Danke, Polarstern. Wir hatten dieselben Grundgedanken.
Ich kann nur deshalb öfter gnädig sein, weil ich da so meine eigenen Erfahrungen habe - mit Blockierungen, komischen Gedanken usw.
"Charmant in drei Tagen" - den Kurs hatte ich auch nicht. Leider. Frag die Umwelt.
Es spricht so viel Not und Leiden aus Sundays Worten. Man merkt nicht unbedingt, daß man selber da raus kann, wenn man drinsteckt.
Sunday, noch ne Idee:
mal dir ein riesen Schild für deinen Flur:
"Ich will Spaß!".
LG Karla
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11.03.2009, 10:59
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
The original Karla
est. 2006











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11.03.2009, 11:40Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Hallo zusammen,
hochinteressanter Thread.
Ich glaube, ein bisschen kann ich die Problematik, liebe Sunday
, umgekehrt nachvollziehen.
Und eins vorweg: ich glaube nicht, dass es um Neid geht. Dafür hast Du in Deinem Leben zu viel erreicht, und dafür wirkst Du, bzw. Deine Posts, zu selbstbewusst.
Das Grundproblem, was hier meines Erachtens zutage tritt, ist das des - Achtung, Akademikergeschwafel - "Sozialen Habitus", nachzulesen bei Bourdieu (Die feinen Unterschiede). Es gibt quasi soziale Codes, die man von zu Hause mitbringt, und die ein klare Milieuzugehörigkeit definieren.
Das interessante daran ist, dass Dinge wie Intelligenz (klar), Kulturinteresse, und letzten Endes auch Bildung daran wenig ändern (können). Es geht dabei um soziales Verhalten, was man in der Familie aufgenommen hat - Professorenkinder werden sich sozial immer anders verhalten, als Kinder von Landwirten (und das hat nichts mit Geld oder Bildung zu tun). Selbst eine lange Rebellionsphase in der Pubertät ändert wenig daran, dass dieses Verhalten quasi "eingeimpft" ist. Bourdieu sagt selbst: man kann sich dieses Verhaltens nur bewusst sein und es bei sich selbst und anderen tolerieren - sie also trotz aller unsichtbarer Differenzen als Menschen wertschätzen. Ändern kann man ihm zufolge an diesem Verhalten nichts. Ob das so ist, kann ich nicht beurteilen.
Ich habe nur an mir selbst beobachtet, dass das in meiner letzten Beziehung zu einem ziemlich großen Problem wurde - mein Ex und sein Freundeskreis waren, im Gegensatz zu mir, jeweils die ersten Akademiker in ihren Familien, sie waren alle supernett und ich mochte sie sehr gern. Aber wir kamen immer wieder an einen Punkt wo wir festgestellt haben: Bei ihm im Freundeskreis und in der Familie macht man die Dinge so - bei mir macht man sie völlig anders. Und dabei ging es jetzt nicht um Kochrezepte
Wir haben das auch immer wieder diskutiert, aber sind irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass wir - trotzdem wir "formal" gleich gebildet waren, er sogar eigentlich noch ein Stück "höher" - in Sachen sozialer Habitus nie auf einer Welle landen werden. Tragisch, aber wahr...
Letzten Endes kennt man das doch auch von Parties in der Studi-/Jugendzeit: Es gibt welche, da fühlt man sich auf Anhieb wohl - man kennt die Codes, hat das Gefühl einer geteilten Lebenswelt und kann auch bei mangelnder Sympathie miteinander reden. Und dann gibt es die anderen - wo die eigenen Witze nicht funktionieren, man keinen Schimmer von den Gesprächsthemen hat, und man das Gefühl hat, als Schwan im Ententeich gelandet zu sein (oder umgekehrt
).
Ich weiß leider auch kein Patentrezept, wie man damit umgehen kann - Menschen mit ähnlichen Biographien finden, vielleicht, Menschen, die sich dieser Tatsachen bewusst sind, und sie nicht einfach ignorieren (es ist ja so einfach, sich stets nur im eigenen Milieu zu bewegen - aber die Leute, egal wo sie nun angesiedelt sind, sind meines Erachtens völlig vernagelt, auch wenn sie Urlaub auf den Bahamas machen und ein Theaterabo haben...), Menschen, die "gebrochene" Lebenswege haben... ?
