Im Netz habe ich eine Seite mit ausführlichen Erklärungen, was Ennegramm ist, will und kann und den Typenbeschreibungen von Typ 1-9 gefunden: Ennegrammseiten/Typenlexikon
Dazu gibt es Rezensionen über Bücher zu diesem Thema und ein Lexikon.
Danke für die Anregung, Malina.
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Thema: Fehler im Umgang mit anderen
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26.01.2009, 23:09
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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27.01.2009, 12:13Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Da ist was dran.
Es gibt aber auch viele Menschen, die genau umgekehrt reagieren wie Du: Sie halten es in (fast) jedem Fall für angebracht, über Dinge zu reden. Diese Menschen nehmen dann nicht wahr, dass für Andere gemeinsames Schweigen sehr wohltuend sein kann. Ich habe das Gefühl, es ist sozial eher akzeptiert, zur "Wir müssen darüber reden"-Fraktion zu gehören.
Ich schreibe da auch ein wenig aus eigener Erfahrung: Wenn mich Dinge sehr aufwühlen, will ich auch nicht mit jedem und nicht jederzeit darüber reden. Manche Menschen sind aber selbst ernannte Hobbypsychologen, die nicht nur nicht schweigen können, sondern mir noch lang und breit erklären, was ich in welcher Situation gefühlt habe. Proteste dagegen nutzen nichts, der Hobbypsychologe hat Recht und will um jeden Preis sein Helfersyndrom ausleben - so lange, bis der mit unerwünschter Hilfe Beglückte ganz wuschig im Kopf wird. Ich schreibe bewusst so überspitzt und polemisch, weil ich ganz bestimmte Personen aus dem RL im Hinterkopf habe. Ich nenne das Verhalten der zwanghaften Quatscher und Hobbypsychologen "Gefühlsdiebstahl".
Sie nehmen das Bedürfnis der anderen nach Stille auch nicht wahr.
Nach meinen Eindruck wird dieses Hobbypsychologentum aber durchaus von einer Mehrheit der Menschen akzeptiert und sogar häufig mit "Herzenswärme" und "sozialer Kompetenz" gleich gesetzt. Wahrscheinlich ist auch dieses Hobbypsychologentum zu einem gewissen Grad erlernt.
Ich sehe es - Du ahnst es! - nicht so.
Ein wirklich guter Freund ist für mich jemand, mit dem man auch gemeinsam schweigen kann. (Übrigens nicht im Widerspruch zu dem, worüber wir uns neulich im Freundschaftsforum unterhalten haben. Reden ist gut, andere verbal ausziehen mag ich aber nicht.)
Ideal wäre es, wenn man genau spüren könnte, wer Schweigen braucht und wer Reden (oder praktische Hilfe). Und wenn das Gegenüber dann noch ähnlich tickte.
Wer kann das schon? Manche können es wohl besser als andere, aber es bleibt eine Gratwanderung.
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27.01.2009, 19:41Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Das Gefühl habe ich auch. Gerade von Frauen wird so ein Verhalten oft erwartet. Denn Frauen (so die Meinung) sind ja von Natur aus sehr mitteilungsbedürftig und können außerdem besonders gut trösten (ich und einige andere hier fallen da wohl einfach aus dem Rahmen
).
Ich stelle immer mehr fest, dass ich nicht in der Lage in, mich in solchen Situationen unbegrenzt zu 'verbiegen'. Ich biete gerne meine Hilfe an, praktisch oder auch was ein Redebedürfnis der anderen Person angeht (kann ganz gut zuhören und arbeite daran, aufbauende Bemerkungen einzubringen), aber ich werde eben nie zur 'Hobbypsychologin' werden - und finde das ist auch OK.
Ich habe lange gebraucht, um halbwegs abwägen zu können, wo ich mir mit meinem Verhalten selbst ein Bein stelle (weil ich als kompletter sozialer Trampel rüberkomme) und wo ich eine Grenze ziehen muß, weil ich mich sonst selbst aufgeben würde.
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27.01.2009, 19:54Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Ja, aber man kann doch sagen: "Heh, ich denke, du meinst es gut, aber ich möchte darüber nicht sprechen oder nicht weiter sprechen
".
Und hat man es nicht vorher schon angesprochen, bevor der andere in sein für Euch extrovertiertes Tröstungsverhalten übergeht. Sonst wüsste es der Andere doch gar nicht?
Ist es dann nicht ein bisschen wie:
A: "Frag mich mal, wie es mir geht?"
B: "Wie geht es dir?"
A: "Ach, frag' mich lieber nicht!"
Ich habe es ja gerne, dass ich dann jemanden habe, der das Thema ausgiebig mit mir hin und her wendet. Sonst hätte ich es ja gar nicht gesagt bzw. angesprochen oder dann eher selten gleich dazu gesagt, dass ich es nur anritzen möchte.
Ich mag die Enneagrammtheorie nicht, finde sie sogar abstoßend.Geändert von Inaktiver User (27.01.2009 um 19:58 Uhr)
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27.01.2009, 20:05
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Das stimmt wohl, aber ich habe manchmal das Gefühl, "Quasselstrippen" und "Lieber schweigende" sprechen vollkommen unterschiedliche Sprachen, weswegen der Schweiger seine Nachricht in einer Sprache sendet, die die Quasselstrippe einfach nicht versteht. Wahrscheinlich führt das dazu, dass der stille Typ genervt ist, und gar nichts mehr sagt, oder defensiv wird, und die Quasselstrippe versteht die Welt nicht mehr.
(Das ist, wie wenn die Katze mit dem Schwanz rumstreicht, weil sie gereizt ist und der Hund interpretiert das als Freude und bedrängt die arme defensiv gewordene Katze...).
