Mir kommt vieles von dem, was du schreibst, bekannt vor.
Was das Thema mit der Verarbeitung von Eindrücken angeht: ist es möglich, dass du ein introvertierter Mensch bist?
Introvertiertheit hat entgegen der landläufigen Meinung nichts mit Schüchternheit u.ä. zu tun, es geht bei der Unterscheidung zwischen introvertiert und extrovertiert darum, wie ein Mensch auf seine Umwelt reagiert und wie sein Gehirn Reize verarbeitet. So eine 'Reizüberflutung' ist etwas, was sehr typisch für introvertierte Menschen ist. Bei manchen ist es mehr ausgeprägt, bei manchen weniger.
Es gibt zu diesem Thema gute Literatur, bei Interesse kann ich dir gerne mehr dazu schreiben.
Mir ging/geht es oft ähnlich wie dir. Ich mußte in kleinen Schritten mühsam lernen, mich in sozialen Situationen zurechtzufinden. Neben meiner persönlichen Veranlagung (eben introvertiert) lag das wohl auch an der Tatsache, dass als Kind und Jugendliche viele Dinge nicht 'erlernt' hatte, die für andere Menschen selbstverständlich sind.
Besonders anderen Unterstützung auf emotionaler Ebene zu geben fällt mir immer noch schwer. Aber gerade das kann natürlich eine Freundschaft belasten.
Ich kann dir auch nicht so richtig einen Rat zur Verbesserung der Situation geben. Wie gesagt, ich knabbere selbst noch an diesen Problemen.
Aus deinem Beitrag klingt heraus, dass du im Moment nicht so richtig weiter weißt. Hast du mal über eine Therapie nachgedacht?
Das ist sicherlich nicht unbedingt der einzig richtige Weg. Aber wenn man gedanklich und gefühlsmäßig sehr durcheinander ist, kann einem das helfen.
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Ergebnis 11 bis 20 von 34
Thema: Fehler im Umgang mit anderen
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25.01.2009, 22:09Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
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25.01.2009, 22:11Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Hallo Kitta,
beides stimmt, ich habe geholfen, auch durch Zuhören, wenn Freunde von ihren Problemen erzählten. Auch meiner Bekannten, die eben nicht meine beste Freundin ist und im Gegensatz zu meinen anderen Freunden ziemlich oft mit der Bitte um Hilfe zu mir kam, obwohl ich sie so gut und lange noch nicht kannte und ich sie noch nie um Hilfe gebeten hatte. Sie dagegen definiert es schon als Hilfe ihrerseits, mir einen Einkaufstipp zu geben, eine Info, über die sie sowieso schon verfügte. Sie ist auch um einiges älter als ich und ich hatte wirklich manchmal das Gefühl, dass ich der Hilfsdepp für sie bin. Ich habe bei ihr ganze Nachmittage damit verbracht, ihr bei Sachen zu helfen, die ihr zu viel waren und das wurde mir irgendwann zu viel.
Das andere ist die Tatsache, dass ich manche Dinge im Umgang miteinander nicht mitbekomme und dadurch manchmal versäume, darauf einzugehen.
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25.01.2009, 22:24Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Hallo bootsfrau,
das ist ja ganz toll, was Du da schreibst - genau so ist es! Und ganz toll die Info, was Introvertiertheit bedeutet. Das wusste ich bis eben nicht. Genauso habe ich es immer empfunden und dachte, ich sei vielleicht autistisch veranlagt. Dass es bei Introvertiertheit auch so ähnlich sein kann, wusste ich nicht. Das hilft mir ganz viel weiter, weil ich jetzt weiß, dass ich dann kein so seltener Einzelfall bin und muss mich nicht mehr so anders fühlen!
Das Buch würde mich sehr interessieren, vielleicht kannst Du mir den Titel mailen?
Mir geht es ganz genauso wie dir. Ich habe teilweise auch schon langsam gelernt, mich in sozialen Situationen zurechtzufinden. Und als Kind und Jugendliche habe ich glaube ich auch viele Dinge nicht gelernt, die für andere Menschen selbstverständlich sind, dadurch dass ich Einzelkind war, wenig Spielgefährten hatte und auch dadurch, dass meine Eltern kaum Verkehr mit Freunden hatten.
Auch mir fällt es schwer, anderen Unterstützung auf emotionaler Ebene zu geben und das fand ich immer sehr belastend, weil ich es ja gerne gekommt hätte. Aber auch das versuche ich zu lernen, und in letzter Zeit ist es mir teilweise sogar ziemlich gut gelungen, was mir viel Auftrieb gegeben hat. Ich denke, ich werde weiter in der Richtung arbeiten.
Durch die Rückmeldungen hier habe ich eine sehr gute Orientierungshilfe bekommen - dankeschön Euch allen!
Lene
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25.01.2009, 22:36Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
@ Bootsfrau - es würde mich freuen, wenn du deine Buchempfehlung hier nennen könntest, auch mich interessiert das Thema sehr.
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26.01.2009, 07:33Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Mein Lieblingsbuch (gibt es leider nur auf Englisch) zu dem Thema ist "The Introvert Advantage: How to Thrive in an Extrovert World" von Marti Olsen Laney. Die Autorin beschäftigt sich in dem Buch sehr ausgiebig mit dem Thema Introvertiertheit, mir hat das an vielen Stellen die Augen geöffnet.
Auch ein gutes Buch ist "Party of One" von Anneli Rufus, da geht es aber eher um eine kulturhistorische Betrachtung.
