Hallo liebe Bricom Gemeinde,
ich bin gerade im Prozeß, mein Leben zu überdenken und vielleicht kann man auch sagen "auszumisten". Und mir fallen da nun einige Muster auf, die ich gerne zur Diskussion stellen würde.
Im letzten Jahr sagten mir z.B. verschiedene Leute unabhängig voneinander, ich soll doch nicht schon wieder in diese "Opfer-Mentalität" fallen. In einer dieser Diskussionen ging es um eine Freundin von mir, von der ich das Gefühl habe, dass sie mich ausnutzt, dies habe ich meinem Gesprächspartner versucht zu erklären, bekam aber gesagt, dass sie es ganz klar machen würde, da sie es ja bei mir könnte, und überhaupt soll ich das Ganze mal nicht so aus der Opferperspektive sehen.![]()
In einem anderen Gespräch ging es um eine länger verflossene Affaire von mir, mit einem Mann, der sich damals nicht für eine Beziehung entscheiden konnte. Ich bekam von einer Freundin gesagt, dass ich mit meiner Opfer-Mentalität eben solche Typen anziehen würde. Ich habe diese On Off Geschichte aber damals konsequent beendet und kann von meinem jetztigen Partner nicht behaupten, dass er ein solcher "Typ" ist.
Nun wurde mir gestern wieder Opfer Mentalität bescheinigt, und ich bin schon ein bisschen weiter, da ich gesehen habe, dass ich in der Diskussion gestern andere für meine jetzige Lebenssituation verantwortlich gemacht habe. Dies bedeutet also, sich als Opfer zu sehen?
Ich glaube, ich habe da einen blinden Fleck.
Fällt euch dazu was ein?
Viele Grüsse,
Kitty
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 57
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23.06.2009, 20:51
Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
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23.06.2009, 21:02Inaktiver User
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
liebe Kitty
Sie hat die gesagt, dass sie dich ausnutzt und hat dir dann gesagt, du sollst nicht das Opfer spielen?
Habe ich das richtig verstanden? Wenn ja dann hoffe ich nicht, dass du sie noch Freundin nennst...fällt mir da so ganz spontan ein.
Aber dann ist doch alles gut !
Ja! Ein bisschen rumheulen ist durchaus ok, aber ich glaube es kommt darauf an, ob man danach handelt und die Situation ändert. Allerdings scheinst du ja durchaus aktiv zu werden.
Das wird schon


Manchmal schreiben OpferMentalisten gaaaaanz viel im Passiv. Und es ist nur ein formelles Ding, die Sätze umzuformulieren und dich zum Handelnden zu machen. Dann bekommt keiner den Eindruck, das du Opfer bist.
liebe Grüße,
SchliSchlaSchloe
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23.06.2009, 21:08
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
Ich hab diesen Spruch grad in der Signatur von jemandem gelesen und da ich mich die Tage auch gelegentlich bei ein paar selbstmitleidigen Gedanken ertappe fiel mir das Buch von Watzlawick ein "Anleitung zum Unglücklichsein". Ich weiß nicht, ob es wirklich passt ...Auch andere Menschen wollen es schwer haben. Wir sollten ihnen helfen'.
(P.Watzlawick)
Die Opferrolle nimmt man wohl ein, wenn man sich zu sehr anpasst, zu passiv ist und sich im Nachhinein beklagt, dass es so und nicht anders gelaufen ist. Das ist sehr bequem in der Hinsicht, dass man keine Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen muss und am Ende jemanden hat, dem man alles in die Schuhe schieben kann - salopp gesagt. Erkennst du dich da irgendwie?Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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23.06.2009, 21:41Inaktiver User
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
ein Satz, der mir die Augen geöffnet hat: ICH habe die Situation im Griff, nicht sie MICH - und ihc kann sie jederzeit ändern!
kam von meinem besten Freund angesichts der Tatsache, dass ich länger Zeit nicht wusste, ob die Firma mir kündigen würde, ob lieber ich kündigen sollte, und wenn ja, wann (mitten in der Krise oder wann anders oder überhaupt nicht, sondern krankschreiben lassen). Und es stimmte auch: ich hatte jederzeit die Macht, meine Konsequenzen zu ziehen. Mir das bewusst zu machen, hat mich wesentlich gestärkt - und das hat die Gesamtsituation sehr positiv gelöst.
