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  1. Inaktiver User

    Selbst schuld?!?

    Egal, welches Thema, auch hier in der Bri entspannt sich immer wieder gerne der Streit darüber, ob man nun „selbst schuld“ sei oder nicht oder wie...

    Egal, durch was man die gesellschaftlich anerkannte Mitte verlässt, spätestens wenn es veränderliche Merkmale sind, kommt die Frage nach der Selbstverantwortung auf den Tisch. Und ebenso unweigerlich darauf dann der Vorwurf, wer Selbstverantwortung fordere, meine wohl, der andere sei selbst schuld.

    Ich versuche, das sich anbahnende Drama in einem fiktiven Gespräch nachzuzeichnen, in dem Originalzitate aus Threads einfließen.

    Threaderöffnung: So ein Mist! Ich kann keine Quadrate zeichnen. Wenn ich es versuche, kommen immer nur Kreise dabei heraus. Alle glotzen mich blöd an, wenn ich ein Quadrat zeichnen soll, denn es klappt einfach nicht. Und mein Freund hat mich auch deshalb verlassen, jedenfalls fand er das immer doof an mir.
    Muss man Quadrate zeichnen können, um in dieser Gesellschaft als vollwertiger Mensch behandelt zu werden?

    (Das Problem könnte auch ein anderes sein: ich bin arbeitslos geworden, ich bin zu dünn, zu dick, habe abstehende Ohren, egal)

    User 1: Ich kann auch keine Quadrate zeichnen und verstehe genau, wie du dich fühlst. Es ist gemein, wenn man dich so behandelt.

    User 2: Dann lern halt, Quadrate zu zeichnen. Das hat noch niemandem geschadet und zu alt bist du ja wohl nicht dafür.

    User 3: Du willst es wohl nicht verstehen, die TE kann keine Quadrate zeichnen. Es geht doch darum, wie viel Schwierigkeiten sie dadurch hat. Deine Haltung ist einfach ignorant.

    User 4: Wieso? Die TE muss Selbstverantwortung übernehmen, dann hätte sie es auch nicht so schwer.

    User 1: Super, jetzt muss sich die arme TE hier auch noch Sprüche anhören. Man muss es doch benennen dürfen! Am liebsten, ohne "dann lerne es halt" oder "stell dich nicht so an" zu hören/lesen.

    User 5: Ich konnte früher auch keine Quadrate zeichnen, aber dann habe ich bei Quacksalber XY einen sehr guten Kurs gemacht. Darf ich den hier verlinken?

    User 6: Wieso schreiben hier eigentlich die mit, die Quadrate zeichnen können? Ihr habt doch gar keine Ahnung, wovon hier die Rede ist.

    User 7: Die TE muss lernen, sich trotzdem einfach gut zu fühlen.

    User 8: Wie kann man sich selbst gut finden, wenn man permanent von der Umwelt die Rückmeldung bekommt "Du bist nicht ok"? Abfällige Bemerkungen, abwertende Blicke. Und wer sich davon treffen lässt ist selbst schuld oder wie? Rücksicht von anderen kann man da wohl nicht erwarten. Ich bin auch total gefrustet deswegen. Außerdem habe ich sowieso viel Frust, da geht es mit der Quadratmalerei noch schlechter.

    User 9: Nervig ist aber, wenn ständig gejammert, aber nichts dagegen unternommen wird. Entweder akzeptieren oder ändern - jammern verbessert überhaupt nichts.

    User 10: Ich verstehe, dass du gefrustet bist. Hier schreiben ne Menge Quadratmaler mit, die Unverständnis und Nichtverstehenwollen rüberbringen, wenn jemand mit den Quadraten zu kämpfen hat.
    Versteh ich gar nicht. Ich frag mich, was geht die das eigentlich an?
    Warum, bitte schön, muss sich jemand entschuldigen, wenn er keine Quadrate malen kann?

    User 11: Niemand muss sich dafür entschuldigen, dass er keine Quadrate malen kann. Die Entschuldigung „Frust“ halte ich aber für fadenscheinig, denn das weckt in mir den Eindruck als würde die Verantwortung auf äußere Umstände abgewälzt.

    User 12: Waaaaas? Sie bemüht sich doch, Quadrate zu malen, sie kriegt es aber nicht hin. Willst du ihr das jetzt auch noch zum Vorwurf machen.


    Usw, usw, usw, usw, usw...

    Ist man selbst schuld?
    Und wenn man nicht selbst schuld ist, wer ist es dann?
    Oder ist gar keiner schuld?

  2. Inaktiver User

    AW: Selbst schuld?!?

    ganz einfach: schuld sind doch eh immer die anderen.

  3. Inaktiver User

    AW: Selbst schuld?!?

    ...
    Geändert von Inaktiver User (12.03.2009 um 16:36 Uhr) Grund: völlig am Thema vorbeigeschrieben

  4. Inaktiver User

    AW: Selbst schuld?!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Deine Beispiele inkl. dem inszenierten Thread finde ich in sich nicht stimmig.

