Hallo an Alle!
Ich würde gerne mit Euch das Thema "Kind und Karriere" diskutieren und gerne ganz unterschiedliche Meinungen hören.
Gibt es hier Frauen und Männer, die sagen, das Kind gehört zur Mutter und diese sollte auf eine Karriere verzichten?
Gibt es Frauen, die einen Kinderwunsch oder schon Kinder haben und trotzdem beruflich erfolgreich sein möchten? Wie funktioniert das am Besten, sind die Partner hier unterstützend oder hemmend?
Gibt es Männer, die sich wünschen würden, ihre Frauen wären zielstrebiger und aktiver im Berufsleben?
Gibt es Frauen, die auf Kinder bewusst verzichten, weil sie lieber Karriere machen wollen?
In diesem Zusammenhang möchte ich zwei Zitate nennen, die ich hier im Forum gefunden habe.
Es gibt die überall verbreitete Denke "Das Kind gehört zur Mutter". Misch noch die ganzen romantischen Vorstellungen von Mutterschaft, das mangelnde Interesse vieler Frauen an einer Karriere und das deutsche Rabenmutter-Bild dazu, dann hast du den Grund. Leider.Ich freue mich auf eine Diskussion!Wieso ziehen Frauen sich diesen Schuh eigentlich immer an?
PS: Ich hoffe, dass dieser Strang hier am richtigen Platz ist. Ich fand ihn hier passender als bei Job & Geld...
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Ergebnis 1 bis 10 von 22
Thema: Kind und Karriere
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11.06.2009, 19:16Inaktiver User
Kind und Karriere
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11.06.2009, 19:23Inaktiver User
AW: Kind und Karriere
Ich würde sagen, Kind und zwei Karrieren passen nicht zusammen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wo der Raum ist für ein Kind mit zwei 60Stunden-Workaholic-Eltern. Das kann wunderbar organisiert werden, keine Frage, aber mir ist einfach nicht klar, wieso man ein Kind haben will, wenn man keine Lust hat, sich wirklich darauf einzulassen, Zeit mit ihm zu verbringen und da zu sein. Das muss nicht rund um die Uhr sein und auch nicht 18 Jahre lang und geht auch nicht nur durch die Mutter, aber abends um 20h noch eine Runde "qualifizierte" Elternzeit find ich eben ein bisschen mager.
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11.06.2009, 19:31Inaktiver User
AW: Kind und Karriere
Freue mich über die Antwort (da immer noch am Grübeln, ob der Strang bei "Persönlichkeit" am Besten aufgehoben ist...)
Aber siehst Du dann die Betreuungsaufgabe bei der Mutter? Aber auch wenn nur einer ein 60Stunden Worcaholic ist, würde ja immerhin ein Part sich auch nicht so richtig einlassen...
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11.06.2009, 20:06Inaktiver User
AW: Kind und Karriere
Ausdrücklich nein, hab ich auch so geschrieben!!

Von irgendwas muss man ja leben, und ich fände - während der Kleinkindzeit - ideal, wenn beide Eltern so 25-30 Stunden arbeiten würden. Wir wissen, dass die Realität anders aussieht und es viel zu wenig qualifizierte Teilzeitjobs gibt. Wenn man das aufteilt, dass einer ein bisschen kürzer tritt eine zeitlang reicht das glaub ich schon aus an Zuwendung.
Ich finde Ruhe und Kontinuität wichtig, alles generalsstabmäßig durchzuplanen finde ich persönlich eine schreckliche Vorstellung, das ist eben nicht mein Ideal von Kindheit, problemlos wegorganisiert zu werden, damit ich Mama und Papa nicht bei der Karriere behindere. Ich geb aber zu, dass ich sowieso nicht den Sinn meines Lebens darin sehe, meine Lebensenergie für eine fremdbestimmte Beruftstätigkeit zu verschwenden...
Ich versteh aber schon, dass es Berufe gibt, die sehr erfüllend sein können, und die man nicht so nebenher betreiben kann. Aber ich bin eher jemand, der dann auf Kinder verzichtet hätte, um sich dann total auf den Job zu konzentrieren.
Auch wenn ich weiß, dass Kinder keinen direkten Schaden davon tragen, wenn die Eltern nicht anwesend sind. Schön finde ich es dennoch nicht, ich würd mir ja auch keinen Hund anschaffen, wenn ich keine Lust hätte, Zeit mit ihm zu verbringen - nur um auch einen Hund zu haben.
