Nun - ob Therapeut, Reha o.ä. - eines können sie alle nicht, nämlich das, was vermutlich am meisten fehlt: Menschliche Wärme geben.
Ich hatte gestern ein kurzes Gespräch und mir wurde klar erklärt: "Anima, Dir fehlt körperliche Nähe, da nutzt kein Reden, keine Therapie - das geht viel einfacher".
Das mit dem "einfach" lasse ich einmal dahin gestellt, aber viel Wahrheit wird drin stecken.
Auch unterdrückte Sehnsüchte und Wünsche können solche Auswirkungen haben wie bei mir.
Vermutlich hätten viele Therapeuten weniger Arbeit, wenn das Miteinander gelegentlich besser funktionieren würde.
Anima
P. S. - meine Schilddrüse ist in Ordnung, alles überprüft.![]()
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15.12.2008, 13:45Inaktiver User
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
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15.12.2008, 15:09
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Liebe Anima,
vor meiner Reha war ich auch skeptisch und habe ähnlich gedacht wie Du - aber als ich dort war, habe ich von den anderen Mitpatienten sehr viel menschliche Wärme erfahren und im Gegenzug auch geben können.
Ich habe dort gelernt, was ich selber dazu beitrage, dass ich von anderen nicht das bekomme, was ich gerne hätte, ich habe dort erfahren, dass ich gut so bin, wie ich bin, und das hat mir den Mut gegeben, viel mehr aus mir herauszugehen und mich so zu zeigen, wie ich bin, und meine Gefühle und Gedanken zu äußern.
Das wiederum führt dazu, dass mich andere als den Menschen wahrnehmen können, der ich wirklich bin, und als Folge davon habe ich seit meiner Reha mehr persönliche Nähe zu anderen erfahren, als früher.
Was ich auch gelernt habe, ist: Mich nicht immer für alle anderen verantwortlich zu fühlen, sondern genau so wichtig zu nehmen, wie es mir selber geht. Ich nehme fast seismographisch die Gefühle und Stimmungen in meiner Umgebung auf und fühle mich permanent für das Wohlergehen der anderen verantwortlich, und habe mich selber meist darüber vergessen.
Ich bin jetzt dabei, zu lernen, "bei mir selber zu bleiben", meine eigenen Gefühle auch wichtig zu nehmen, und erstaunlicherweise kommt von anderen auch einiges zurück.....
Ich habe das Gefühl, dadurch anders wahrgenommen zu werden, und das macht es anderen offenbar auch leichter, auf mich zuzugehen.....Aber es ist ein langer Lernprozess!
Herzliche Grüße und alles Gute für Dich
wünscht HarfeWenn Du es eilig hast, gehe langsam!
Die wahre Achterbahn findet im Herzen statt!
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15.12.2008, 16:29Inaktiver User
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15.12.2008, 19:06
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Ja, ich versuche zu lernen, mich selber und meine Bedürfnisse wahrzunehmen und nicht nur die der anderen....
Außerdem lerne ich langsam wieder, auf meine innere Stimme und meine Intuition zu hören, die viele Jahre lang völlig verschüttet waren.
Dabei hilft es mir sehr, mich auf meinen Atem zu konzentrieren. Wenn ich nicht bei mir selber bin, sondern bei anderen, halte ich unbewusst die Luft an, und ich übe, dies zu spüren und stattdessen gleichmäßig und ruhig zu atmen, was mir ein Gefühl für mich selber gibt.
Außerdem versuche ich, zu meditieren, was mir aber noch nicht allzu oft gelingt....bei all der Unruhe im Alltag und zu Hause mit meiner Familie fällt es mir sehr schwer, wirklich eine Zeit ganz in Ruhe für mich zu verbringen. Wenn es aber mal gelingt, ist es wunderbar, hinterher fühle ich mich wie neu geboren!
HarfeWenn Du es eilig hast, gehe langsam!
Die wahre Achterbahn findet im Herzen statt!
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15.12.2008, 20:39
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Liebe Anima,
erst mal vielen Dank für das Blümchen
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Ja du hast Recht, wenn die körperliche Nähe und die Berührungen fehlen, dann taugt das ganze therapeutische Gerede im ersten Moment auch nichts. Wenn ich Durst habe, dann nutzt es ja auch nichts, wenn ich ein Wurstbrot esse. Ist einfach ein anderes Bedürfnis, und das kann ich eben nur durch entsprechende Dinge die da greifen befriedigen.
