Liebe Elaya,
ich habe Deine Geschichte und die Antworten heute erst gelesen, aber vieles davon kommt mir sehr bekannt vor. Bei mir war es bis vor kurzem auch so, dass ich prima funktioniert habe und mich ausschließlich nach den Bedürfnissen anderer gerichtet habe. Bin die älteste von zwei Mädchen gewesen und war immer die vernünftige, fleissige, angepasste, später auch erfolgreiche Tochter. Über die Jahre gings mir damit immer schlechter. Lange habe ich nicht richtig gemerkt, woran das lag. Ich hatte das Gefühl, in einem Theaterstück eine Rolle zu spielen, die der vernünftigen rationalen Frau ohne Probleme, die gut zuhören kann, die man auch prima ausnutzen kann. Seit zwei Jahren ist mir das immer mehr bewusst. Ich bilde mir auch ein, langsam rauszukriegen, woran das liegt. Und zwar an den Erfahrungen, die ich in meiner Kindheit gemacht habe. Im nachhinein betrachtet bin ich nicht meiner selbst willen geliebt worden, sondern für meine "Leistung" und auch "Gehorsam". Genau deshalb fällt es mir heute so schwer, auf meine Bedürfnisse zu achten (die ja nicht immer mit denen anderer übereinstimmen müssen). Ich habe furchtbar Angst nicht geliebt zu werden und auch starke Verlassensängste. Ich denke sehr stark über mich nach und bin ständig dabei, VErhaltensweisen anderer Menschen in meinem Umfeld zu interpretieren. Naja, ich könnte noch einiges mehr schreiben. :-( Aber vielleicht langweilt es Euch, das alles zu lesen.
veilchen70
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Thema: Ich kann mich nicht öffnen
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20.08.2009, 13:40Inaktiver User
AW: Ich kann mich nicht öffnen
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20.08.2009, 13:51
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Liebe Schlischlaschoe,
vielen Dank für Deine Antwort.
Ich glaube, ich bräuchte auch einen Coach oder ähnliches, der mir immer wieder zeigt, wie ich meine Meinung sagen kann. Innerlich ärgere ich mich schon oft, aber selbst das dauert lange. Bei anderen wäre schon längst die Schmerzgrenze erreicht. Bloß sagen kann ich in solchen Momenten meistens nichts.
Es handelt sich dabei oft um ganz banale Situationen wie z.b. kürzlich wieder. Ich stehe an der Eisdiele an und merke, wie sich rechts von mir jemand immer weiter vordrängelt und als ich dran war, etwas zu bestellen, sagt er einfach, er müsste zum Zug und dass er sowieso vor mir dran war und bestellt ganz dreist. Ich habe dann nur gesagt, dass er nicht vor mir da stand, aber sonst nichts. Und natürlich hatte er da schon sein Eis. Ich habe mich wieder innerlich so geärgert, weil andere ihn sofort angeschrien hätten oder mehr Reaktion gezeigt hätten. MIch überfordern schon solche Kleinigkeiten, dass ich bei wichtigen Themen erst recht nichts mehr hervorbringen kann.
Generell ist es auch so, dass ich mich nicht traue, jemanden etwas Negatives über seine Frisur, ein Kleid usw. zu sagen, wenn ich gefragt werde, sage ich immer, dass es ok ist, auch wenn es mir nicht wirklich gefällt. Ich glaube, meine Freundinnen merken das auch, weil sie manchmal nochmal nachfragen, ob ich das wirklich so meine. Auch wenn ich irgendwo eingeladen bin zum Essen und ich mag das Essen eigentlich gar nicht so sehr, esse ich es trotzdem und sage, dass es geschmeckt hat. Wenn es schon sehr spät ist und ich im Bett liege oder keine Zeit habe und jemand ruft an und hat ein Problem, sage ich auch nie, dass ich eigentlich keine Zeit habe, sondern telefoniere dann trotzdem. Von solchen Beispielen gibt es tausende.
Es ist definitiv so, dass es einfach vorausgesetzt wird, dass man alles mit mir machen kann und ich für alles Verständnis habe, wenn man nie seine Grenzen aufzeigt. Das würde ich so gerne erstmal im Kleinen ändern können.
Liebe Grüße,
Elaya
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20.08.2009, 14:04Inaktiver User
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallo!
versuchs doch mal im Kleinen. Eben genau bei solchen Situation, die du beschrieben hast und bei Leuten, die du erstmal nicht kennst.
