Mir passieren immer wieder Fehler im Umgang mit anderen Menschen. Schon seit meiner Jugend habe ich immer wieder das Gefühl, dass ich oft nicht kapiere oder mitbekomme, was andere mir sagen wollen, sogar ganz offensichtliche Dinge übersehe ich. Oft läuft das darauf hinaus, dass ich versäume, anderen behilflich zu sein oder auf das von ihnen Gesagte einzugehen. Ich merke oft erst Stunden später, was ich da wieder verpatzt habe und hasse mich selbst dafür, manchmal so, dass es mir richtig schlecht geht. Ich kann mir auch so viel Mühe geben, wie ich will, es passiert mir seit nun über 25 Jahren immer wieder. Einen Freund bringt mein Verhalten sogar regelmäßig zum Ausrasten. Er meinte schon zu mir, ich wüsste nicht, wie man sich benimmt.
Ich vermute, dass mein Gehirn die vielen Eindrücke, wenn Leute mir was erzählen, nicht verarbeiten kann, bzw. dass es zu langsam arbeitet. Das würde erklären, dass es mir immer erst viel später auffällt, was ich falsch gemacht habe. Mein Freund meint, das wären faule Ausreden und ich wäre einfach nur egoistisch. Das denke ich auch oft und habe deswegen Schuldgefühle. Ich würde es ja auch gern anders machen, ich bekomme es auch manchmal hin, wenn ich genug Zeit habe, mich auf eine Situation vorzubereiten, aber oft auch nicht.
All das führt dazu, dass mich der Umgang mit Menschen dermaßen stresst, dass ich am liebsten den größten Teil meiner Freizeit ganz alleine verbringe, denn nur so kann ich richtig ausspannen, denn ich habe auch einen Job, der mich oft ziemlich an den Rand meiner Energie bringt.
All das führte auch dazu, dass ich meinen Freundeskreis vernachlässige, weil ich mich meistens mit allem überfordert fühle, was über über Job und Haushalt hinausgeht. Sogar meine besten Freundinnen sehe ich manchmal ein Jahr lang nicht, schreibe manchmal nicht mal pünktlich zum Geburtstag einen Gruß, weil ich es mal wieder verpasst habe.
Als der Mann meiner Freundin aus Studienzeiten krank wurde und sie riesigen Stress deswegen hatte, fühlte ich mich nicht in der Lage, ihr beizustehen. Das Ganze hat mich so belastet, dass es mir einfach zu viel war. Ich bekam regelrechte Panik, weil ich nicht wusste, wie man sich in so einer Situation verhalten soll, und zog mich ganz zurück.
Das kam mir neulich mal wieder in den Sinn, als ich sie zufällig in der Stadt traf. Seitdem habe ich riesige Schuldgefühle ihr gegenüber und hasse mich selbst.
Eine andere Freundin bat mich wiederholt um Hilfe bei Dingen, mit denen sie nicht zurecht kam. Ich habe ihr auch schon manchmal geholfen, aber oft habe ich auch Ausreden gebraucht, dass ich gerade keine Zeit hätte. Sie meinte dann irgendwann, für sie seien Freunde nur Leute, die ihr behilflich sind, wenn sie darum bittet. Man muss dazu sagen, dass sie selbst in einer schwierigen Lebenslage ist und ich das gut verstehen kann.
Aber oft ist es mir einfach zu viel, anderen bei ihren Problemen zu helfen, ich habe immer schnell das Gefühl, überfordert zu sein und meine Freizeit für mich alleine zu brauchen, um wieder genug Energie für die Arbeitswelt aufzutanken. Aber dann habe ich wieder ein ganz schlechtes Gewissen, wenn ich sehe, wieviel andere sich gegenseitig helfen und dabei viel mehr arbeiten als ich.
Ja, genau so läuft es: Ich fühle mich überfordert, ziehe mich zurück bzw. aus der Verantwortung und dann bekomme ich Schuldgefühle.
Vielleicht kann mir hier jemand aus neutraler Sicht sagen, was er davon hält. Und vielleicht gibt es ja Leute, denen es ähnlich geht.
Meine Mutter meinte dazu nur lakonisch, sie habe damals, als sie arbeiten ging, auch für Freundschaften oder sonstige Kontakt keine Zeit und Energie mehr übrig gehabt. Aber das kanns doch wohl nicht sein?
