Damit hast du total recht. Aber woran liegt das? Liegt es daran, dass man sich lieber mit starken (also Problemfreien) als mit "schwachen" Menschen abgibt?
Ich sehe ein, dass meine Haltung im Beruf sehr viele Vorteile hat, aber im Privaten will ich diese Haltung nicht mehr einnehmen![]()
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Thema: Ich kann mich nicht öffnen
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29.07.2009, 13:40
AW: Ich kann mich nicht öffnen
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29.07.2009, 13:42
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich war früher offen, kontaktfreudig, vertraute den Menschen, alles war leicht. Durch mehrere schwere Schicksalsschläge in der Familie, etliche Beziehungen mit entsetzlich verletzendem Ende bin ich mittlerweile (Anfang 40) in einer Situation wie Du. Ich vergrabe mich zu Hause, traue so gut wie niemandem mehr (außer Leuten, die ich aus meinen guten Zeiten kenne!). Du siehst also, auch Menschen, die früher selbstbewußt waren und mitten im Leben standen kann das durch Lebensumstände passieren. Ich bin jetzt so langsam wieder dabei, meine Fühler in die Welt auszustrecken, langsam aber stetig.
Was hälst Du davon, wenn Du Dir vornehmen würdest, jeden Tag einen fremden Menschen anzulächeln? Du würdest Dich wundern welche tollen Reaktionen zurückkommen. Von Lächeln bis zu einem netten Gespräch alles drin. Kannst ja erstmal mit Frauen / Kindern / Omas etc. anfangen bevor Du Dich an ein Lächeln mit einem Mann traust!?
Was hälst Du von Kampf-/Selbstverteidigungssport? Ich würde Dir Wing Tsun empfehlen. Dort wird Dein körperliches Selbstwertgefühl von einem professionellen Trainer gefördert, der Dich dazu bringen wird, aus Dir rauszugehen, jedoch ohne auch nur ein einziges Wort über Dich sprechen zu müssen! Du kannst dort körperlich Deine Grenzen erweitern....bevor Du Deine Seele irgendwem offenbarst. Und der Sport ist ein gutes Ventil für Streß. Belastung, man bekommt den Kopf frei! Körperliches Selbstwertgefühl zeigt sich in der Haltung, der Kopfhaltung, dem Blick, eben Deiner ganzen Erscheinung. Das strahlt dann auch auf andere Menschen aus! Ganz nebenbei bekommst Du vielleicht Kontakte über den Sport mit Leuten, mit denen abends evtl. mal was unternommen wird.
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29.07.2009, 13:43
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Ich habe mich nie gefragt, wo ich hingehöre. Jeder Mensch gehört sich zunächst mal selbst und muss seine Heimat in sich selbst finden.
Ob deine Freundinnen keine Probleme haben ? Da bin ich doch sehr skeptisch. Sie sind halt Tag und Nacht mit ihrer Familie beschäftigt und haben gar keine Zeit, sich mit psychologischen und philosophischen Fragen zu beschäftigen.
Mmh.
Vielleicht muss ich mir jeden Tag vornehmen, fremde Leute anzusprechen, anzulachen etc, damit ich merke, dass es nicht wehtut, mit anderen in Kontakt zu treten.
Ich denke einfach unheimlich viel über mich selbst und über mein Verhalten nach, das würde ich gerne abstellen können und zur Abwechslung einfach mal das Leben geniessen!
Überleg doch mal, ob du für irgendwas oder irgendwen eine gewisse Begeisterungsfähigkeit in dir spürst. So könntest du einen positiven Anfang wagen.
Ehrlich gesagt, habe ich im Laufe der Zeit festgestellt, dass andere Menschen auch bloss mit Wasser kochen oder sogar noch weniger Einsicht in die Komplexität des Lebens haben als ich.
Kannst Du erklären, warum Du Dich im Laufe der Zeit so verändert hast in Deinem zurückhaltenden Verhalten, abgesehen von den Affairen, die Du eingegangen bist?
