Mich beschäftigt diese Frage schon länger. Wer bin ich?
Ich bin 22 Jahre alt. Vor 3 Jahren starb mein Vater und seitdem mache ich mir diese Gedanken. Wie würde ich mich als Mensch beschreiben? Ich weiß natürlich, dass ihr mir das auch nicht sagen könnt. Nur: Ich reagiere in jeder Situation anders. Ich bleibe mir irgendwie selbst nicht treut, falls ihr wisst was ich meine. Das ist dann wieder die Unsicherheit, die sich breit macht. Ich will nicht so sein, wie andere mich gerne hätten (nur diesen Fehler mache ich leider zu oft, das eben mit dem, dass ich mir selbst nicht treu bleibe)!
Ich denke viel mehr über mich und mein Leben nach als mein Vater starb! Aber ich muss mich doch endlich mal "gefunden" haben. Ist das noch normal?!
Dann die nächste Frage: Was habe ich für Ziele im Leben?! Ich kann es nicht sagen! Ich lebe von heute auf morgen so in den Tag hinein. Natürlich denke ich mir: "Irgendwann möchte ich mal ein Kind und Familie". Aber bisher hatte ich erst eine vernünftige Beziehung.
Auch das ist ein Punkt, der mich belastet. Wenn ich glückliche Paare auf der Straße sehe oder im Freundeskreis dann denke ich mir: "Irgendwie ist es dir einfach nicht vergönnt einen Mann an deiner Seite zu haben" Ich weiß, dass ist affig so zu denken, aber wie kann ichs abstellen?!
Was könnt ihr mir raten? Ist das alles noch ... normal?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 27
Thema: Wer bin ich?
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31.01.2009, 17:52
Wer bin ich?
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01.02.2009, 08:03
AW: Wer bin ich?
Hallo Nadine,
da ich mich gerade in dieses forum verlaufen habe, möchte ich Dir kurz schreiben.
So rückblickend betrachtet (ich bin jetzt 48) mußt Du mit 22 gar nichts.
Ich hatte mit anfang 20 sehr klare vorstellungen, wie ein erwachsenenleben auszusehen hat und ich habe das durchgezogen. Aus heutiger sicht will ich nicht sagen, daß alles falsch war, aber ich hätte mir viel mehr zeit lassen sollen, all die anderen möglichkeiten, die es auch noch gegeben hätte, anzusehen und mir selbst da viel mehr freiheiten und zeit lassen sollen. Später läßt sich manches nur noch schwer ändern, vieles gar nicht mehr.
Ich finde es - inzwischen - gut, sich entscheidungsfreiheit und zeit dazu zu lassen, so lange das bedeutet, daß man bei sich selbst schaut, wo einen eigene ideen und interessen gerade hinleiten und sich nicht von den meinungen anderer dirigieren lässt. Das sollte die konstante im eigenen leben sein, alles andere findet sich, wenn es zeit dafür ist
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arabeskeNur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
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01.02.2009, 09:19
AW: Wer bin ich?
Hallo Nadine!
Erst einmal - genieß dein Leben hier und heute im Jetzt!!!!
Ich bin 10 Jahre älter als du, war, als ich so alt war wie du jetzt auch immer am Grübeln und wenn ich ehrlich bin, am "selber runter machen/ziehen".
Im Nachhinein sind die20er ein schönes Alter. Man hat noch alle Zeit der Welt für ALLES (Partner, Berufswahl/-änderung, Neues ausprobieren usw.) Genieß diese Zeit!
Wer bin ich? Diese Frage kann immer wieder, dein ganzes Leben lang auftauchen, weil es immer wieder Veränderungen/Einschnitte gibt. DU bist DU! Und so wie DU bist, so ist es auch gut!!!!!
Du hast darüber geschrieben, dass du dir selbst nicht treu bist, dich anderen anpasst. Deine Einstellung/Meinung/Wünsche vertreten, das ist ein Lernprozess, an dem du arbeiten kannst!!! Vielleicht findest du hier im Forum gute Beiträge mit Tipps zu genau diesem Thema! Und es gibt auch keinen Grund, dass du dir nicht selbst treu bleiben sollst. Wenn dich jemand so nicht akzeptiert wie du bist, lass es. Dann hat dieser jemand eben Pech gehabt, einen so netten Menschen wie dich nicht zum Freund zu haben.
