MUSS man das wollen? Versteh mich nicht falsch, ich hab selbst großes Latinum, Graecum und Promotion, aber wichtig ist mir das nicht. Ich lerne genausogerne Dinge über altindische Philosophie wie darüber, wie ich am besten meine Musik-Sammlung sortiere und die Bässe lauter dröhnen, Kochrezepte oder Klamotten, weil's mir um das Lernen an sich, um die Benutzung des Geistes geht.
Manches find ich toll und beschäftige mich eingehender damit, anderes ist so-lala und bleibt auf diesem Status.
Das ist aber DEINE (Wert)Entscheidung und deine Verantwortung.
Als Single mit gutem Job hast du vielleicht 2x1000€ pro Jahr zu Verfügung - damit gehen zwei Wochen kultureller Rundtrip in Nahost, eine Thailand-Reise, zwei Wochen Buenos Aires oder vier Wochen Bretagne (sind so meine Erfahrungen, bei freilich zusammengesparten Studenten-Budget). Du brauchst mit niemandem einen Kompromiss finden, wohin du fahren willst oder was du dort unternimmst - der einzige Knackpunkt ist der Einzelzimmerzuschlag.
Und ob du dir den Urlaub durch die Verwandtschaft kaputtmachen lässt, ist deine Sache. Ich kenn die Anrufe ("ich bring mich gleich um") sowohl aus Auslandsstudium als auch aus dem Nach-Studien-Urlaub ("ich erleb deine Rückkehr garantiert nicht mehr"), udn hab mich nie groß darum gekümmert. Wenn ich nicht da bin, bin ich weg - dann macht das eben wer anders. Der Nachbar, die anderen Verwandten, notfalls das Krankenhaus.
Was kannst du denn konkret tun, wenn deine Mutter eh schon im Krankenhaus ist? Nichts. Also kannst du gleich auch in Urlaub bleiben.
Wieso denn? Du kannst jeden abend ausgehen, allein, ins Theater, ne Tanzverstanstaltung, ins Kino, in ne Bar, nen Club, nen Swingerclub sogar eintrittsfrei- und du kannst dich dort amüsieren und Leute kennenlernen. Sie hat dagegen nen Mann am Arm, udn ist für 50% der Anwesenden uninteressant.
Sorry, das mag hart klingen - aber die Welt ist halt auch nur so schön, wie du sie dir machst.
Meine Lieblings-Nachbarin, etwas älter als du (48) ist vor zwei Jahren in diese Stadt gezogen: psychisch krank (Depressionen), arbeitslos, Partner noch in der alten Stadt. Heute kennt sie 100 Leute, hat nen ordentlichen Job im Rahmen ihrer Möglichkeiten, tanzt wie der Teufel (und nicht nur Tango, jetzt hat sie grade den Salsa-Hype), macht Aerobics und eröffnet bald mit einer neuen Freundin einen Meditationsclub.
Weil sie gelernt hat, dass SIE es beeinflussen kann, was passiert.
Antworten
Ergebnis 51 bis 60 von 122
-
14.03.2009, 12:15Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Geändert von Inaktiver User (14.03.2009 um 13:41 Uhr) Grund: dreckfuhler
-
14.03.2009, 12:19Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Meine Eltern z.B., kaufmännische Angestellte, die beide aus Arbeiterfamilien stammten, haben sich im Theater kennen gelernt. Sie hatten beide ein Abonnement und saßen zufällig nebeneinander (schade, wenn ich ins Theater gehe, sitze ich nur immer zwischen Paaren oder alten Leuten


).
Oder man denke mal an Frauen wie Loki Schmidt. Was hat sie, aus einfachsten Verhältnissen stammend, aus ihrem Leben gemacht! Ihre Familie wohnte mit fünf Personen auf 28 qm, und dennoch wurde dort auf klassischen Instrumenten musiziert, und ihre Mutter malte.