Ja, ich weiss, das klingt jetzt banal, ist aber ein wichtiger Schritt zu einem unbeschwerten Leben gewesen.
Wichtig war bei mir auch immer, dass ich mit beiden Beinen auf der Erde geblieben bin. Das hat mir HALT gegeben und ich war ziemlich unabhängig von der Meinung anderer Leute.
Irgendwie bin ich immer einem roten Faden gefolgt, der sich ganz leise in mir bemerkbar gemacht hat.
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29.07.2009, 13:46
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29.07.2009, 13:48
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Wenn ich mich richtig erinnere war es so, dass der Schmerz, der mir von anderen Menschen (oft unbewusst und ungewollt) zugefügt wurde, dazu führte, dass ich wütend wurde und diese Menschen ebenfalls kritischer beäugt habe.
Im Laufe der Zeit hat sich dann ein Gefühl eingestellt, dass ich nicht schlechter oder unfähiger bin als andere. Es stellte sich ein gewisses Wohlwollen gegenüber mir selbst ein.
äh... sind meine Zeilen verständlich
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29.07.2009, 13:53
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Wenn man wütend wird, wird auch das Wertesystem in Frage gestellt.
Mal ein krasses Beispiel: mein Vater hat mir oft gesagt "komm bloss nicht mit einem Neger nach Hause"

Sorry ? So ein Quatsch. Das war wohl sein ganz privates Problem und nicht meines.
Auf jeden Fall habe ich angefangen, ihn und seine Wertvorstellungen in Frage zu stellen und mir meine eigene Welt zusammengestellt.
Wenn man sein Wertesystem in Frage stellt, werden andere Beziehungen möglich und andere Gefühle können aufblühen.
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30.07.2009, 13:01
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Liebes Engelchen,
genau so geht es mir auch. Viele um mich herum merken gar nicht, dass es mir oft nicht gut geht oder ihr Verhalten mich verletzt, da ich ebenso wenig eine Reaktion zeige wie Du. Es kam auch schon vor, dass in einer Runde von Kollegen, in der mehr oder weniger jeder außer mir von seinen Problemen erzählte, am Ende der Satz kam: Also Du scheinst hier die einzige zu sein, die relativ unbeschadet ist und stabil wirkt. Ich hätte in dem Moment ja auch das Gegenteil anbringen können, aber habe ich natürlich nicht.
Es gibt auch oft Situationen, in denen ich mich über meine Eltern, Freundinnen, Geschwister, Kollegen ärgere, es ihnen aber nie sage, sondern weiterhin so tue, als wäre nichts. Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals schlimm mit irgendjemandem gestritten zu haben.
Ein anderes Beispiel: Ich telefoniere mit einer Freundin und könnte ihr eigentlich erzählen, was ich fühle, denke usw, aber selbst bei ihr spiele ich oft genug die Starke. Vielleicht liegt es daran, dass ich denke, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn ich darüber rede und mein Problem dann für alle offensichtlich wird. So z. B. auch das Thema Männer. Ich spreche eigentlich nie darüber, wie schwer es mir fällt alleine zu sein und lauter Pärchen in meinem Freundeskreis zu haben. Wahrscheinlich denken auch alle, dass ich ganz gut damit klarkomme. Vielleicht auch nicht. Aber zumindest spricht von meinen Freundinnen dieses Thema auch niemand an. Ich hätte Angst, zu sagen, dass ich mich oft alleine fühle und Angst habe, vielleicht nie eine eigene Familie haben zu können.
Hast Du denn das Gefühl, dass der Mann, mit dem Du die Affaire hast, weiß, dass Du eigentlich mehr willst?
Lieben Gruß,
Elaya
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30.07.2009, 13:10
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Liebes Julchen,
Danke für Deinen Beitrag. Es tröstet mich, wenn ich höre, dass es anderen ähnlich geht und dass Du trotz allem den Mut nicht verloren hast, dass sich die Situation nochmal ändern könnte.
