Mein spontaner Gedanke dazu ist: wenn man oberflächlich ist, belastet man sich selbst mit weniger Gedanken über Dinge, die man sowieso nicht ändern kann. Man ist unbeschwerter, zumindest stelle ich mir das so vor. Das würde für mich schon die Schlußfolgerung nahe legen, dass man so leichter lebt. Über die subjektiv empfundene Qualität eines solchen Lebens sagt das glaube ich nicht viel aus. Wenn man mehr nachdenkt, sich aus den Dingen etwas macht und sie nicht nur mitnimmt, erlebt man andererseits vieles intensiver. Das bringt auch Lebensqualität. Man hat mehr Sorgen, aber man erlebt die schönen Seiten des Lebens auch bewusster.
Mein Eindruck ist, dass Menschen die viel hinter die Fassade schauen wollen und sich viele Gedanken über Zustände machen, die sie selbst nie im Leben alleine ändern können, immer auch etwas weniger Energie für ihre persönlichen Lebensziele haben. Daher sind sie meiner Meinung nach oftmals tatsächlich nicht so erfolgreich, wie andere, die einfach vieles lockerer nehmen und dann mehr Energie für sich haben.
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Ergebnis 11 bis 20 von 119
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23.03.2009, 20:07Inaktiver User
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
Geändert von Inaktiver User (23.03.2009 um 20:10 Uhr)
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23.03.2009, 20:09
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
Also ehrlich Dobby, das ist Wertung in ihrer reinsten Form oder etwa nicht? Soviel zu Selbstreflexion

Im Ernst, wer defininiert denn Oberflächlichkeit. Du sagst, du bist absolut nicht oberflächlich. Aber das ist deine Sicht und vielleicht finden andere Menschen dich oberflächlich?
Bist du es dann oder bist du es nicht?
Letztlich ist gerade das doch eine Sache der persönlichen Wahrnehmung, oder?
Wenn du Oberflächlichkeit als mangelnde Reflexion, Wahrnehmung der Umwelt etc. definierst, dann glaube ich schon, dass manche es leichter haben, denen diese Dinge nicht so wichtig sind...
ps: ich merke gerade, interessantes Thema
(\/)
(. .)
c(")(")
„Mit dem menschlichen Geist und seiner Persönlichkeit ist es wie mit einem Fallschirm. Er nutzt nur etwas, wenn er sich entfaltet.”
(Verfasser unbekannt)
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23.03.2009, 20:21
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
Ich selber belaste mich auch mit manchen Dingen einfach nicht. Ich lese seit ein paar Jahren keine Zeitung mehr und wenn nur den Sportteil.
Ich lasse gewisse Dinge einfach nicht mehr so an mich ran. Finanzkriese, Politik, Flugzeugabsturz. Sicher bekomme ich noch so einiges mit, aber ich versuche mich dadurch nicht runter zu ziehen.
Ich bin beruflich einigermaßen Erfolgreich. Habe einen guten, wenn auch kleinen Freundeskreis aber einen großen Bekanntenkreis.
Ich halte mich für sehr einfühlsam und liebe wenn dann mit Haut und Haaren. Meine Familie ist mir heilig.
Also, was ist oberflächlich. Über Leichen gehe ich nicht in jedem Fall. Muss aber beruflich auch mal "Schwein" sein und darf manche Schicksale nicht so an mich ran lassen.
Auch wenn böse Zungen behaupten es würde mir Spaß machen Mitarbeiter zu entlassen. Und das tut es nicht. Ich darf aber nicht darüber nachdenken. Denn das würde mich nur traurig machen.
Ist ein Notarzt auch oberflächlich? Nur weil er nicht noch lange über die Frau nachdenkt, wo er nur noch den Tot feststellen konnte.
Ich glaube nicht, dass es rein oberflächliche Menschen wirklich gibt. ich glaube nur, dass manche ihr Herz nicht auf der Zunge tragen.
Ich glaube das Erfolg einsam macht, denn wirkliche Freunde zu haben, ist dann nur noch sehr schwer.Meine große Maus und mein kleiner Mann. Die wertvollsten Geschenke!
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23.03.2009, 20:25
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
Hamster, deine Antwort finde ich klasse.
Einen für mich entscheidenden Nachtrag würde ich aber gerne noch ergänzen.
Noch einsamer als erfolgreiche Menschen sind erfolglose Menschen!
(\/)
(. .)
c(")(")
„Mit dem menschlichen Geist und seiner Persönlichkeit ist es wie mit einem Fallschirm. Er nutzt nur etwas, wenn er sich entfaltet.”
(Verfasser unbekannt)
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23.03.2009, 20:46
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
Ja, finde ich auch.ich finde, du machst dir selbst ganz schön was vor.
Ich habe überlegt, warum ich ein ungutes Gefühl bei Deinem Eröffnungsposting hatte, Dobby.
Vermutlich deshalb, weil es impliziert, dass tiefgründig = gut und oberfächlich = schlecht ist. So kommt es jedenfalls bei mir an.
Und weisst Du was, so ähnlich habe ich auch lange gedacht.
Aber damit macht man vor allem eins: sich selbst das leben schwer.
Weil: leicht ist ja wieder oberflächlich, und oberflächlich = schlecht.
Schlecht wollen wir doch nicht sein.