Doch die wenigsten Menschen aus der früher sog. "Unterschicht" sind so, und wenn, dann hatten sie meist auch aufgeschlossene, bildungshungrige Eltern, die darüber hinaus waren, dass aus ihren Kindern "was wurde".Geändert von Inaktiver User (14.03.2009 um 20:12 Uhr)
-
14.03.2009, 12:34Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Ich hätte dann im Urlaub keine ruhige Minute mehr. Meine Mutter ist 84 und schwerkrank. Bei Leuten in dem Alter muss man immer damit rechnen, dass sie sterben. Ich käme nicht damit klar, wenn meine Mutter im Krankenhaus oder sonstwo in anonymer Umgebung gestorben wäre, während mir mein Urlaub wichtiger war. Ich finde das auch einfach herzlos. Wessen Eltern noch so rüstig sind, dass so ein Fall nicht so wahrscheinlich ist, der hat halt mehr Glück gehabt.
Ich kenne auch viele Leute, deren Eltern in den letzten Jahren gestorben sind und die hinterher gesagt haben, es sei für sie für die Trauerbewältigung ganz wichtig gewesen, dass sie in dieser Situation bei ihrer Mutter oder ihrem Vater gewesen wären. Und das sind alles Leute, die sonst mitten im Leben stehen und im Alltag noch nicht mal übermäßig viel menschliche Wärme ausstrahlen.
Außerdem: Selbst wenn meine Mutter "nur so" im Krankenhaus wäre und ihr Zustand nicht lebensbedrohlich wäre, würde ich sie nicht mit meiner psychisch kranken Schwester, die eh nichts gebacken bekommt, in diesem Zustand allein lassen wollen (meine Schwester hat nämlich nicht "nur" eine Depression, sondern meines Erachtens zeitweise regelrecht psychotische Phasen!). Ich hätte zu meiner eigenen Beruhigung auch das Bedürfnis, mich persönlich davon zu überzeugen, wie es ihr geht.
Dass Menschen, die so eine Situation nicht von kleinauf erlebt oder ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihren Eltern haben, dies nicht nachvollziehen können, ist mir ohnehin klar.Geändert von Inaktiver User (14.03.2009 um 12:39 Uhr)
-
14.03.2009, 13:41Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
nun gut, das ist deine Entscheidung. Nur: dann sind die Folgen halt wie beschrieben, und ich finde es seltsam, sich dann darüber zu beklagen. (Link zum Nachbarstrang: an den Umständen ist man nicht selbst schuld, ist man aber nicht bereit, die Situation zu ändern, ist man verantwortlich für das eigene "Elend", eine mögliche eigene Gefühlsschädigung).
magst du mir vorwerfen, ja.
Ich habe meine zwei Großmütter und meine Vater, den ich sehr geliebt habe, gepflegt und letztlich sterben sehen bis zu meinem 16. Lebensjahr. Also, ich kenn den Tod, ihc kenn das Sterben. Nur: ich LEBE. Heute, genussvoll. So, wie ich das nun mal mache.
Und wenn der nächste (meine Miez, die ich mit 6 bekommen habe, die mich durch Scheidung, ersten Liebeskummer und Auszug begleitet hat, und jetzt mit fast 20 endlich sterben darf, meine Mutter, die mir wurscht ist, meine Stiefmutter, die ich total gern mag, meine liebste Tante, die mir die Mutter ersetzt hat ...) stirbt, dann wird mein Leben GUT weitergehen, egal wo ich zum Todeszeitpunkt war (nicht zuletzt deshalb, weil ich das so definiere).
-
14.03.2009, 13:51Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
-
14.03.2009, 14:23Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Hallo Sunday19!
Deinen Thread habe ich mit großem Interesse verfolgt - so viele spannende Beiträge, offenbar hast du mit deinem Thema einen Nerv getroffen.
Für mich ist einer deiner Schlüsselsätze dieser:
"Also ich finde wirklich, dass meine Schulfreundin nach außen hin bedeutend besser dasteht als ich, obwohl ich sie als Persönlichkeit auch nicht interessanter finde als mich selbst. Und das kränkt mich halt."