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Thema: Fehler im Umgang mit anderen
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25.01.2009, 16:16Inaktiver User
Fehler im Umgang mit anderen
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25.01.2009, 16:49Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Deine Mutter hat nicht ganz Unrecht. Die heutige Arbeitswelt verlangt viel von uns, da muss man leider seine privaten Kontakte reduzieren, wenn man merkt, dass man überfordert ist. Oder, man prüft, ob man mit weniger Arebeitsleistung über die Runden kommt.
Wegen der vielleicht fehlenden Empathie könntest du deine Freunde drauf aufmerksam machen, mir der Bitte, dir das rechtzeitig zu sagen, wenn diese das Gefühl haben, sie werden vernachlässigt. Du musst aber auch aufpassen, dass man dich nicht ausnutzt. Schwierig.
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25.01.2009, 16:51
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Fühlst du dich augenutzt wenn du jemandem hilfst?
Nimmst du selbst Hilfe und Zuneigung an? Oder ist es dir lieber einfach nur geringen Kontakt zu haben, was ja auch ok ist?
Siehst nur du diesen Fehler bei dir, oder auch deine Freunde? (Abgesehen von diesem einen Freund?) Vielleicht ist es für deine Freunde nicht so schlimm? Wenn du trotzdem viele gute freunde hast, vielleicht nimmst du dir das ganze zu sehr zu Herzen?Geändert von rosario (25.01.2009 um 18:19 Uhr)
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25.01.2009, 17:15
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Hallo lene,
das, was du beschreibst, erlebe ich bei meinem Ex- bzw. Noch-Mann sehr stark. Er ist beruflich auch sehr eingespannt, sagt aber auch, er habe seinen Traumjob bzw. seine Berufung darin gefunden und setze sich deshalb auch so ein.
Im Privaten hingegen zieht er sich oft stark zurück. Kontakte pflegt er kaum, und wenn, dann über E-Mails und Foren, weil er auch oft die direkte Auseinandersetzung mit anderen Menschen umgeht und Konflikte meidet wie der Teufel das Weihwasser.
Er stößt mit seinem Verhalten oft andere Menschen vor den Kopf. Freunde sind inzwischen ratlos, weil sie sich bei ihm ständig melden, er auch immer verspricht, anzurufen, es aber dann nicht tut. Wirklich enge Bindungen hat er keine, alles bleibt an der Oberfläche. Er sagt aber auch, dass ihn vermeintliche Erwartungen anderer unter Druck setzen, er habe den Kopf durch die Arbeit nicht frei, um sich mit anderen Dingen oder Menschen zu beschäftigen.
Mir kommt dann immer der Begriff "Work-Life-Balance" in den Kopf. Natürlich nimmt der Beruf viel Raum und Zeit - aber wenn es dazu führt, nicht mehr abschalten zu können und irgendwann allein dazustehen, weil Freunde zwar viel mitmachen, aber eben irgendwann auch resigniert und enttäuscht aufgeben, dann läuft doch etwas nicht rund?
Meinem Ex-Mann fehlt auch das Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen: Manchmal bringt er sehr extreme Äußerungen, bei denen man nur noch mit offenem Mund dasteht. Er macht Versprechungen, die er nie einhält. Oder er macht schlechte Witze auf Kosten anderer. Er hat von sich jedoch ein ganz anderes Bild, er hält sich für sehr sensibel, einfühlsam und kommunikativ.
Ich bin zeit unserer Beziehung daraus nicht schlau geworden, ich hatte nur den Eindruck, dass es mit den Jahren extremer wurde. Das Zusammenleben war auch aus diesen Gründen zuletzt kaum mehr möglich; wir haben uns völlig auseinandergelebt, u.a. weil Gemeinsamkeiten fehlten. Mir tut er irgendwie leid, weil ich denke, dass ihm doch was fehlen muss (also, mir würde was fehlen, wenn ich meine Freundschaften nicht mehr pflegen würde oder könnte und keine Zeit mehr für die schönen Dinge des Lebens wäre - denn das raubt mir keine Energie, sondern gibt mir welche!). Aber ihm scheint es noch so gut zu gehen, dass er nicht ernsthaft an einer Veränderung arbeitet.
Wenn du das Gefühl hast, dass du mit der Situation nicht mehr klarkommst und darunter leidest, dann würde ich mir professionelle Unterstützung suchen.
LG,
sandflohIst das Leben nicht schön!?
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25.01.2009, 17:37
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Ich weiß nicht, ob das was mit work-life-balance zu tun hat. Wohl eher damit, dass Lene es schon immer schwer gefallen ist, das zu tun, was im sozialen Miteinander gefordert wird.