Da wäre es doch sinnvoll, wenn es Übersetzer gäbe, oder der Schweiger oder die Quasselstrippe die jeweilige "Fremdsprache" erlernen. Würde sicherlich das Miteinander erleichtern.Avatar made by Betsi!
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27.01.2009, 20:27Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Hmmm... das kann ich leider nur mit "ja, aber..." beantworten.
Bootsfrau und ich kennen uns kaum, aber wir haben neulich in einem anderen Strang über etwas Ähnliches diskutiert. Ich vermute, dass ich ein ganzes Stück extrovertierter bin als sie. Ich kann nur für mich reden: Manchmal habe ich durchaus das Bedürfnis, über Probleme zu reden, aber nicht immer und nicht mit jedem über jedes Thema.
Ich glaube übrigens, dass ich im Schriftlichen gesprächiger bin als bei direktem Kontakt (mit Ausnahmen auf beiden Seiten).
Soziales Miteinander ist immer ein Abwägen und Austarieren. Ich stehe schon auf dem Standpunkt, dass auch der einfühlsamste Mensch keine Gedanken lesen oder riechen kann, ob und wann ich reden möchte.
Ich hatte vorhin ganz konkret meine Mutter im Hinterkopf, als ich den Beitrag geschrieben habe. Sie ist jemand, der ein Nein nicht akzeptiert. Als ich ein Kind war, gab es eine Situation, die die ganze Familie sehr belastet hat. Details möchte ich hier nicht nennen. Sie hat damals bestimmt, wann darüber geredet wurde (ständig!) und wer was gefühlt hat. Habe ich protestiert, hieß es immer: "Nein, Du hast das so und so gesehen!" Das meine ich mit Gefühlsdiebstahl. Mich hat das damals psychisch sehr aus der Bahn geworfen. Ich habe wirklich gedacht, ich drehe durch; meinen Gefühlen habe ich schon gar nicht mehr getraut. Meine Mutter bzw. beide Eltern haben übrigens einen riesigen Freundes- und Bekanntenkreis, der die damalige Situation auch mitbekommen hat. Sie galt als sozial und einfühlsam; dass ich (und meine Schwester auch) fast durchgedreht sind, wollte keiner sehen. Äußerlich waren wir ja auch "normal" und haben funktioniert.
Das alles ist lange her, und hier wurde ja schon gesagt, dass man sich nicht immer auf die Kindheit zurückbeziehen sollte. Stimmt auch. Aber mein tiefes Misstrauen gegen die "Wir müssen darüber reden"-Fraktion ist geblieben.
Nachtrag: Meine Mutter ist übrigens nicht der einzige Mensch aus dieser Fraktion. Ich habe im Laufe des Lebens noch mehr davon kennengelernt.
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27.01.2009, 20:45Inaktiver User
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27.01.2009, 20:53
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27.01.2009, 21:05
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Warum abstoßend? Weil sie Menschen in Schubladen sortiert? Aber das tut ja letztlich jede Typenlehre.
Und ich glaube auch nicht, dass es eine Typenlehre gibt, die alle Menschen erfasst. Ich z.b. konnte mit Myers-Briggs nicht viel anfangen. Andere haben da ihr Aha-Erlebnis. Warum auch nicht? Wenn es hilft, einen besseren Zugang zu sich selbst zu finden...
Mein Ex-Freund, der mich auf das Enneagramm gebracht hat, hat mir gesagt, er habe mich darin total wiedergefunden, und wenn er das vorher gekannt hätte, hätte er viel mehr von mir verstanden, was ich ihm so auch nicht sagen konnte, weil es mir nicht bewusst war. Plötzlich war uns beiden klar, warum ich mich in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Weise verhalten habe. Das war ungeheuer erhellend. Er selbst hat sich im Enneagramm gar nicht so stark wiedergefunden, und ich ihn auch nicht, allenfalls in Ansätzen.
Von daher würde ich da auch keine Wissenschaft oder dogmatische Lehre draus machen und schon gar nicht jeden Menschen krampfhaft da einsortieren. Aber wenn es passt, ist es wirklich faszinierend.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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27.01.2009, 21:14Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Das könnte eine Beschreibung meiner Mutter sein
.
Vermutlich bin ich auch aufgrund gewisser Kindheitserfahrungen etwas 'allergisch', wenn ich auf Menschen treffe, die mich auch nur im entferntesten an meine Mutter erinnern.
@herbstblatt: du hast natürlich Recht, eigentlich sollte es möglich sein, seine Wünsche bezüglich des vorhandenen/nicht vorhandenen Redebedürfnis oder getröstet werden wollens zu artikulieren.
Allerdings habe ich auch oft das Gefühl dass, wie von Hasi bemerkt, verschiedene Sprachen gesprochen werden.
Ich fühle mich schnell bedrängt, jemand anders fühlt sich wahrscheinlich von mir zurückgewiesen.
Funktionieren kann eine solche Freundschaft trotzdem, aber da ist Verständnis von beiden Seiten wichtig.
Es gibt Menschen, die schaffen es, im richtigen Moment das Richtige zu sagen oder zu tun, und sind dabei mitfühlend ohne aufdringlich zu sein. Das ist ziemlich schwer, und ich gehöre leider nicht zu diesen Menschen.Hallo Bootsfrau,
was verstehst Du unter "gut trösten können"? Deine ganz persönliche Definition würde mich jetzt sehr interessieren.
Mein Eindruck ist, dass Menschen besonders gut trösten können, die mit sich im Reinen sind. Das gilt aber für Frauen und Männer.


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