Das ist Wortklauberei von dir. Mit der du allerdings versuchst, jemanden in die Ecke des kleinmütig Berechnenden zu stellen, wenn er Erwartungen und Bedürfnisse in der Beziehung zum anderen hat. Die Erwartung, dass das, was ich für den anderen tue, derjenige umgekehrt auch für mich tun würde, ist eine völlig legitime Erwartung.
Zumindest in Freundschaften.
Natürlich kann ich mich dafür entscheiden, etwas für den anderen zu tun ohne die geringste Chance, dass der Ähnliches jemals für mich tun könnte, etwa wenn ich mich um einen Kranken, Sterbenden kümmere.
Wenn jemand aber prinzipiell dazu in der Lage ist, auch für mich da zu sein, wäre es schon merkwürdig, wenn ich es hinnehmen würde, dass der, dem ich zuvor geholfen habe, mich umgekehrt im Stich lässt.
Antworten
Ergebnis 41 bis 50 von 51
Thema: Frauen-Freundschaften
-
04.08.2009, 17:37
AW: Frauen-Freundschaften
-
04.08.2009, 18:27Inaktiver User
AW: Frauen-Freundschaften
"Aufrechnen" hat mir auch einmal eine Freundin vorgeworfen, als ich so ein Ungleichgewicht formulierte.
Das klingt immer furchtbar und macht ein schlechtes Gewissen, klar. Und schwupps wird man weiter ausgenommen. In dem Fall ging es um ganz einfache Dinge: Ich tat ihr immer mal wieder einen Gefallen, aber wenn ich mal etwas wollte, und sei es, einfach nach Hause gefahren zu werden, ging das gerade leider gar nicht. Immer war ihr Problem schwerwiegender als meins, immer war sie hilfebedürftiger als ich. Das ging irgendwann nicht mehr.
Leute in Krisensituationen werden oft recht anhänglich, aber wenn es ihnen besser geht, sind sie auch wieder weg. Das Rat- und Unterschlupfsuchen hat halt nicht wirklich etwas mit Freundschaft zu tun.
Ich habe gar keine Freundin und weiß nicht recht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. In meiner schwersten Krisensituation kam Hilfe und Trost ganz wo anders her als ich jemals vermutet hätte. Um jemanden verstehen zu können, muss man eine gewisse Vorstellung von seinem Unglück haben. Darum sind Menschen, die Ähnliches erlebt haben, oft eine besser Hilfe als solche, die einem "eigentlich" nahestehen, aber von der Sache gar keine Ahnung haben.
-
04.08.2009, 20:57Inaktiver User
AW: Frauen-Freundschaften
Hallo!
Also- ich hatte ne Freundin, die ich zwar schon aus Kindertagen kannte- dann aber erst als Erwachsene wieder den Kontakt zu ihr fand!
Im Prinzip ne normale Freundschaft- wir lebten entfernt voneinander, also gabs Telefon oder Mailkontakt....ich hab sie mal besucht- und sie auch mit ihrer Art wirklich gemocht!
Einerseits lustig- andererseits sehr reflektiert......-- allerdings- und das kam dann wohl auch einmal zu oft, wenn sie von ihren anderen Freundschaften sprach.......daß die Menschen sie ja immer nur ausnutzen würden!
Alle würden nur nehmen.....für sie wäre nie jemand da.....usw...
Ich kenne nun zwar die anderen Menschen nicht- aber wer viele Freundschaften hat.....und ALLE sollen so sein.....-- da kommt für mich schon die Frage auf, was denn da wirklich nicht stimmt!??
Ich bin dann hergegangen- obwoh ich die letzen Jahre einiges am Hals hatte und wir oft auch über mich sprachen-- sie NIEMALS zu vergessen zu fragen, wie es ihr geht.....ihr zugehört ( sie hatte auch einges am Hals)- mit ihr über ihre Sachen geredet etc...
Dann kam der Zeitpunkt, daß ich meine Ehe verlassen habe- ausgezogen bin-- und ich war dermassen belastet in der Zeit, daß ich mich nur noch zurückgezogen habe!
Hab dieser Freundin dann auch ne Mail geschrieben- daß ich das alles jetzt so nicht kann......-- letztlich war durch ihre Aussagen auch immer im Hinterkopf, daß später mal der Vorwurf kommt, daß ich NUR nehme!!
Kurz- ich war ehrlich....ich hab ihr gesagt, daß ich soviel mit mir zu tun habe-- daß ich mich zurückziehe-- und damit in der Situation für sie nunmal auch nicht für sie dasein!
Es war mir klar, daß sie das verletzt- aber es war auch die Wahrheit, daß ich am Rande meiner Kräfte war.......so ein Schritt ist einfach riesig!
Als Antwort- kam eine Mail die voller Vorwürfe war!!