In allererster Linie muss dir klar sein, dass dir genau so Nähe zusteht, wie jedem andern auf dieser Welt. Und ja, es ist unfair, wenn man sie nicht bekommt. Und auch ich habe geflucht, geheult, gekämpft, resigniert. Hat aber auch alles nichts genutzt oder geändert. War immer noch keiner da, der mich in den Arm nimmt und der meinen Vornamen mit dem Wort "Schatz" ersetzt.
Irgendwann hab ich das eingesehen. Dass die Tatsache, dass mir was "zusteht" noch lange nichts daran ändert, dass ich es zur Zeit nicht bekomme. So ist diese Leere ein Teil, der zu meinem Leben momentan gehört. Und ich schreibe momentan, weil ich mich an dem Gedanken, dass es mal besser sein wird, entlanghangele wie an einem Geländer das mir Halt gibt.
Ich kann ja immerhin auf meine Kinder zurückgreifen. Obwohl die Nähe der Kinder ja auf einer ganz andern Stufe abläuft als die zu einem Partner. Aber es ist eine Nähe.
Gibt es für dich irgendeine Möglichkeit, zunächst auf einer anderen Ebene Nähe zu Menschen herzustellen, bis sich die Nähe auf der Partnerebene in dein Leben gesellt? Ich weiß auch nicht genau wie, aber vielleicht fällt dir ja selber was ein?
Manchmal gehe ich mir schon selber auf den Geist und komme mir vor wie die Reinkarnation von Nina Ruge wenn ich mir jeden Tag wie ein Mantra den Satz vormurmele "Alles wird gut."
Aber verdammt noch mal, ich glaube dran. Sonst könnte ich einpacken, und das will ich nicht. Und da hilft uns unsere Stärke dann wieder.
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15.12.2008, 22:52Inaktiver User
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Ich wünsche Dir das von ganzem Herzen

Es gibt schon ein paar Dinge, die ich an mir entdeckt habe. Mir ist ziemlich klar geworden, dass ich die meisten Jahre meines Lebens ein Leben geführt habe, das wunderschön ist auf der einen Seite, aber irgendwie auch sehr einsam. Immer wieder habe ich meine Wünsche und Träume zurückgesteckt und fand es normal, ich bin ja diszipliniert.
Der Weg könnte noch lang werden nicht wahr? Aber - vielleicht auch recht spannend?
Anima
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15.12.2008, 23:21
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Liebe Anima,
als ich Deinen Thread hier las, liefen mir viele Tränen über das Gesicht!
Ich mache mir Sorgen um Dich, weil ich mich genauso fühle: diese Ausweglosigkeit, ein natürliches Bedürfnis
einfach nicht stillen zu können!
Aber ist es so ein ganz allgemeines Bedürfnis, freundschaftlich voller Vertrauen und Mitgefühl umarmt und angehört zu werden? Oder ist es nicht viel mehr die Sehnsucht nach partnerschaftlicher Nähe und Sichtbarkeit, nach einer Verbindlichkeit, einer Art der mitfühlenden Fürsorge, die sich in einem mütterlich forschenden Blick, mit Fragen ohne Hintergedanken zu eigenen Problemen und Gefühlen zeigte!
Ich glaube, dass Du das geben kannst, und dass Du das durch Deine einfühlsame und analytische Art auch signalisierst! Und dass Du damit genauso ausnutzbar bist, wie ich mich ausgenutzt und alleine gelassen fühle: weil Du eigentlich mehr "gibst", als Du verlangst!
Aber es einfach zu verlangen, reicht auch nicht! Genauso wenig, wie auf Gegenseitigkeit zu pochen!
Vielleicht deshalb, weil es eben Bedürfnisse gibt, die man NICHT alleine und heroisch selbstverantworlich lösen kann! Weil der Mensch ein absolut soziales Wesen ist, das in Bindungen leben möchte, die IHM guttun, und für die er dann auch selbst bereit ist, viel zu investieren! Vielleicht deshalb, weil man dafür weder Therapeuten beauftragen kann, noch IRGENDWEN in den Arm nehmen kann, noch sich seine Unabhängigkeit schönreden kann. Das ist jedenfalls meine Erfahrung in meinem Leben!
Wenn ich Dir doch etwas Hilfreiches oder wenigstens Tröstliches sagen könnte!
