Liebe Julifrau,
vielen Dank für Deine rasche Antwort.
*TiefSeufz* Sie darf nun bis Morgen bleiben, hat für 8Uhr morgens allerdings eine Mitfahrgelegenheit (die ich nun organisiert habe - sie hatte sich natürlich nur den OneWay organsiert, als sie los ist)
Ich habe es aber angesprochen, das ich da so nicht mehr möchte. Woraufhin sie sagt "wieso, mir hat es gut getan, hat doch jetzt gepasst?" -> Wieder die Erkenntnis, dass sie mich mit meinen Bedürfnissen gar nicht wahrnimmt, aber immer von Liebe spricht. Sie sagt, sie braucht mich, ich bin doch ihre Familie.
Du hast recht, eng ist das richtige Wort. Du hast auch Recht, dass ich mich noch mehr abgrenzen muss.
Ich werde immer wieder "überfahren" von ihr und ärgere mich dann, dass ich zu "schwach" bin, das zu stoppen. Glaube aber, ein Kontaktabbruch käme für mich gerade auch nicht in Frage, ich würde darunter auch selber leiden.
Dieser Blog und diese Situation, in der nun wiederholt vehement meine Grenze wieder eingerannt werden bringen mich jedenfalls zu dem Schluss, dass ich da wohl doch noch gar keine richtige Strategie gefunden habe. Werde mir das ein oder andere hier vorgeschlagene Buch besorgen und habe eine Selbsthilfegruppe gefunden von Töchtern von Borderline-Müttern. Ich habe - vor allen Dingen zur Zeit - extrem viele eigene Dinge zu tun, von der Arbeit über die Uni bis zum Privatleben - und doch muss ich mich dem Thema wohl noch mal stellen.
Hier gerade unterwegs zu sein, hilft mir schon - jetzt im Augenblick.
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20.05.2013, 18:53
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
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20.05.2013, 20:20
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Mit solch einer Situation kann man auch nicht von heute auf morgen perfekt umgehen. Das ändert sich Schritt für Schritt, Millimeter für Millimeter. Geht es mal 5 Zentimeter vorwärts, geht es dann wieder 2 oder mehr zurück. Genauso wie das normale Erwachsenwerden ist es einfach ein Prozess.
Du hast ja jetzt schon einmal Grenzen gesetzt, mehr als deine Mutter wollte. Das ist ein guter erster Schritt! Und auch wenn sie Deine Bedürfnisse noch nicht wahrnimmt, ist es erstmal wichtig, dass Du Deine Bedürfnisse wahrnimmst und versuchst, so gut wie möglich zu bewahren.Avatar made by Betsi!
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22.05.2013, 15:12
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Ja, das finde ich zwei ganz wichtige Gesichtspunkte!
Ich glaube, es gilt hier, ganz viel Geduld mit sich selbst zu haben, und ganz viel Verständnis auch für die eigenen Schwierigkeiten, sich wahrzunehmen, abzugrenzen, auszudrücken, besonders im Konflikt. (Schon allein das ist ein hilfreiches Gegenprogramm zu dem, was man als Kind erlernt hat).
Und vielleicht hilft es auch, sich klarzumachen, weshalb es einem so schwerfällt.
BPD (also Borderline) ist ja charakterisiert durch eine starke Polarisierung zwischen weiß/idealisiert und schwarz/verhaßt, zwischen unglaublicher Verlustangst und Angst vor Nähe (weil ja dann Verlust von Selbst oder dem Anderen droht), mit emotionellen Abstürzen, Verlust von Selbstgefühl und -wahrnehmung, Dissoziation u.a.. Daraus kann man ersehen, was die Kinder dieser Mütter so erleben, und nachvollziehen, wie sie sich entwickeln. Man stelle sich vor, wie es für ein kleines Kind ist, diese Achterbahnfahrten und diese Gefühlsintensitäten, diese Unabgegrenztheit und Schutzlosigkeit, diese Aggressivität.