Du meintest du lebst von einem Tag zum nächsten, hast keine Ziele. Denke, du hast bestimmt einen Job, der dir evtl. auch Spaß macht. Vielleicht kannst du dich auch beruflich (durch Fortbildungen, Kurse usw.) etwas voranbringen/in eine andere Richtung bringen, wenn du etwas Neues willst.
Sei froh, dass du nicht zu den Menschen zählst, die nur für/in der Zukunft leben.
Nimm einfach jeden Tag so wie er ist, nimm dir mind. 1 schöne Sache für dich vor (sei es ein nettes Telefonat, schwimmen gehen, Kino gehen, bummeln usw.) und genieß jeden Tag einzeln!
Partner.... Hört sich blöd an, aber irgendwann (und ich habe Frauen kennen gelernt, die waren zu dem Zeitpnkt schon 40) kommt der RICHTIGE Mann in dein Leben. Es ist schwierig zu sagen, wenn ich so und so alt bin, möchte ich Mann/Kind/Haus. Ich hab mir in deinem Alter auch immer gedacht mit 30 einen Mann und dann ein Kind.... Heute bin ich seit 2 Monaten wieder Single... Ich wollte ein Kind, mein Freund nicht....
Du hast geschrieben, dass du seit dem Tod deines Vaters sehr viel nachdenkst. Darf ich dich fragen, ob du den Tod deines Vaters verarbeitet hast/dich damit auseinander gesetzt hast, vielleicht auch mit Hilfe von außen?
Ich kann dir nur raten, das Leben zu genießen, deien Unabhängigkeit, deine "Jugend". Probier was Neues aus, neue Hobbys, Sportarten, mache VHS-Kurse, die dich interessieren. Sitz nicht zu Hause rum sondern genieße jeden Tag so wie er ist.
Und noch einen Tipp - aus dem Forum "Tipps für ein glücklicheres Leben" gestohlen... Schreib jeden Tag mind. 3 Dinge auf, die schön waren. Gibt dazu hier sogar einen extra Strang. Dein Leben erscheint dir, wenn du das Schöne festhälst gleich viel positiver!
ALLES GUTE!!!!!
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01.02.2009, 13:16
AW: Wer bin ich?
Hallo Nadine!
Kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen!
Wenn du mal Lust hast, über dieses Thema ein sehr leicht zu lesendes und spannendes kleines Büchlein zu lesen, dann kann ich dir folgendes nur wärmstens empfehlen:
"Meine vielen Gesichter - Wer bin ich wirklich?" von Virginia Satir (sehr bekannte Familientherapeutin) ISBN: 3-466-30547-0 erschienen im Kösel-Verlag.
Alles Gute!
Zabine
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01.02.2009, 14:37
AW: Wer bin ich?
@Zabine:
Danke für den Buchtipp. Ich werde mir das Buch besorgen!
@Boratiki:
Was den Tod meines Vaters betrifft: Ich bin mehr der Typ Mensch, der alles in sich reinfrisst. Ich weiß, dass das nicht richtig ist. Aber ich kann nicht gut über meine Gefühle reden. Was ich wohl auch von meinem Vater habe...
Was das Thema Job angeht: Ja, ich habe einen Job, der mir Spaß macht. Allerdings gibt es in meinem Job wenig Aufstiegschancen. Ich habe als Schulabschluss die mittlere Reife. Durchschnittlich abgeschlossen (Notendurchschnitt beim Abschluss 3,0). Wäre ich damals mit 15, 16 Jahren schon so schlau gewesen wie jetzt, hätte ich deutlich mehr gelernt, einen besseren Abschluss gemacht und jetzt auch mehr Chancen auf Aufstiegschancen im Beruf. Nur leider ist man hinterher immer schlauer.
Ich war damals froh, dass ich einen Ausbildungsplatz bekommen habe, der einigermaßen die Richtung war, die ich mir gewünscht hatte. Den Abschluss der Ausbildung machte ich mit einem Schnitt von 1,9. Das hört sich im ersten Moment vielleicht gut an, jedoch findet man in meinem erlernten Beruf nur sehr schwer etwas und dieser Job ist auch schlecht bezahlt. Ich habe mich oft auf andere Stellen beworben nach meiner Ausbildung. Da kamen jedoch immer Absagen mit der Begründung ich hätte keine Berufserfahrung, wäre zu jung und unerfahren. Natürlich wurde da auch auf die Noten geschaut. Mir wurde einfach nie die Chane gegeben zu beweisen, dass ich im Praktischen besser bin, als im Theoretischen!
