Interessant, Eure Gedanken.
Meine sicherlich psychisch nicht unbelastete Mutter - auch wenn ich nicht sicher sagen kann, ob sie Borderlinerin ist, und wenn, dann nur leicht - hat etwas sehr forderndes. Mir ist erst letztens aufgefallen, dass sie immer mehr von mir genommen, mehr von mir gefordert hat, als ich bekommen habe oder auch nur erwarten durfte. Möglicherweise ist das aber auch nur ein extrem dominanter Charakter.
Was die Dankbarkeit für das Schenken der eigenen Existenz angeht, hat sie auch eine sehr interessante, esoterische Variante, die dem aber sehr ähnlich kommt: Sie hat immer behauptet, ich hätte mir als Seele - vor meiner Zeugung - meine Eltern ausgesucht, weil ich sie für irgendetwas bräuchte. Und immer, wenn es Schwierigkeiten gab, kam dann das Statement: Ja, Du hast uns ja ausgesucht...
Bin ich mir ehrlichgesagt gar nicht sicher, ob das so stimmt.
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02.03.2012, 22:51
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Avatar made by Betsi!
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07.03.2012, 00:11
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Hi. Die beschreibung mit der wirbeligen frau gefaellt mir. Mit dem , dass kein ich da ist, meinte ich, dass sich dsd sofort verabschiedet, wenn ich meine mutter sehen sollte. Allein der gedanke macht, dass ich mich aufloese. Taub. Angststarr. Handlungsunfaehig. Deshalb kann ich sie auch nicht sehen.
In ihrer krankhaften art hat sie mir das aussen verboten und zur gefshrenzone erklaert, dass ich den weg ins berufsleben nie geschafft hab und kaum aus dem haus kann. mutter ist in meinem empfinden. Viel fremdes, ja. Finde es toll, wenn du dss vom eigenen trennen kannst. Ich kann das kaum. Auch nach sehr langer therapie. Bis mittag lebe ich emotional immer wieder wie frueher als kind. Erst ab nachmittag setzt sicb ein ich zusammen, das am morgen wieder pfutsch ist. Ein rauswurschteln aus dem misthaufen jeden tag. Bloed ist, dass ich mich total fertig mache , eeil ich nur wenig auf die reihe krieg. Job und ehe. Lebensqualitaet ist auch mies. Flash backs bis mittag haenben ueber mir wien svhwerer sack. O.k, mom war krank, dss macht das ganze verstsendlicher,aber mein leben sitzt fest in den alten emotionen, die einfach taeglich sich abspule.
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08.03.2012, 10:53Inaktiver User
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Hallo, ich bin hier neu hier und finde Eure Beiträge sehr interessant.
Ich habe selbst eine Borderline-Mutter und möchte mich sehr gerne austauschen mit Leuten, denen es sehr ähnlich geht wie mir.
Zum Thema, ob wir es uns ja aussuchen konnten welche Mutter wir haben, möchte ich folgendes sagen:
Mir kommt es so vor, als wenn ich zu 1000 anderen Seelen "die auf eine Wiedergeburt warten" gesagt hätte: "Last mal, dieses Übel nehme ich, Ihr müßt Euch damit nicht belasten, damit werde ich schon fertig". Aber, damit fertig zu werden ist manchmal ganz schön schwer. Auch irgendwelches Pfarrergewäsch von wegen man sollte dankbar sein und verzeihen können, finde ich, hilft einem nicht viel weiter! Abgesehen davon, daß die meisten Pfarrer selbst genug Probleme haben und psychisch total verkorkst sind. Man sollte versuchen, Gott in einem selbst zu finden (und nicht durch einen Pfarrer). Die Kirche hat in den letzten 2000 Jahren doch einiges vermurkst und viel Leid über uns gebracht!!!! Gott wohnt in uns!
Ich versuche immer zu verstehen, wie meine Mutter so werden konnte und ich denke, daß das noch durch den Krieg kommt! Sie wurde 1949 geboren und war ein Nachkriegskind. Da war nicht viel mit Liebe und Zuneigung und Verständnis!!! Aber trotzdem, wenn man älter wird, hat man immer die Wahl wie man wird und wie man seine Kinder behandelt. Ich habe jetzt selbst Kinder und erwarte nichts von Ihnen, so wie von mir immer erwartet wurde ein braves liebes Kind zu sein und zu funktionieren. Und wenn ich nicht funktionierte (in meiner Mutter ihrem Sinne) wurde ich halt seelisch gequält! Wurde schon mit 7 Jahren damit konfrontiert was denn alles in Ihrer Kindheit schieflief, daß alle so gemein zu Ihr sind, mußte sie trösten und immer bei Ihr sein. SO ETWAS WÜRDE ICH VON MEINEN KINDERN NIE ERWARTEN.