Es ist gezeigt, daß Kleinkinder von Müttern mit BPD ein ganz deutlich erhöhtes Risiko für eine desorganisierte Bindung zu ihrer Mutter haben - das bedeutet, einer Bindung, bei der die Bindungsperson gleichzeitig Quelle der Sicherheit ist und Quelle höchster Unsicherheit/Gefahr - das Kind ist wie gelähmt, braucht seine Mutter ganz nötig aber wagt nicht, zu ihr zu gehen.
Diese Kinder waren aber bereits im Alter von wenigen Monaten schon anders im Kontakt als Babies von seelisch gesunden Müttern (siehe auch hier). Sie haben einen eigentlich vorgesehenen Entwicklungs"sprung" nicht vollständig erreicht, nämlich den, grob gesagt, vom Kontakt mit anderen interessiert und beruhigt zu werden. Und zwar deshalb, weil die Mutter im Kontakt bedrohlich, zu invasiv oder zu oft abwesend/dissoziiert und daher nicht ausreichend einfühlsam und zugewandt gewesen ist.
Warum ich das schreibe? Weil man sich damit vielleicht besser vorstellen kann, wie sich das alles entwickelt hat. Kleine Kinder brauchen einen ausreichend sensitive und gefühlsmäßig angepaßten Menschen um sich, der sie spiegelt, reguliert, anregt ... der den Fokus aus sich selbst heraus auf das Kind legen und ihm dadurch die Möglichkeit zur Entwicklung geben kann.
Im ersten Lebensjahr lernt das Kind, sich selbst wahrzunehmen und zu fühlen, und dann in den Austausch mit anderen zu treten. Von anderen beruhigt und getröstet zu werden (und es dann allmählich über die ersten Jahre auch selbst zu können). Auf andere zu vertrauen und den Kontakt zu genießen.
Wenn vielen Kindern von Müttern mit Borderline bereits im Babyalter wichtige Erfahrungen und Entwicklungen fehlen, dann wird ganz deutlich, wie tiefgreifend und über wie viele Jahre sich diese Entwicklungen zugetragen haben. Und wenn man bedenkt, daß die Kinder ihre Mütter lebensnotwendig gebraucht haben, kann man auch gut verstehen, daß sie sich ihren Müttern so gut wie möglich angepaßt haben.
Gelernt haben, ihre Mutter emotionell und organisatorisch bei der Stange zu halten.
Gelernt haben, sich nicht zu deutlich abzugrenzen und Grenzüberschreitungen zu dulden.
Gelernt haben, alles heimlich zu halten, was die Mutter zur Ablehnung bringen kann.
Gerlernt haben auszuhalten, gehaßt und verworfen zu werden - und dann wieder geliebt und überhöht.
Gelernt haben, Konflikt zu umgehen - oder sich lieber gleich hineinzustürzen, um wenigstens den Zeitpunkt zu kontrollieren.
usw.
All das gelernt, was man zum Überleben brauchte, was aber das spätere Leben sehr schwer macht. Und wenn man sich das schrittweise um-gewöhnen, ab-lernen will, dann braucht man ganz viel Geduld.
Sozusagen das Anti-BPD-Programm:
Geduldig sein, liebevoll alles an sich selbst annehmen, auch Schwäche.
Im Gefühlsstürmen ruhiger zu werden, sich selbst zu halten.
Sich abzugrenzen wagen und andere sich abgrenzen lassen.
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Um es ganz deutlich zu sagen, das ist eine Betrachtung aus der Perspekive der Kinder heraus. Daß ihre Mütter in ihrer eigenen Kindheit oft ähnliche Erfahrungen gemacht haben, daß sie selbst Gründe haben, weshalb sie so geworden sind, wie sie sind, ist eine andere Sache.
