Hallo zusammen,
das Thema sagt es schon: Ich möchte (wieder) lernen, Zugang zu mir selbst zu finden. Leider weiß ich nicht, wie ich dies anstellen soll....
In den letzten Jahren war ich sehr beschäftigt und hatte nicht die Zeit - oder nahm sie mir nicht - mich mit mir selbst zu beschäftigen.
Ich beendete mein Studium und ging dann zunächst in ein Angestelltenverhältnis. Dann entschied ich mich für den Aufbau einer selbständigen Tätigkeit und habe hierfür sehr viel Zeit und Kraft investiert (das Übliche eben beim Aufbau einer Existenz). Gleichzeitig war ich sehr intensiv (zeitlich und emotional) ehrenamtlich in einem gemeinnützigen Verein eingebunden und habe dann zusätzlich die Promotion in Angriff genommen, für die die Abende und die Wochenenden blieben (wenn ich nicht ehrenamtlich eingebunden war). Sehr viel Zeit und Energie investierte ich auch in die Suche nach einem Partner und durchlebte leider zwei sehr enttäuschende, schmerzhafte Erfahrungen. Letztlich gab es Sorgen im familiären Umfeld (Pflegefälle, Tod).
2006 bin ich aus der Partnersuche bis auf Weiteres ganz bewusst ausgestiegen, um diesbezüglich zur Ruhe zu kommen. Das war für mich ein wichtiger Schritt und das ist auch der Status quo. Die ehrenamtliche Tätigkeit habe ich Ende letzten Jahres abgegeben, nachdem ich merkte, dass die Mehrfachbelastung auf Dauer nicht durchzuhalten war, ohne dass meine berufliche Tätigkeit litt. Die Promotion steht vor dem Abschluss und meine selbständige Tätigkeit ist aus den Kinderschuhen heraus - ich kann ein wenig aufatmen.
Ich habe mehr Zeit. Nun bin ich Mitte 30 und möchte mir darüber im Klaren werden, was ich privat und beruflich auf Dauer möchte. Trotz der beiden Enttäuschungen möchte ich nicht lebenslang auf einen Partner verzichten. Aber ich finde keinen Zugang zu mir selbst! Möchte ich wirklich wieder einen Partner, oder möchte ich alleine leben? Wie stelle ich mir eine Beziehung vor, falls ich denn eine möchte?
Beruflich bin ich mir nicht sicher, ob ich diesen Beruf lebenslang ausüben möchte, oder ob ich ihn zwar ausüben möchte, aber nicht in der jetzigen Form (arbeite allein von daheim aus - bis auf Kundentermine).
Ich spüre eine innere Unruhe, die ich nicht genau festmachen kann, die aber ganz klar da ist.
Es gibt keinen Grund, von heute auf morgen Antworten zu finden, aber ich spüre, dass da etwas in mir nach außen drängt.
Nur wie kann ich herausfinden, was es ist? Bevor ich nicht Klarheit habe, würde ich keine übereilten Entscheidungen treffen wollen. Wenn ich Klarheit hätte, wäre ich auch zu weitreichenderen Änderungen bereit.
Der Markt an "Selbstfindungsangeboten" ist groß, unübersichtlich, teuer und die Seriosität ist für mich oft fraglich.
Ist hier jemand, der (wieder) Wege gefunden hat, zu seiner inneren Stimme Kontakt aufzunehmen - und falls ja, wie?
Viele Grüße
Perlensucht
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Thema: Zugang zu sich selbst finden
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28.12.2008, 20:37Inaktiver User
Zugang zu sich selbst finden
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28.12.2008, 20:52
AW: Zugang zu sich selbst finden
Ich kann da nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten: Ich versuche, wieder mehr von dem zu machen, mit dem ich früher, als das Leben noch nicht so kompliziert war ( klingt komisch, aber genau so ist es...kompliziert, aber eigentlich auch viel spannender als früher!) gern gemacht habe: Lesen, vor allem auch die Bücher, die früher meine Lieblingsbücher waren, Sport, spazieren gehen.
Beim Lesen der "alten " Bücher hab ich wieder gemerkt, was mir daran gefallen hat und mich auch wieder daran erinnert, warum. Diese Seite an mir, nämlich die ganz furchtbar romantische, hab ich irgendwie lange beiseite geschoben gehabt.
