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    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Da hast Du im Prinzip schon Recht; vielleicht sollte ich mich auch nicht so sehr auf diese Schulfreundin fixieren. Ich finde, sie könnte doch auch mal anerkennen, was ich trotz widriger Lebensumstände geschafft habe und nach wie vor schaffe. Sie kennt mich ja schließlich von Kindheit an, kennt auch meine Herkunftsfamilie. Aber man kann Akzeptanz nun mal nicht erzwingen. Ein früherer Chef dagegen, zu dem ich besonderes Vertrauen hatte, konnte sich das eine oder andere zusammenreimen (alles erzählt habe ich ihm natürlich beileibe nicht!). Der äußerte sich mal sehr anerkennend zu mir als Person, nachdem er sich einiges vor Augen geführt hatte. Das hat mir gut getan.
    Ist nicht das das eigentliche Problem: Dass Du Dir Anerkennung von den Menschen wünschst, die Dich von früher her kennen?
    Und dass Du Dich vielleicht generell nach Anerkennung sehnst?

    Ich stamme aus ganz ähnlichen kleinbürgerlichen Verhältnissen und mein Studium und anschließende Promotion wurde von der Verwandtschaft auch eher misstrauisch beäugt als bewundert. Für meinen Vater hätte es vollkommen ausgereicht, wenn ich Industriekauffrau geworden wäre. Aber immerhin haben meine Eltern mch immer unterstützt.

    Viele Mitschüler auf dem Gymnasium stammten aus Akademiker-Familien, da hatte ich auch immer das Gefühl, nicht mithalten zu können. Aber zu denen habe ich heute auch keinen Kontakt mehr. Mein Freundeskreis besteht aus studierten und nicht studierten Leuten, von der Arzthelferin bis zum Hochschulprofessor ist alles darunter. Und alle passen auf ihre Art zu mir, weil sie ganz verschiedene Seiten in mir ansprechen.

    Ich kenne die hungrigen Augen des Proletarierkindes, das auf den gedeckten Tisch der Bildungsbürgerfamilien guckt, sehr gut. Aber ich habe auch gelernt, dass Akademiker keine besseren Menschen sind.

    Und ich habe gelernt, dass man Anerkennung und Wertschätzung eher selten aufgrund seiner Leistung bekommt, sondern aufgrund seiner Persönlichkeit. Ich bin auch Single und kinderlos und trotzdem habe ich ein wunderbares Verhältnis zu meinen Kollegen. Mit manchen rede ich auch über das Thema Familie, mit anderen nicht. Es gibt zum Glück auch so noch genug Themen.

    Mir scheint, Du bist auf der Suche nach einer Welt, die es so vielleicht gar nicht gibt. Und übersiehst dabei womöglich die Menschen um Dich herum. Wenn Dich so danach sehnst, den sogenannten besseren Kreisen anzugehören, übersiehst Du vielleicht die normalen Kreise, die auch sehr schön sein können. Und ob es in den "besseren Kreisen" immer so viel toller ist, wage ich zu bezweifeln.

    Es gibt so viele wunderbare Menschen direkt um einen herum, da muss man gar nicht irgendwelchen Träumen nachhängen.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  2. Inaktiver User

    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Ist nicht das das eigentliche Problem: Dass Du Dir Anerkennung von den Menschen wünschst, die Dich von früher her kennen?
    Und dass Du Dich vielleicht generell nach Anerkennung sehnst?

    Ich stamme aus ganz ähnlichen kleinbürgerlichen Verhältnissen und mein Studium und anschließende Promotion wurde von der Verwandtschaft auch eher misstrauisch beäugt als bewundert. Für meinen Vater hätte es vollkommen ausgereicht, wenn ich Industriekauffrau geworden wäre. Aber immerhin haben meine Eltern mch immer unterstützt.

    Viele Mitschüler auf dem Gymnasium stammten aus Akademiker-Familien, da hatte ich auch immer das Gefühl, nicht mithalten zu können. Aber zu denen habe ich heute auch keinen Kontakt mehr. Mein Freundeskreis besteht aus studierten und nicht studierten Leuten, von der Arzthelferin bis zum Hochschulprofessor ist alles darunter. Und alle passen auf ihre Art zu mir, weil sie ganz verschiedene Seiten in mir ansprechen.