Ihr dürft mich jetzt gerne alle hauen, aber ich hoffe, ich habe ein bisschen zum Verständnis der Situation beigetragen
LGB
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11.03.2009, 11:41Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Das ist doch schon ein guter Ansatz - wenn du mit ihm gut kannst, versuch, von deiner Seite aus den Kontakt aufrecht zu erhalten.
Vielleicht triffst du auch seine Frau/Freundin, seine jetzigen Mitarbeiter, ... - oft ist es so, dass wenn man mit einem Menschen gut kann, man auch mit den Menschen in seiner Umgebung gerne umgeht.
@Karla
Da waren zwei Sätze drin, die mich (in ganz anderer Lebenssituation) sehr angesprochen haben, danke dafür!
Was mir noch auffällt... vielleicht ist es gar nicht wichtig, irgendwo dazuzugehören, sondern sich locker zwischen den Schichten bewegen zu können.
Beispiele:
Mein Ex-Freund und dessen Familie ist z.B. Geld-Adel: geringe Bildung, aber mit viel Fleiß und dem nötigen Glück ein Imperium aufgebaut, von dem Exfrau und Sohn (dieser ist mein Ex) gut leben können und sich eigentlich nicht um Arbeit kümmern müssen. Da war ich immer die Exotin, das Bildungs-Kind, das wusste, das es FoonDÜ und vin ROUge heißt (und nicht FONdu und vin roGE), das ins Theater ging etc. Wurde nie diskutiert, ist heute noch anerkannt (z.B. werd ich nach kulturellen Veranstaltungen gefragt) - weil's mir einfach egal war, ob es die interessiert oder nicht
Viele Kollegen sind Wirtschafts-Elite: EBS oder WHU (ich war an einer Kleinstadt-Uni), Kontakte, der richtige Schneider/Schuhmacher, und die richtigen Hobbies (Golf, Wein, Autos). In gewissem Rahmen kann ich da mittun (sicherlich beim fachlichen) - und ansonsten bin ich ich und hab halt andere Qualitäten und Lebensentwürfe. Wenn sie meinen, sie müssten ins Nobel-Palm in Dubai, kann ich trotzdem in ne argentinische Absteige im Urlaub, und das auch vertreten.
Ein Teil meiner Tango-Schüler sind "richtig vom Land" - würd ich da einen auf cool mit englisch/spanischsprachigen Begriffen machen, wär's aus und vorbei. die müssen nicht unbedingt wissen, dass ich promoviert bin, und do ko i au nacha ganz schee s'schwäble raushänga lassa, nacha.
Das heißt nicht, dass ihc nicht ICH bin - es heißt nur, dass es verschiedene Tangueras gibt, die ich bei Bedarf rauszauber. Vielleicht ist die Sunday bei Muttern/Verwandtschaft auch eine andere, die mit Kollegen umgeht oder in ihrer Stadt ausgeht?
@Bohemienne, deinen Beitrag find ich super-interessant, auch wenn ich's selbst eher anders erlebe (oder vielleicht nicht so gespürig für die feinen Unterschiede bin?)Geändert von Inaktiver User (11.03.2009 um 11:43 Uhr) Grund: Bezugnahme auf Bohemiennes Beitrag ergänzt.
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11.03.2009, 14:06
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Liebe Sunday,
ich finde es dramatisch, wie sehr heute noch auf den "gesellschaftlichen" Background geachtet wird. Erlebe ich allerdings im RL glücklicherweise eher selten. In der Bri hingegen fühle ich mich dann und wann ins 18. Jahrhundert versetzt... Mein Bekanntenkreis ist extrem gemischt und man versteht sich. Um eine Freundschaft aufzubauen, ist ein ähnlicher Lebenslauf nicht das Schlechteste, bezieht sich aber nicht allein auf die Bildung. Es kommt auch auf die Menschen und deren Toleranz an, u.a. bezogen auf das Aussehen, soziale Kontakte, etc.
Ich habe eine sehr schwierige Kindheit hinter mir, stamme aus "besserem" Hause, könnte aber abendfüllend Familiengeschichten zum Besten geben. Zum Entsetzen meiner Eltern habe ich KEIN Studium abgeschlossen, laut Deiner Einteilung bin ich somit auch schwer "schichtspezifisch" einzuordnen. Auch ich hatte grosse Probleme, habe sie aber mit therapeutischer Hilfe in den Griff bekommen.
