Hallo,
ich weiß nicht genau, wohin mit dem Thema... hoffe, hier bin ich richtig.
Lese hier immer ein wenig kreuz und quer, wenn ich nicht schlafen kann, um mich abzulenken. Heut ist es mal wieder so weit, ich fühle mich wahnsinnig einsam, wie so oft... und habe endlich Mut gefasst, mich anzumelden... und den rat zu befolgen, den ich Anderen gebe, wenn sie nicht schlafen können: "schreibt auf, was euch bedrückt".
Bisher hatte ich einen lieben Bekannten, mit dem ich mich austauschen konnte, dem es auch oft nicht gut ging. Nun hat er eine schöne Beziehung, mit dem Rauchen und Trinken aufgehört, treibt Sport, ist auf einem guten Weg - so will ich ihn nicht mehr belästigen. Außerdem lehrt mich meine Erfahrung, dass Menschen, denen es gut geht, das Verständnis für "banale" Problemchen fehlt, und Mitleid kann ich nicht gebrauchen.
Also werd ich nun hier ein wenig mitmischen
und hab gleich mal eine Frage:
Kennt das jemand, sich auch einsam unter Freunden, auf Partys etc. zu fühlen und das nicht still in der Ecke sitzend, sondern sogar relativ häufig im Mittelpunkt stehend?
Ich fühle mich wie im Film, als wäre die, die da lacht und Spaß hat, gar nicht ich... ich leide darunter, dass ich oft nicht richtig "da" sein kann. Versteht jemand, was ich meine?
Und dann, wie schafft man es, bewusster im Moment zu leben?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 12
Thema: Einsam in der Menge
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20.03.2009, 02:14
Einsam in der Menge
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20.03.2009, 13:17
AW: Einsam in der Menge
Hallo Ondine,
von mir selber kenne ich solche Momente, wenn ich eigentlich gar nicht wirklich da sein möchte, wo ich gerade bin. Z.B. wenn ich nur auf einer Party bin, weil ich mich - aus was für Gründen auch immer - verpflichtet gefühlt habe hin zu gehen, ohne wirklich Lust darauf zu haben. Dann bin ich nicht neugierig auf die Menschen, die Themen interessieren mich nicht und ich wäre viel lieber mit einem guten Buch zuhause auf der Couch.
Ich denke, dass es in erster Linie reine Kopfsache ist. Wenn ich mich dazu motivieren kann, meinem Gegenüber mit Neugier und Interesse zu begegnen um Gemeinsamkeiten zu finden oder neue Impulse für mich zu bekommen, bin ich auch ganz in dem Moment verhaftet. Ist manchmal aber gar nicht so einfach.
Vielleicht geht es dir ja genauso?
Herzliche Grüße
Orangenfalter
Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, ist relativ unbedeutend, verglichen mit dem, was in uns liegt. - Oliver W. Holmes
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20.03.2009, 14:30
AW: Einsam in der Menge
Hallo Ondine,
die Frage, die mir spontan in den Sinn kommt ist: willst Du denn da sein?
Orangenfalter hat ja auch beschrieben, dass man manchmal innerlich abwesend ist, weil man es auch äußerlich gerne wäre. Und so kenne ich das auch: wenn ich merke, dass ich irgendwo eigentlich nicht hingehöre, wenn ich müde oder mit den Gedanken im Grunde ganz woanders bin. Dann kann ich auch schon mal in eine Rolle fallen und mich innerlich distanzieren.
Wenn das häufig vorkommt, würde ich mal überlegen, ob Du generell das Leben führst, das Du Dir wünschst. Hast Du Freude an Deinem Beruf? Umgibst Du Dich mit Menschen, die Du magst und die Dir gut tun? Hast Du Hobbies, die Dich innerlich erfüllen?
Ich bin auch was stutzig wegen dieser Aussage:
Klar gibt es Situationen, wo ich mich lieber mit Gleichgesinnten austausche. Und manchmal ist es in der Tat so, dass gute Freunde, die gerade in einer anderen Lebensphase sind, ein Problem nicht sooo gut verstehen. Andererseits kennen meine reunde mich schon lange und können allein von daher oft hilfreiche Ratschläge geben oder einfach nur ihre Sichtweise. Und die meisten Menschen, die ich kenne, haben auch schon düstere Zeiten in ihremLeben erlebt, und die Erinnerung daran verlischt ja nicht, wenn es einem wieder besser geht.Außerdem lehrt mich meine Erfahrung, dass Menschen, denen es gut geht, das Verständnis für "banale" Problemchen fehlt, und Mitleid kann ich nicht gebrauchen.
Anderen Menschen, denen es gerade gut geht, von seinen Problemen zu erzählen, erfordert ja auch Mut, weil man sich damit als schwach und verletztlich zeigt. Aber es ist ja schon mal gut, dass Du es hier schaffst, Dich zu offenbaren. Ich glaube nämlich auch, dass es wichtig ist, sich Impulse und Anregungen zu holen, wenn man allein nicht mehr aus dem Loch findet.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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20.03.2009, 17:39Inaktiver User
AW: Einsam in der Menge
Wie konntest Du Dich denn mit ihm austauschen? Nur Probleme wälzen oder auch über interessante Themen reden?
Lese ich es richtig heraus, dass es Dir nicht gut geht? Du spürst eine Einsamkeit in Dir?
Oh ja, in der Menge kann man sich einsam fühlen. Das liegt aber oft auch an der eigenen Persönlichkeit. Mir geht es oft auch so, liegt aber an meinem Hang zur Depression und ich kann lernen, mich mit diesem komischen Gefühl besser zu arrangieren. Oder es gibt wirklich auch Situationen, da ist man unter Leuten und denkt: Was soll das ganze oberflächliche Gerede...Wenn ich dann nach Hause gehe merke ich: Ich bin auch ein kleines bisschen neidisch auf diese unkomplizierte Art der Kommunikation.
Anima
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20.03.2009, 19:08
AW: Einsam in der Menge
Danke für eure Antworten