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11.06.2009, 20:15Inaktiver User
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11.06.2009, 20:57Inaktiver User
AW: Kind und Karriere
Ich hab einen Traumberuf gelernt, den ich allerdings aus finanziellen Gründen (sehr schlechter Verdienst) nicht ausgeübt habe, und hab dann meine weitere Berufswahl auf meinen Kinderwunsch abgestimmt und deshalb auch nicht studiert, mein Traumstudium wär Jura gewesen, aber ich fand es nicht sinnvoll, die ewig lange Ausbildung zu machen um dann nicht noch beruflich etwas zu erreichen, und dann wär es mit Kindern knapp geworden.
Also bin ich mehr in Richtung BWl gegangen. Weil mein Exmann sich selbstständig gemacht hat war ich als mein erstes Kind ein Jahr alt war nochmal für ein Jahr Vollzeit im Job - für mich war das der Horror. Ich war abends total kaputt (Stressjob im Vertrieb) und hatte kaum Energie fürs Kind, geschweige denn für mich. Ich würde das nie mehr wieder machen. Dann hab ich noch zwei Kinder bekommen, immer tageweise gearbeitet und mich dann getrennt. Als der Kleinste zwei war bin wieder mit einer halben Stelle eingestiegen, das mach ich an vier Vormittagen, verdiene ganz gut (aufgrund meiner Qualifikation und Berufserfahrung und gutem AG) und finde das die ideale work-life-balance.
Eigentlich möchte ich nicht mehr vollzeit arbeiten, ich hab einfach keine Lust, den ganzen Tag im Büro zu sitzen, dafür interessiert mich zuviel anderes. Wenn die Kinder mit der Ausbildung durch sind möchte ich schon gern nochmal was anderes machen, aber ich werd mich dann, wenn ich die Verantwortung nicht mehr habe, lieber finanziell einschränken.
Ganz daheim, also ohne Nebenjob, war ich eigentlich nur immer direkt nach den Geburten, ich hab sonst immer gejobbt oder ehrenamtlich was gemacht oder dann im Beruf ein/zwei Tage die Woche gearbeitet, das fand ich ideal. Eine Gluckenmutter die dauernd um die Kinder sein muss bin ich sicher nicht, aber ich hab einfach gesehen, dass meine Energie nicht für einen Vollzeitkarrierejob, Kind, Üartnerschaft und mich selbst ausreicht. Das war ein einziges Gehetzte und Gestresse, so stell ich mir mein Leben einfach nicht vor. Schlimm genug, dass viele nicht anders können, aber wenn es finanziell nicht sein muss kann man sich das auch entspannter gestalten, ohne daheim zu verblöden. Das hängt für mich nicht an der Beruftstätigkeit, im Gegenteil. Ich kenn zu viele Frauen mit Vollzeitjob, die weder Zeitung noch sonstwas lesen oder ins Kino können oder sonstwas machen, da find ich eine Hausfrau, die sich informiert und ihr Leben genießt interessanter.Geändert von Inaktiver User (11.06.2009 um 21:03 Uhr)
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11.06.2009, 21:16Inaktiver User
AW: Kind und Karriere
Das macht dann auf jeden Fall Sinn!
Aber es kommt mir so vor, als würden viele Frauen das gar nicht so pragmatisch entscheiden! Viele entscheiden sich für ein Studium, machen das dann auch wirklich erfolgreich - und irgendwann stehen sie dann vor der Entscheidung: Kind und Karriere? Kind oder Karriere?
Weil es ja auch irgendwie sinnlos ist, viel Energie für ein Studium aufzuwenden, wenn man Erlerntes im Berufsleben dann gar nicht weiter verfolgt. Oder ist es dann eher ein "Studium für sich selbst", während Männer eher ein "Studium für eine Karriere" verfolgen?
Ich persönlich habe über Kinder immer schon nachgedacht, bin aber dabei nie auf die Idee gekommen, mein Leben schon frühzeitig darauf auszurichten. Dabei waren mir viele Dinge zu ungewiss: Finde ich überhaupt den richtigen Partner zur rechten Zeit? Und auch wenn ich den habe, ist tief in mir verwurzelt ein starker Drang zu Autonomie. Ich würde gerne mich auch immer selbst versorgen können und dabei auf niemanden angewiesen sein. Ich habe auch inzwischen viel Zeit und Freude in ein umfangreiches Studium gesteckt. Auf der anderen Seite habe ich auch wirklich den Wunsch nach Kindern und frage mich, ob beides verantwortungsvoll zu vereinbaren ist.
