So ist es. (Nebenbei: Ich hasse das Wort Zicke. Sag mir mal die männliche Form davon...)
Ich selbst verstehe wohl einfach nicht den Wunsch nach 1.)
Also den Wunsch nach reinem Erfahrungsaustausch auf der Ebene des "es geht mir schlecht mit XY".
Mir fallen sehr wohl Beispiele ein, wo ich schlagartig mit einem eigenen Problem / Unwohlsein etc. besser zurecht gekommen bin, einfach nur weil mir jemand sagte "kenne ich auch".
Aber in den allermeisten Fällen interessiert mich am Erfahrungsaustausch vor allem, was andere getan haben, um damit besser klarzukommen. Vielleicht kann ich mir davon ja was abgucken.
Und ja, wenn betont Wert darauf gelegt wird, keine Ratschläge zu bekommen, dann beschleicht mich regelmäßig ein komisches Gefühl. Welches Ziel wird dann eigentlich verfolgt?
Ich glaube daran, dass man für alles im Leben die eigene Verantwortung trägt und ich glaube allerdings nicht an die grenzenlose Machbarkeit.Ich persönlich glaube nicht an grenzenlose Machbarkeit und die These, das restlos alles im Leben der eigenen Verantwortung unterliegt. Mir erscheint die Haltung geradezu unbarmherzig und oftmals auch sehr selbstgerecht.
Manchmal hat einer eine Idee, scheitert aber an allen möglichen Sachen und Menschen. Deswegen ist die Idee nicht schlecht gewesen. Vielleicht war sie einfach noch nicht für die Zeit reif (woran man nichts ändern kann). Vielleicht wurde sie aber auch schlecht vermittelt (woran man etwas ändern kann). Vielleicht war die Idee nicht gut durchdacht (woran man etwas ändern kann).
Und letztlich kriegt man die echten Gründe natürlich niemals heraus, weil niemand so weise ist, das bewerten zu können. Aber es gibt eben Ansatzpunkte, mit der man selbst etwas in der Hand hat, seine Idee weiterzuverfolgen. Oder man lässt es sein. Diese Entscheidung liegt auch in der eigenen Hand.
Ich kann nicht erkennen, was daran selbstgerecht ist oder unbarmherzig.
Im Prinzip meinen wir doch beide dasselbe:
Ich glaube vielmehr, dass die Kunst darin besteht, den Eigenanteil an einer Situation zu erkennen und die beeinflussbaren Faktoren von den nicht beeinflussbaren zu unterscheiden. Und dann hat man, wie Tanguera schon schrieb, die Wahl, ob man an dem änderbaren Anteil etwas schraubt oder sich damit abfindet. Das ist dann in der Tat Selbstverantwortung.
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 232
Thema: Selbst schuld?!?
-
12.03.2009, 13:30Inaktiver User
AW: Selbst schuld?!?
-
12.03.2009, 13:38
AW: Selbst schuld?!?
Hallo Zitronenmond,
ich war etwas nervös bei meinem ersten Beitrag und mir nicht sicher, ob ich rüber bringen kann was ich denke.
Ich denke auch, dass wir bei der Beurteilung unseres eigenen Verhaltens ganz andere Grundlagen heran ziehen (ist ja auch logisch - da haben wir ja auch viel tiefere Einblicke!)
Aber ich denke dabei weniger an äußere Einflüsse als viel eher an kleine persönliche Schwächen (manchmal etwas wenig Disziplin / der Wunsch nach Genuss, Freizeit usw.).
Ich denke auch, das Thema "selbst Schuld" kommt oft dann auf, wenn es darum geht bestehende Probleme/Schwächen zu bearbeiten. Wenn wir das Gefühl haben, den optimalen Weg aufgezeigt zu haben und der andere handelt dann nicht danach! Da werden wir dann sehr schnell ungemütlich!
Wie Du im Eingangstext geschrieben hast: das kann man hier bei vielen Themen beobachten!