Hmm, ich bin grundsätzlich schon gern dort, wo ich mich aufhalte und möchte das eben bewusster genießen, meine Gedanken an Ort und Stelle haben, nicht permanent anderswo. Ich kann das schwer erklären.
Oh ja, da hast du mein Problem ganz gut erkannt. Hab schon große Hemmungen, mich schwach und verletzlich zu zeigen, selbst anonym... auch wegen der Reaktionen, die ich erfahre. Mir stehen Probleme nicht zu, ich "hab ja alles", einschließlich eines fürsorglichen, treuen Mannes. Wenn man den hat, muss man sich nämlich ganz still verhalten. "was willst du denn noch?" als ob das alles wäre, was ich vom Leben erwarte...
Ich will sooo viel mehr...
vielleicht will ich ja zuviel (nichts Materielles, das betrifft nur Fühlen, Eindrücke aufnehmen etc.), das schließe ich nicht aus, deshalb möchte ich ja lernen, aufmerksamer im Moment zu leben, mich zu konzentrieren auf mein Gegenüber, nicht immer abwesend zu sein, um erstmal das genießen zu können, was da ist. Ich möchte mich als Teil der Gemeinschaft fühlen und nicht immer, wie allein unter einer Glaskuppel, was übrigens nur an mir liegt, weil ich überall gut aufgenommen werde.
Wenn ich allein bin, fühle ich mich merkwürdigerweise weniger einsam.
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20.03.2009, 19:13
AW: Einsam in der Menge
@Anima,
nein, wir wälzen nicht nur Probleme ;-) wobei auch das für mich interessant ist.
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20.03.2009, 19:17
AW: Einsam in der Menge
Okay, dann scheidet das also schon mal aus.
Ich glaube, hier gibt es einen Zusammenhang.
Vielleicht fühlst Du Dich einsam in der Menge und nicht präsent, weil Du nicht ganz und gar präsent sein darfst. Also, weil Du einen ganzen Bereich Deines Gefühlslebens verstecken musst.
Die Frage ist: Geht dieser Gedanke, Du darfst bestimmte Gefühle nicht haben, so weit, dass Du sie auch vor Dir versteckst? Ich nehme fast an, nein, denn mit Dir allein fühlst Du Dich ja wohl. Das scheint mir ein Hinweis darauf zu sein, dass Du vor Dir sein darfst wie Du bist.

Massashi
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20.03.2009, 19:32
AW: Einsam in der Menge
hm, da könnte was dran sein.

Ist auch so, ja, denke schon.
Aber einfach offener zu sein, um das Problem aus der Welt zu schaffen, geht eben nicht.
Und schon denk ich wieder, hat keinen Zweck darüber zu sprechen, da beißt sich die Katz in den Schwanz, ich lasse alles, wie es ist.
So läuft das immer.
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20.03.2009, 22:22
AW: Einsam in der Menge
was denn?Mir stehen Probleme nicht zu, ich "hab ja alles", einschließlich eines fürsorglichen, treuen Mannes. Wenn man den hat, muss man sich nämlich ganz still verhalten. "was willst du denn noch?" als ob das alles wäre, was ich vom Leben erwarte...
Ich will sooo viel mehr...
Weißt du das genau?
Du bist eindeutig in der falschen Gemeinschaft. Du beschreibst das klassische Problem eines Menschen, der seine "Gruppe" nicht gefunden hat.vielleicht will ich ja zuviel (nichts Materielles, das betrifft nur Fühlen, Eindrücke aufnehmen etc.), das schließe ich nicht aus, deshalb möchte ich ja lernen, aufmerksamer im Moment zu leben, mich zu konzentrieren auf mein Gegenüber, nicht immer abwesend zu sein, um erstmal das genießen zu können, was da ist. Ich möchte mich als Teil der Gemeinschaft fühlen und nicht immer, wie allein unter einer Glaskuppel, was übrigens nur an mir liegt, weil ich überall gut aufgenommen werde.
Wenn ich allein bin, fühle ich mich merkwürdigerweise weniger einsam.
Achtung: Es gibt auch Menschen, die finden diese Gruppe nie, der sie sich zugehörig fühlen können. Bei ausgeprägten Individualisten ist sowas schon mal der Fall.
Du schreibst, du wirst überall gut aufgenommen, ich vermute, du passt dich an, weil du dazu gehören willst. Aber im Grunde genommen langweilen dich diese Leute.
gruß, MariaGabriella
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21.03.2009, 21:13
AW: Einsam in der Menge
Hallo MariaGabriella,
Ondine schmunzelt
Meine "Gruppe" finden..
Meine Eltern wurden in Asien geboren (damit hat auch zutun was ich mir wünsche). Ich hoffe nicht das ist die Ursache für mein Problem, und glaube auch nicht, denn ich bin doch hier aufgewachsen in fast ausschließlich deutschem Umfeld.
Meine Hobbys sind anders, operette, Malerei, nicht Mode, Klatsch etc., Anpassen mag ich mich nicht, aber mich besser für die Menschen interessieren.


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