Ich verstehe das so: Du hast hart an dir gearbeitet, hast dich so sehr angestrengt, aber die Lorbeeren fährt eine andere ein. Und zwar eine, die sie sich nie so bemühen musste wie du. Die es immer viel leichter hatte.
Dass du so etwas als Kränkung empfindest, kann ich gut nachvollziehen. Und ich finde es toll, dass du dich hier so öffnest und uns deine Empfindungen mitteilst - mit uns teilst. Darin liegt deine wahre menschliche Stärke: Offenheit, Kontakt, Kommunikation. Solche Dinge sind es doch, die das Leben wirklich lebenswert machen. Nicht die Anerkennung von außen, wofür auch immer. Versuche, dich langsam von solchen Denkmustern zu lösen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das ist. Aber du bist schon auf dem besten Weg, sonst hättest du dich hier nicht so geöffnet.
LG
Milao
-
14.03.2009, 15:34Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Ja, das trifft es haargenau, Milao. Ich fühle mich von Dir verstanden.
Auch da hast du natürlich vollkommen Recht. Es fällt mir schwer, mich vom Bedürfnis nach Anerkennung von außen zu lösen. Aber ich bin bereit, daran zu arbeiten.
Nochmals danke für Dein Verständnis.
Geändert von Inaktiver User (14.03.2009 um 15:39 Uhr)
-
14.03.2009, 15:44Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Vielleicht liest Du Deine Posts ja mit ein wenig Abstand noch einmal durch und lässt einige Deiner Sätze und Aussagen sowie die Reaktionen darauf auf Dich wirken.
Der oben zitierte Satz ist so einer, auch wenn es (noch) keine Reaktionen auf ihn gegeben hat.
Eine Reaktion, meine Reaktion: Man muss nicht alles am eigenen Leib erfahren haben, um es nachvollziehen zu können.
Empathie und Einfühlungsvermögen sind völlig ausreichend und immer ein guter Weggefährte. Schön, wer beides vorweisen kann und schön, wer beides anderen Menschen nicht per se in Abrede stellt.
-
14.03.2009, 15:52Inaktiver User
-
14.03.2009, 16:27Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Was ändert das an der Situation? Ob nun die Person, die mir die Mutterrolle teilweise ersetzt hat, oder die (auch biologische) Mutter zur Diskussion steht, ist doch egal.
Ich sage: es lebt sich auch gut weiter, wenn man bei deren Sterben nicht dabei ist - wenn man bewusst alles getan hat, was man guten Gewissens tun konnte und wollte.
Du siehst das anders, und richtest dein Leben eben nach deiner Maxime aus. Ist ok, hab ich kein Problem damit - aber dann bitte beklag dich nicht, nicht in Urlaub zu können.
Nicht jeder, der deine Werteinschätzung nicht teilt, ist gleich nicht einfühlsam.Ich kann nicht erkennen, dass diese Bemerkungen von sonderlich viel Einfühlungsvermögen mir gegenüber zeugen.
Meine Erfahrung/Fragen sollen dir einen Denkanstoß geben: Was ist FÜR DICH wichtig? Nicht für deine Mutter, nicht für deine Schwester, nicht für die Verwandtschaft.
WARUM stellst du deine Bedürfnisse hinter die der anderen? WARUM lebst du so (in Deutschland, mit deinem Job, der dir keinen Aufstiegschancen mehr bietet, in einer Mietwohnung, ...)?
Wenn du die Gründe weißt und erkennst, kannst du dich bewusst dafür entscheiden, so weiterleben zu wollen - oder eben anders.



- und du kannst dich dort amüsieren und Leute kennenlernen. Sie hat dagegen nen Mann am Arm, udn ist für 50% der Anwesenden uninteressant.
), macht Aerobics und eröffnet bald mit einer neuen Freundin einen Meditationsclub.
Zitieren