Aufgrund ihrer Nachkriegskindheit kann ich sie schon verstehen, aber daß ich ihr verzeihe, da wird wohl noch einige Zeit vergehen. Vor allem da sie sich immer wieder, (obwohl ich jetzt wieder mal seit 1 Jahr Kontakt abgebrochen habe) in mein Leben einmischt. Z.B.: Meine Schwiegermutter mit meinem Sohn vorm Kindergarten abfängt und irgendwelche Schauergeschichten über meine angeblich ja so schlimme Vergangenheit rumschreit!!!! Das ist schon hart! So etwas kann ich noch nicht verzeihen!
Meine Mutter sagt z.B. auch allen Leuten die mich kenne, daß ich Schuld bin das sie krank ist!
Und es ist ganz schön hart, zu wissen, daß da jemand ist der einem solche Schuld aufbürdet, auch wenn ich weiß das sie psychisch krank ist!
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12.03.2012, 22:50
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Eigene Kinder....
Ich finde es toll, dass es hier vielen gelingt, mit den eigenen Kindern anders umzugehen. Denke dass man das nur schafft, wenn man erkannt hat, dass die Mutter eine borderlinerin ist. Ich habe meine Kindheit nur ohne großen psychischen Schäden überlebt, weil ich den Traum hatte von einer eigenen Familie. Ich war damals sehr fasziniert von den Serien unsere kleine farm, ich heirate eine Familie,.... Da sah ich dass eine Mutter ihr Kind auch mal beachtet, es stärkt, lobt und bei Problemen unterstützung anbietet. Das wollte ich meinen kindern mal geben. Ich hätte gern meine Mutter gegen eine andere ausgetauscht.
Ich war unsichtbar in meiner Kindheit und natürlich Schuld wenn es ihr schlecht ging. Ich war ihre Ersatzpsychologin da ihre natürlich nicht jederzeit verfügbar war. Meine Mutter konnte nie mit der Diagnose konfrontiert werden. Behandelt wurden nur die Symptome wie Depressionen, psychotischen Zuständen und nervenschmerzen.
Für mich sind meine Kinder meine Therapie ohne das sie das merken und die Erfüllung eines kindheitstraum wie im Fernsehen...Geändert von Liesel36 (13.03.2012 um 10:52 Uhr)
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16.04.2012, 21:02
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Hallo, ich habe mich nach der Lektüre all dieser Beiträge dazu entschlossen, mich anzumelden, weil es mich drängt, zu euren Erfahrungen meine eigenen - möglicherweise auch widersprüchlichen - beizusteuern.
Vieles von dem, was ihr schreibt, kenne ich nur zu gut. Ich war, seit ich denken kann, ein Kind, das nie so war, wie es sein sollte. Ich wollte meiner Mutter alles recht machen, aber irgendetwas war immer falsch. Leider wuchs ich als Einzelkind auf und mein wunderbarer, humorvoller und kontaktfreudiger Vater war aus beruflichen Gründen häufig nicht da. So war ich mit meiner Mutter und ihren gruseligen Anfällen (oder soll ich lieber "Ausfällen" schreiben?) ganz allein. Sie verstand es, gegenüber der Außenwelt die Fassade aufrechtzuhalten - was mich noch mehr isolierte: Ich war das böse Kind.
Was geschah in meiner Kindheit? Kein sexueller Missbrauch, wenig körperliche Gewalt. Diese Erfahrung blieb mir weitestgehend erspart, sie schlug nur zu, wenn sie ausrastete und das habe ich als Ausraster wahrgenommen.
