Liebe Schafwolle,
danke für Deinen Beitrag, in dem ich mich sehr gut wiedererkenne. Bei mir ist es auch so, dass ich immer für alles und jeden Verständnis zeige und versuche, mich in den anderen hineinzuversetzen und herauszufinden, warum er jetzt so oder so gehandelt hat, was auf Dauer auch ziemlich anstrengend ist. Aber Du hast recht, man ist dadurch auf irgendeine Weise viel tiefgründiger, was von anderen oft als zuviel des Guten angesehen wird.
In meiner Familie war ich schon immer die Vernünftige, die sich im Gegensatz zu meinen Geschwistern nie mit den Eltern angelegt hat, sondern immer schön klein beigegeben hat. Somit kam es, dass ich schon früh viel durfte, was meinen Geschwistern nicht erlaubt wurde, so dass ich gar keinen Grund mehr sah, mich mit meinen Eltern auseinandersetzen zu müssen. Irgendwann haben sich meine Eltern nicht mehr verstanden, mein Vater hat sich sehr verändert. Die Art und Weise wie er mit meiner Mutter umgegangen ist und uns belogen hat, hat mich sehr geprägt, so dass ich versucht habe, auf eine gewisse Art unsichtbar zu sein und bloß keinen Ärger von ihm hervorzurufen. Seither bin ich jeglichem Konflikt aus dem Weg gegangen und das in jeglicher Beziehung, bei Freunden, bei Männern, einfach überall. Somit denke ich, dass ich gar nicht weiß, wie man Konflikte austrägt. Ich habe auch das Gefühl, dass meine Schmerzgrenze insgesamt viel höher liegt als bei anderen. Es dauert sehr lange, bis ich wirklich Wut und Ärger in mir spüre und wenn, kann ich es nicht ausdrücken und zeigen, sondern verdräge alles. Keine Ahnung, wie ich das ändern kann.
Danke fürs Lesen. Es tut gut, das alles mal aufzuschreiben und eine Resonanz zu bekommen.
Ich bin jetzt für zehn Tage im Urlaub und werde nicht schreiben können. Aber ich melde mich wieder, wenn ich zurück bin.
LIeben Gruß,
Elaya.
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Thema: Ich kann mich nicht öffnen
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30.07.2009, 22:42
AW: Ich kann mich nicht öffnen
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30.07.2009, 22:53
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Liebe Elaya,
ich wünsche dir einen wunderschönen Urlaub!
Dein Thema ist sehr spannend, und nachdem es auch meiner eigenen Baustelle so ähnlich ist, freue ich mich auf einen weiteren Austausch hier.
Viele Grüße,
schafwolle
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30.07.2009, 23:06
AW: Ich kann mich nicht öffnen
So paradox es sich vielleicht anhören mag, ich tue nicht wirklich etwas gegen das Tief! Ich kämpfe nicht dagegen an, ich wehre mich nicht. Ich lasse es zu. Ich lasse alle traurigen, schlechten, einsamen Gedanken und Gefühle zu. Ich durchlebe alle einsamen Momente ganz intensiv. Ich spüre meine Schmerzen, lasse sie zu, heule wie ein Schloßhund und gehe durch die Trauer und den Schmerz durch, von der ich manchmal glaube, sie sei so stark, dass ich sie körperlich nicht aushalten kann. Jedoch bin ich kein Verdränger, das konnte ich noch nie. Wenn ich versuche, diese Gefühle zu verdrängen, wird der Druck so immens, dass ich mit Panikattacken reagieren könnte. Daher lasse ich den Druckausgleich immer zu. Jeden Tag. Das ist ein sehr harter Weg, denn ich schaue dabei auch vielen meiner Dämonen ins Gesicht, das macht Angst. Aber ich lerne mich dabei auch gut kennen und kann mich und meine Situation dadurch viel besser annehmen. Ich erkenne dadurch auch täglich mehr, dass ich ok bin wie ich bin und das baut ganz langsam aber sicher mein Selbstwertgefühl wieder auf.
Andererseits kann ich durch diese Art, sämliche Gefühle so zuzulassen, wie sie nun einmal da sind, auch die guten Gefühle leben und dann auch genießen. Jedes Lächeln eines Kindes, jedes Schmusen meines Hundes, jedes nette Gespräch mit völlig Fremden, jeder Sonnenstrahl, jedes Entenküken etc., etc. nehme ich positiv zur Kenntnis, erlebe ich ganz intensiv. Etwas, was mir früher abhanden gekommen war!
Vielleicht nicht für jeden nachahmbar, aber für mich der richtige Weg!
Ich weiß nicht, ob es Wing Tsun in Fitneßstudios gibt..., aber mittlerweile auch schon in einigen Sportvereinen. Ansonsten google doch einfach mal nach Kampfsportarten (es gibt ja noch diverse andere, ich kenne jedoch nur diesen), es gibt fast in jeder Stadt gute Angebote.
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31.07.2009, 14:35
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Genauso empfinde ich auch.
Das ist oft so ein Hin und Her, sich mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen und dem Bedürfnis, endlich in meinem eigenen kleinen Leben zur Ruhe zu kommen, da man sowieso wenig ändern kann.
