Hi Sunday,
ja, heutzutage könnte man sich fragen, wieso man studiert hat.
Vor dem Studium habe ich eine kaufmännische Ausbildung in einem sehr großen Unternehmen gemacht. Ich war Prüfungsbeste und die IHK bot mir ein Stipendium für ein berufsbekleidendes Studium an, wenn ich in dem Ausbildungsberuf bliebe.
Statt dessen wollte ich an die Uni.
Ich habe gerne studiert, es waren für mich gute Jahre.
Finanziell gesehen hätte ich wohl besser gestanden, wäre ich damals in dem Unternehmen gewesen. Ich hätte ab einem Alter von 22 ein regelmäßiges Einkommen gehabt und hätte mit Hilfe des Abendstudiums intern aufsteigen können.
Andererseits: nichts ist sicher! Dieses Unternehmen hat seit damals 30 - 40 % seiner Belegschaft abgebaut! Kurz nach meiner Ausbildung bereits 40 Tausend Menschen. Da wäre ich als Single und Berufsanfänger doch weg gewesen! Also: auch keine ECHTE Alternative.
Bevor ich mit dem Studium dann begann, arbeitete ich ein Jahr lang in einem weiteren großen Unternehmen. Dort verdiente ich sogar bedeutend mehr als in meinem Ausbildungsbetrieb. Ich entschied mich aber meinen Plan mit dem Studium durchzuziehen.
Dieses Unternehmen ist mittlerweile nicht mehr da, bzw. diese Niederlassung. Die Leute wurden auf ganz Deutschland verteilt oder mit Sozialplänen "entlassen".
Im Studium jobbte ich in einer bekannten Bank. Auch dort hätten sich Möglichkeiten geboten. Kurz darauf stand diese Bank in der Presse: Millionenverluste im hohen Bereich, Massenentlassungen. Gut, dass ich weiter studiert habe!
Hätte ich nicht studiert und mich selbständig gemacht, hätte ich mit hoher Wahrscheinlich schon oft meinen Arbeitsplatz verloren. Auch nicht erstrebenswert!
Konkret habe ich vor dem Studium nicht darüber nachgedacht, wohin es mich führen würde. Es war eher dieses bereits beschriebene Vertrauen, dass sich alles findet. Aber generell dachte ich schon, dass es mir später finanziell gut gehen würde.
Bin ja selbständig tätig. Wenn ich an alten Villen vorbei fahre und da hängen Schilder von Ärzten, Rechtsanwältin, Steuerberatern, Unternehmensberatern, dann denke ich, dass ich das nie erreichen werde, obwohl ich auch sehr, sehr viel arbeite. Die Zeiten haben sich geändert. Kein einziger Selbständiger in meinem Umfeld lebt und arbeitet so. Alle schlagen sich gerade so durch.
Eine Ausnahme ist ein Ex von mir, der genau so lebt, wie ich es mir heute erträumen würde. Mein Ausflug in diese Welt war nur kurz. Wenn ich so nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass erst da der Wunsch entstand, so zu leben. Vorher war nur der vage Gedanke da, dass alles schön sein wird, aber als ich ein paar Monate dieses Leben hatte, hatte ich keine Lust mehr auf meine kleine 2-Zimmer-Sousterrain-Wohnung......
Seither habe ich weitere Menschen kennen gelernt, die in großem Luxus wohnen, womit ich immer eine "richtige" Villa mit Park, teuren Wagen etc. meine. Diese Menschen haben alle Millionenvermögen geerbt und selber nie gearbeitet. Man müsste schon sehr uneigennützig sein, wenn man dann nicht einmal Neid verspüren würde. Ich würde mich so gerne ausschließlich ehrenamtlich engagieren, Geld in gemeinnützige Projekte stecken - statt dessen muss ich darum kämpfen, selbst durch zu kommen. Das frustet mich am meisten: dass ich mich aus finanziellen Gründen so wenig für andere einsetzen kann.
