtest und wo Du leben willst. Manchmal reicht es, Elemente des Wunschtraums in sein Leben zu integrieren (z.B. mehr Natur, die Arbeit mit Tieren, draußen arbeiten, eine bestimmte Sorte Menschen, etc.), und manchmal ist es tatsächlich das Gesamtpaket, worum es geht.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es einfacher wäre, hier in dem Bereich Fuß zu fassen oder etwas aufzubauen, wenn Du fundierte Erfahrung hast.
Was Deinen Freund angeht: es ist nun mal nicht sein Traum, und ich kann seine Abwehr durchaus nachvollziehen. Ich würde nicht per se sagen, dass er dafür Verständis haben und Dich in Deinem Selbstfindungsprozess unterstützen muss. Ich weiß auch nicht, wie gut ich es aushielte, wenn mein Partner von etwas träumt, womit ich so gar nix anfangen kann, und ob ich ihn dabei unterstützen könnte, wenn ich gleichzeitig Angst haben müsste, dass das möglicherweise das Ende unserer Beziehung ist. Ich denke, da muss man im Zweifel alleine durch.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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29.07.2009, 14:00
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
>Und ich glaube, ich könnte es auch relativ gut benennen.
mach das mal. *neugierig-guck*
entgegen anderer meinungen bin ich sehr wohl der meinung, dass man eine art ranch auch in deutschland auf die fuesse stellen kann.
geld braucht man ueberall . . .
ich glaube dir, dass du einfach berufsmuede bist. goenn dir doch 3 monate unbezahlten urlaub und geh auf eine ranch. da spricht doch nix dagegen . .LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH
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30.07.2009, 14:51
AW: Cowboy im Wohnzimmer...was ist meine Wahrheit?
Hallo zusammen,
also "im gleichen Job" heisst nicht im gleichen Betrieb. Aber halt immer die gleiche Arbeit...
Aktueller Stand: nach ausdauerndem Surfen gestern abend stiess ich auf eine Art "Suchanzeige" für eine Ranch-Hilfe für 2010. Wie elektrisiert hab ich gelesen und mich ehe ich mich's versah, ans Antworten gemacht – – den restlichen Abend ging meine Fantasie mit mir durch.. "Was wäre wenn...." und "Mann, wär das coool..." Und heute früh? Schon die Enttäuschung. Hmja... Schwierigkeiten, ein Visa zu bekommen. Kost und Logis zähle auch schon als Bezahlung und ohne Arbeitsvisum darf man halt nicht arbeiten in USA.... manche würdens halt trotzdem machen, wer soll das schon kontrollieren... andere tun's halt nicht. Mist. Mist.
Ich suche weiter.... ABER:
ich fürchte, ich könnte maximal 2 Monate aus meinem Job raus. Für längere Zeiträume müsste meinen Job jemand übernehmen... was von meinen Kollegen keiner kann. a) Zeit nicht b) Fachwissen nicht
Würdet ihr das riskieren? Job kündigen für Auslandszeit? Und wenn man dann zurück kommt, was dann?




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...
-trotz (u.a.) viel Unverständnis von aussen, und kann Dir nur sagen, wie gut es sich anfühlen kann ... gewisse Dinge zu verwirklichen (... die Dir niemand anschließend nehmen kann, und die dann zu Deinem Leben gehören werden