Was das Thema Partner und Kinder betrifft: Ich habe einfach eine riesengroße Angst davor einmal keine Familie zu gründen, keinen geeigenten Partner zu finden und mein Leben als Single zu fristen. Das mag sich aus dem Mund einer 22-jährigen vielleicht bescheuert anhören aber ich habe einfach große Angst vor dem Alleinsein. Andererseits kann ich im Moment gut ohne Partner leben. Nur: Was ist mit z. B. mit Ende 30, wenn alle aus dem Bekanntenkreis Familie haben?!
Ich denke ihr wisst, was ich meine!
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02.02.2009, 12:30
AW: Wer bin ich?
Hallo Nadine,
das komt mir alles so bekannt vor! In Deinem Alter habe ich an allem gezweifelt, habe auf alles gehofft und war für alles offen.
In den Jahren danach bin ich ab und zu Achterbahn gefahren mit meinem Leben, mal war alles in Ordnung, dann wurde es wieder turbulent.
Mein Beruf war, je nach dem wo ich eingesetzt war, extrem stressig, so dass ich es nur noch mit Aufputsch-Pillen schaffte und in eine dicke Depression rutschte, dann war er ausbalanzierter und für mich der schönste Beruf der Welt.
Eine Zeitlang wollte ich keine feste Bindung und erst recht keine Kinder. dann hatte ich jahrelang eine Wochenend-Beziehung, und mit 48(!) Jahren traf ich meine große Liebe, einen Mann, der 20 Jahre jünger ist als ich und einen fünfjährigen Jungen mitbrachte. Wir haben bald geheiratet, den Jungen habe ich adoptiert, und wir sind seit über 10 Jahren eine glückliche Familie.
jetzt mache ich Altersteilzeit und bin dabei, mir Beschäftigungen ehrenamtlich aufzubauen. Ich habe das wohl auch schon ganz gut gelöst.
Mitt 22 Jahren hätte ich mir so ein Leben auch nicht vorgestellt. Mach Dir nicht zu viele Gedanken, geh auf das Leben zu und nimm mit, was es Dir schenkt.
Kitta
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02.02.2009, 13:39
AW: Wer bin ich?
aber genau da liegt doch JETZT deine chance - Du bist jung, Du bist nur dir selbst gegenüber verpflichtet - jetzt geht noch (fast) alles
Zitat von Nadine1886
- informier dich, was geht, kümmere dich, wie Du es umsetzen kannst und dann los - und für familie bleibt schon auch noch zeit - bis ende 30 ist noch ein bissl hin 
ach ja - das wird sich wohl nie ändern - gesucht werden junge arbeitnehmer bis höchstens 30 mit mindestens 20 jahren berufserfahrung, die für das geld eines praktikanten - nämlich nix - arbeiten
Zitat von Nadine1886
- war schon zu meiner zeit so.
arabeskeNur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
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09.02.2009, 09:47
AW: Wer bin ich?
Hallo Nadine,
du siehst ja an den Antworten schon, dass die etwas älteren unter uns das genauso gesehen haben und jetzt viel sicherer und gefestigter sind. Also: es geht vorbei!
Wichtig ist, dass du die Zeit nutzt, bis du das gefunden hast was du wirklich willst und woran du Spaß hast, und dass du dir bewusst bist, dass das nicht von heute auf morgen geht und schon gar nicht "einfach zu ändern ist".
Job: wieso machst du nicht eine Umschulung in deinem Bereich? Oder was ganz anderes? Hallo - du bist 22! Andere studieren mit 40 Medizin! Schau dich um, was du gern machen möchtest, sprich mit Menschen aus der Branche! Spar Geld, geh ins Ausland, mach ein Schnupperpraktikum... egal wie und was, orientiere dich um, anstatt zu verharren wo du unglücklich bist!
Beziehung: auch hier - du bist 22! Ich dachte mit 20, dass ich nie jemanden finde, der so richtig zu mir passt. Ich hatte Angst, mit 30 alleine da zu stehen, dabei will ich doch irgendwann Kinder. Und ältere Freunde sagten immer "Pass auf, mit 24 kommt der Mann des Lebens". Der kam dann erst mit 28, völlig unerwartet! .... ABER: obwohl nichts darauf hindeutet, ist auch das keine Garantie dass wir mit 30 noch zusammen sind und Kinder haben - wenn du verstehst, was ich meine!? Sei unbesorgt, der Richtige taucht irgendwann auf. Aber du kannst was dafür tun, indem du offen bist und dir Hobbies und Clubs oder Vereine suchst und dort aktiv bist! Da lernt man gern mal Gleichgesinnte kennen!