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13.03.2009, 08:28Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Geändert von Inaktiver User (13.03.2009 um 08:35 Uhr)
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13.03.2009, 09:38Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
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13.03.2009, 15:48
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Ich bin immer wieder erstaunt, über diese statements: Jeder hat in unserer Gesellschaft Zugang zur Allgemeinbildung und zu allen Interessensgebieten. Ich habe zum Beispiel in der Pubertät alle Zeitungen dieser Republik durchgelesen und mich monatelang mit der ZEIT beschäftigt, insbesondere dort mit den vielen lateinischen Ausdrücken, die damals verwendet wurden. Davon zehre ich noch heute.
Bildung ist überall, wenn man sie haben will.
Die Frage ist bloss, ob man dafür auch noch bezahlt wird und besondere Anerkennung bekommt.
Was mir auffällt ist, dass du nicht um ihrer selbst willen Dinge machst, sondern ein Feedback erwartest. Das macht die Sache mühselig und anscheinend oft frustrierend.
Ja, wo steht sie denn ? Meinst du es geht ihr menschlich besser, bloss weil sie vielleicht ein etwas dickeres Auto fährt ?Aber es war eine gesellschaftliche Lüge der Bildungspolitiker in den 1960er und 70er Jahren, man könne durch Talent und Fleiß - unabhängig von der sozialen Herkunft - alles erreichen. Ich sehe ja jetzt, wo ich trotz aller Anstrengungen stehe und wo meine aus dem Bildungsbürgertum stammende Schulfreundin steht, die nur eine mittelmäßige Schülerin war.
Mich wunderts eigentlich, dass ein intelligenter Mensch wie du, sich solche Gedanken macht.
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13.03.2009, 15:53
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
So einen hätte ich auch heiraten können (bzw. war ich mal), aber das ist doch kein Lebensinhalt.

Ausserdem hättest du leicht in diese Richtung studieren können ???
Eine Ausnahme ist ein Ex von mir, der genau so lebt, wie ich es mir heute erträumen würde. Mein Ausflug in diese Welt war nur kurz. Wenn ich so nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass erst da der Wunsch entstand, so zu leben. Vorher war nur der vage Gedanke da, dass alles schön sein wird, aber als ich ein paar Monate dieses Leben hatte,Seither habe ich weitere Menschen kennen gelernt, die in großem Luxus wohnen, womit ich immer eine "richtige" Villa mit Park, teuren Wagen etc. meine. Diese Menschen haben alle Millionenvermögen geerbt und selber nie gearbeitet. Man müsste schon sehr uneigennützig sein, wenn man dann nicht einmal Neid verspüren würde. Ich würde mich so gerne ausschließlich ehrenamtlich engagieren, Geld in gemeinnützige Projekte stecken - statt dessen muss ich darum kämpfen, selbst durch zu kommen. Das frustet mich am meisten: dass ich mich aus finanziellen Gründen so wenig für andere einsetzen kann.
Du würdest dich wirklich wohl fühlen in einer Umgebung, in die du einfach "reingesetzt" bist ? "Meins" ist bloss das, was ich selbst erarbeitet habe, alles andere kommt mir vor wie ein goldener Käfig.
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13.03.2009, 16:00
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
doppelt
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13.03.2009, 16:26Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Habe ich.
Mediziner, Jurist oder Betriebswirtschaftler zu sein, bedeutet schon lange nicht mehr, deshalb wohlhabend zu werden. Die Zeiten haben sich definitiv geändert. Einen mondänen Geschäftssitz zu unterhalten, wie von mir oben beschrieben, kostet viele, viele Tausend Euro im Monat. Es ist unsinnig zu glauben, dass dies heute noch ein Existenzgründer bewerkstelligen kann, der NICHT sehr viel Geld von seiner Familie bekommt.Geändert von Inaktiver User (13.03.2009 um 16:35 Uhr)
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13.03.2009, 16:30Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Würdest Du einen Partner ablehnen, nur weil er ein größeres Haus hat als Du?? Ist das für Dich ein Ausschlusskriterium?