    Ich kenne die hungrigen Augen des Proletarierkindes, das auf den gedeckten Tisch der Bildungsbürgerfamilien guckt, sehr gut. Aber ich habe auch gelernt, dass Akademiker keine besseren Menschen sind.

    Und ich habe gelernt, dass man Anerkennung und Wertschätzung eher selten aufgrund seiner Leistung bekommt, sondern aufgrund seiner Persönlichkeit. Ich bin auch Single und kinderlos und trotzdem habe ich ein wunderbares Verhältnis zu meinen Kollegen. Mit manchen rede ich auch über das Thema Familie, mit anderen nicht. Es gibt zum Glück auch so noch genug Themen.

    Mir scheint, Du bist auf der Suche nach einer Welt, die es so vielleicht gar nicht gibt. Und übersiehst dabei womöglich die Menschen um Dich herum. Wenn Dich so danach sehnst, den sogenannten besseren Kreisen anzugehören, übersiehst Du vielleicht die normalen Kreise, die auch sehr schön sein können. Und ob es in den "besseren Kreisen" immer so viel toller ist, wage ich zu bezweifeln.

    Es gibt so viele wunderbare Menschen direkt um einen herum, da muss man gar nicht irgendwelchen Träumen nachhängen.

    Viele Grüße,

    Malina
    Deinen Beitrag finde ich ganz toll, hilfreich und bedenkenswert, Malina. Herzlichen Dank dafür!

    Wenn ich jetzt mal in Ruhe und aller Aufrichtigkeit über die Familie meiner Schulfreundin nachdenke, komme ich zu dem Ergebnis, dass diese Leute nicht wirklich ehrlich sind: "Vielseitig interessiert" und besonders sympathisch finden sie nämlich bezeichnenderweise immer nur Personen, die Akademiker und/oder wohlhabend sind und den sog. "besseren Kreisen" angehören. Und wenn sie noch dazu aus dem europäischen Ausland kommen, wird das offenbar als Sahnehäubchen empfunden.

    Als aber die Schwester meiner Schulfreundin jemanden heiraten wollte, der nicht studiert hat, nebenberuflich Landwirt ist und auch aus "kleinen" Verhältnissen stammt, schrieb der Vater meiner Schulfreundin seinem Schwiegersohn in spe einen bitterbösen Brief, um die Hochzeit doch noch zu verhindern (was ihm natürlich nicht gelungen ist ). Da war keine Aufgeschlossenheit zu spüren, kein weiter Horizont, keine Bereitschaft, den anderen erst einmal kennen zu lernen und jemandem mit einer ganz anderen Lebensgeschichte als der eigenen eine Chance zu geben. Sondern nur schlichte, überhebliche Borniertheit.

    Insofern sind Deine Zweifel, ob es in den sog. "besseren Kreisen" immer so viel toller ist, wirklich berechtigt. Ich denke, ich werde es auch anstreben, mir einen "gemischten" Freundeskreis aufzubauen, so wie Du es getan hast. Ansätze dazu sind bereits vorhanden. Und ich werde mich nicht mehr krampfhaft um die Anerkennung von Leuten (weder aus der Verwandtschaft noch sonstwo her) bemühen, die - aus welchen Gründen auch immer - der Meinung sind, ich hätte als Mensch nichts Besonderes zu bieten.
    Geändert von Inaktiver User (11.03.2009 um 07:47 Uhr)

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    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Als aber die Schwester meiner Schulfreundin jemanden heiraten wollte, der nicht studiert hat, nebenberuflich Landwirt ist und auch aus "kleinen" Verhältnissen stammt, schrieb der Vater meiner Schulfreundin seinem Schwiegersohn in spe einen bitterbösen Brief, um die Hochzeit doch noch zu verhindern (was ihm natürlich nicht gelungen ist ). Da war keine Aufgeschlossenheit zu spüren, kein weiter Horizont, keine Bereitschaft, den anderen erst einmal kennen zu lernen und jemandem mit einer ganz anderen Lebensgeschichte als der eigenen eine Chance zu geben. Sondern nur schlichte, überhebliche Borniertheit.
    Eben, wer will denn mit solchen Leuten befreundet sein? Wenn Bildung nicht auch Herzensbildung beinhaltet, ist sie in meinen Augen einfach tot. Mit Leuten, die auf andere herabsehen, weil sie das Weinglas nicht richtig anfassen und im Umgang mit der Hummerzange nicht geübt sind, mag ich nix zu tun haben, egal ob sie Goethe vorwärts und rückwärts zitieren können und ein Opern-Abo haben.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  4. Inaktiver User