Zu deinen Zielen: du hast keine? Denk doch mal nach, was du gern machen würdest! Es ist einfach, im Alltag zu versinken und schwer, sich rauszuziehen und die Ziele zu verfolgen. Aber es ist es wert!! Willst du einen tollen Urlaub machen? Mal ins Ausland? Eine Eigentumswohnung? Kinder? Schreib dir das auf und klebs in dein Tagebuch / an deine Wand, damit du dich dran erinnerst wofür du lebst!!!
Zum Tod deines Vaters: sprecht ihr in der Familie darüber oder hast du eine Freundin, mit der du reden kannst? Sonst such dir Beistand, entweder in der Kirche oder in Beratungsstellen. In dich hineinfressen ist leider das schlechteste, was du machen kannst. Und das hätte dein Vater auch sicher nicht gewollt - oder?
Alles Gute,
Cy
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10.02.2009, 19:45
AW: Wer bin ich?
Hallo Cytheria!
Leider ist das mit dem Reden über den Tod meins Vaters nicht so einfach. Auch diesen Minuspunkt habe ich von meinem Vater, dass ich einfach nicht über Gefühle reden kann!
Ich weiß, das ist nicht richtig, aber ändern lässt sich das nicht so leicht.
Mit meiner Mutter kann bzw. möchte ich nicht darüber reden. Warum weiß ich auch nicht so genau, aber irgendwas sträubt sich da innerlich. Andere Verwandte habe das doch schon lange wieder "vergessen". Mit meiner Oma, die nochmehr leidet wie ich, weil ihr Sohn gestorben ist, kann ich erst 3x nicht drüber reden, da sie sofort zu weinen beginnt, sobald ich nur seinen Namen in den Mund nehme!
So eine Art Beratungsstelle habe ich auch schon mal aufgesucht, aber mit wildfremden darüber zu reden, ist noch komplizierter! Ich weiß, in dem Punkt bin ich ein hoffnungsloser Fall...
MIt allen anderen Punkten hast Du natürlich vollkommen Recht! Ich mach mir da einfach viel zu viele Gedanken!
Mit meinem Job bin ich ganz zufrieden. Eine Fortbildung mache ich zur Zeit auch. Es ist ein Fernstudium, das es noch nicht so lange gibt als Weiterbildung nach meiner Ausbildung. Fraglich ist halt, ob ich danach einen besseren Job bekomme! Das ist ja in der heutigen Zeit selbst mit Abitur nicht mehr sicher!
Was das Thema Beziehung betrifft: Ich habe mit meinen gerade mal 22 Jahren schon ziemlich viele Enttäuschungen hinter mir! Jedesmal versuche ich aufs Neue eine Beziehung aufzubauen und werde früher oder später doch wieder enttäuscht. Was diesen Punkt betrifft, schwindet das Vertrauen in alle Männer dieser Welt schön langsam aber sicher... Nach der letzten Enttäuschung, die gerade erstmal paar Tage her ist, möchte ich sowieso nicht so schnell mit der Spezies Mann wieder in Kontakt kommen...
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11.02.2009, 11:05
AW: Wer bin ich?
Liebe Auryn,
ich verstehe dich sehr gut! Ich bin zwar ein sehr offener und kommunikativer Typ, aber es gibt nur einen Menschen auf der Welt, mit dem ich über meine Oma (die dieses Jahr gestorben ist) reden kann. Nicht mal mit meinen Eltern, die wirklich sehr verständnisvoll sind, kann ich darüber sprechen, und ich weiß gar nicht warum. Das ist wie ein dunkles, kleines Kästchen in meinem Inneren, das ich nicht aufmachen kann und das nicht raus kann /soll.
Vielleicht braucht das alles Zeit. Oder du hast deine Person zum Drüber sprechen noch nicht gefunden. Oder du suchst mal im Internet oder der Telefonseelsorge... da sind zwar auch Wildfremde, aber du musst sie nicht sehen, das machts einfacher.....
Alles andere klingt doch schon viel positiver... Vielleicht warst du nach der letzten Trennung in einem Tief? Wird es wieder besser?
Man sagt sich ja immer, dass man den Männern abgeschworen hat, aber irgendwann kommt dann doch wieder einer, der es wert ist, eine Ausnahme zu machen
Wieso startest du nicht mit etwas, "das du immer schon mal machen wolltest"? Sport, Hobby, ..... Einfach, um die neue Phase nach dem Typen und deine Vorsätze zur Selbstfindung anzugehen?


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