Aber Abwertung - und das fast durchgängig. Ich fühlte nicht richtig, ich wünschte nicht richtig, ich wurde nie getröstet oder verteidigt, wenn ich Kummer hatte, mir wurde dann entgegengehalten, dass ich mich gefälligst beherrschen solle. Dafür Szenen bei jeder Kleinigkeit. Es konnte sich jederzeit hochschaukeln, nichts war sicher - selbst wenn sie eben noch gute Laune hatte. Leider hat auch mein Vater dieses Spiel nicht durchschaut, so dass meine Mutter mir drohen konnte: "Warte nur, wenn der Vaaaati nach Hause kommt...!" Der fand dann eine erschöpfte und kränkliche Frau vor, die leidend nach langem "Es ist nichts" auf mich verwies - und mein lieber Vater rief mich streng zur Ordnung. Keine Solidarität. Nie. Mit wem auch? Meine Mutter hatte die ganze - väterliche - Verwandtschaft weggebissen, alle waren primitiv oder wollten ihr Übles, bis sie durchgesetzt hatte, dass der Kontakt abbrach. Mein Vater hat leider nicht gegengehalten - das ist sein Anteil, das hat er vor seinem Tod noch verstanden. Ihre Eifersucht vor allem auf jede Beziehung (Nachbarin, Klassenlehrerin, Mutter von Schulfreundin), die ich als gut beschrieb. Drohungen - immer wieder in diesen Situationen -: "Wenn der/die wüsste, wie du WIRKLICH bist, der/die würde dich nicht mit dem Hintern angucken!" - Hallo! Ich war damals 4 bis 8 Jahre alt, ich war ein kleines, sehr liebes Mädchen, schüchtern und vertrauensselig. Ich vertraute auch immer wieder, wenn sie mal wieder richtig euphorisch war, und meinte, dass man (ich) ihr alles sagen könnte, was ich dann auch tat - mit dem Ergebnis, dass sie das Erzählte dann bei einem dieser grauenvollen Wutanfälle mit in ihre furchtbaren Beschimpfungen einbaute. Ich kann heute (jetzt bin ich über 50!!!) immer noch nicht ohne Bewegung, ohne Tränen Filme sehen, wo Mütter ihr Kind liebevoll ins Bett bringen oder ihr Kind mit Zähnen und Klauen gegen Vorwürfe von außen verteidigen. Das habe ich nie erlebt, aber das habe ich ersehnt.
Das, was die Sache so besonders schlimm macht, wurde schon weiter oben beschreiben: Du bist ein Kind, du glaubst deiner Mutter. Und gleichzeitig schämst du dich deiner Gefühle, wenn du sie abstoßend, eklig und gruselig findest, wenn sie austickt und mit fremder Stimme brüllt: "Ich bring mich um, ich bring mich um!" Und dabei die Kleidung an sich zerreißt und die Haare reißt und das Gesicht entgleist und du nichts mehr verstehst, nur eines verstehst du gut: DU bist der Grund. Weil: du (4 Jahre) hast gerade gesagt: "Mit dem Papa ist es immer so lustig, wenn er mich mitnimmt." Mehr hast du nicht gesagt, aber jetzt wird es grundsätzlich: Du bist undankbar, du bist ja gar nicht ihre Tochter, andere Kinder sind dankbar, die würden nie so über ihre Eltern reden, du verdienst ja gar nicht, dass sie sich aufopfert für dich, dass sie ihr ganzes Leben für dich aufgegeben hat.
Es ist eine tiefe Scham in mich gepflanzt worden in diesen Jahren. So schlecht, wie ich war, konnte mich niemand lieben. Also musste ich mich verstellen, damit jemand so "dumm" war, mich trotzdem zu mögen. Erst in der Pubertät versuchte ich, dagegenzuhalten. Aber: Es ist ein Unterschied, vom Verstand her zu reflektieren, dass DAS ALLES nicht stimmt. Dass meine Mutter selbst eine furchtbare, kränkende und lieblose Kindheit hatte. Dass ich wertvoll bin - weil jeder Mensch wertvoll ist. - Belastet hat mich all das, was ich oben angedeutet habe, viel stärker, als ich je für möglich gehalten hätte. Trotz klarem Verstand. Die Dämonen unserer Kindheit schaffen wir nicht allein, auch wenn der Verstand uns vorgaukelt, wir hätten alles begriffen. Das ist zumindest meine schmerzliche Erfahrung.
Mein Weg allein: alles anders machen, meine Kinder vor solchen Missbilligungen schützen, ihnen das Gefühl vermitteln, sie seien kostbar, einzigartig, beschützt - und: sie werden in JEDEM Falle geliebt, egal, was gerade ist. Mein Therapeut hat gemeint: wer aus solchen Erfahrungen käme, gibt den Müll weiter oder will zu 1000% vor dem gleichen Erleben bewahren, was auch nicht ohne Stress funktioniere, weil der Druck so groß sei.