Mir ist das auch lange schwer gefallen, und ich wusste nicht, woran es liegt, dass ich da nie so richtig reinpasse... irgendwann habe ich dann meinen Umgang mit anderen sehr bewusst gemacht, viel über andere Menschen nachgedacht, viel mit anderen über mein Verhalten gesprochen, und mittlerweile klappt es viel besser (denke ich jedenfalls).
Mir wurde dann mal von meiner Psychotherapeutin gesagt, dass ich das wohl nie von meinen Eltern gelernt habe, deswegen hätte ich es nie so "natürlich" gelernt wie andere Menschen, und musste es mir dann im Erwachsenenalter mühsam beibringen.
Wenn Lene schreibt, dass ihre Mutter nie Zeit für Freundschaften hatte, weil sie so viel gearbeitet hat, erinnert mich das recht stark daran, wie es mir geht/ging.
Mir hat die Psychotherapie da viel geholfen, aber auch einfach, dass ich es probiert habe (zB zu helfen, zu trösten). Oft fällt mir in der Situation nicht ein, was ich tun soll, und ich frage dann andere, was sie getan hätten, oder beobachte andere, was sie jetzt machen. Oder was sie machen, wenn ich in der Situation bin.
Lene, vielleicht hilft Dir das ja ein bisschen
Nur nicht die Hoffnung verlieren, Selbsterkenntnis ist ja bekanntlicherweise der erste Weg zur Besserung
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25.01.2009, 18:25Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Es gibt schon einige Leute, bei denen ich mich ausgenutzt fühle, wenn sie einseitig immer wieder auf mich zu kommen mit der Bitte um Hilfe. Ich habe manchmal auch das Gefühl, dass die eine oder andere versucht, mich mit Manipulation dazu zu bringen, zu helfen. Und ich bin immer dafür da gewesen, mir die Probleme meiner Freunde und Freundinnen anzuhören. Ich selbst habe meines Erachtens immer nur wenig von meinen Problemen erzählt. Mir fällt es auch schwer, Hilfe von anderen in Anspruch zu nehmen, denn es ist mir sehr unangenehm, andere mit meinen Problemen zu belasten, zumindest wenn ich weiß, dass sie selbst genug am Hals haben.
Wie schon gesagt, ist es mir oft auch lieber, einfach nur geringen Kontakt zu haben, weil mich der Umgang mit Menschen und auch mein Job sehr stressen.
Vielleicht bin ich seit meiner Kindheit auch zu einseitig auf Leistung fixiert (oder dressiert worden?) und zu wenig dazu erzogen worden, soziale Kompetenzen zu entwickeln.
Dann bin ich als Kind immer alleine unter vielen Erwachsenen gewesen und wurde von ihnen häufig mit ihren Problemen belastet, ohne dass meine Probleme gesehen wurden. Vielleicht rührt daher mein Gefühl totaler Überforderung. Z.B. benutzte meine Mutter mich dazu, ihre Eheprobleme bei mir abzuladen, weil sie keine Freunde hatte, mit denen sie hätte reden können. Ich war damals so um die 17 Jahre alt und hatte eigentlich mit meinen eigenen Problemen schon genug zu tun.
Was mir auch jetzt einfällt - meine Mutter hat sich seit meiner Schulzeit in fast alle meine Freundesbeziehungen eingemischt, sich meiner Freunde quasi bemächtigt. Sie hat irgendwann mehr Briefe an meine Freundinnen und ihre Eltern geschrieben als ich, hat mich immer gemahnt, ich müsse jetzt dran denken, zum Geburtstag zu schreiben, hat oft meine Briefe an meine Freunde gelesen und Vorschläge gemacht, was ich anders schreiben soll. Meine einzige unbelastete Freundschaft aus Schulzeiten ist mit einer Freundin, bei der sie mit ihrer Masche nicht landen konnte.
Vielleicht ist da einiges kaputt gemacht worden, was mir ein unbeschwerteres Umgehen mit Freundschaften ermöglicht hätte.
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25.01.2009, 18:36
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Lene,
viele Menschen haben von ihren Eltern schwere Pakete mitbekommen. (Viele deutlich Schwerere.)
Aber irgendwann als Erwachsener kann man sich nicht mehr dahinter verstecken. Man hat nur das eine Leben.
Wenn du träumen könntest, wie würdest du dir dein Leben wünschen? Wie wäre für dich der ideale Umgang mit anderen Menschen?