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11.06.2009, 21:38Inaktiver User
AW: Kind und Karriere
Hallo, Talita,
ich komme, obwohl aus dem Westen, aus einer Familie, in der die meisten Frauen eigentlich immer gearbeitet haben. Meine Stiefmutter, die zweite Frau meines Vaters, hat richtig Karriere gemacht mit eigener Firma, allerdings erst als das gemeinsame Kind schon größer war. Sie hat mit 30 noch einmal angefangen zu studieren und als sie fertig war, war mein Bruder schon sechs und als sie sich selbständig gemacht hat, so um die 10. Mein Papa, bei dem ich aufgewachsen bin (alleinerziehender Vater), hat zu der Zeit, als ich noch klein war, ebenfalls studiert und danach im öffentlichen Dienst mit sehr familienfreundlichen Zeiten gearbeitet. Karriere hat er dann gemacht, als ich älter war. Ich habe also ein eher ungewöhliches Familienbild vorgelebt bekommen.
Für mich war immer wichtig, eigenes Geld zu verdienen. Nicht nur für meine eigene Unabhängigkeit, sondern auch, weil ich finanziell Verantwortung übernehmen können will, wenn es denn sein muss (z.B. bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit des Partners). Beim ersten Kind habe ich noch studiert, hatte sehr viel Unterstützung durch meinen Mann, war aber natürlich freier in der Zeiteinteilung als bei einem Vollzeitjob. Mein Mann hat sich schon hochgearbeitet, steht aber eher in der zweiten Reihe (stellvertretender Abteilungsleiter einer kleinen Abteilung) und fühlt sich da eigentlich auch sehr wohl. Ich bin mittlerweile mit dem Studium fertig, bin seit ca. einem 3/4 Jahr in den Beruf eingestiegen, Teilzeit wird grundsätzlich sehr bei uns in der Firma sehr gefördert, ist bei mir aber aufgrund branchenspezifischer Besonderheiten zurzeit bei mir nicht machbar. Bei dem Kind, was hoffentlich im Dezember kommt, wird daher mein Mann für ein Jahr in Elternzeit gehen und nimmt das auch als Auszeit, um sich zu orientieren, wie es danach beruflich weitergeht. Teilzeit wäre eine Option oder Home Office, vielleicht will er auch noch mal was ganz anderes machen.
Das ganze geht natürlich auch deswegen so gut, weil wir gehaltsmäßig nicht so weit auseinander liegen und mein Job tatsächlich mehr Potential bietet als seiner zurzeit. Es ist nicht unrealistisch, dass ich ihn in fünf Jahren mit dem Gehalt überholt habe. Mein Mann ist zudem auch nicht in alten Rollenaufteilungen verhaftet, er war schon immer ein sehr aktiver Vater, der sich auch nicht zu schade ist, wegen eines Kinderarztbesuches früher zu gehen oder wegen Kind krank auch mal zu Hause zu bleiben.
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11.06.2009, 22:28
AW: Kind und Karriere
Hallo Talita,
ich hatte schon früh den Wunsch, Kinder zu bekommen, aber ich wollte auf jeden Fall auch einen interessanten Job haben, in dem ich auch Karriere machen könnte (sozusagen Plan B) wenn ich keinen passenden Partner fände bzw. keine Kinder bekommen könnte. Außerdem war mir wichtig, meinen Job auch mit Kindern nachgehen zu können.
Ich habe mich dann entschieden, Jura zu studieren und bin nach dem 1. Examen umgeschwenkt auf Steuerberatung. In der mündlichen Prüfung war ich gerade 14 Tage schwanger mit dem 1. Wunschkind. Ich habe dann drei Monate nach der Geburt wieder angefangen, stundenweise zu arbeiten und das auch mit zwei und später mit drei Kindern weitergemacht. Mein Mann und ich haben uns beide für Teilzeit-Arbeit und gegen Karriere im klassischen Sinn entschieden. Nach Ende meines Erziehungsurlaubs bin ich daher nicht zurück an meinen alten Arbeitsplatz gegangen, sondern habe mich selbständig gemacht. Auch hier keine große Karriere, sondern eher eine interessante Tätigkeit. Ich habe einige Mandanten und arbeite zusätzlich noch als Dozentin in der Erwachsenenbildung und an einer Berufsakademie.
Für mich ist es so optimal gelaufen. Ich habe Zeit für Familie, Partner, Freunde, Hobbies und habe außerdem einen interessanten und anregenden Beruf. Im Moment arbeiten wir beide ca. 30 Stunden wöchentlich.