Nicht sauer sein, dass du es nicht gemacht hst, sondern einfach das nächste mal versuchen :BLUMENGABE:
Kann man übrigens in allen möglichn Situationen üben.
Einfach mal auf Probe eine kritische Meinung haben. Oder beim Bäcker sagen: ne ich hätte gerne das link Brötchen nciht das Rechte.
Irgendwann gehts von selber.
Und wenn dich deine Freunde schon zweimal fragen, dann sag doch einfach das nächste Mal, dass "berauschend" anders aussieht oder dass das Outfit verbesserungswürdig ist.
Du schaffst das!
kannst das auch gerne an mir ausprobieren oder hier im Forum, und herstmal herzhaft widersprechen!
SchliSchla
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20.08.2009, 14:16
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallöchen,
es klingt beim lesen so, als ob du dich nicht wichtig genug nimmst und du meinst, dass du nicht genügend Selbstbewußtsein hast. Was du hast, ist dir selber zu bewusst zu sein und du dabei dich in Frage stellst.
Wie wichtig bist du?
( keine bös gemeinte Frage!!!)
Hilfreich ist die Vogelperspektive: stell dir vor , du schaust aus dem All und musst dich finden auf der Erde.
Dann wirst du feststellen, dass du ein winziger Teil im Großen bist.
Bitte nimm dich nicht so wichtig, dass es dich erdrückt. Die Menschen beachten Fehler an dir viel geringer und entspannter als du glaubst!!!! Sie machen auch Fehler und verstecken sich dafür nicht!
lass locker mit den Ansprüchen an DICH! Belohne dich für kleine Schritte und höre auf dich für "Mängel" zu "bestrafen", indem du dir selber die Liebe zu dir entziehst!
ich weiß, dass du vielleicht nicht gleich verstehst was ich möchte, aber nimm dich selber in den Arm und sei nachsichtig mit dir! Dann sind es andere auch und wirst dich öffnen!
LG :-)))))
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23.08.2009, 13:15
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallo!
Ich freue mich sehr über Eure Beträge, sie geben mir den Anstoß über mich in einer Weise nachzudenken, wie ich es bisher immer vermieden habe.
Liebes Veilchen,
genau wie Du es beschreibst war es in meiner Kindheit auch. Ich war immer die brave, liebe, angepasste Tochter, während meine Geschwister das Chaos verursachten. Warum es so war, kann ich gar nicht sagen, ich glaube wie gesagt, dass ich einfach vom Charakter eher ruhig und schüchtern bin. Jedenfalls habe ich auch oft gedacht, dass ich nicht mehr gemocht werde, wenn ich mich anders verhalten hätte und habe heute auch große Verlustängste in jeglicher Beziehung. Vielleicht hängt auch vieles mit der Beziehung zu meinem Vater zusammen, dass er oft keine Zeit hatte und die Kinder und die Familie generell für ihn nur nebenbei herliefen und es eigentlich immer wichtigeres gab.
Wahrscheinlich kommen einfach mehrere Dinge zusammen. Selbst bei Freunden, von denen ich ja weiß, dass sie mich mögen, habe ich oft unerklärliche Angst, sie zu verlieren, wenn ich etwas in meinen Augen Falsches sage oder tue. Deshalb bin ich auch so konfliktscheu, wobei ich nicht wirklich weiss, wie man einen Konflikt oder Streit austrägt, da ich mich noch nie mit jemandem richtig heftig gestritten habe, wie es z. b. auch zwischen meinen Eltern und meinen Geschwistern passiert ist und heute teilweise noch vorkommt.
Es wäre schön, wenn Du noch mehr schreiben würdest, es langweilt mich ganz und gar nicht.
Liebe Schlischlaschoe,
ich versuche jetzt ganz bewusst darauf zu achten, in welchen Situationen ich mich unwohl fühle. Bisher konnte ich nicht mal das richtig definieren. Es gibt Momente, in denen ich merke, dass das, was jemand zu mir sagt oder wie sich jemand verhält, eigentlich nicht in Ordnung ist, aber ehe ich wirklich die Möglichkeit hätte, so etwas wie Ärger zu empfinden und darauf zu reagieren, ist der Augenblick, etwas darauf zu antworten schon längst wieder vorbei.