Aber darüber empathisch nachzudenken kann man sich seelisch erst leisten, wenn man selbst Land gewonnen hat. Vorher lähmt es die Abgrenzung entscheidend!Geändert von maryquitecontrary (22.05.2013 um 15:33 Uhr)
that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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22.05.2013, 15:31
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Hallo lena,
meine Mutter war/ist ihr Leben lang Depressiv, heute Bipolar; ist zwar nicht ganz dasselbe wie BL, aber wenn ich Beschreibungen von Kindern mit BL-Müttern mit meinen eigenen Erlebnissen vergleiche ähneln sich die Situationen sehr.
Bin jetzt 45, also in den 70ern und 80ern aufgewachsen und damals war alles ein riesiges Tabu, also absolut niemand hat mit mir als Kind darüber gesprochen, warum sich meinem Mutter so verhält wie sie sich verhält. Sogar ein stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie als ich 12 war wurde mit einem "wunderbaren" Urlaub nur mein Vater und ich getarnt....
Ja, wo waren sie alle? Alle hochgebildet, viele Ärzte, manche sogar vom Fach.... Wahrscheinlich wollte man das arme Kind schützen....
Das Tabu besteht bis heute, meine Mutter (jetzt 75) und ich können nach wie vor kein vernünftiges Gespräch jenseits von Banalem führen. Ob sie sich Hilfe holt? Keine Ahnung, das Tabu besteht nach wie vor.
Diese ewig präsenten und latenten Schuldgefühle, diese ständige schlechte Gewissen, obwohl ich nicht wusste woher es kam, bin ich erst einigermaßen losgeworden als ich (wegen ganz etwas Anderem) eine Therapie anfing. Und trotzdem poppt es von Zeit zu Zeit wieder auf.
Wie ist es bei euch? Seid ihr in Therapie? Nehmt ihr an einer der Selbsthilfegruppen teil, die es mittlerweile gibt?
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22.05.2013, 15:56
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Hallo Mary,
das ist ein echt interessanter Aspekt, danke.
Ich beschäftige mich in den letzten Monaten verstärkt mit dem Thema Selbstverantwortung, dh. wie weit bin ich als Kind "Schuld" gewesen an den Grenzüberschreitungen meiner Mutter, wie weit ist es heute als Erwachsene meine Verantwortung trotz meiner Vergangenheit gut für mich zu sorgen und wie weit wäre es die Verantwortung meiner Mutter damals (sprich in den 70ern und 80ern als ich Kind/Jugendliche war) gewsen, sich professionelle Hilfe zu holen.
Und immer wieder taucht die Frage auf, welches Angebot es damals gab, ob damals so schwere Störungen überhaupt therapierbar waren? Gab es damals schon einigermassen gute Psychopharmaka?Geändert von Lisa68 (22.05.2013 um 16:31 Uhr) Grund: Zitat repariert
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22.05.2013, 16:06
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Ich finde das Wort "Schuld" hier problematisch. Ich glaube es ist gut, den eigenen Anteil zu sehen - also zum Beispiel aus dem, was ich heute früher geschrieben habe, über die Strategien, die die Kinder sich aneignen zum Überleben mit ihren Müttern, zu verstehen, wie die eigene Beziehungsgestaltung abläuft und was man heute anders machen kann - auch mit der eigenen Mutter (aber das ist eben trotzdem schwierig), aber vor allem auch mit anderen Menschen.
Das hilft, aus der Opferperspektive herauszukommen und etwas zu verändern. "Schuld" meine ich, ist ein nicht hilfreiches Wort. Hat ein Baby Schuld, wenn es sich anpaßt? Hat eine Mutter Schuld, die nach Übergriffen instabil und unreflektiert ist?
Verantwortung - das finde ich schon einen besseren begriff. Trotzdem ist vieles auch von Zufällen/Schicksal abhängig. Ich bin dankbar dafür, daß ich meinen Weg gefunden habe, aber ich hatte auch viel Glück. Habe ich daher mehr Verantwortung übernommen? -ich weiß es nicht.