Ich wollte es meiner Mutter trotz allem immer recht machen, habe unter ihrem unerbittlichen Urteil gelitten - auch wenn sie behauptete, sie sei mir ja völlig egal. Ich habe gebettelt, dass sie MICH wahrnimmt, meine beruflichen Erfolge, meine wunderbare Familie. Sie hat es ignoriert oder entwertet. Gleichzeitig nahm sie mir übel, wenn ich mich nicht meldete. Und wenn ich mich meldete, war ich nicht willkommen. Ein Teufelskreis, den ihr kennt, nicht wahr?
Schlimm wurde es, als meine jüngere Tochter in einer Krise steckte und ich nicht an sie herankam - in der Situation bin ich dann zusammengerutscht: ICH WAR SCHULD, dass es ihr schlecht ging. Das Muster von damals eben. Und die Schwärze war da.
Dann die Therapie. Bis zu meinem Satz: "Wenn sie mich ablehnt: Es wird auch so gehen." Es ging auch so: Die alte Frau, die auf meine - vorsichtigen - Sätze von Unglück in der Kindheit mit plötzlicher Krankheit reagierte, tat mir bloß noch - distanziert - leid. Ich saß daneben und wusste: Das geht vorbei. Und das tat es. Sie starb nicht, ebenso, wie sie in meiner Kindheit tausendmal nicht gestorben war, obwohl ich damals um sie Todesangst hatte. Aber verstanden hat sie es nie.
Trotz allem: als meine hochbetagte Mutter wirklich auf den Tod krank wurde, habe ich mich um sie gekümmert. Mein Vater war schon verstorben, ich war die einzige, die noch für sie da sein konnte. Und ich war mit meiner jüngeren Tochter bis zum Schluss bei ihr - auch wenn sie nicht einfach war, weil sie wieder dieselben Muster abzog wie früher.. Sie war kein schlechter Mensch, sie wollte geliebt werden - das ist doch in Ordnung. Sie hat nur völlig irre Versuche angestellt, um Liebe zu erfahren, und hat nie glauben können, dass sie geliebt wird, obwohl das der Fall war. Was für ein trauriges Leben. Trotz allem fehlt sie mir, wie wohl jedem Menschen die Mutter fehlt. Und ich kann mich - manchmal - an die guten Momente erinnern, die es ja auch gab. Und wenn ich das Babybild von ihr sehe, das sie immer mit den Worten kommentierte: "Ihh, meine Eltern sagten immer: Was war ich für ein hässliches Kind." - dann möchte ich sie wieder in den Arm nehmen und SIE trösten und ihr wieder widersprechen und sagen: "Du bist ein wunderbares Kind gewesen, das man lieb haben muss."
Viel zu lang für einen Eintrag? Ich weiß. Aber ich musste das hier schreiben.
An alle, die die gleichen blauen Flecken auf ihrer Seele haben: Ich umarme euch!Geändert von little-child (17.04.2012 um 17:21 Uhr)
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16.04.2012, 21:16Inaktiver User
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
Ich umarme dich auch. Mir laufen noch die Tränen, die ich weinen mußte als ich deinen Beitrag las. So vieles erkannte ich wieder, vor allem auch das Ende. Wir habe unsere Muttis geliebt, trotz allem.
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16.04.2012, 23:54
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
hallo,
ich lese den thread schon eine weile.
meine mutter (71, an bl erkrankt solange ich denken kann)
lebt noch und ich weiss nicht, wie meine gefühle sein werden,
wenn sie vor mir sterben sollte.
ich bin eher gespannt darauf, was wir noch so von ihr
hören werden, in den nächsten jahren.
vg, swantjeb
Kinder und ihre Mütter mit Borderline. Kindheiten mit Borderline-Müttern - Home
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17.04.2012, 09:44
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
@floralina
Das macht es ja so furchtbar schwer, nicht wahr? Jemanden lieb haben - und trotzdem vor sich und anderen zugeben, dass diese Person ein grauenhaftes Monster sein konnte.... Ich war die Einzige, an der sich meine Mutter "abreagierte", sie verstand es, sich gegenüber anderen "zusammenzureißen", wie sie es nannte. Das hat es mir noch unmöglicher gemacht, irgendjemandem davon zu erzählen. Außenstehenden fiel wohl ihre Kontaktarmut, ihre nervöse Unruhe auf und ihre Rigorosität. Aber selbst mein Vater erlebte sie damals so nicht - und wies mich energisch als "böse" zurecht, wenn ich versucht habe zu schildern, wie so ein "Ausfall" verlaufen war: "Wie redest du denn von deiner Mutter?"