    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Eben, wer will denn mit solchen Leuten befreundet sein? Wenn Bildung nicht auch Herzensbildung beinhaltet, ist sie in meinen Augen einfach tot.
    Eine wirkliche Freundin würde einem wohl auch nicht nur unter die Nase reiben, wie sehr sie sich darüber freut, dass aus dem Kontakt zu einer französischen Gastfamilie, bei der sie vor 26 Jahren mal ein Jahr lang gewohnt hat, "wirklich eine lange Freundschaft hervorgegangen ist" (zum Angeben vor anderen, versteht sich) und mit welchen Leuten aus "besserem" Hause sie sonst noch alles "befreundet" ist. Sondern sie würde ab und zu vielleicht auch mal erwähnen, dass ihr der vor sieben Jahren wieder aufgenommene Kontakt zu der Schulfreundin (wir kennen uns seit 1971) auch viel bedeutet. Aber genau das scheint ja nicht der Fall zu sein.

  5. Inaktiver User

    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ein früherer Chef dagegen, zu dem ich besonderes Vertrauen hatte, konnte sich das eine oder andere zusammenreimen (alles erzählt habe ich ihm natürlich beileibe nicht!). Der äußerte sich mal sehr anerkennend zu mir als Person, nachdem er sich einiges vor Augen geführt hatte. Das hat mir gut getan.
    mag weit hergeholt sein, aber... kannst du dich generell Menschen öffnen? Der Chef ist nun dein FRÜHERER Chef und kann dich beruflich heute nciht mehr belangen - könntest du ihm heute erzählen, wie's dir geht, was dich umtreibt? Könntest du das mit einem anderen Menschen?
    Auch das macht einen Teil der Authentizität eines Menschen, und damit seines "Wertes" innerhalb einer Freundschaft aus.

    Ansonsten: wenn du dich nach Dingen sehnst - egal aus welchen Gründen - gibt's Wege, die zu erreichen? Französische (Brief)Freunde laufen in Massen im Internet rum, es gibt Foren wie die BriCom, in denen man schreiben kann, es gibt Tandem-Partner, es gibt Sprachferien mit Wohnen in Gastfamilien, bei denen man sehr eng in Kontakt kommt. Wäre das ein Weg für dich?

  6. Inaktiver User

    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    mag weit hergeholt sein, aber... kannst du dich generell Menschen öffnen? Der Chef ist nun dein FRÜHERER Chef und kann dich beruflich heute nciht mehr belangen - könntest du ihm heute erzählen, wie's dir geht, was dich umtreibt?
    Ja, das könnte ich. Mein früherer Chef ist nicht mehr in unserem Hause tätig, aber zu ab und zu zu bestimmten Terminen dort. Neulich hat er mir gesagt, dass er gern weiter Kontakt zu mir halten möchte - auch außerhalb von beruflichen Anlässen, vielleicht könnten wir noch ab und zu mal auf einen Kaffee treffen. Wenigstens bei ihm scheine ich einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen zu haben.

    Übrigens finde ich, dass auch er "vielseitig interessiert" ist; wir haben uns damals schon über alle möglichen Themen, nicht nur berufliche, gut unterhalten können.
    Geändert von Inaktiver User (11.03.2009 um 07:55 Uhr)

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    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Irgendwo bei all den Leistungen ist der Spaß, die Lebensfreude auf der Strecke geblieben. Oder nie recht dagewesen?

    Hast du jemals gespürt, daß jemand dich liebhat?
    Gestattest du selbst dir Bedürfnisse?

    Deine Familiengeschichte liest sich nicht so erfreulich - aber mir fällt auch auf, daß du es dir noch schwerer machst als nötig. Die Schwester ist krank, das magst du nicht erwähnen aus Angst vor beruflichen Nachteilen. Finde ich schräg. Ihre Uneinsichtigkeit mag Teil der Krankheit sein. Aber ich höre bei dir Wut heraus, darauf daß sie später Probleme bereiten könnte. Könnte!
    Du denkst also jetzt schon problemorientiert an später.

    Es fehlt das Urvertrauen, das Grundvertrauen darauf, daß die Dinge sich schon regeln werden. Wann und wie - wird man sehen.

