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  1. Inaktiver User

    Mein Partner hat sich noch nicht von zuhause "abgenabelt" (lang)

    Schon länger kriselt es in unserer (w 27, m 31) Partnerschaft. Ich habe das Thema bewußt ins Persönlichkeitsforum gestellt, weil die Ursache für das Kriseln m.E. im Bereich Persönlichkeit/Entwicklung zu suchen ist.
    Wir sind seit fast 3 Jahren zusammen. Mitlerweile geht es an solche Dinge wie "gemeinsame Zukunft", zusammenziehen, Kinder planen (eher in ferner Zukunft ) usw.
    Dabei habe ich in den letzten Monaten festgestellt, dass mein Partner sich zwar viel vorstellen kann, aber letztendlich nicht wirklich in den "Handlungsstrang" kommt. Er hat so eine innere Blokade zu tun, was ich ihm "für uns" vorschlage. Des Weiteren ist er totaaaal unsicher...
    Nicht falsch verstehen! Wenn er auf meine Vorschläge sagen würde: hab ich keinen Bock drauf... okay. Aber er ist immer total begeistert oder zumindest einverstanden... und dann passiert doch nichts bzw. erst bei dreimal nachfragen auf den letzten Drücker.
    (Das fängt bei Kleinigkeiten an, z.B. "wollen wir ins Theater" und hört bei großen Sachen auf, z.B. Zukunftsplanung Hausbau/Kreditfinanzierung, sich einfach drum kümmern.)

    Ich habe lange darüber nachgedacht, was für sein Verhalten ursächlich sein könnte. Solange unsere Partnerschaft in sich ruhte hatten wir keine Probleme. Jetzt aber, da -ibs. ich- das Bedürfnis nach Entwicklung und Bewegung habe (bin da ohnehin etwas straighter als er), knartscht es ziemlich im Getriebe. Im Grund liebe ich ihn aber, das weiß ich.
    Okay. Die Ursache liegt m.E. in dem in der Überschrift genannten. Er hat sich noch nicht von seinen Eltern abgenabelt.
    --> Wenn ich ihm was vorschlage, dann hört er nicht den "gleichberechtigten" Appell, sondern die Stimme seiner Eltern. (Die ihn, das weiß ich, ziemlich drangsaliert haben mit solchen Sachen von wegen "Du sollst, Du sollst nicht" usw., "Sonst bist Du ein schlechter Mensch"/Liebesentzug etc.)

    Es ist auch so, dass ich selber häufig mitbekomme, wie ihn seine Eltern - am Telefon !- ziemlich zur Schnecke machen. (Er wohnt nicht mehr in seiner Heimat, sondern fast 500km weit entfernt, und das ist auch gut so.) Es kommt dabei nicht zu einem riesigen Streit, sondern es läuft alles subtil ab... immer die Schiene, dass seine Eltern nicht anerkennen, was er gemacht hat (was auch immer das ist), seine Eltern es ja besser gemacht hätten und er sich dann endlos rechtfertigt. (Anstatt zu sagen: ja, ist halt so und so, ist mein Leben und Basta.)
    Ehrlich gesagt kriege ich dabei das kalte Grausen... dass er sich noch so gängeln lässt mit 31 Jahren und bei 500km Entfernung!!!
    Ich kriege auch deswegen das Grausen, weil ich das Gefühl habe, dass die Kritik an ihm (die er bereitwillig annimmt) indirekt auch auf mich einwirkt. Ist vielleicht etwas "abgefahren", aber fühle es ( =die Kritik seiner Eltern an ihm - und seine "kindliche Reaktion" darauf) so, als ob seine Eltern zu mir sagen würden: "Was hast Du Dir denn da für einen unfähigen Menschen ausgesucht."
    - Zumal sie auch schon über mich Einfluss auf ihn nehmen wollten! = "Was hälst DU denn davon, dass "Martin" so und so lebt???"
    (Anmerkung: ich verstehe mich mit seinen Eltern eigentlich ganz gut, allerdings sehe ich sie auch auf Grund der Entfernung nur sehr, sehr selten. )