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23.06.2009, 23:48
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
Hi,
vielen Dank für die abendlichen Antworten schon mal!
Nein, jemand anderes hat das über sie gesagt. Also, wenn diese Freundin A ist, habe ich mit B über sie gesprochen, und B hat mir dann dies gesagt.
Ich ziehe wie magisch immer sehr aktive/dominierende Frauen als Freundinnen an (bin selbst eher der ruhige Typ). Wir ergänzen uns eine Weile prima, bis ich merke, dass sie mich irgendwie, äh, "ausnutzen", doer es selbstverständlich nehmen, dass ich überall und immer für sie zur Verfügung stehe. Ich denke, das hat auch was mit fehlender Grenzziehung meinerseits zu tun. Oder dass ich sie von Anfang an nicht richtig einschätzen kann.
Neulich z.B. habe ich mich mit einer flüchtigen Bekannten über eine meiner "EX" Freundinnen XY unterhalten (sie wußte nicht, dass wir uns gut kannten). Sie sagte über sie: "Oh, XY kommt doch immer in irgendwelche Probleme rein, oder?" XY hat mich zweimal mit einem Autokauf "übers Ohr gehauen", ich fand sie, als ich sie kennenlernte, aber recht nett, während diese Bekannte anscheinend sofort sehen konnte, dass XY trouble bedeutet... Hat mir zu denken gegeben.
@Tanguera, was du schreibst, hilft mir sehr! Ich fühle mich oft von der Situation überrannt, aber es stimmt, ICH habe sie in der Hand!
@Sprachlos, ja, ich denke, ich gebe die Verantwortung gerne ab
und bin allgemein zu passiv ...
Habt ihr vielleicht Buchtipps?
Viele Grüße,
Kitty
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24.06.2009, 15:02Inaktiver User
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
Hallo Kitty,
da muss man ein wenig unterscheiden: Wer Opfer einer Naturkatastrophe wird, einen wichtigen Menschen verliert, seinen Job verliert - der ist auch erst einmal Opfer und schlimm dran. Ich werde immer sehr wütend, wenn in bestimmten Büchern der Marke "Du kannst es, wenn du nur wirklich willst" suggeriert wird, dass alles erreichbar ist. Heißt nämlich im Umkehrschluss: Wenn mal etwas nicht gut läuft, steht das dafür, dass man es nicht genug gewollt hat, dass man nicht genpügend Wünsche ans Universum abgeschickt hat etc. . Schwachsinn! Das negiert, dass das Leben beides hat: Licht und Schatten - und eine Menge Schattierungen dazwischen.
Was Du aber ändern kannst, ist Deine Haltung zu Schwierigkeiten. Wie gesagt, da Probleme zum Leben dazu gehören wie auch glückliche Zeiten, ist es kein Alleinstellungsmerkmal, von Problemen betroffen zu sein. Wenn Du also schon von der Wertung "Ich armes Menschenkind!" wegkommst hin zu der einfachen Feststellung "Ich habe ein Problem", bist Du schon ein Stück weiter. Der Blick richtet sich dann viel mehr darauf, Lösungen zu finden.
Das hat allerdings einen "Nachteil": Du wirst damit tatsächlich eigen-verantwortlich. Die Du ja, wie Du geschrieben hast, auch gerne abgibst.
Logisch, ist ja auch bequemer, wenn denn mal die anderen machen müssen, oder andere die Bösewichte sind.
Ich überspitze, aber Du weißt, was ich meine, gelle?
Das kannst du so beibehalten, allerdings zu dem Preis, dass Du zunehmend fremdbestimmt bist. Nachteil der Eigenverantwortlichkeit ist, dass es deutlich mehr zu tun gibt - und trotzdem nicht immer alles klappt. Und den Posten "Everybodies Darling" gibt man damit auch auf... Genauso wie die schöne Haltung, eine lupenreine Weste zu haben. Ist nicht immer schön, den eigenen Dreck am Stecken zu sehen, der möglicherweise auch zu der bösen Situation beigetragen hat...