Und beim Spazieren gehen, in Ruhe und alleine, lass ich meinen Gedanken freien Lauf. Da kommen manchmal ganz verrückte Ideen zum Vorschein. Manche führ ich aus, manche nicht...
Auf jeden Fall geht es mir dann besser.
Und was die Partnersuche angeht, da denk ich immer noch, dass der Richtige irgendwann kommt. Ob ich ihn suche oder nicht!
Ich wünsche dir viel Erfolg, bei all deinen Vorhaben!
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28.12.2008, 21:07Inaktiver User
AW: Zugang zu sich selbst finden
Hallo realitaet!
Danke für Deine Antwort!
Die Dinge, die Du aufgezählt hast, liebe ich auch sehr und habe sie auch in den letzten Jahren immer beibehalten. Ich war viel in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und habe da massenweise Bücher gelesen und ich lese abends vor dem Einschlafen, habe auch immer meinen Sport mehrmals in der Woche beibehalten und gehe und ging sehr viel spazieren - dies mag ich allerdings nicht so gerne allein. Zumindest einen Hund habe ich dann gerne als Begleitung dabei.
Was sich bei mir aber seit dem Studium geändert hat, ist, dass ich sehr viel allein bin, da ich von daheim aus arbeite. Ich lebe mittlerweile doch recht zurückgezogen.
VG
Perlensucht
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28.12.2008, 21:16
AW: Zugang zu sich selbst finden
Meinen Zugang zu mir und zu dem was ich wirklich im Leben möchte, habe ich nur über die Ruhe gefunden. Wobei die äußere Ruhe irgendwann auch zur inneren führte.
Genau wie du bin ich nur durch's Leben so durchgefetzt. Habe Kinder bekommen und mich in die Erziehung und den Haushalt gekniet. Mich danach selbstständig gemacht und das eben Genannte mal eben "nebenbei" gemacht. Dann hab ich die Trennung von meinem Ex durchgezogen, mich in unsinnige Liebschaften gestürzt und 'nen festen Job angenommen. Natürlich ganztags. Iss ja klar. Irgendwann ging ich mir selbst bei all dem verloren. Das ging sogar so weit, dass ich nicht mal mehr wusste, ob mir irgend ein Dekoartikel gefällt oder nicht. Ich hab dann tatsächlich überlegt, wie andere mir wichtige Menschen ihn finden würden.
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Die "Hilfsmittel", die mir geholfen haben, wieder einen Zugang zu mir selbst zu finden waren:
*eine Auszeit bzgl. Liebesangelegenheiten
*Delegieren (Kinder helfen im Haushalt)
*bewusst eingelegte Pausen (z.B. Cappuccino trinken ohne dabei zu lesen oder sonstwas zu wurschteln)
*meditieren
*Musik hören die mich beruhigt und auf Normalnull runterfährt
*Affirmationen
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28.12.2008, 21:19
AW: Zugang zu sich selbst finden
Hallo,
ich kann Dir Tagebuch schreiben und Seele baumeln lassen empfehlen. Ansonsten kommt mir vieles, was Du beschreibst, sehr vertraut vor.
Drück' Dir die Daumen. Das wird schon. Grüße hippchen
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28.12.2008, 21:22Inaktiver User
AW: Zugang zu sich selbst finden
Hallo beklamo,
danke für Deine Liste
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Ja, das mit den Liebesangelegenheiten habe ich ja auch erkannt und durchgeführt. Das mit den Pausen mache ich auch (z.B. hier, man sieht es an der Zahl der Beiträge
). Das Meditieren habe ich probiert, allerdings in einer Zeit, da es mir wegen einer Beziehung sehr schlecht ging - ich konnte mich keine Sekunde konzentrieren! Vielleicht sollte ich es nochmal versuchen!
Neulich habe ich begonnen, mich mit Selbsthypnose zu beschäftigen, allerdings unter fachmännischer Anleitung. Aber die Stunden sind so teuer, dass ich davon wieder abgekommen bin.
Was sind denn Affirmationen?
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28.12.2008, 21:24Inaktiver User
AW: Zugang zu sich selbst finden
Hallo hippchen,
Tagebuch führe ich seit meiner Jugend, aber wenn ich mit mir nicht so im Reinen bin, kann ich mich kaum dazu aufraffen....Habe es mir nun für die Zeit zwischen den Jahren vorgenommen, fällt mir aber gerade wieder sehr schwer, leider.....