    Kann es sein, daß du ein wenig Mißmut, Ängstlichkeit und Problemorientiertheit ausstrahlst?
    So war ich auch mal eine Zeitlang gestrickt, als ich durch eine Krise durchmußte. Man hat mir nicht gerade die Klingel abgerissen vor lauter "dich will ich gerne sehen!"-Gefühlen. Kann ich auch verstehen.

    Jeder Mensch, jeder, hat seine Problemchen, Probleme, Päckchen zu tragen. Es ist ein Trugschluß zu denken, die anderen hätten es besser. Damit macht man sich nur selbst verrückt.
    Neid auf irgend etwas ist deshalb eine der sieben Todsünden , weil man sich das Leben damit vergällt. Und womöglich auch noch dem anderen, der sich an etwas freut.

    Sag, was macht dir Spaß? Wo jubelt dein Herz? Was bringt dich zum Lachen?

    Dahin, wo das ausbricht, gehe. Suche dir Kameraden, die deine Leidenschaften teilen. Ein Sport, ein Literaturkreis, einer Samba-Gruppe beitreten, ein Häkelclub, Tanzkurse, ein Kochzirkel...Oder stell selbst etwas auf die Beine. Aushang in der Behörde: Wer hat Lust auf perfektes Dinner? Blabla...
    Wie "vielseitig interessiert" bist du wirklich? Und wo spiegelt sich das in deinem Leben und Erleben wieder? Sagen kann man viel...

    Schmeiß den ganzen Kram an Schubladendenken mal über Bord, resette deine Festplatte und schau dir die Menschen gründlich an. Haben sie Herzensbildung? Dann: Hereinspaziert! Haben sie die nicht: Leider keine Zeit!

    Beim Herausfinden der "warums", also - warum tickst du so, wie du tickst - kann ein Psychologe helfen. Mir sind bei solchen Herrschaften manche Seifensieder aufgegangen... Ein Haufen unnütze alte Denkstrukturen, die einen hindern, das Leben in vollen Zügen zu erleben. Sowas führt auch zum chronischen Problemdenken. Ehrlich - da machst du dir jetzt schon Gedanken, was aus dem Haus wird...tststs. Das ist m.E. nicht dein Problem. Sondern die Seele. Wer sagt denn, daß du dich um irgendwas kümmern mußt? Wenn dir das alles auf den Keks geht, wird die Erbschaft abgelehnt - und fertig. Du bist auf das Geld aus einem Verkauf nicht dringend angewiesen. Wieso also sich jahrelang in Rechtsstreitigkeiten verwickeln? Würde ich mir mit Anlauf niemals antun, wenn es sich verhindern läßt.

    Soweit mal meine Gedanken dazu.

    Zum eigentlichen "Problem" in deiner Überschrift:

    Sozial irgendwo "dazwischen" sind viele Leute. Es gibt sie nämlich kaum, diese Schubladen. Höchstens bei den Adeligen, Hochwohlgeborenen. Wo man auch nicht einfach reinkommt. Aber der ganze Rest ist genauso irgendwo dazwischen wie du und ich.

    Diese komische Frankreich-Freundin - ich verstehe überhaupt nicht, daß du daran so viele Gedanken verschwendest? Und dich überhaupt mit ihr so viel beschäftigst. Hast du nur sie als Freundin? Ich könnte mich gar nicht wohlfühlen mit solchen Typen. Und Ärger darüber, was jemand anders sich aufgebaut hat (mag es nun oberflächlich sein oder nicht), das ist leider auch Neid. Schade! Alternativ überlege dir lieber, wo du neue Leute kennenlernen kannst. Anstatt an den alten festzuhalten, ohne sie wirklich zu mögen. Das spüren die anderen Menschen doch auch! Und auch andersherum ist es nicht gut fürs Selbstbewußtsein, eine Freundschaft zu halten, wo die andere Seite irgendwie mitbekommt: Ach, die kennt sonst keinen. Wo man nicht wirklich geschätzt wird, geht man nicht mehr hin. Sonst untergräbt man sich selbst.

    Soweit mal meine Gedanken dazu.
    Entdecke die Möglichkeiten!