An meinen Mütterstammtisch sitze ich mit sieben weiteren Frauen zusammen. Bei keiner von ihnen machen beide Partner Karriere. Allerdings sind alle Mütter berufstätig. Bei einer Familie ist es die Mutter die Karriere macht und er Hausmann ist, drei sind mittlerweile alleinerziehend, zwei sind die überwiegenden Familienernährer (wegen Arbeitslosigkeit der Partner), eine hat einen Karrierermann und arbeitet nur relativ wenig und dann eben wir mit zwei Teilzeiteltern.
Ich finde, diese nichtrepräsentative Gruppe zeigt, dass es auf jeden Fall für beide Parner wichtig ist, eine gute Ausbildung zu haben, denn es kann immer passieren, dass einer durch Krankheit, Scheidung oder Arbeitslosigkeit zum Familienernährer wird, auch wenn das so nicht geplant war.
Von meinen Studienfreundinnen habe ich einige, bei denen beide Partner versuchen, auch mit Kind beide Vollzeit plus berufstätig zu sein und das sehe ich kritisch. Es ist extrem anstrengend und zumindest bei meinen Freundinnen begleitet von permanent schlechtem Gewissen. Irgendjemand oder etwas kommt immer zu kurz: die Arbeit, die Kinder, der Partner und nicht zuletzt frau selbst.
Ich denke, Kind und Arbeit geht gut, Kind und Karriere eines Elternteils geht gut, Kind und Karriere beider Eltern ist schwierig und es könnte etwas auf der Strecke bleiben.
Ich möchte auch zu Bedenken geben, dass die ganz intensive Zeit mit den Kinder doch recht kurz ist. Die ständige Beaufsichtigung ist schon relativ schnell vorbei, es gibt gute Betreuungsmöglichkeiten und die Kinder werden doch verhältnismäßig schnell selbständig. Unser ältester Sohn ist jetzt 16 und wenn wir nur ihn hätten könnten wir schon seit mindestes zwei Jahren wieder so leben wie vor der Kinderphase.
Aber auch wenn ich keine Kinder hätte, könnte ich mir nicht mehr vorstellen, meine wache Zeit überwiegen mit einer Tätigkeit zu verbringen. Ich habe relativ früh im Leben gemerkt, dass mir selbstbestimmt Zeit viel wichtiger ist als Status oder Geld, und ich denke jetzt schon darüber nach, wie ich meine Erwerbstätigkeit einschränken oder beenden kann um noch mehr Zeit für meine anderen Interessen zu haben. Da bin ich ein großer Anhänger der Work-Life-Balance!
Ich habe mal einen sehr interessanten Artikel in einer Zeitschrift gelesen. Es ging darum, wir man seinen 60. Geburtstag feiern möchte: mit Geschäftsfreunden in einem Luxushotel oder mit Familie und Freunden in einer Grillhütte... Je nachdem, was das eigene Ziel ist, sollte man schon in jungen Jahren die Weichen in die richtige Richtung stellen...
Grüße von
CoratritonWer nicht will findet Gründe - wer will findet Wege!
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12.06.2009, 18:03Inaktiver User
AW: Kind und Karriere
Das ist hübsch.
Das macht mir auch sofort klar, wo ich nicht hinwill. In das Luxushotel mit den "Geschäftsfreunden". Da halte ich es lieber mit Reinhard Mey: Das Haus soll von alten Freunden aus den Fugen gehn, zwei Enkel auf jedem Knie, und dich als Großmutter daneben - Happy birthday to me.
Ich arbeite ziemlich viel. Aber Karriere -? Schön und gut, aber mit Leuten, die dafür alles opfern, konnte ich noch nie etwas anfangen. Ich habe mich schon an allerlei beruflichen Erfolgen gefreut, aber nichts in meinem Leben ist so bewegend wie das Zusammensein mit meinen Kindern. Mir war irgendwann gegen Ende meines Studiums klar, dass ich Kinder haben möchte und das hat mein berufliches Vorwärtskommen sogar beschleunigt: Ich wollte schlicht fertig werden, damit ich es mir leisten kann.
Nun müssen die Kinder ja auch was essen und daher ist es für die meisten Familien gar keine Frage, dass beide Elternteile für die Haushaltskasse sorgen. Aber dafür reicht doch ein Job. Man muss nicht hoch hinaus, nicht unbedingt, nicht um jeden Preis. Und schon gar nicht auf dem Rücken von Kindern, die man sich "anschafft" wie ein Auto und für die man dann doch keine Zeit hat.


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