Was mir auch aufgefallen ist, ist dass ich bisher immer vermieden habe, mich an Tratsch über Kollegen oder irgendwelche entfernten Bekannten zu beteiligen, obwohl jeder andere immer laut und deutlich seine oftmals nicht positive Meinung kundtut. Nicht, dass ich darauf jetzt besonderen Wert legen würde, aber es ist einfach erneut eine Meinungsäußerung, die ich vermeide.
Ich möchte einfach gerne mal wahrgenommen werden von anderen und nicht immer bloß als die ruhige, schüchterne gelten, von der nichts kommt und die immer nett lächelt...
Liebe Blume,
Dein Beitrag hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich denke, dass es auf der einen Seite so ist, dass ich mich nicht wichtig nehme, weil mir von jeher vermittelt wurde, dass immer alles andere oder alle anderen in meiner Familie wichtiger waren, weil sie ständig Probleme hatten und sich eben nicht angepasst haben.
Auf der anderen Seite nervt es mich auch sehr, dass ich so viel über mich und meine Wirkung auf andere nachdenke. Vielen wird es wahrscheinlich gar nicht so bewusst sein, worüber ich mir ständig Gedanken mache. Ich glaube, ich habe so viele festverankerte Denk- und Verhaltensmuster in mir, die ich erstmal entwirren muss, bevor ich den Kreislauf durchbrechen kann. Wie kann man einerseits lernen, sich wichtig zu nehmen ohne dabei ständig um sich selbst zu kreisen?
Viele liebe Grüße,
Elaya
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23.08.2009, 22:06Inaktiver User
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallo Elaya,
mir geht es sehr ähnlich wie dir. Ich hatte und habe große Probleme damit, hinter meiner 'Maske' hervorzukommen.
Gerade gestern hatte ich wieder so ein Erlebnis: ich habe mit neuen Bekannten etwas getrunken und mich nett unterhalten und mich eigentlich richtig wohl gefühlt. Aber trotzdem war da diese Zurückhaltung, das Gefühl, mich immer kontrollieren zu müssen und auf der Hut sein zu müssen.
Dementsprechende Rückmeldung habe ich dann auch von einer der Bekannten bekommen. Sie hatte den Eindruck, ich hätte mich unwohl gefühlt.
Selbst mit Leuten, die ich ewig lange kenne kann ich nur schwer aus mir heraus kommen, ich habe Angst davor, mich angreifbar zu machen.
Das hat schon in der Kindheit angefangen. Ich war, ähnlich wie du, immer die vernünftige brave Tochter. Gefühlsausbrüche waren meiner Mutter vorbehalten, ich mußte die Fassung bewahren.
Langsam schaffe ich es, mich Schritt für Schritt in die richtige Richtung zu bewegen und aus meinem Schneckenhaus zu kommen. Aber es ist ein langer Weg.
Mir hilft es, mit Fremden zu üben, bzw. mit Leuten, gegenüber denen ich keine Verpflichtung fühle oder deren Urteil mir nicht wichtig ist.
Ich sage inzwischen einer Kollegin schon mal deutlich die Meinung und kann mich in Konfliktsituationen generell besser behaupten.
Mein Manko sind nach wie vor persönliche Gespräche, in denen ich nur sehr allmählich offener werde.
Viele Grüße,
bootsfrau
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28.08.2009, 18:54
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallo ... ich verfolge diesen Thread schon eine Weile. Kann mich da teilweise auch wiederfinden, wobei ich diese Probleme bei guten Freunden, Kollegen, Familie usw., also bei menschen deren zuneigung ich mir sicher, nicht habe. Da kann ich durchaus sagen wenn mir etwas nicht passt, nein sagen oder mir etwas nicht gefällt usw.
Allerdings fällt mir das in Liebesdingen, z. B. bei Männer deren Zuneigung ich mir nicht 100 % sicher bin, sehr schwer. Habe da immer eine riesen Mauer um mich rum und spiele die Coole, verhalte mich ambivalent, kann Gefühle ganz schlecht zeigen und mich nicht öffnen. Ich versaue mir dadurch eine Menge, weil derjenige ja auch nie so genau weiß, woran er ist. Hier fällt es mir sehr schwer Dinge zu hinterfragen oder Unmut zu äußern.
Habe da auch schon schlechte Erfahrungen gemacht ... wenn ich dann mal meinen Unmut äußere ist Mann weg. Mmmhh.
Hat da vielleicht irgendwer eine Idee wie man aus diesem Status herauskommt???
LG SonnenscheinTrauer icht um den Menschen, der ohne dich leben kann ... Finde lieber einen Menschen der ohne dich nicht mehr leben will ...