Aber dieser ständige Konflikt ist auch der Zugang zur eigenen "Unterwelt".
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02.08.2009, 21:24
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Elaya, du sprichst mir zutiefst aus der Seele
Genau das könnten meine Worte und Taten sein. Ich möchte das so gerne ändern, aber weiß nicht wie... Ich stehe vor einem riesen Fragezeichen.
Nein Elaya, er weiß es nicht. Er kann es gar nicht wissen, weil ich mich sehr zurückhaltend verhalten habe. Alles bei uns hat irgendwie schräg angefangen. Beide haben wir Angst vor einer Beziehung und haben uns anfangs darauf geeinigt, dass wir keine Beziehung wollen, sondern nur ein bisschen Spaß miteinander haben. Aber wie es so ist, irgendwie ist da mehr entstanden. Er hat mir indirekt seine Gefühle geäußert, aber ich hab mich zurück gehalten. Vor ein paar Tagen gab es eine Situation, da hat er mich richtig geärgert, so dass ich sauer geworden bin. Er hat angefangen zu lachen und meinte: "Wow, was ist da denn kurz aufgeblitzt. Ein kleiner wütender Blick. Endlich wirst du normal."
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02.08.2009, 21:25
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02.08.2009, 21:30
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02.08.2009, 21:34
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Julchen, genau so handel ich auch. Den Schmerz und die Trauer zulassen, aber halt für mich allein. Anderen gegenüber lächel ich, egal wie schlecht es mir geht.
Und ja, die guten Momente kann ich auch genießen und mich an dem Lachen der Kinder, der Blumen, der Tiere, der Natur, etc. erfreuen.
Schlaft schön
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15.08.2009, 14:56
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallo ihr Lieben,
ich bin wieder zurück aus dem Urlaub und freue mich auf einen weiteren Austausch mit Euch.
Ich merke, wie ich in den letzten Wochen versucht habe, mein Verhalten anderen gegenüber bewusster wahrzunehmen und stelle fest, dass es sehr vielschichtige Ebenen sind, an denen ich arbeiten muss. Zum einen ist da das Verhältnis zu meinen Eltern, für die ich immer Verständnis hatte und mich praktisch unsichtbar gemacht habe. Auch heute noch würde es mir sehr schwerfallen, meiner Mutter zu sagen, wie es mir wirklich geht, obwohl sie es wahrscheinlich irgendwo auch weiß, aber es ist eben nicht ausgesprochen. Wenn ich ihre eigene Traurigkeit spüre, fühle ich mich sofort wieder in das alte Muster zurückgeworfen und nach wie vor gefangen in der Kind-Eltern-Situation. Vor den unberechenbaren Ausbrüchen meines Vaters habe ich heute noch Angst und wenn ich bei ihm bin, ist alles wie früher. Ich denke, dass mich sein Verhalten besonders negativ geprägt hat. Im Vergleich zu meinen jüngeren Geschwistern bin ich ganz anders, sie sind offen, selbstbewusst und sagen immer, was sie denken.
Dann sind da meine Beziehungen zu anderen Menschen außerhalb meiner Familie. Bei meinen Freundinnen bin ich immer die gute Zuhörerin und nach außen hin läuft alles gut. Was mich ein bisschen wundert ist, dass sie nie wirklich nachfragen bzw. meine „Show“ nicht durchschauen. Im Grunde genommen wissen sie ja von der ganzen Problematik, auch wenn ich nicht oft darüber spreche, aber wahrscheinlich möchten sie mich aus Rücksicht nicht darauf ansprechen und denken, ich würde dies von selbst tun, wenn ich darüber reden möchte.
Wenn ich auf fremde Menschen treffen, habe ich sofort das Gefühl, dass sie erkennen, wie schwach ich mich fühle und wie unsicher ich bin. Auch mit Kollegen geht es mir oft so, dass ich mir so viel gefallen lassen und nie sage, wenn es mir zu viel wird. Das ganze Thema Außenwirkung hat für mich mittlerweile einen so großen Stellenwert bekommen, dass ich mich immer frage, wie ich auf andere wirke und ob sie mich wieder als ruhig und zurückhaltend betrachten. Von einem Kollegen kam kürzlich wieder eine Aussage in diese Richtung. Ich würde gerne über diesen Kommentaren stehen, aber sie sind jedesmal ein Rückschlag.
Es ist so, dass ich ganz besonders im Umgang mit Männern große Probleme habe. Wenn ich z. B. auf der Arbeit oder beim Sport eine Frau kennenlerne, die sich mir gegenüber von Anfang an sympathisch verhält, habe ich ihr gegenüber kein Misstrauen. Bei Männern hingegen ist es ganz anders. Ich kann ihre Aussagen und ihr Verhalten einfach nicht deuten. In ihrer Gegenwart fühle ich mich immer unsicher. Im Grunde genommen ist es so, dass ich ihnen aus dem Weg gehe, weil ich keine weiteren Verletzungen mehr zulassen möchte. Andererseits sehne ich mich nach einer Beziehung.