Seele baumeln lassen fällt mir auch schwer, wenn ich diese innere Unruhe verspüre. Selbst auf einen Film kann ich mich dann kaum konzentrieren.
In Zeiten innerer Unruhe räume ich sehr viel auf und sortiere Sachen aus (bald habe ich keine mehr ;-)). So als würde ich versuchen, durch äußere Ordnung eine innere Ordnung/Ruhe zu erreichen.
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28.12.2008, 21:41
AW: Zugang zu sich selbst finden
Hallo,
ich kenne das mit der Inneren Unruhe, die einen davon abhält nur allzu gut. Auch die Tatsache, dass man das Tagebuch schreiben schnell mal "vernachlässigt" wenn's einem schlecht geht und man es eigentlich erst richtig bräuchte.
Das mit der Inneren Unruhe gibt sich bei mir aber auch gerade durch das Schreiben. Ich fange dann bspw. an, in dem ich eine Art Sonne male. Ich stehe im Mittelpunkt und darum herum notiere ich alles, was mich gerade bewegt - worüber ich noch mal ausführlicher nachdenke. Das pinne ich mir schon auch mal einen Punkt, der gut sichtbar in der Wohnung ist und ergänze es. Dann gehe ich die einzelnen Punkte in aller Ruhe durch. Fürs Neue Jahr habe ich mir vorgenommen jeden Morgen und jeden Abend ein paar Minuten Inne zu halten und meine Gedanken im Tagebuch festzuhalten.
Wenn Du magst, könntest Du es auch mal mit Yoga probieren. Ich mache das gerne für mich alleine zu Hause - dabei und bei Pilates Übungen, bspw. den von der Brigitte CD, merke ich richtig, wie ich runter komme.
Die Liste von Beklamo würde ich so auch unterschreiben. Mir tut Ruhe auch sehr gut - aber ab und an auch mal ein Gespräch mit guten Freunden. Vielleicht käme für Dich ja auch ein Gespräch mit einem Therapeuten in Frage, der Dir ganz individuell Tipps geben kann???
Affirmationen sind i.d.R. positive Sprüche und Weisheiten, die einem Mut machen. Von Ars Edition gibt es schöne Sammlungen, bspw. 365 Tage Kraft und Zuversicht oder den eigene Weg gehen. Für jeden Tag ein schönes Bild und einen Spruch. Kann man sich gut auf den Schreibtisch stellen.
Tja und sonst - die Frage Beziehung ob oder nicht und wenn ja dann wie, die kenne ich. Darüber knobele ich auch gerade
Viele Grüße hippchen
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28.12.2008, 21:42Inaktiver User
AW: Zugang zu sich selbst finden
Das klingt jetzt vielleicht paradox aber ich vermute, Du musst raus, und unter Leute, um richtig zu Dir kommen zu können.
D.h. ich würde - wenn Deine Selbständigkeit soweit läuft - das Büro auslagern und in eine Bürogemeinschaft ziehen. Zur Not selbst eine aufziehen mit gleichgesinnten, jüngeren Selbständigen ähnlicher oder anderer Art, bei der er es nicht nur "anonym" zugeht. So etwas wie eine Büro-WG mit regelmäßigen Treffs. Das gibt zum einen Impulse von außen und Bürozeiten außerhalb, in anderem Rahmen, sind wichtig um die eigenen, privaten, Zeiten besser nutzen zu können.
- Zumal für Leute, "die gerne alles in einem haben und ungern zwischen privat und beruflich trennen", das ist, bei allem Ideal - auch ein stückweit unrealistisch und im Laufe der Zeit sich selbst überfordernd. Da lässt irgendwann der Lagerkoller grüßen wenn man sich nur im eigenen Brei dreht. Kundenkontakte hin oder her - die zählen dabei nicht wirklich. Darüberhinaus gilt: berufliche Netzwerke pflegen - mit intensivem Austausch.
Sollte man im "anderen Teil des Hauses" Familie mit Kindern herumspringen haben, ist die Sache mit dem Büro in der Einliegerwohnung nochmal etwas anderes ... aber das ist bei Dir nicht so.
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28.12.2008, 21:48
AW: Zugang zu sich selbst finden
das mit der Bürogemeinschaft finde ich auch eine gute Idee. Kenne mehrere Frauen, die auch selbständig sind, die es so handhaben, dass sie sich in einer Bürogemeinscahft zusammen tun, aber auch mal alleine, von zu Hause aus arbeiten.


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