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


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    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Hallo Sunday,
    ich schreibe mal im Gegensatz zu all den anderen, positiven und ermutigenden Stimmen ganz ehrlich meine Meinung: Ja, Du bist neidisch. Und Deine Aussagen kommen bei mir hochnäsig und mißgünstig an.
    Du hast vielleicht einen schweren Start gehabt, aber das haben viele, ohne so verbittert zu sein. Du hast einen guten, sicheren Job, alle Möglichkeiten, Dir Dein Leben schön zu machen, und nutzt nicht eine. Dafür mißgönnst Du allen Leuten, die das tun und sich um sich selber kümmern, ihre Zufriedenheit.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Sie selbst sind ewig an ihrem Heimatort hocken geblieben (möglichst noch im Elternhaus) und lehnen vieles (selbst das Internet) als zu modern ab, haben den Arbeitsplatz zumeist seit ewigen Zeiten quasi vor der Haustür gehabt, gegen Akademiker (Frauen in Führungspositionen noch mehr als Männer) grundsätzliche Vorbehalte, lassen es nicht an Sticheleien gegen Angehörige dieser Berufsgruppen fehlen und akzeptieren nur Leute, die sich sehr schlicht und einfach geben und keinen intellektuellen Ehrgeiz haben. Wer zwingt Dich, mit diesen Verwandten Kontakt zu halten?

    Auf der anderen Seite habe ich eine frühere Schulfreundin, die in der Schule im Gegensatz zu mir nur Mittelmaß war, aber aus dem Bildungsbürgertum mit entsprechender Verwandtschaft und entsprechendem Bekanntenkreis stammte. Bei ihr gab es natürlich viel mehr Ermutigung als in meinem Elternhaus, ihren eigenen Weg zu gehen. Während meine Eltern sehr zum Klammern neigten und mich von vielem überängstlich abhielten (meine Mutter besonders, war aber vielleicht nachvollziehbar ist vor dem Hintergrund, dass sie bereits mit knapp 12 Jahren Vollwaise war), durfte sie nach dem Abitur zunächst ein Jahr in Frankreich studieren (wenngleich sie die Zwischenprüfung dort nicht geschafft hat), bevor sie dann in Deutschland einen Studienplatz für Medizin bekam.
    Warum hast Du Dir solch einen Chance nicht erarbeitet, wo Du doch so toll bist und so hervorragende Leistungen hast?

    Ich dagegen konnte (mit einem deutlich besseren Abitur als sie!) froh sein, dass ich überhaupt studieren durfte, natürlich nur an der nächstgelegenen Uni, zu der ich von zu Hause aus gependelt bin.
    Warum hast Du nicht woanders studiert, spätestens nach den Zwischenprüfungen?
    Erst in der Referendarzeit bin ich dann mehr herumgekommen, zumindest in meinem Bundesland. Meine Schulfreundin hat zwar recht spät geheiratet
    Vielleicht, weil sie nicht den erstbesten wollte? Wer gibt denn da den zeitpunkt vor?
    , aber einen promovierten Akademiker aus ebenfalls gutem Hause (die Familien kannten sich schon seit Jahrzehnten), wohnt im eigenen Haus, kommt beruflich auch schon mal ins Ausland, Warum machst Du das nicht, wenn es Dir erstrebenswert erscheint?
    hat noch relativ rüstige Eltern, um die sie sich keine größeren Sorgen machen muss, ihre Geschwister sind alle „normal“. Eigentlich hätte ich gern mehr Kontakt zu ihnen und meine, von meiner Bildung und meinen Interessen her auch eher "in solche Kreise" zu passen, aber ich fühle mich auch da nicht wirklich integriert.
    So viel Neid und Mißgunst, wow. Und "solche Kreise" sehen sich oft nicht als solche, vielleicht bist DU die, die eine soziale Barriere aufbaut?
    Meine Schulfreundin meldet sich relativ selten bei mir. Schon früher zu Schulzeiten hatte ich öfters den Eindruck, dass sie vor allem Kontakt zu solchen Menschen suchte, die aus ähnlichen Verhältnissen stammten wie sie. Dieser Eindruck hat sich bei einem Klassentreffen vor einiger Zeit bestätigt. Auch hält sie immer noch Kontakt zu dem französischen Ehepaar, bei dem sie damals gewohnt hat (natürlich auch Akademiker, inzwischen pensioniert). Neulich sind sie und ihr Mann sogar für einige Tage mit denen in Urlaub gefahren. Frechheit, was fällt denen ein? Ausländische Freunde haben und diese dann auch noch besuchen?
    Ich ärgere mich auch darüber und frage mich, wieso sie solche Kontakte hat und ich nicht; ich war in der Schule auch in Französisch viel besser als sie.
    Mag ja sein - aber als die Studiensemester im Ausland anstanden, hast Du Dich nicht gerade darum gerissen, oder? Für ausländische Freunde (die übrigens auch nicht anders sind als deutsche - entweder sind Menschen nett oder nicht) muß man sich auch schon selber bewegen.