Daran habe ich auch schon gedacht. Es ist schon so, dass wenn man traurig und deprimiert durch die Welt geht, keine positiven Reaktionen erwarten darf. Ich würde so gerne gegen dieses Gefühl, mit dem ich so oft morgens aufwache ankämpfen, mich auf den Tag freuen und alles nicht so schwer nehmen können. Einfach wieder Vertrauen haben, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden und es nie zu spät ist, noch etwas zu verändern. Darf ich fragen, was Du machst, um aus Deinem Tief herauszukommen?
Ich habe jahrelang gar keinen Sport gemacht und seit etwa zwei Jahren wieder damit angefangen, was mir wirklich sehr gut tun. Für eine gewisse Zeit sind die Gedanken einfach weg. Gibt es Wing Tsun nur in bestimmten Schulen oder wird das auch im Fitness-Studio angeboten? Ich habe noch nie davon gehört, es hört sich aber interessant an.
Lieben Gruß
Elaya
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30.07.2009, 13:32
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Liebe Schnarchstop, auch Dir danke für Deine Antwort.
´
Ich würde auch gerne erst einmal alleine mit mir selbst im Reinen sein, vor allem weil es wohl auch nicht möglich ist, eine Beziehung zu führen, wenn man selbst so unausgeglichen ist. Genau daran möchte ich ja gerne arbeiten.
Klar haben sie Probleme, das weiß ich ja auch. Es ist eher so, dass sie ganz offen darüber sprechen können im Gegensatz zu mir und wahrscheinlich deshalb ihre Probleme auch schneller lösen können, wenn sie nicht alles in sich hineinfressen und niemand davon weiß, der ihnen eventuell helfen könnte.
Dafür bewundere ich Dich! Ich wünschte, ich würde auch mal so einen Faden in meinem Leben erkennen
Oder zumindest das Leben nicht so schwer nehmen, auch wenn momentan noch kein konkreter Weg für mich zu erkennen ist, sondern darauf vertrauen, dass schon alles seinen Weg gehen wird.
Mir wäre auch lieber, ich würde nicht immer alles hinterfragen, da ich das Gefühl habe, dass es nicht viele Menschen gibt, die mir in dieser Beziehung ähnlich sind, d. h. die sich viele Fragen über das Leben stellen, während die anderen einfach leben und sich nicht immer 1000 Gedanken über alles machen.
Lieben Gruß,
Elaya
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30.07.2009, 14:29
AW: Ich kann mich nicht öffnen
Ich kann dich sehr gut verstehen, Elaya

(Ich ticke so ähnlich
)
Dieser Hang, alles zu hinterfragen, sich viele Gedanken über alles mögliche zu machen ... das dürfte in der Persönlichkeitsstruktur angelegt sein.
Am besten wäre es, man könnte diese gefühlte "Schattenseite" für sich selbst annehmen und dabei die durchaus auch positiven Aspekte wertschätzen (Tiefgang, Mangel an Oberflächlichkeit, Ernsthaftigkeit).
Ich habe inzwischen festgestellt, dass ich zB einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe. Dürfte darauf zurückzuführen sein, dass ich mir immer ziemlich viele Gedanken zu beiden Seiten eines Problems mache. Wenn man diese komplexen Gedankengänge dann ständig verbalisiert und einbringt, kann man aber schon auch seiner Umwelt gewaltig auf die Nerven gehen
.
Ja, klar. Beim Streiten müsstest du dich auch öffnen und einiges von dir preisgeben, und zudem bestünde die Möglichkeit, andere zu verletzen bzw. selbst verletzt zu werden.Elaya
Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals schlimm mit irgendjemandem gestritten zu haben.
Wie wurden in deiner Familie Konflikte ausgetragen?
Aber nichts ist in Stein gemeißelt, und Konfliktfähigkeit lässt sich erlernen, Kommunikationsmuster sind immer verbesserbar. Je adäquater die Kommunikation, desto leichter gelingt es, eigene Grenzen zu setzen.
Ich muss jetzt los,
erstmal lieben Gruß,
schafwolle



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