Ich hätte ja so gut wie NIE nach ihr gefragt.......ich wäre egosistisch- ich würde meinen neuen guten LEbensweg auf dem Leid der Freunde aufbauen......-- und dann kam auch sone nette Aufrechnung.....in welchem zahlenmässigen Verhältnis sie unsere Beziehung sah!!
Ganz im Ernst.......ich bin da fast vom STuhl gekippt!!
Wo ist das Freundschaft- wenn man dem anderen nicht zugesteht, daß er sagt "ich muss jetzt mal ganz für mich auf die Beine kommen"??
Wo Freundschaft......wenn es dem anderen ganz offensichtlich sehr schlecht geht-- aber der andere nicht die Toleranz besitzt zu sagen " dann bleib ne Zeit mal für dich!".....
Vor allem.......WIE kann man eine Freundschaft in Zahlen aufwiegen??????
Ganz im Ernst......das ist mir mein Lebtag noch nicht eingefallen!!
Ich gebe- weil ICH das will.........und nicht, weil ich dann Dankbarkeit erwarte!!
Es wird doch auch nciht jeder Ratschlag umgesetzt.....sollte ich da auch beleidigt sein??
Natürlich muss ein gewisses Gleichgewicht herrschen!
Aber dafür muss sich auch jeder so einbringen,daß es für beide ok ist!!
Mittlerweile.....hatten wir nun Monate keinen Kontakt mehr.....weil ich da auch wirklich verletzt wurde.....-- ich wende mich einem Menschen zu, weil ich ihn MAG....und nicht aus so einer "Berechnung".....wie es für mich nun gewirkt hat......
Allmählich.....tauscht man per Mail wieder GEdanken........allerdings hat diese Beziehung-- ganz sicher nen Knacks bekommen......
Kenzia
-
04.08.2009, 21:18
AW: Frauen-Freundschaften
Kenzia, das Problem hier in der Diskussion ist:
Wenn manche hier von Wechselseitigkeit, Gleichgewicht (wie du ja auch), Geben und Nehmen oder füreinander da sein sprechen und darüber klagen, dass dieses offenbar keineswegs selbstverständlich ist zwischen Menschen, kommen welche und übersetzen das mit Berechnen und Aufrechnen Wollen oder man tue etwas nur, weil man etwas zurück haben wolle.
Doch das ist eine Unterstellung. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Und jeder merkt den Unterschied an konkreten Beispielen im Alltag. Insofern dreht man sich da in der Diskussion im Kreis.
-
05.08.2009, 09:12
AW: Frauen-Freundschaften
Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht ist es so, dass die Wortwohl, die ich hier hervorgehoben habe, wenn auch unbewußt, stimmig ist.
Und ich finde aufrechnen nicht negativ. Wenn ich mich ständig benachteiligt fühle, wenn es so ist, wie zum Beispiel elinborg auch schreibt:
Dann bin ich an meiner Grenze.Immer war ihr Problem schwerwiegender als meins, immer war sie hilfebedürftiger als ich. Das ging irgendwann nicht mehr.
Und wenn ich nicht von selbst darauf komme, dass ich ein Recht habe auch zu fordern und auch zu bekommen, dann beginne ich aufzurechnen, um eine Größe zu bekommen, die mein anderes Verhalten rechtfertig.
-ND-Das Glück gehört denen die sich selber genügen." Aristoteles
.
-
05.08.2009, 15:09Inaktiver User
AW: Frauen-Freundschaften
Nun ja. Es gibt Beziehungen, wo dieser sehr unangenehme Rechtfertigungszwang entsteht. Wenn ich sage: Du, das ist mir zu viel, ich fühle mich ausgenutzt, und ich bekomme die Antwort, das sei nur eine Wahrnehmungsstörung von mir, dann fange ich halt an zu überlegen. Und bin dann mehr oder weniger am Rechnen - einfach um herauszufinden, wer nun die Wahrnehmungsstörung hat.
Wirklich herausfinden wird man das wohl nie, weil es immer mehr als eine "Wahrheit" gibt. Aber es kann ja wirklich sein, dass ich vergessen habe, was ich von einer Person, in welcher Form auch immer, "bekommen" habe. Deshalb finde ich Überlegen durchaus richtig und angebracht.
Gerade solche Sätze wie "Ich muss erst einmal selbst ..." besagen ja, dass man gerade keine Kraft für die Freundschaft hat. Das ist in Ordnung, aber wenn das zum Dauerzustand wird, wird die Freundschaft eben leiden, das ist ja klar.
-
05.08.2009, 15:48
AW: Frauen-Freundschaften
Hallo Elinborg,
Das steht ausser Frage.Es gibt Beziehungen, wo dieser sehr unangenehme Rechtfertigungszwang entsteht
Meine Frage an Dich lautet:
Ist das eine Art Freundschaft die sich für Dich lohnt zu führen?
