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Thema: Rumheulen
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19.01.2009, 21:22
AW: Rumheulen
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19.01.2009, 22:26Inaktiver User
AW: Rumheulen
Vielleicht interessiert diese Textpassage:
Der im Weinen erlebte Schmerz ist aber in Wirklichkeit natürlich kein „alter Schmerz“, keine „alte
Trauer“, keine „alte Verzweiflung“. Die Gefühle sind stattdessen ganz und gar gegenwärtig und real
im Hier und Jetzt – genau das macht’s ja so schmerzhaft. Antonio Damasio (1997) spricht von
somatischen Markern: jede emotionale Episode erstellt Verknüpfungen zwischen Kognitionen und
affektiven Körperzuständen. Unsere emotionale Vergangenheit ist also über die somatischen Marker
tief in unserem Körper verankert. Erinnerung geschieht mit Aktivierung des affektiven Körpers im
Hier und Jetzt.
Beim Weinen wird also nichts Altes ausgeschieden. Sondern ein bisher in Schach gehaltener Teil
drängt ins Bewusstsein, und kann dadurch ins affektive Selbst integriert werden.
Bei einer Aktivierung vor-sprachlich entstandenen Schmerzes, geht das nicht so leicht. Hier braucht
es erst eine „Bebilderung“ der Affekte. Die Affekte suchen sich dann nicht selten eine kognitive
Gestalt. Das Weinen wird dann oft durch fremde Szenen (aus Filmen oder der Literatur) ausgelöst.
Man weint dann unter Umständen heftig und immer wieder über das Schicksal eines fiktiven Helden
– ganz wie in der griechischen Tragödie. Integrierend wird das erst dann, wenn dieses Schicksal mit
dem eigenen verbunden wird – und sich am Ende eine mehr oder weniger „vollständige“ Gestalt des
affektiven Selbst entwickelt, die auch diese frühen schmerzlichen Aspekte beinhaltet.
Und eben dabei können Lächeln, Lachen und Humor helfen.



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