Schlimm war, dass sie sich nicht freuen konnte, nicht wirklich jedenfalls. Ich konnte ihr keine Freude machen, weder als Kind noch später. Nach ihrem Tod fand ich ihr Tagebuch. Ich habe so sehr heulen müssen: Mir gegenüber hat sie sich über jeden mitgebrachten Blumenstrauß nur gleichgültig oder missbilligend geäußert, im Tagebuch steht dann aber - nach einer Woche oder so -, dass sie so stolz auf die schönen Blumen sei und ob ich sie vielleicht doch lieb hätte?
Sie war so entsetzlich eifersüchtig auf alle, die ich mochte, sogar auf meinen Vater. Auf ihn ganz besonders. Er war lebensfroh und heiter, kontaktfreudig und geduldig. Schade, dass er jeder Auseinandersetzung mit ihr aus dem Weg ging, er konnte ihr wohl nichts entgegensetzen. Dabei hat sie auch ihn schon in meiner Kindheit und später in meinem Beisein herabgesetzt und immer wieder abgestraft.
Ich verstehe, dass ein totaler Bruch mit den Eltern manchmal eine Lösung sein kann. Das hilft vielleicht, um sich vor den Kränkungen und Szenen zu bewahren. Ich habe das aber nicht gekonnt, mir tat mein Vater leid. Außerdem wollte und konnte ich meinen Töchtern die Großeltern nicht wegnehmen, ich hatte selbst nie "richtige", das heißt emotional lebendige Großeltern. Den Enkelkindern gegenüber war meine Mutter zwar zum Teil sehr merkwürdig (fragte z.B. bald nach dem Begrüßen:"Habt ihr nicht noch was vor?"), aber die beiden kamen mit ihrer Oma ganz taff klar, nahmen sie einfach wie sie war, ohne sich wehtun zu lassen. Haben sich einfach nicht beirren lassen nach der Devise: Oma hat uns lieb, ist aber manchmal komisch. Sie haben von mir erst, als sie schon erwachsen waren, in einigen Andeutungen erfahren, wie meine Erfahrungen mit ihr waren. Das konnten sie dann aber recht gut auseinanderhalten...
Ach, es ist ein so kompliziertes Thema... Ungefähr drei Monate, bevor mein Vater starb, war es mir möglich, mit ihm allein zu sprechen (das war absolut schwer, sie passte immerzu auf, dass sie alles hörte, was wir redeten, und griff sofort ein, wenn das Gespräch eine Wendung nahm, die ihr unangenehm war). Ich hab zu ihm gesagt: "Weißt du, du hättest mir erklären müssen, dass sie krank ist, so, wie andere Husten oder Fieber haben, und dass ich nicht schuld bin, wenn sie sich aufregt. Das hat mir gefehlt. Ich habe mich immer schuldig fühlen müssen. Du hättest mir helfen können." Er hat mir - schweigend - zugestimmt.
Welche Erfahrungen habt ihr mit eurem Vater gemacht? Hat er das üble Spiel durchschaut?
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17.04.2012, 20:08
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
ich fürchte, mein vater war intellektuell nicht in der lage, das ganze zu durchschauen.
zudem war er wohl auch traumatisiert, durch den II. weltkrieg.
vor kurzem hätte ich ihn fast noch idealisiert, aber leider habe ich dann doch nachvollziehen können anhand meiner tagebücher, das er mich an sie verraten hat und vor allem: allein gelassen hat - mit ihr und ihrer zerstörung.
lg, swantjeb
Kinder und ihre Mütter mit Borderline. Kindheiten mit Borderline-Müttern - Home
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17.04.2012, 21:17Inaktiver User
AW: Aufgewachsen mit Borderline-Mutter
@little-child, meine Mutter war ganz anders als deine. Sie war durch die Flucht und all die schreckliche Zeit traumatisiert. Sie hatte es sehr schwer damals und das war später als ich geboren wurde natürlich noch spürbar. So ganz kann man das in einem Menschenleben auch nicht verarbeiten. Sie liebte mich abgöttisch, ich war ein Neubeginn für sie und meinen Vater, das und die damit verbundenen Erwartungen erdrückten mich. Als sie dann dement wurde hatte ich eine sehr aufregende Zeit mit ihr, aber da war ich bereits Mitte 40.


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