Im Urlaub mit meiner Freundin haben wir zwei befreundete Männer kennengelernt. Einen der beiden fand ich von Anfang an interessant, sympathisch und auch anziehend. Während des Urlaubs haben wir ein paar mal etwas zu viert zusammen unternommen und dann kamen noch mehr Leute zu der Gruppe dazu, aber ich hatte schon das Gefühl, dass er gerne mit mir Zeit verbracht hat. Am Ende seines Urlaubs hat er mich nach meiner E-Mail Adresse gefragt und sogar direkt am Tag seiner Rückkehr geschrieben. Ich habe ihm dann auch sofort geantwortet und seitdem (fast eine Woche her) nichts mehr von ihm gehört. Solche Situationen bringen mich sofort wieder derartig durcheinander und belasten mich, weil es immer nach dem gleichen Muster abläuft. Erst hat jemand (scheinbar) Interesse und dann wendet er sich plötzlich ab. Eine solche Situation löst in mir eine Lawine von Gedanken aus. Habe ich mir alles nur eingebildet? Ich war mal wieder zu schüchtern, zu zurückhaltend und habe zu wenig gezeigt, dass ich ihn mag, eben aus den bekannten Gründen, mich nicht öffnen zu können. Da Situationen wie diese meine Selbstzweifel nur noch bestärken, würde ich sie am liebsten komplett vermeiden, da es jedesmal einer persönlichen Ablehnung gleichkommt. Ein Teufelskreis, da die Vermeidung mich nur noch mehr isoliert.
Ähnlich wie bei Euch Julchen und Engelchen muss ich meinen ganzen Schmerz, meine Einsamkeit und meine Trauer in schlimmen Momenten auch komplett ausleben, aber eben nur für mich allein. Nach außen hin zeige ich keinerlei Regung. Dann geht es mir auch oftmals so schlecht, dass ich das Gefühl habe, die Schmerzen körperlich spüren und nicht aushalten zu können. Und dann gibt es zum Glück auch wieder schöne Momente, die ich ganz bewusst genießen kann, wie z. B. ein schönes Gespräch oder eine unerwartete Begegnung mit einem netten Menschen oder wenn etwas auf einmal ganz leicht geht. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es Menschen gibt, die mir ähnlich sind und ich irgendwann aus diesem Tief rausfinde.
Ich freue mich wieder von Euch zu lesen.
Liebe Grüße von Elaya
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18.08.2009, 13:56Inaktiver User
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Hallo liebe Elaya,
habe deine Geschichte gelesen und finde es bemerkensert wie sehr ich mich darin wiederfinden kann. Besonders dein wiederholtes "unsichtbar fühlen" kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich selber war früher mal sehr introvertiert, hatte auch diese Maske auf, dann kam eine Zeit, in der ich mich durch Interssen und Freunde besser aufgehoben gefühlt habe und extrovertierter geworden bin. Dann ist folgendes passiert: Ich bin in eine Situation geraten, in der ich meine Meinung sagen musste, gegenüber einer sehr starken Persönlichkeit, weil ich einfach an den Rand meiner Frustrationstoleranz getrieben wurde.
bumsfallera, habe ich dermaßen eins auf den Deckel bekommen, dass ich mich wirklich verdünnisiert habe. Die Dame dachte nämlich ernsthaft, mit mir könne sie ja alles machen.
Da sehe ich die Gefahr drin, nie seine Grenzen aufzuzeigen, denn die Leue machen dann wirklich mit einem, was sie wollen.
Ich habe auch eine Therapie gemacht, weil ich mich komplett zurückgezogen habe, aber mein Thera war ganz cool, der hat mich so lange getriezt bis ich wirklich sauer wurde und vor ihm praktisch ausgerastet bin. Er lachte mich an und sagte: ach schön, ich dachte ich lerne Sie nie kennen. Daraufhin haben wir immer wieder geübt, die Meinung zu sagen.
Und das ging los bei so Sachen wie Einkaufen: "ne, das mag ich nicht."
über Verabredungen: "dann kann ich nicht, und außerdem will ich was ganz anderes machen" über einer Freundin sagen, dass ihr der Rock wirklich nciht steht und mal einen richtigen Jammertag einlegen und es genießen.
Meine Familie hat mir beigebracht, sich nie nie nie als Opfer zu fühlen, ebenso einige falsche Freunde. Und weißt du was, jammern ist garnichtmal so schlimm! oder einfach "*****" rufen!
Auch wenn es ein wenig dauert --da wirklich die Hälfte der Menschheit anders denkt und Harmoniebesessen (gibts die und auf welche/ wessen Kosten?) ist --- sagen auch irgendwann ein paar Leute "hey finde ich ja cool, dass du deine Grenzen zeigst".
Gibt es denn Dinge die dich so richtig annerven? Du könntest anfangen mal richtig über sie abzulästern, ohne dich schuldig zu fühlen.
Einfach mal sagen " XYZ Finde ich blöd"
Hilft mir manchmal weiter ;)
Geändert von Inaktiver User (18.08.2009 um 14:01 Uhr)


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Und du hast vollkommen recht!