Man kann sich doch entschließen, in das Eigentum desjenigen zu ziehen, welches beiden als attraktiver erscheint. Ich hätte mein Eigentum z.B. irgendwann veräußern können und mich in das von ihm gekaufte Haus finanziell mit einbringen können. Es gehörte übrigens noch lange nicht ihm, sondern der Bank. Er hatte damals noch Schulden von 1,5 Mio Euro. Er stammte aus einfacheren Verhältnissen als ich, hatte aber den Schritt gewagt, sich enorm zu verschulden.
Zu seinem Schaden wäre es nicht gewesen, wenn er finanzielle Unterstützung gefunden hätte.
Einen goldenen Käfig sehe ich nicht, wenn sich zwei zusammen tun, die beide ihren Teil zum gemeinsamen Leben beitragen - egal, in wessen Eigentum sie nun wohnen.Geändert von Inaktiver User (13.03.2009 um 16:36 Uhr)
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13.03.2009, 16:34Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Bildung nur der Bildung willen muss man sich auch leisten können. Menschen, die Vollzeit berufstätig sind, Eigentum zu unterhalten haben und vielleicht noch eine Familie haben, um die sich kümmern können, haben oft die Zeit nicht dazu, in großem Umfange Dinge zu tun, die nicht zur Erwirtschaftung des Lebensunterhaltes beitragen.
Geändert von Inaktiver User (13.03.2009 um 16:40 Uhr)
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13.03.2009, 16:39Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Du sagst es. Gestern kam noch spät abends irgendwo eine Sendung, wo dick gefutterte, ausgeschlafene Hartz 4 Empfänger und auf der anderen Seite ganztags zu Minimallöhnen schuftende Menschen vorgestellt wurden.
Wer heute noch arbeitet, ist wirklich der Depp der Nation.
Ebenso hasse ich diese Sendung mit diesem Schuldenberater. Nur Pack, was da gezeigt wird. Und alle Schuldner gehen leer aus. Ich kriege da den Hass, war ich doch selbst als Selbständige schon Opfer solcher, die die Musik bestellen und dann nicht zahlen.
Edit: Ich möchte noch ergänzen, dass es mir nicht darum geht, all das zu haben, was andere haben, sondern zu wissen, dass ich es haben könnte, diese Dinge erreichen könnte. Davon ging ich früher aus, während ich heute die Grenzen sehe.Geändert von Inaktiver User (13.03.2009 um 21:17 Uhr)
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14.03.2009, 11:56Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Ganz so einfach ist es eben nicht. Auf dem Gymnasium werden gewisse Interessen viel eher geweckt als auf der Real- oder Hauptschule. Man wird auch mehr dazu erzogen, sich Wissen selbstständig anzueignen und sich Informationen aus eigenem Antrieb zu verschaffen. Ich sehe es ja an gewissen Verwandten. Die haben alle viel schneller ein Handy gehabt und benutzen es auch viel häufiger als ich, legen es bei Besuchen z.B. neben sich auf dem Esstisch ab
, haben im Gegensatz zu mir auch so ziemlich alles, was die Elektronik- und Unterhaltungsindustrie zu bieten hat (DVD-Player, Videokamera etc.). Aber an Büchern haben sie 1. nicht allzu viele und 2. hauptsächlich irgendwelche Schmöker (etwa auf Hera-Lind-Niveau); sie würden nie einen Klassiker oder auch nur Anselm Grün lesen. Musik (auch noch auf der ersten Silbe betont
) bedeutet für sie "Wolfgang Petry". Ich habe noch nie gehört, dass sie ins Theater, in die Oper, ein klassisches Konzert oder Jazzkonzert oder in eine Kunstausstellung gegangen wären oder sich auch nur dafür interessieren würden. Bei Musicals von Andrew Lloyd Webber ist bei denen die Grenze erreicht. Fremdsprachen wie Französisch oder gar Latein mögen sie überhaupt nicht, wenn man Fremdwörter aus diesen Sprachen kennt und auch noch richtig ausspricht, "piekst" man sie damit offenbar. Das Internet nutzen sie allenfalls, um über Ebay Sachen zu verkaufen oder preiswert zu ersteigern, nicht aber, um sich systematisch Informationen aus anderen Wissensgebieten zu verschaffen. Die "Zeit" würden sie nie lesen, sondern höchstens die lokale Tageszeitung und dann noch irgendwelche Frauenzeitschriften wegen der Koch- und Backrezepte. Das ist nun mal so. Die ganze Bildung/Ausbildung ist bei ihnen mehr auf praktische Berufe zugeschnitten.