    Mir gegenüber betont sie oft, wie vielseitig interessiert diese Leute seien und dass man sich mit ihnen über alles Mögliche unterhalten könne - ich finde aber, dass dies auf mich ebenfalls zutrifft. Offenbar habe ich ihr nach wie vor einen zu beschränkten Horizont, jedenfalls ist das meine Vermutung (komisch - und meinen Verwandten wiederum bin ich wahrscheinlich zu „gebildet“ und überkandidelt). Oder findet sie nur solche Menschen „vielseitig interessiert“, zu denen ihr der Kontakt aufgrund von deren sozialer Herkunft noch vielversprechender erscheint als zu mir (Stichwort „Vitamin B“-Potential)? Mir fällt auch auf, dass sie in Bezug auf diese Menschen viel größeren Wert auf die Bezeichnung „Freundschaft“ legt und wie viel ihr diese bedeuten würde als beispielsweise bei mir; da ist sie mit solchen Bekenntnissen wesentlich zurückhaltender.
    Schon mal überlegt, daß man nicht gern mit jemandem befreundet ist, der einem andere Freunde neidet? Übrigens erzähle ich auch eher anderen Freunden, wie sehr ich eine bestimmte Person mag, als daß ich es dieser Person direkt sage.

    Insgesamt bin ich aufgrund dieser Gegebenheiten sehr frustriert, diese Dinge gehen mir ständig durch den Kopf und sind auch hinderlich bei der Arbeit. Wo gehöre ich eigentlich hin? In die Kreise, aus denen ich stamme? Oder in die Schicht, zu der ich erst durch meine Ausbildung Zugang gefunden habe? Oder werde ich immer irgendwo dazwischen hängen und mich nirgends wirklich zugehörig fühlen? Vielleicht hat ja hier jemand eine Idee, wie ich mit dieser Form von permanenter Unzufriedenheit fertig werden kann. Möglicherweise gibt es ja Leute in einer ähnlichen Situation wie ich. Oder spricht - bezüglich meiner Schulfreundin - einfach nur der pure Sozialneid aus mir?
    Es wäre an der Zeit, daß Du in Deinem Alter mal dazu stehst, was Dich interessiert, und Dir Dein Leben durch Reisen oder irgendwelche Hobbies nett machst, statt weiter an dieser Unglücksspirale der Unzufriedenheit und kleingeistiger "Menschen-in-Schubladen-Sortiererei" festzuhalten. Diese Schubladen baust Du Dir selbst, bzw sorgst dafür, daß sie Dich einengen.

    Ich habe Freunde aus allen Schichten und vielen Ländern, was sicher weder an meinem umwerfenden Charme noch an meiner hochgeborenen Herkunft liegt. Schwere Krankheiten und echte Schicksalsschläge hat meine Familie auch aufzuweisen, mehr als mir lieb ist. Ich komme aus einer völlig normalen Familie ohne besondere Merkmale oder Verbindungen, bin immer nur eine mittelgute Studentin gewesen und habe heute noch keinen sicheren Job oder ein gutes Gehalt.

    Was ich aber habe und hatte ist die Fähigkeit, offen auf Menschen zuzugehen und mich voller Interesse auf sie einzulassen, egal woher sie kommen oder was sie beruflich machen. Ich habe einen interessanten Beruf, der mich häufig ins Ausland führt und durch den ich viele Freunde aus anderen Ländern kennengelernt habe. Das ist aber nicht durch Zufall passiert, sondern durch eine gewisse Offenheit und den Willen, auch mal etwas Unerwartetes oder Unberechenbares zu machen und mich einzulassen.

    Du hast Dich irgendwann für die sichere Karriere ohne Brüche und mit guter Altersversorgung entschieden. Das ist vernünftig und bietet Dir eine Menge Möglichkeiten, die ich nicht hätte.

    Warum fällt es Dir so schwer, Deine vorhandenen Stärken auszunutzen und anzuerkennen? Warum neidest Du einer Frau, die Du als Freundin bezeichnest, über die Du hier aber mit Arroganz und einer gewissen Herablassung sprichst, ihre alte Freundschaft zu ihren damaligen Gasteltern? Jede Person hat im Idealfall mehrere Freunde, enge und weniger enge. Aber diese Beziehungen laufen parallel und sind nicht ausschließlich.