Ob unsere Mütter etwas hätten verändern können? - die besseren Therapien heute hängen ja nicht an besseren Medikamenten (die helfen nur bei den draufgesattelten Symptomen wie Depression, Angst, z.T. ein bißchen bei Gefühls-Instabilität), sondern an anderen psychotherapeutischen Strategien.
Aber auch dazu braucht man eine gewisse Einsicht und Motivation. Hat das wieder mit Verantwortung zu tun? Wichtige Fragen, die mich bewegen - ich habe keine fertige Antwort.that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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22.05.2013, 16:27
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Hallo Tosa,
falls es dir ein Trost ist: ich habe in letzter Zeit - so wie du - versucht mit meiner Mutter zu reden, und es bringt haargenau nix.
Ein/zweimal hatte ich das Gefühl, dass sie mich und meine Situation versteht und eine Verhaltensveränderung bewirkt, aber am nächsten Tag war alles wieder beim Alten. Im Gegenteil, ich hatte sogar das Gefühl, dass die Verletzungen bei mir sogar noch tiefer waren als zuvor.
Offensichtlich ist mit diesen Personen kein Gespräch auf Augenhöhe möglich, da jegliche Empathie und Einfühlungsvermögen fehlt.
Nach meiner Erfahrung hast du es ganz richtig gemacht mit Abgrenzen und dadurch für dich zu sorgen.
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22.05.2013, 16:49
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Ja, absolute Zustimmung - "Schuld" ist extrem problematisch, daher hatte ich es in Gänsefüsschen gesetzt, war aber offensichtlich zu schwach.

Ich habe den Begriff absichtlich verwendet, denn ich habe mich jahrelang "schuldig" (sic) gefühlt, ohne eigentlich zu wissen warum. Es war ein langer steiniger Weg, bis ich herausgefunden hatte, dass es mit dem Zustand meiner Mutter zusammenhing.
Ich war von klein auf drauf trainiert worden, für das Wohlbefinden meiner Mutter verantwortlich zu sein, und zwar psychisch wie physisch, was ich aber damals nicht differenzieren konnte. Meine Mutter ist zusätzlich noch leicht gehbehindert, dh. ich musste schon immer für sie Dinge aufheben, bringen, Einkaufskörbe tragen etc. etc. pp.
Natürlcih bemüht sich eine kleines Mädchen immer, möglichst hilfreich seiner armen, schwachen Mutter zu Seite zu stehen. Dass durch den psychischen Zustand, der mir ja damals nicht bewusst war, ich NIEMALS gut genug sein konnte, wie sehr ich mich auch bemühte, ist ziemlich fies und ist mir erst vor Kurzem klar geworden.
Ob du Verantwortung bzw. in deinen Augen deine Möglichkeiten ausschöpfend übernommen hast kannst wohl nur du dir selbst beantworten.
Auch hier Zustimmung; ich denke schon dass Einsicht und v.a. danach zu handeln mit (Selbst)verantwortung zu tun. Und sonst: ja, viele offene Fragen.Geändert von Lisa68 (22.05.2013 um 16:51 Uhr) Grund: ergänzung
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15.10.2013, 21:53
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Hallo ihr Lieben,
ich bin neu hier und habe einen sehr langen Kommentar geschrieben.
Leider ist er futsch, weil ich wohl nicht richtig angemeldet war
Bevor ich mir nochmal diese Mühe mache, möchte ich fragen, ob es hier noch Leben gibt
Der letzte Kommentar ist nun schon eine Weile her.
Mensch,...bin ich stinkig!!!
Doof, doof, doof...
Alles Liebe,
regenbogengeniesser
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16.10.2013, 19:27
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Also, ich les noch mit, kann aber inhaltlich nicht so viel beitragen außer zuhören/lesen...
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