Aus Mettwurst machste kein Marzipan ... das ist aussichtlos (Stromberg)
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31.08.2009, 12:37
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallo Bootsfrau,
ich habe, ähnlich wie Du, auch immer Angst, mich angreifbar zu machen und gebe aus diesem Grund kaum etwas Privates von mir Preis. Ich schäme mich auch oft für meine verkorkste Familiensituation und meine eigene Problematik, so dass ich selbst lieber nichts erzählen will, obwohl ich ja merke, dass die Reaktionen von anderen gar nicht schlimm sind, wenn jemand anderes etwas von sich erzählt. Ich glaube, das ist bei mir einfach schon so eingefahren, dass diese Schutzhaltung schon zu einem Automatismus geworden ist, den ich kaum beeinflussen kann.
Hast Du Dich denn mit Deinen Bekannten wirklich wohlgefühlt? Und hat Dir Deine Bekannte gesagt, warum sie den Eindruck hatte, es wäre nicht so gewesen?
Was meinst Du genau damit, dass Du Fremden gegenüber Deine Haltung eher ablegen kannst? Sind das dann Kollegen oder Leute, die Du gar nicht kennst, also im Supermarkt, auf der Straße usw.? Mir fällt es ja selbst ín diesem Bereich schwer, meine Meinung zu sagen, auch wenn ich weiß, dass ich diese Leute nie wieder sehen werde.
Hallo Sonnenschein,
auch Deine Haltung in Bezug auf Männer kenne ich nur zu gut. Sobald mir jemand gefällt, ziehe ich mich noch viel mehr zurück als bei Frauen oder den Menschen im Allgemeinen. Ich habe dann sofort Panik, dass der Mann merken könnte, dass ich ihn mag und ich in dem Moment verletzbar werde. Lasse ich ihn in dem Glauben, er interessiere mich nicht, kann ja auch von ihm keine weitere Reaktion kommen, die mich verletzen könnte.
Auch ich habe mir damit schon viel verbaut. Es ist so, dass ich auch viele negative Erfahrungen gemacht habe und deshalb schon automatisch davon ausgehe, dass ein Mann kein echtes Interesse an mir hat, sondern lediglich eine Affaire oder Ähnliches will, was sich in der Vergangenheit auch leider oft bestätigt hat. Ich bin sehr misstrauisch und interpretiere jede seiner Aussagen genau, so dass ich erst recht nicht mehr ungezwungen auf jemanden zugehen kann.
Ich bin dann auch oft sehr ambivalent in meinem Verhalten. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, aber beim nächsten Mal ist es wieder so. Ich wüßte auch sehr gerne, wie ich diesen negativen Kreislauf durchbrechen könnte.
Liebe Grüße,
Elaya
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31.08.2009, 18:31
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Ja ganz genau so ist es bei mir auch ... ich stecke aktuell wieder in so einer Sache drin, wo ich nicht weiß ist das jetzt eine Affäre oder geht das Ganze doch in Richtung Beziehung. Habe mir schon mein Hirn zermartert, wie ich das anspreche, in meinen Gedanken weiß ich ganz genau was ich sagen will, hab die Sätze alle parat, wenn es dann aber soweit ist kriege ich kein Wort über die Lippen. Mensch ... würde so gerne aus meinem Schneckehaus rauskommen und endlich Tacheles reden. Hab schon mal über eine Therapie nachgedacht ... vielleicht mache ich das tatsächlich. Diese Gedankenkaruselle nehmen einem doch eine Menge Lebensqualität.
LG SonnenscheinTrauer icht um den Menschen, der ohne dich leben kann ... Finde lieber einen Menschen der ohne dich nicht mehr leben will ...
Aus Mettwurst machste kein Marzipan ... das ist aussichtlos (Stromberg)
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31.08.2009, 22:18Inaktiver User
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Ich habe mich mit der Bekannten so wohl gefühlt, wie ich mich in Gegenwart anderer Menschen wohl fühlen kann. Hundertprozentig entspannt bin ich leider nie.
Ihr Eindruck war, dass ich oft sehr ernst und reservier geguckt habe - diese Rückmeldung habe ich auch schon von anderer Seite bekommen. Ich kontrolliere mich ständig und bin selten spontan.
Bei Fremden bin ich irgendwie frei von dem Zwang einer bestimmten Erwartung entsprechen zu müssen, da kann ich mich dann eher gehen lassen.


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