Dies hat auch seine Berechtigung; es muss ja schließlich auch Handwerker und ähnliche Berufe geben, sonst würde unsere Wirtschaft zusammenbrechen. Ich finde diese Berufe teilweise auch sehr interessant. Aber während es mir leicht fällt, Kontakt zu Angehörigen dieser Berufsgruppen herzustellen und mir Wissen aus ihren Berufen anzueignen, ist umgekehrt vielfach weitaus weniger Interesse zu spüren. Auf eine eher theoretisch ausgerichtete Bildung legen diese Leute keinen Wert; sie äußern sich sogar abfällig über Intellektuelle, als ob dies nur Faulpelze wären. "Arbeit" ist für sie nur körperliche Arbeit, wer sich für die oben genannten Dinge interessiert, kommt sich in deren Augen nur "wer weiß wie vor", hält sich für "was Besseres" und ist "überkandidelt".
Der Wunsch, Bildung haben zu wollen, wird meines Erachtens auf dem Gymnasium viel stärker geweckt als in den anderen Schulformen.
Ach, auf ein dickes Auto legt die Schulfreundin nicht mal so großen Wert, auch das würde sie als "kleinbürgerlich" empfinden; sie pflegt vielmehr ein "vornehmes" Understatement. Aber sie wohnt im gekauften Eigenheim, ich dagegen in einer Mietwohnung (was soll ich als Single mit einem Haus?!), sie hat einen vorzeigbaren, gebildeten, durchaus sympathischen Ehemann aus guter Familie, ich dagegen bin Dauersingle mit Verwandten, um die ich mir entweder Sorgen machen muss oder die neidisch auf mich sind und am Telefon ziemlich kurzab, weil man nicht wirklich auf einer Wellenlänge liegt und sie es wohl nicht ertragen können, länger mit mir zu sprechen. Und das, obwohl ich "meine" Themen, von denen ich weiß, dass sie damit sowieso nichts anfangen können, schon aus Taktgefühl gar nicht erst anspreche.
Meine Schulfreundin macht mit ihrem Mann "vornehm" Urlaub in Frankreich und kann mit ihren Kontakten zu den früheren Gasteltern "angeben"; ich dagegen muss entweder allein reisen (bin dann in der Wahl eines geeigneten Urlaubsziels auch eingeschränkter als wenn ich einen Partner hätte) oder das Risiko eingehen, mit Menschen zu fahren, die ich gar nicht kenne. Außerdem habe ich währenddessen immer Sorge, dass mal mit meiner Mutter etwas passieren könnte und ich dann nicht in der Nähe bin. Ich bin dankbar, wenn ich im Urlaub überhaupt irgendwo hinfahren kann und währenddessen in meiner Familie nichts Schlimmes, wie plötzliche Krankenhausaufenthalte etc., passiert (hat es nämlich alles schon gegeben, und nicht nur einmal!). Und natürlich mache ich jede Wette, dass meine Schulfreundin als Teil eines vorzeigbaren Ehepaares auch einen entsprechenden "gehobenen" Bekanntenkreis hat, während es für mich als Single sehr mühselig und mit vielen Reinfällen und faulen Kompromissen verbunden ist, wenigstens ein paar Bekannte zu haben.
Also ich finde wirklich, dass meine Schulfreundin nach außen hin bedeutend besser dasteht als ich, obwohl ich sie als Persönlichkeit auch nicht interessanter finde als mich selbst. Und das kränkt mich halt.Geändert von Inaktiver User (14.03.2009 um 12:59 Uhr)


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