Ja, *seufz* Helfersyndrom, da trifftst Du den Nagel auf den Kopf. Aber ich bin jetzt tatsächlich ein richtig leerer Akku.
Mein Verstand sagt ganz klar, dass Du recht hast. Krankschreiben geht leider nicht, das lässt die berufliche Situation nicht zu. Solange ich in der Lage bin, meine "Pflicht" zu tun, erledige ich das auch. Statt dessen widme ich mich vor allem wieder der Musik, vielleicht hilft das ein wenig, auch wenn es länger dauert. Und - ich habe es geschafft, auch das Telefon mal abzuschalten.
Dafür kann ich postitiv berichten, dass ich nach langer langer Zeit wieder Kontakt zu einer "alten" Freundin habe. Der Kontakt kam zwar wieder aus einem traurigen Anlass zustande, aber - jedenfalls hat sie mir lustige Karten geschickt und wir haben geredet. Sie fragte mich, was denn mit mir los sei - ich war so überrascht und hatte eine totale Blockade. Ich kann gerade nicht von mir sprechen, habe ihr das allerdings auch gesagt und, dass ich mich sehr freue, ihre Stimme zu hören - evtl. doch ein guter Anfang wieder? Es wäre schön.
Das ist eine gute Frage! Ich schätze das liegt daran, dass er sich niemals als empathisch bezeichnen würde, und doch schafft er es, immer sich genau dann zu melden, wenn es mir nicht gut geht, bringt mich zum Lachen - aber ich - ich habe dann ein schlechtes Gewissen, weil ich niemanden belasten möchte.
Ganz klar, ich bin gerade alles andere als einfach zu handeln - denn irgendwann, wenn das Fass einmal übergelaufen ist wird man gezwungen, doch für sich eine klare Linie zu ziehen. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, auch einmal zurück zu schauen. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, aber sie ist präsent.
So, und bevor ich jetzt hier wieder einen Depressionsanfall bekomme, unterbreche ich an dieser Stelle lieber.
Danke fürs Lesen
Anima
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11.01.2009, 22:58Inaktiver User
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
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12.01.2009, 10:56
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Anima, ich hab dich! Warum willst du niemanden belasten? Wenn dein Empathie-Freund anruft, tut er das doch nicht, weil in seinem Kalender steht: Mittwochs 18 Uhr Anima anrufen, sondern er macht es, weil er gern mit dir reden möchte. Und wenn er wirklich ein Freund für dich ist, darfst du ihm auch nicht irgendein Smalltalk-Geschwafel auftischen, sondern du musst ihm schon sagen, was mit dir los ist.
Ich habe auch diese Helfer-Probleme. Man hilft anderen wie selbstverständlich, aber wenn man selbst Probleme hat, tut man sich unendlich schwer, um Hilfe zu bitten. Man muss nämlich Klartext reden, Andeutungen bringen gar nichts. Und die Rolle des Schwachen, des Bittstellers ist ungewohnt. Aber anders geht es nicht, denn deine Umgebung muss auch erst einmal umdenken.
Stimmt's oder hab ich Recht?
Kitta
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23.01.2009, 20:15Inaktiver User
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Kitta - ich habe Dich nicht vergessen, aber ich musste ehrlich nachdenken. Ich schätze, die Antwort liegt darin: Es fehlt mir an Vertrauen. Vielleicht habe ich zu viel erlebt in meinem Leben, was mich irgendwie misstrauisch werden lässt und zwar dort: Wenn ich Hilfe brauche, dann bin ich schwach. Und wenn ich schwach bin, dann bin ich angreifbar.
Mein richtig derbes Erlebnis war: Ich kam nach einer OP aus dem KH, mein erster Arbeitstag und es ging mir noch nicht ganz so gut, da kam mein Chef und erklärte mir, dass er keine Rücksicht auf meine Probleme nehmen wird und ich doch besser einen anderen Job suchen soll (Hintergrund: Hatte eine neidische und intrigante Kollegin noch im Hintergrund, die ihm in meiner Abwesenheit einredete, dass ich auf seinen Stuhl versessen wäre)...
Ich habe gekämpft - aber nie vergessen, das will nicht aus der Erinnerung und ist nur eines von mehreren Erinnerungen...
Anima
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23.01.2009, 23:51
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Hallo Anima,
ich kann Dich verstehen. Ich hatte mal ein ähnliches Mobbing-Erlebnis, allerdings nach meinem Urlaub. Ich habe dann auch meinen Platz räumen müssen.
Aber noch einmal zu dem Schwachsein:
Ich habe vor einem Jahr einen Kurs für Sterbebegleitung gemacht, da haben wir einmal einen "Energie-Kuchen" zeichnen müssen. Man malt zwei Kreise. Der eine bedeutet: Wofür verbrauche ich meine Energie, der andere: Woher bekomme ich meine Energie. In die leeren Kreise malt man dann anteilmäßig die Ziele bzw. die Quellen Deiner Energie.
Was ich damit sagen will, ist, dass Du nicht nur Energie abgeben kannst, dann ist bald der Akku leer, so wie jetzt bei Dir. Du musst schon eine oder mehrere "Ladestationen" in petto haben. Und wenn Dein Empathie-Freund sich dafür anbietet, dann nimm diese Unterstützung an!
Ich glaube, Du bist erfahren genug, um zu unterscheiden, wem Du vertrauen kannst oder nicht.




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