    Ich habe jetzt echt lange dran herum geknuspert, um ein Beispiel zu finden, was möglichst nicht zu werten ist.
    Wirklich stimmig finde ich es auch nicht.

  5. Inaktiver User

    AW: Selbst schuld?!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe jetzt echt lange dran herum geknuspert, um ein Beispiel zu finden, was möglichst nicht zu werten ist.
    Wirklich stimmig finde ich es auch nicht.
    Jetzt pickst Du ausgerechnet den Satz heraus, den ich soeben wieder löschen wollte. Männo. Ich habe doch noch mehr geschrieben

  6. User Info Menu

    AW: Selbst schuld?!?

    Hallo Zitronenmond,

    ich denke, wir leben im Spannungsfeld zweier nicht kompatibler Kulturen. Auf der einen Seite die therapeutisch angehauchte Betroffenheitskultur ("Du bist immer das Opfer der Umstände") und der neoliberalen Selbstverwirklichungskultur ("Du kannst alles, wenn Du willst"" Was im Umkehrschluss heißt: Wenn du etwas nicht kannst, dann willst Du etwas nicht. Und daran bist nur du schuld!).

    Die meisten Menschen wechseln je nach Thema den Standpunkt zwischen Betroffenheit und individueller Schuldzuweisung.

    Das Problem ist die Definition von Schuld. Rechtlich relevante Schuld? Moralische Schuld? Systembedingte Schuld? Individuelle Schuld?

    Ein Thema, bei dem wir prima aneinander vorbeireden können

    Gruß

    Hans
    ----------------------------------------------------------------
    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  7. Inaktiver User

    AW: Selbst schuld?!?

    Egal, durch was man die gesellschaftlich anerkannte Mitte verlässt, spätestens wenn es veränderliche Merkmale sind, kommt die Frage nach der Selbstverantwortung auf den Tisch. Und ebenso unweigerlich darauf dann der Vorwurf, wer Selbstverantwortung fordere, meine wohl, der andere sei selbst schuld.
    ist es absicht, dass du so schnell von der selbstverantwortung auf die schuld kommst?

  8. Inaktiver User

    AW: Selbst schuld?!?

    Wenn wir Schuld durch Verantwortung ersetzen, kommen wir glaub ich der Lösung näher.

    Ich bin - möglicherweise - schuld daran, zu dick zu sein, keine Arbeit zu haben oder keine Quadrate zeichnen zu können, möglicherweise ist es auch begünstigt durch die externe Situation.
    Wenn ich den Zustand jedoch nciht zu ändern ODER so zu akzeptieren (und damit meine ich: im Einklang damit zu leben, anstatt zu resignieren) bereit bin, bin ich für mein nachfolgendes Elend selbst verantwortlich.

  9. User Info Menu

    AW: Selbst schuld?!?

    Die Frage nach der Schuld ist immer ein Blick zurück und bringt meines Erachtens nicht wirklich was ein. Außer ein schlechtes Gefühl bei dem, der die Schuld für sich annimmt.

    Bei Problemen ist aber die Zukunft das Entscheidende, sprich das, was wir wollen. Die Lösung, oder der Weg, wie wir die Lösung umsetzen.

    Wenn es mir schlecht geht (warum auch immer), dann ist die Frage: Wo will ich hin, was ist mein Ziel.
    Und nicht: Bin ich schuld?
    Und es hat mir auch noch nie geholfen, wenn mir einer bei einem Problem auch noch gesagt hat "Du bist selber schuld". Absolut nie.
    Geändert von beklamo (11.03.2009 um 19:30 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Selbst schuld?!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Habe ich keinen Job, dann suche ich mir einen. Bin ich zu dick und es ist ein Problem für mich, dann nehme ich ab. Bin ich zu dünn, wie gesagt, das weiß ich aus Erfahrung, da kann man leider oft nicht allzu viel machen, außer abwarten und ordentlich zu essen versuchen. Stehen die Ohren ab, lasse ich sie anlegen.
    Genau das ist der Knackpunkt, der mich hier sehr oft stört!
    Die oberschlauen Ratschläge anderer. In den meisten Fällen kennen sie die Person mit dem Problem nicht näher und haben oft "Lösungen" parat, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

    Ein afrikanisches Sprichwort paßt hier hervorragend:
    "Du weißt nicht, wie schwer die Last ist, die du nicht trägst."

    Vieles ist so leicht gesagt und so schwer getan.

    Schuldzuweisungen sind in meinen Augen ganz schlechter Stil und entlarven den vermeintlich Ratgebenden als unsensibel und oft auch anmaßend.

    An so vielen Problemen hängt ein gewaltiger Rattenschwanz, der einfach nicht beachtet, hinterfragt oder bewußt ignoriert wird.

    Wenn jemand (z.B.) über die eigenen Gewichtsprobleme schreibt und ein lapidares "Ja, dann nimm halt ab, mach Sport und iß mehr Gemüse" als Ratschlag kommt, könnte ich (obwohl es mich nicht selbst betrifft) meine ganze Wanne vollbrechen, wenn ich sowas lese.

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