(Ja, lohnt auch im Sinne von: Ich profitiere von dieser Freundschaft. Und profit auch im Sinne von, ich habe einen Mehrwert dadurch, dass ich diese Freundschaft führe. Sowohl immateriell als evtl. auch materiell oder gesellschaftlich - je nachdem wie ich meine Prioritäten setze)
Warum führe ich diese Freundschaft und was bringt mir das.. Bestehen die Gründe aus denen ich das begonnen habe noch immer? Oder stelle ich fest, dass man sich unterschiedlich entwickelt hat und es besser ist, eine Weile oder länger getrennt zu gehen? Ist es möglich sich miteinander zu unterhalten, ohne das ich mich gezwungen fühle zu was auch immer? Ist meine Verpflichtung innerlich?
Alles legitime Fragen, die ich mir stellen kann.
-ND-Das Glück gehört denen die sich selber genügen." Aristoteles
.
-
05.08.2009, 17:26Inaktiver User
AW: Frauen-Freundschaften
Nein, eine solche Freundschaft mag ich natürlich nicht führen, aber die Antwort auf all die Fragen, die du stellst, ist so oft "nein" gewesen (ich fühle mich nicht wohl, ich habe nichts davon, wir haben uns auseinander gelebt...), dass ich jetzt keine Freundinnen mehr habe. Trotzdem überleben Freundschaften auch kritische Phasen. Man muss nicht immer gleich alles hinwerfen.
Mich macht der Rechtfertigungszwang krank. Ich mag mich bei niemandem dafür entschuldigen, dass ich so bin, wie ich bin. Wohl der Grund, weshalb ich keine Freundinnen im landläufigen Sinn habe: Ich fühle mich schnell eingezwängt.
Aber in jüngeren Jahren war das oft viel viel schwerer, da habe ich mich immer verglichen und verteidigt.
Begegnungen mit Freundinnen von früher sind jetzt viel leichter, unbelasteter, konkurrenzfreier. Aber es sind auch keine gelebten Freundschaften.
Ich weiß halt nicht, ob ich was falsch mache. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich es anders haben möchte.
-
05.08.2009, 17:30
AW: Frauen-Freundschaften
Ihl Lieben,
bin sehr beeindruckt von dem Umfang und Vielfalt dieser Diskussion, hätte nie gedacht, dass dieses Thema euch so "gut" erreicht
. Es kamen ganz tolle Meinungen und Facetten, die ich noch nie in Betracht gezogen habe. DANKE
.
@NDNein, nicht wikrlich und komischerweise haben sich unsere Wege getrennt, bevor ich deine Zeilen las.Meine Frage an Dich lautet:
Ist das eine Art Freundschaft die sich für Dich lohnt zu führen?
Es kam dazu, weil ich meine Empfindungen geäußert habe und sie als Hirngespinnst abgetan wurden, sogar es wurde das Gegenteilige behauptet. Im Gegensatz zu ihr war ich aber interessiert zu erfahren, warum sie diesen Eindruck hat, war bereit zu reflektieren, nur gab es keine Chance. Es wurde nur zurückgeschossen. Auch als ich bat, erstmal das Thema zu lassen, damit sich die Geister ein wenig beruhigen, wurde weiterhin geschossen und teilweise sehr unter die Gürtellinie... Nichts hat sie rausgelassen, was ihr je als Angriffsfläche gezeigt hatte.
Merkwürdigerweise war ich nur traurig dabei, endlos traurig. Unter anderem auch, weil ich mich so in diesem menschen getäuscht habe. Und dass ich all die zeit meine Bauchgefühle ignoriert habe....
-
06.08.2009, 11:24
AW: Frauen-Freundschaften
Hallo Elinborg,
ich bin nicht sicher, ob Du hier ein generelles Statement machst (welche Deiner Freundschaften hat kritische Phasen überlebt? Wer ist "man"), oder ob es bei Dir persönlich so ist. Dann steht es jedoch im Widerspruch zu Deiner anderen Aussage:
Womöglich ziehst du hier Vergleiche zu Rate, die auf Dich persönlich nicht stimmen?Wohl der Grund, weshalb ich keine Freundinnen im landläufigen Sinn habe
Ich würde hier weniger nach Fehlern suchen oder noch weniger nach "Schuld" (gruseliges Wort, wie ich finde).
Vielleicht ist das hier wirklich das Optimale für Dich:
Das kann außer Dir aber niemand wissen.
Zitat von Ella969

Damit bist du wohl raus aus diesem Spiel. Ich freue mich für Dich, dass Du diese Traurigkeit hast zulassen können... Und Dein Bauchgefühl nun wahr-nimmst.
Zitat von Inaktiver User
-ND-Das Glück gehört denen die sich selber genügen." Aristoteles
.




Zitieren