    Ich glaube, dass sich das Verhältnis zu den Eltern in vielen Beziehungen wiederspiegelt. Ich wollte meine Erlebnisse/Gedanken einfach mal in diesem Forum schildern, weil ich auf Rat bzw. ähnliche Erlebnisse hoffe. Ich liebe meinen Freund, aber ich könnte wohl nicht auf Dauer mit dieser Haltung von ihm leben.
    ---> Schreckliche Vorstellung, wenn er und damit indirekt ja auch "wir" in 10 oder 20 Jahren immer noch von seinen Eltern zu hören bekommen, das und das hätten wir aber viel besser gewußt... vor allen Dingen, wenn ER das dann tatsächlich so sieht/fühlt, weil er sich nicht abgrenzen/verteidigen kann.

    Das war ein langer Beitrag. Danke für´s Lesen.
    Undine 123
    Geändert von Inaktiver User (07.04.2009 um 07:45 Uhr) Grund: Ergänzung

  2. Inaktiver User

    AW: Mein Partner hat sich noch nicht von zuhause "abgenabelt" (lang)

    Hast du diesen Gedankengang mal mit ihm besprechen können - und wie steht er dazu?
    Und: kennt er das Verhältnis zu den Eltern überhaupt anders (also: wertschätzend, liebevoll), z.B. von dir, von Freunden, ..., oder meint er, "das muss halt so sein"?

    Ein "Eingeständnis" der Fehlerhaftigkeit dieser Situation und ein Wunsch, diese zu ändern, wäre wohl die Voraussetzung dazu.

    T., die grade auch mit Eltern-Themen beschäftigt ist

  3. Inaktiver User

    AW: Mein Partner hat sich noch nicht von zuhause "abgenabelt" (lang)

    Hallo Tanguera!

    In Ansätzen haben wir das Thema schon angesprochen. Ich habe ihn in der letzten Zeit leider häufig kritisiert, weil ich irgendwie das Gefühl hatte "hier stimmt was nicht". Dabei waren auch seine Eltern schon Thema. Jetzt habe ich aber erkannt, dass eigentlich quasi ALLE unsere Probleme auf diese Elternsache zurückzuführen sind.
    Und das habe ich noch nicht angesprochen, weil ich etwas Bammel davor habe.

    Er hat bei den Gesprächen auf jeden Fall selber erkannt (und das weiß er auch schon länger als wir zusammen sind ), dass das Verhältnis zu seinen Eltern ziemlich schräg ist. Er kann die Erkenntnis aber nicht umsetzen, ruft sie trotz der "Demütigungen" und subtilen Streitereien immer wieder an (sie ihn übrigens auch)... und während eines solchen Streits merkt er eigentlich gar nichts mehr, sondern wird wieder "fünf" oder "zwölf" und bleibt dann auch erstmal ne Stunde so.

    Seine Erkenntnis resultiert auch daraus, dass er das bei mir und meinen Eltern anders sieht. - Aber tendenziell könnte es schon sein, dass er denkt "das ist halt so" und ich und meine Eltern sind die Ausnahme der Regel.
    Auf jeden Fall kam in den Gesprächen immer wieder durch, dass er nicht davon ausgeht, dass sich seine Eltern ändern könnten bzw. das Verhältnis zu seinen Eltern auch mal anders werden kann. Da hat er Bauklötze gestaunt, als ich ihm gesagt habe, dass ich mit meinen Eltern auch mal nicht sooo super klargekommen bin. - Und dass sich das aber gebessert hat, mit den Jahren.

    Oh sorry, schonwieder so viel...

  4. Inaktiver User

    AW: Mein Partner hat sich noch nicht von zuhause "abgenabelt" (lang)

    Hi Undine,
    hm... keine ganz einfache Situation. Er weiß darum und könnte/müsste das Elternproblem eigentlich selbst lösen - aber das Problem wirkt auf eure ganze Beziehung. Die resultierenden Probleme lassen sich nicht isoliert lösen, oder?