Weisst Du, liebe Sunday, was mir bei der Beschreibung Deiner Umwelt ein bisschen fehlt? Der Mensch hinter den Berufen. Ich finde, es fehlen Dir Menschen, mit denen Du einfach Spass hast und mit denen Du gerne zusammen bist, ganz egal was diese Menschen beruflich machen. Mir ist völlig klar, dass das mit der nebenbei jobbenden Mutti deutlich schwieriger ist, aber selbst da kann es passieren, dass passende Freunde für Dich dabei sind.
Mach Dir nicht so viele Gedanken um Deine alten Kontakte, brich zu neuen Ufern auf!!
Und Deine ehemalige Schulfreundin ist m.E. nicht mehr als eine alte Schulfreundin. Vergiss die Frau., denn sie tut Dir nicht gut.
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11.03.2009, 14:23
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Ich empfinde den Beitrag von Bohemienne als sehr zutreffend.
Die dort beschriebenen sozialen Codes haben aber m.E. nichts mit mangelnder Bildung zu tun, wie sie hier beschrieben wird.
Ehrlich gesagt, wären mir diese Leute zu unaufmerksam und unsensibel, weil man das richtige Aussprechen dieser Worte eigentlich schon im Alltag mitbekommen könnte.Geändert von schnarchstop (11.03.2009 um 14:26 Uhr)
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11.03.2009, 14:31
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
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11.03.2009, 15:31Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Also, mein Tipp ist ganz einfach. Ich mache das schon immer so:
Such' Dir die Menschen, mit denen Du dich wohl fühlst.
Neid hin oder her. Neid -positiv betrachtet- zeigt, was wir gerne hätten. Wenn Du allerdings die Menschen selbst nach eben diesen Kriterien, die dich ausschließen, beurteilst und aus- oder einsortierst, drehst Du dich im Kreis.
Das Gefühl des sozial-ausgeschlossen-seins ist sicher sehr verbreitet. Die Lebensmöglichkeiten sind schließlich explodiert und somit ist es auch viel wahrscheinlicher, nicht "dazuzugehören" als umgekehrt.
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11.03.2009, 16:24
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Meine Güte
!! Solch aggressiver Ton
.
Sunday, erst wollte ich ein paar Zeilen zu Deinem ersten Beitrag schreiben.
... Du scheinst andere genauestens zu beobachten (aus eigener Unsicherheit ?), "auf der Lauer zu liegen", zu bewerten - und abzuwerten
. -> Das spüren Menschen
, und so macht man sich auch nicht zu einer guten Freundin !!
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... Wenn ich dann den obigen Text lese - den Ton dabei herausspüre, frag ich mich wirklich, wie Du mit Menschen im RL umgehst
.
Wir Menschen haben alle unser Päckchen mitbekommen - unabhängig von Gesellschaftskreisen, auf die Du so stierst (und m.E. absolut überbetonst)
!
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11.03.2009, 16:33
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11.03.2009, 20:43Inaktiver User
AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören
Ich kann nichts Aggressives daran finden, wenn ich ein paar rhetorische Fragen stelle, nachdem jemand meiner Meinung nach sehr unsensibel auf meine Problemdarstellung reagiert hat. Wenn mich meine familiäre Situation nicht belasten würde, hätte ich mich nicht hilfesuchend an das Forum gewandt. Inwieweit soll es für mich hilfreich sein, wenn mir jemand als Antwort lediglich sein Unverständnis zum Ausdruck bringt und alles als Nichtigkeit herunterspielt? Nur weil er vielleicht dieses Problem in seinem eigenen Leben nicht kennen gelernt hat und die eigentliche Tragweite nicht ermessen kann?
Mir käme so etwas nie in den Sinn, mir würde es ausreichen, wenn ein Problem jemanden nach seinem subjektiven Empfinden offensichtlich belastet, auch wenn ich dies, weil ich eine andere Biographie habe, nicht ebenso "schlimm" fände. Wenn man nicht ansatzweise bereit und in der Lage ist, sich in die Situation und Gefühlslage eines anderen Menschen hineinzuversetzen, sollte man meines Erachtens besser schweigen nach dem Motto "Si tacuisses" (dafür reicht es selbst bei meiner kleinbürgerlichen Herkunft).Geändert von Inaktiver User (11.03.2009 um 20:46 Uhr)


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da wird soviel gelogen.