Während ich hier so schreibe, muss ich über mich selber grinsen. Ich kenne doch zu Genüge die Gemütlichkeit der Opferhaltung und nehme sie auch immer noch mal ein. Ich versuche aber, wachsamer zu sein. Ein gründliches Bad im Selbstmitleid, ordentlich zelebriert mit Prosecco und Kerzenschein - dann aber raus und überlegen, was noch geht!
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24.06.2009, 18:15Inaktiver User
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?

besser hätte man es nciht sagen können. Und den Sekt sollte man auch nie vergessen, wenn man mal im Selbstmitleid badet.
Aber danach schnell raus!
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28.06.2009, 23:21
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
Hi Nancissima
auch ich bin wieder einmal beeindruckt von Deinem guten Beitrag hier!
Ich bade auch immer in der Opferrolle und wäre gerne mal in der anderen Rolle.
Ich merke wie komisch sich das anfühlt mal die "Täterin" zu sein. Ich bin es gar nicht gewöhnt, mit Anfeindungen umzugehen.
Ist das nicht absurd?
Wie wenig man sich zutraut wenn man sich nie reibt!
Wahrscheinlich ist das verknüpft mit diesem ätzenden geringen Selbstbewußtsein.
Ich hätte gerne mal 200 Pfund davon!!!!Und dann: Auf in den Kampf
Alles Liebe Euch da draußen
Veruschka
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29.06.2009, 03:00Inaktiver User
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?
Kenne ich genau so! Bei mir ist es folgendes: Diese Frauen sind normalerweise auch sehr mitreissent, machen fuer mich Plaene zum Weggehen usw. Das gefaellt auch mir, denn ich bin ziemlich passiv. Wenn ich vor einer Entscheidung stehe, vertreten sie vehement ihre immer gleiche Meinung, was mir Gelegenheit gibt, immer wieder ueber das fuer mich Wichtige zu reden. Andere Freundinnen sind dazu aus gutem Grund nicht bereit.Kitty1670
Ich ziehe wie magisch immer sehr aktive/dominierende Frauen als Freundinnen an (bin selbst eher der ruhige Typ). Wir ergänzen uns eine Weile prima, bis ich merke, dass sie mich irgendwie, äh, "ausnutzen",
Wohlgemerkt, meine beste Freundin ist auch sehr aktive/dominierend ABER sie nutzt niemanden aus. Also das klappt gut. Aber jedes Jahr treffe ich irgendwo eine Frau, die sich direkt an mich klettet. Diese Frauen rufen auch staendig an und gehoeren ganz ploetzlich zu Deinem Leben.
Ausgenutzt werden kann man ja auf viele Art und Weisen. Und wir lassen uns ausnutzen (bis zu einem gewissen Grad). Bei meiner letzten Freundin, die auch gleichzeitig eine fruehere Arbeitskollegin war, ging es so schnell, dass ich das gar nicht auf die Reihe bekam.
Und dann wollte ich nicht mehr zur Verfuegung stehen und sie hat sich wie eine Furie aufgefuehrt, weil es nicht nach ihrem Kopf ging. Schliesslich war sie von mir anderes gewoehnt.
Ganz bestimmt mit beiden. Ich habe bei mir festgestellt, dass ich Frauen gegenueber sehr wohlwollend gestimmt bin, ich glaube ich suche die Zustimmung einer Mutter (ist jetzt meine Schlussfolgerung, da ich mit meiner Mutter nie eine richtige Beziehung hatte).Ich denke, das hat auch was mit fehlender Grenzziehung meinerseits zu tun. Oder dass ich sie von Anfang an nicht richtig einschätzen kann.
Was mir an Buechern geholfen hat sind die Buecher von David Richo - fuer alle Beziehungen.
Ich fuehle mich auch oft von der Situation ueberrannt, einfach weil ich laenger fuer eine Entscheidung brauche.
Auch das mit der Verantwortung abgeben: Fuehlt sich gut an, man ist nie die Boese, man steht immer gut da. Dazu wird man auch erzogen! Ich stehe selbst noch am Anfang um all dies zu aendern.
Viel Glueck fuer Dich!
lg
emi
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29.06.2009, 13:48Inaktiver User
AW: Opfer-Mentalität - wie rauskommen?


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