Wenn der andere nicht umgehend den aufgezeigten Lösungsweg geht, wird die Stimmung schlechter. ("Beratungsresistent", "kein Wunder dass der/die dieses Problem hat", "selbst Schuld")
Ich denke manchmal, ein Fehler darf man schon mal machen, aber sich bei der Beseitigung eines Problems keine "Zeit lassen" (im Sinne von nicht sofort und ohne zögern den optimalen Lösungsweg gehen)!
Liebe/lieber Zitronenmond: vielen Dank, dass Du mich so lieb im Forum aufgenommen hast!
-
12.03.2009, 13:40
-
12.03.2009, 13:44Inaktiver User
AW: Selbst schuld?!?
Jau.
Manche gehen davon aus, dass es ums Bearbeiten geht.
Andere meinen aber, dass sie sowieso schon dauernd Bearbeiten und nur mal sagen möchten, wie schwierig dies Bearbeiten für sie ist.
Und das ist in der Tat der Moment, wo ich den Beweggrund nicht nachvollziehen kann, bzw. das halt schlicht als Jammerei interpretiere.
Wichtig: Das sage ich, um meinen Standpunkt zu erklären, ich möchte auf keinen Fall den Krieg hier fortsetzen.
-
12.03.2009, 13:53
AW: Selbst schuld?!?
Ich denke wir können in unserem Umfeld / in unseren Lebensumständen viel mehr beeinflussen, als wir uns träumen lassen!!!
Und
Nur weil wir theoretisch ganz viel könnten, heißt das noch lange nicht, dass wir das auch immer umsetzten können!
Wir wollen uns auch nicht immer optimal verhalten!
Wir sind doch alle nur Menschen!
Das Urteil "selbst Schuld" ist sehr stark wertend / verurteilend. Das ist dann eher unkonstruktiv. Aber sich seinen Eigenanteil klar machen und die Mechanismen, die einen in einer unangenehmen Situation halten zu überdenken, das kann einen weiter führen! (Das haben hier ja schon einige geschrieben!)
-
12.03.2009, 13:59
AW: Selbst schuld?!?
Naja, wenn ich ganz viel an mir arbeite, aber sich offensichtlich nix ändert, muss ich andere doch darauf aufmerksam machen. Sonst denken die noch ich mache nichts, lasse mich gehen! Dabei möchte ich Anerkennung!
Manchmal kann eben "Jammern" auch etwas Erleichterung bringen!
(Hoffe, das zitieren klappt!)
-
12.03.2009, 14:04
AW: Selbst schuld?!?
Hallo Zitronenmond,
doch, ich kann schon verstehen, dass es Situationen gibt, wo man einfach nur mal lesen will, dass es anderen genauso geht wie einem selbst, auch ohne den Wunsch, konkret und sofort etwas daran zu ändern. Ich würde nicht behaupten wollen, dass ich für alle Probleme, die ich im Leben hatte und habe, immer sofort eine Lösung suche. Manchmal ist die Zeit einfach noch nicht reif dafür. Deshalb kann das Problem trotzdem als Belastung empfinden.
Hinzu kommt, dass zwei Situationen ja selten mal ganz identisch sind. Und daher sind solche Aussagen wie „bei mir war das ganz genauso und mir hat das und das geholfen“ m.E. immer mit Vorsicht zu genießen. Erst recht, wenn jeder Versuch, auf die Unterschiedlichkeit der Situation hinzuweisen, damit abgebügelt wird, dass das doch nur faule Ausreden seien und man müsse es eben einfach nur wollen.
Ich finde den Hinweis auf die eigene Verantwortung auch deshalb schwierig, weil er häufig in die Vergangenheit weist. Hättest du damals Abitur gemacht / keine brotlose Kunst studiert / die Ausbildung nicht abgebrochen / etc., wärst Du heute nicht arbeitslos. Fazit: selbst Schuld, war ja Deine eigene Verantwortung. Hättest Du mit zehn Kilo Übergewicht schon die Notbremse gezogen, hättest du heute nicht das Problem, keine Klamotten mehr zu finden – Selbst Schuld!