Zu dem was du sagst. Fühlst du dich eher ausgenutzt oder hast du eher Schuldgefühle? Helfen dir diese Freunde auch, oder würden sie dich im Stich lassen? Ließen sie dich schon einmal im Stich? Hast du einen Partner mit dem du diese Sachen besprichst?Geändert von rosario (25.01.2009 um 18:42 Uhr)
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25.01.2009, 18:49
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Die Frage habe ich mir auch beim Lesen des Eingangspostings gestellt.
Letztlich geht es ja nicht darum, die Erwartungen anderer zu erfüllen, sondern für sich selbst einen Weg zu Glück und Zufriedenheit zu finden. Und wenn man nun mal mehr Zeit als manch anderer braucht, um für sich zu sein und wieder aufzutanken, dann darf man sich diese Zeit auch nehmen. Gleichzeitig muss man aber eben auch damit leben, dann vielleicht nicht den riesigen Freundes- und Bekanntenkreis zu haben, sondern nur einige ausgewählte Freunde, deren Gegenwart man als Bereicherung empfindet.
Eine Freundin, die ihre Freunde ausschließlich an der Bereitschaft misst, ihr zu helfen, wäre für mich keine Freundin. Klar, ein gewisses Maß an Hilfsbereitschaft gehört zu einer Freundschaft dazu, genau wie ein halbwegs regelmäßiges und funktionierendes Meldeverhalten. Aber man muss sich auch nicht komplett verleugnen.
Ich bin auch jemand, der gern und gut allein sein kann. Eine Freundin von mir hat sich hingegen, so lange sie allein lebte, jeden Abend stundenlang ans Telefon gehangen, weil ihr zu Hause die Decke auf den Kopf fiel. Ich finde, beides ist legitim, man braucht dann halt nur das Umfeld, das dazu passt.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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25.01.2009, 18:55
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Den Ausspruch dieser Freundin muss man im Kontext sehen. Sagt sie das, nachdem sie (wiedereinmal?) mit einer Ausrede abgewiesen wurde - kann ich das sehr gut verstehen.
Ich denke auch, das hier zwei Sachen vermischt wurden.
Einmal das generelle Nähebedürfnis. Das sehr unterschiedlich sein kann, aber jedes davon, viel bis wenig, akzeptabel ist.
Und einmal der Aspekt des Helfens, des menschlichen Miteinanders etc. Und da wird es schwieriger.Geändert von rosario (25.01.2009 um 19:06 Uhr)
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25.01.2009, 19:54
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Hallo Lena,
ich finde, du widersprichst dir selber. Im ersten Beitrag schreibst du:
dann, im zweiten Beitrag, schreibst du dieses:Mir passieren immer wieder Fehler im Umgang mit anderen Menschen. Schon seit meiner Jugend habe ich immer wieder das Gefühl, dass ich oft nicht kapiere oder mitbekomme, was andere mir sagen wollen, sogar ganz offensichtliche Dinge übersehe ich. Oft läuft das darauf hinaus, dass ich versäume, anderen behilflich zu sein oder auf das von ihnen Gesagte einzugehen. Ich merke oft erst Stunden später, was ich da wieder verpatzt habe und hasse mich selbst dafür, manchmal so, dass es mir richtig schlecht geht. Ich kann mir auch so viel Mühe geben, wie ich will, es passiert mir seit nun über 25 Jahren immer wieder. Einen Freund bringt mein Verhalten sogar regelmäßig zum Ausrasten. Er meinte schon zu mir, ich wüsste nicht, wie man sich benimmt.
Hilfst du nun den Leuten oder hilfst du ihnen nicht?Es gibt schon einige Leute, bei denen ich mich ausgenutzt fühle, wenn sie einseitig immer wieder auf mich zu kommen mit der Bitte um Hilfe. Ich habe manchmal auch das Gefühl, dass die eine oder andere versucht, mich mit Manipulation dazu zu bringen, zu helfen. Und ich bin immer dafür da gewesen, mir die Probleme meiner Freunde und Freundinnen anzuhören. Ich selbst habe meines Erachtens immer nur wenig von meinen Problemen erzählt. Mir fällt es auch schwer, Hilfe von anderen in Anspruch zu nehmen, denn es ist mir sehr unangenehm, andere mit meinen Problemen zu belasten, zumindest wenn ich weiß, dass sie selbst genug am Hals haben.
Du sollst ja auch nicht pausenlos als der gute Engel durch die Gegend laufen, aber wenn deine beste Freundin Probleme hat und du kümmerst dich nicht darum. ist sie dir auch nichts wert.
Wenn dein Job dich so fordert, dass du keine Kraft mehr für etwas anderes hast, solltest du überlegen, ob du da nicht etwas ändern kannst.
Kitta


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