Aber Menschen, die sich selber auf die Sonenseite stellen, die sich mit schönen und angenehmen, "leichten" Dingen beschäftigen und sich nicht jeden (Grübel)-schuh anziehen, die sind ja nicht schlecht, die passen vielleicht nur besser auf sich auf als ein Grübler.
Irgendwo habe ich mal gelesen: Du kannst die Vögel der Schwermut nicht daran hindern, um Deinen Kopf zu fliegen, aber Du kannst sie daran hindern, in Deinen Haaren Nester zu bauen.
Passt ja vielleicht auch hierhin.
Gruß,
Tabea57Gestaltet doch euer Leben, hofft weniger, macht was ihr wollt.
Aber macht!
ausgeborgt von Uli_F-2009
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23.03.2009, 20:47
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
meiner meinung nach ist dobbys definition von oberflächlich nicht wirklich zutreffend. wer knallhart seine eigenen interessen verfolgt, ist doch nicht oberflächlich.
um es mal ohne wertung zu formulieren: angenommen, jemandem sind klimakatastrophe und weltwirtschaftskrise völlig egal bzw. unbekannt und er hat noch nie ein psycho-buch gelesen. trotzdem kann er doch ein mensch sein, der sehr stark im augenblick lebt, der alles, was er (in seiner privaten, unmittelbaren welt) tut, mit sehr viel einsatz und sorgfalt tut, der die menschen in seiner umgebung gut kennt und einschätzen kann, der stimmungen gut auffängt und seine umgebung, zb. die natur, gut beobachtet.
dagegen gibt es super-tiefgründige intellektuelle, die alles wissen, alles problematisieren, messerscharf analysieren. die aber praktische dinge immer nur hopplahopp und halb machen, die ständig alles vergessen, nicht mitkriegen was menschen um sie herum jetzt in diesen moment bedrückt, weil sie ständig mit den gedanken woanders sind, denen die natur vollkommen entfremdet ist vor lauter kultur.... und die deshalb auch nie was authentisches erleben und nie spaß haben.
es ist doch ein grundsatz des buddhismus - alles, was man tut, mit voller konzentration und einsatz zu tun, und wenn es der abwasch ist. und buddhisten gelten wohl gemeinhin nicht als oberflächlich.
also was ich sagen wollte - nicht jeder, der bodenständig ist und vielleicht einen begrenzten horizont hat - und wenn es der der unmittelbaren eigenen bedürfniserfüllung ist - lebt oberflächlich. im gegenteil, der ist sehr "bei sich" - und das ist ja etwas, das in der küchenpsychologie sehr angesagt ist.
um auf die frage zurückzukommen, solche menschen (egal, wie wir es jetzt nennen wollen) leben in der tat leichter. die sitzen nämlich jetzt in diesem augenblick nicht am pc und diskutieren um des kaisers bart, sondern haben guten sex oder kochen sich was leckeres oder amüsieren sich königlich über eine tv-sendung, die wir natürlich als total niveaulos ablehnen
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23.03.2009, 21:04
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
das finde ich auch ziemlich anmaßend. woher weißt du das denn so genau?
nicht tiefsinnige meinst du?Aber haben es solche Menschen nicht leichter?
da möchte ich mal schnitzler zitieren:
"Tiefsinn hat nie ein Ding erhellt; Klarsinn schaut tiefer in die Welt."
für mich (die ich obenstehenden aphorismus affirmiere) ist "tiefsinn" also nicht so positiv besetzt wie für dich.
meine meinung: strukturiert denkende menschen haben es relativ einfach, so man denken als mühsal auffasst. ein ausgeglichener affekthaushalt kann sicher auch nicht schaden.
aber dir ging es wohl um die moralisch-ethische dimension....
könnte man deine frage folgendermaßen paraphrasieren: haben 'gewissenlose' menschen es einfacher?
dann wären wir nicht bei oberflächlich/ tiefgründig sondern schamgefühl-/ schuldgefühlgesteuert [und die antwort würde lauten: nein ...oder?].
grüße
pt
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23.03.2009, 21:05
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23.03.2009, 21:07Inaktiver User
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
Ja wie, sind denn dann alle gleich tiefgründig, zeigen es aber nur unterschiedlich??
DAS ist mir zu oberflächlich.
Wobei oberflächlich für mich bedeutet, nie nach dem wieso und warum zu fragen, sondern alles als gegeben hinzunehmen und den jeweils leichtesten Weg zu gehen.
Das gibt es dann in unterschiedlichsten Ausprägungen, wobei ich Nachdenklichkeit und Reflektion ungern als Problematisiererei verstanden haben möchte, wie es hier anklang. Natürlich kann man es sich zu kompliziert machen im Leben und sich damit selbst im Weg stehen - trotzdem denke ich, dass man es sich auch zu leicht machen kann, und das dann nicht unbedingt zur Charakterbildung beiträgt.
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24.03.2009, 07:29Inaktiver User
AW: Haben es oberflächliche Menschen leichter??
Aber was ist dann tiefsinnig?
Kein Fernsehen, keine Bild, als Lektüre Hegel und Kant (damit könnte ich gut leben)?
Oder die Verneinung von dem hier:
Damit könnt ich nicht leben.
Ist Körperfeindlichkeit (kein Sex) und Lustverneinung (kein Spaß) eigentlich in irgendeiner Weise indogen positiv? Klar kann ich mir alles schönreden, aber wozu?



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