    Mensch, Du hast es eigentlich in vielen Bereichen sehr gut und verfügst über so viele Fähigkeiten. Besinne Dich doch mal darauf und nutze Deine Zukunft, statt Dich über Deine Vergangenheit zu ärgern! Tanguera hat doch zahlreiche Möglichkeiten aufgezeigt. Warum fängst Du nicht etwas Neues in Deinem Leben an?

    Die Menschen, die Dich anerkennen wie Du bist, findest Du wahrscheinlich eher über gemeinsame Interessen wie Sport, Sprachen lernen, Weiterbildung im Allgemeinen. Versuch mal zur Abwechslung die Sache in den Vordergrund zu stellen und nicht die Herkunft/den Beruf eines Menschen.

    Wenn ich zum Sport gehe, übe ich den mit Leuten aus, die aus allen möglichen Schichten kommen. Aber wenn jemand zB ganz toll paddeln kann, kann ich von dem was lernen und denke nicht über seine mangelnde akademische Ausbildung nach. In meinen Sprachkursen sitzen Teilnehmer aus so verschiedenen Berufen, aber was wir da wollen, ist doch für alle dasselbe - etwas Neues lernen und Spaß dabei haben.

    Vergiß mal Dein Hierarchie-Denken und solche Schemata wann man was erreicht haben sollte. Man muß nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt geheiratet oder ein Haus gebaut haben. Finde Deinen Weg und sieh Menschen als das, was sie sind: Wesen mit Stärken und Schwächen, mit alten Freundschaften und anderen Beziehungen, aber jeder als etwas Besonderes. Genauso wie Du.

    Ich wünsche Dir sehr, daß Du es schaffst, aus Deiner Spirale heraus und in ein im wahren Sinne selbst-bewußtes Leben zu finden.

    Polarstern

  9. User Info Menu

    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Oh Karla, super Kommentar Und auf den Punkt.
    Viel höflicher und netter als mein Beitrag (wie schon geschrieben: für meinen Charme bin ich nicht berühmt).
    Dafür

  10. User Info Menu

    AW: Gefühl, sozial nirgends richtig dazuzugehören

    Hm,
    um Deinem Kopf gerecht zu werden, musstest Du Dich von Deiner Familie und Deiner Umgebung in gewisser Weise früh lösen, sonst hättest Du Deinen Weg nicht gehen können.

    Nun bleibt die emotionale Lösung.

    Ich sehe auch eine Art Neid, vielleicht ist das aber auch ein diffuses "Schuldgefühl" oder ein verhindertes Abgrenzen.

    Du hast Dich schulisch und beruflich positionieren können, das war auch eine emotionale, psychologische, innere Anstrengung (besonders für ein Kind) in Deiner Situation (es ist nicht unbedingt einfach begabt zu sein und das zu Wissen).

    Du legst immer noch einen Spagat hin.
    Vielleicht verstärkt dies Dein Gefühl, Deine gesellschaftliche Position noch nicht gefunden zu haben.

    Wenn Du keinen Menschen kennst, der einen ähnlichen Weg gegangen ist, wirst Du Dich noch isolierter fühlen.

    Vielleicht stehst Du Dir gerade selbst im Weg.
    Isolier Dich nicht, bleib nicht daran kleben, dass Du anders bist, einen anderen Weg gegangen bist, Deine Umgebung sich zu eng für Dich anfühlte.

    Vergiss nicht, dass Du ein Kind warst, als Du diese Grenzen für Deinen Horizont hinter Dir lassen musstest.
    Jetzt bist Du erwachsen!
    Now, bring me that horizon.

    Mein Avatar zeigt Euch Smashie. - Sie wurde nur 3 Jahre alt.

    Sie kam als Streuner mit einem Trichter um die Beine, den sie sich dann selbständig ausgezogen hat.
    NYC's ACC platzierte sie auf der berüchtigten **Kill List**
    Kein Foster - keine Rettung.
    Smashie starb am 17.09.2016.
    Ihre grünen Funkelaugen gibt's nicht mehr.
    Sie war eine sehr liebe, menschenliebende zarte Fee.

    Es ist ein Privileg die tägliche **Kill List** zu bekommen.

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