Das meine ich mit unbarmherzig. Und selbstgerecht finde ich, dass solche Aussagen oft von Leuten kommen, die das Problem nie hatten, natürlich nur aufgrund ihres selbst verantworteten Wohlverhaltens: „Ich bin nicht arbeitslos, weil ich immer fleißig und zielstrebig war“, „Ich bin schlank, weil ich mich gesund ernähre und Sport treibe“. Aber das ist eben oft nur ein Teil der ganzen Problematik. Aber es gibt den Leuten, die das Problem nicht haben, das gute Gefühl, sie hätten das Thema im Griff.
Was mir in solchen Strängen auch immer wieder auffällt, ist, dass nur selten mal Fragen gestellt werden. Die Ratgeberinnen scheinen immer schon alles zu wissen, was nötig ist, um das Problem zu lösen. Echtes Interesse am anderen und daran, die Komplexität der Situation zu verstehen, ist für mich nur selten erkennbar.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
12.03.2009, 14:18Inaktiver User
-
12.03.2009, 15:32
AW: Selbst schuld?!?
Wobei es unglaublich schwer ist, mit einem Zustand zu leben, der einen im tiefsten Inneren unglücklich macht.
Bleiben wir mal bei Quadraten und Kreisen (was für ein Beispiel!). Setzen wir mal voraus, es gibt einen Traumjob, an dem mein ganzes Herz hängt, der aber voraussetzt, daß ich Quadrate zeichnen kann. Zur Zeit habe ich aber einen Kreisjob, mit dem ich mich todesunglücklich fühle, warum auch immer. Ich übe und übe über Jahre, Jahrzehnte hinweg, mache Kurse, nehme für teuer Geld Privatlehrer und es klappt einfach nicht. Sei es, weil meine Finger nicht in der Lage sind, einen Stift so zu halten, daß er Quadrate zeichnet, sei es, weil mein Gehirn nicht in der Lage ist, Quadrate zu verarbeiten oder warum auch immer.
Wie zum Geier schafft man es, die eigene Beschränkung zu akzeptieren, den Traum in den Wind zu schießen und mit dem gehassten Kreisjob glücklich zu werden. Verleugnet man dabei nicht einen Großteil der eigenen Seele?
Zickerich?
Wenn ich zum x. Mal an meinem Quadrat-Versuch scheitere, dann tut es einfach gut, andere Menschen zu treffen, die auch keine Quadrate zeichnen können. Man fühlt sich dann nicht ganz so alleine, unfähig und als Komplett-Versager.
Dann will ich auch keine Ratschläge und Hilfen, schließlich hab ich ja schon alles Mögliche ausprobiert und es hat trotzdem nicht geklappt.
Dann will ich einfach mal jammern und hören, daß andere Leute die gleichen Probleme haben.
Ich empfinde das als sehr unbarmherzig. Niemand kann etwas für die Beschränkungen, die der Körper ihm auferlegt, mit dem er nun mal für dieses Leben geschlagen ist... oder hat z.B. jemand Verantwortung dafür, daß er kurzsichtig ist? Heuschnupfen hat? Linkshänder ist?
Ich kann versuchen, aus meinen Beschränkungen das Beste rauszuholen, ja, aber ich bin nicht verantwortlich dafür, daß ich diese Beschränkungen habe.
Insbesondere dann, wenn jemand sowieso schon unter seinen Beschränkungen leidet, kann die Aussage "Eigenverantwortung" wie bitterer Hohn wirken.
Ab und zu muss der Frust, die Verzweiflung, die sich in der langen Zeit aufbaut, einfach mal raus.
Ich persönlich brauche das, ich kann nicht immer nur still vor mich hinleiden und -arbeiten, da werde ich wahnsinnig und depressiv bei.*lost in the woods*
-
12.03.2009, 16:35Inaktiver User
AW: Selbst schuld?!?
Setzen sechs, Thema verfehlt.
Ich merke erst jetzt, dass ich den Eingangsthread völlig mißverstanden habe. Naja, besser spät als nie
Und: Selbst schuld
Sorry



Zitieren