    Das wäre so irgendwie mein Lösungsvorschlag - Beziehungsprobleme angehen, soweit möglich, immer mal wieder über die Eltern sprechne bzw. Gesprächsangebot bieten - und ihn machen lassen.

    Das hier
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Auf jeden Fall kam in den Gesprächen immer wieder durch, dass er nicht davon ausgeht, dass sich seine Eltern ändern könnten bzw. das Verhältnis zu seinen Eltern auch mal anders werden kann. Da hat er Bauklötze gestaunt, als ich ihm gesagt habe, dass ich mit meinen Eltern auch mal nicht sooo super klargekommen bin. - Und dass sich das aber gebessert hat, mit den Jahren.
    finde ich wichtig, dass du immer wieder vermittelst.
    A propos, gibt's bei ihm Geschwister, wo's besser läuft, und die als Gesprächspartner dienen könnten?

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    AW: Mein Partner hat sich noch nicht von zuhause "abgenabelt" (lang)

    Hallo Undine,

    das ist böse, was Dein Freund da mit seinen Eltern durchmacht. Er scheint mindestens ihnen gegenüber null Selbstbewusstsein zu haben. Glaubt er Dir überhaupt, dass du ihn liebst? Sind die Eltern objektiv wirklich solche Überflieger? Denkt er, wenn er ihnen einmal richtig die Meinung sagt, dass sie nie wieder mit ihm reden? Wie schätzt denn Dein Freund selber das Verhältnis zu seinen Eltern ein? Ich hab einen Bekannten, dessen Vater ihn auch nur auf seine Fehler aufmerksam macht. Der Vater weiß, denke ich, was er seinem Sohn antut und das der nur auf seine Anerkennung aus ist, aber der Vater will sie ihm einfach nicht geben. Unterstes Machtgehabe, aber mein Bekannter hat deswegen ein so schwaches Ego, dass er auch im Beruf schon "abgestiegen" ist.

    Kannst du Dir vorstellen, wenn seine Eltern Deinen Freund wieder rund machen, für ihn Partei zu ergreifen und Dich zur Not auch richtig mit ihnen zu streiten? Sie fragen Dich ja schon, was Du von diesem und jenem hälst. Er kann ihnen ihre Grenzen offensichtlich nicht aufzeigen, vielleicht kannst Du es? Wäre er dann böse auf Dich?

    Im Grunde ist es ja nicht so wild, wenn man sich mal mit seinen Eltern in den Haaren hat. Hatte mit meinen auch schon ein halbes Jahr totale Funkstille. Aber seitdem sehen sie mich auch als ernstzunehmenden Mensch und nicht als dummes Kind, dem man alles sagen muss .

    Hoffe ihr kriegt das hin!
    Leben und leben lassen.
    -----------------------------------------------
    nachdenkseiten.de

  6. Inaktiver User

    AW: Mein Partner hat sich noch nicht von zuhause "abgenabelt" (lang)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ---> Schreckliche Vorstellung, wenn er und damit indirekt ja auch "wir" in 10 oder 20 Jahren immer noch von seinen Eltern zu hören bekommen, das und das hätten wir aber viel besser gewußt... vor allen Dingen, wenn ER das dann tatsächlich so sieht/fühlt, weil er sich nicht abgrenzen/verteidigen kann.
    Das war ein langer Beitrag. Danke für´s Lesen.
    Undine 123
    Hallo Undine,
    das erste, was mir bei Deinen Zeilen einfiel ist das Thema der "emotionalen Erpressung". Das ist eine ziemlich harte Angelegenheit, z. B. wenn man oft im Leben mit Liebesentzug bestraft worden ist.
    Das hinterlässt Narben.

    Was ich nicht ganz verstanden habe ist: Hast Du mit ihm einmal in Ruhe geredet? Vielleicht habe ich es auch überlesen, es ist schon etwas spät - wenn ja, dann entschuldige bitte.

    Anima

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