Auf Deutsch gibt es das Buch " Versteh Mich Bitte"
von David Keirsey und Marilyn Bates, dort geht es um eine (sehr detaillierte) Einteilung in verschiedene Persönlichkeitstypen, und welche introvertierten Typen es gibt.
Bei Interesse könnt ihr auch mal nach dem Myers Briggs Typenindikator googlen. Man kann online einen kleinen Test machen, zu welcher Persönlichkeitsgruppe man gehört. Solche Tests sind natürlich immer etwas "stereotyp", aber mir hat das weitergeholfen.
Ich habe in den Beschreibungen viele Dinge wiedergefunden, von denen ich immer dachte, dass betrifft nur mich alleine und wäre ein Zeichen dafür, dass ich irgendwie abartig bin
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26.01.2009, 11:57
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Der kostet doch sicher was, der Test, oder?
Ich glaube, mein ehemaliger Chef hat den auch mal machen müssen (von der Kanzlei aus), ich habe da mal beim Aufräumen von seinem Schreibtisch so was gefunden...
Interessant sowas... Ich weiß aber von mir beispielsweise ganz sicher, dass ich ein sehr extrovertierter Typ bin und schnell mal die Leute überfahre, nerve und ihnen einfach zu sehr auf die Pelle rücke, zu neugierig bin. Das ist halt das andere Extrem - ich musste lernen, mal meine Klappe zu halten, und auch den anderen zuzuhören, auf ihre Bedürfnisse zu achten und nicht immer das zu machen, was ich jetzt will.
Lene, die Geschichte mit Deiner "Bekannten" wirkt auf mich nicht so, als ob Du das Problem hast, sondern eher sie! Nach dem, was Du erzählt hast, scheinst Du ja mit Deinen sonstigen Freunden nicht solche Probleme zu haben.
Das mit der Unterstützung auf emotionaler Ebene ist auch für mich eine schwierige Sache. Habe aber letztens mitbekommen, wie ein Freund zu einer Freundin von mir, die wegen eines Arztbesuchs sehr aufgewühlt war, nur sagte: "Also, wenn Du drüber reden willst", und sie dann mit einer Packung Gummibärchen in Ruhe gelassen hat. Nach fünf Minuten ging es ihr dann schon besser...
Da hat man dann zwar nicht das Gefühl, "viel getan zu haben", aber für eine Person mit Problemen ist es vielleicht besser, reden zu können, wenn man will, und nicht mit Tipps überhäuft zu werden und emotional erdrückt zu werden, wenn man gerade einfach nur seine Ruhe haben will.
Hängt aber vielleicht auch vom Typ Mensch ab, der hilfsbedürftig ist.Avatar made by Betsi!
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26.01.2009, 13:32Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Wenn man das professionell (beim Psychologen oder so) machen lässt, kostet das sicher etwas.
Es gibt aber im Internet kostenlose Testangebote. Wie gesagt, die Ergebnisse sind da sicherlich nicht so differenziert.
Aber es ist doch erstaunlich, wieviel man über sich lernen kann, vor allem, wenn man sich vorher mit bestimmten Themen noch nicht beschäftigt hat. Genau wie Lene habe ich oft das Gefühl gehabt, autistische Züge zu haben. Und es hilft einem ein ganzes Stück weiter, wenn man diese Eigenschaften richtig einordnen kann.
Das mit der emotionalen Unterstützung hat sicherlich viel mit 'erlernten' Fähigkeiten zu tun. Und es gibt nicht unbedingt ein richtig oder falsch.
Wenn man selber ein Typ ist, der bestimmte Dinge eher nicht bereden will (ist bei mir so), dann ist es ganz schwierig, wahrzunehmen ob andere Menschen vielleicht in einer bestimmten Situation Zuspruch oder Hilfe erwarten.
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26.01.2009, 14:55
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Hallo zusammen,
als sehr hilfreich in diesem Zusammenhang habe ich auch die Bücher von Richard Rohr und Andreas Ebert sowie Helen Palmer zum Thema Ennegramm empfunden (lässt sich auch einiges zu googeln, wobei der Test, den man online machen kann, m.E. nicht so aussagekräftig ist).
Introvertierte Menschen gehören oft zum Typ Fünf, und was ich über diesen Typen dort gelesen habe, war eine bis ins Detail exakte Beschreibung meiner Persönlichkeit. Sowas habe ich noch in keiner Typologie erlebt. Für mich war das extrem hilfreich, mich selbst zu verstehen und auch von Zeit zu Zeit mal bewusst gegen meine Natur zu verstoßen, um mein Handlungsspektrum zu erweitern.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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26.01.2009, 20:11Inaktiver User
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Ja, das Thema Enneagramm finde ich auch interessant. Es ist teilweise erschreckend, wie gut die Typenbeschreibungen zutreffen (bin auch eine Fünf
). In den genannten Büchern wird ja, wenn ich mich richtig erinnere, auch auf die Beziehungen zwischen den Typen eingegangen, oder?
Das fand ich auch sehr interessant und hilfreich.
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26.01.2009, 20:56
AW: Fehler im Umgang mit anderen
Ja, das fand ich auch sehr interessant. Unter ennegrammportal.de gibt es auch eine Rubrik mit Interviews mit den unterschiedlichen Typen, die ich auch hochspannend fand.
Wobei man natürlich auch sagen muss, dass nicht jeder sich darin wiederfindet. Ist halt so wie bei allen Typenlehren, für den einen passt es, für den anderen nicht.
Aber bei lenas Selbstbeschreibung musste ich spontan an den Fünfertypen denken.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)



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