Aber das einzige, was ich für mich selbst, mehr aus purem Selbsterhaltungstrieb tue, ist: eben NICHT mehr diese Selbstlosigkeit zu signalisieren, wenn mir nicht danach ist.
Und mich an der Hoffnung "entlangzuhangeln", dass die innere Leere meiner Bedürfnisse doch irgendwann einmal gehört, verstanden und auch noch beantwortet wird.
Ohne die sozialen Netze, die in früheren Zeiten die Großfamilien bieten konnten, scheint der Ersatz durch Freundschaften und Bekanntschaften in ihrer Freiwilligkeit und Unverbindlichkeit (weil ganz einfach auflösbar) nicht zu gelingen.
Vielleicht muss man sich mit manchem eine zeitlang einfach abfinden! Und wie beklamo@ schrieb:
"Dass die Tatsache, dass mir was "zusteht" noch lange nichts daran ändert, dass ich es zur Zeit nicht bekomme. So ist diese Leere ein Teil, der zu meinem Leben momentan gehört. Und ich schreibe momentan, weil ich mich an dem Gedanken, dass es mal besser sein wird, entlanghangele wie an einem Geländer das mir Halt gibt."
Ganz liebe Grüße,
Jette.
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15.12.2008, 23:28Inaktiver User
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
Jette! War das wieder Gedankenübertragung? Ich habe heute so viel an Dich gedacht, worüber wir in dem anderen Strang diskutiert haben.
Du hast mir mit Deinen Worten signalisiert, dass Du ganz genau alles verstanden hast - ja, Du hast es verstanden und kannst alles nachvollziehen, auf den Punkt.
Anima
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16.12.2008, 20:57
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
@Anima und Jette,
ich beschreie es jetzt einfach mal:
Wir sind auf einem guten Weg.
Und gemäß dem Gesetz (ok, keins aus dem Gesetzbuch
), dass nichts bleibt wie es ist, wage ich die Schlussfolgerung:
Auch der Mist bleibt nicht. Er wird von Schönem abgelöst.
Noch ein kleiner Gedanke: Ich habe mal einen wunderbaren Gedanken gelesen, der mir wirklich entscheidend weitergeholfen hat:
Das wichtigste Gefühl ist die Dankbarkeit !
Ich praktiziere das seitdem: Ich liege abends vor dem Einschlafen im Bett (im Sommer wahlweise draußen auf der Terasse und genieße den Blick in meinen Minigarten) und danke in Gedanken für alle Kleinigkeiten des Tages die gut waren. Zum Beispiel dass ich morgens früh genug rauskam und nicht beim Frühstücken hetzen musste, für die freundliche Antwort der Verkäuferin im Buchladen, dafür dass es die Jeans noch in meiner Größe gab, dafür dass meine Chefin heute mal gut drauf war, dafür dass meine Kinder heute nicht allzuviel gezankt haben, dafür dass es eine Regenpause gab in der ich eine Runde um den Block drehen konnte.......
Und seit ich mir das alles vergegenwärtige, bin ich mental viel besser drauf. Ok, löst das Näheproblem nicht, aber es tut sooo gut, man ist direkt ein anderer Mensch. Und irgendwann ein Mensch, der einen tollen Mann in seinen Bann zieht
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16.12.2008, 21:36Inaktiver User
AW: Anlehnungsbedürfnisse - aber niemand da
hallo anima...du hast mich gerufen?

'aber niemand da' doch doch...
hier ist dein persönlicher a_baer.
versuche dich weiterhin mit dem 'nein' sagen können.
sage dann nein-wenn du es auch sagen möchtest. es ist nicht einfach, aber es lohnt sich.
und, vielleicht kannst du ja auch etwas üben im: 'hallo, ich brauche jetzt mal dein ohr, weil es mir gerade nicht gut geht.'
es gibt eben menschen, die sind nicht so feinfühlig wie du. die brauchen manchmal ein stärkeres und lautes 'hallo'.
a_baer für dich


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Ich fühle und sehe in dieser Richtung auch zu viel, aber mich eben nicht.
Schluck.. Und jetzt? Jetzt esse ich gerade Süßigkeiten, die kleinen Freude-spendenden-Dickmacher. Das ist gerade alles, was ich für mich tun kann...alles andere ist dann wieder ein zweites Problem, nämlich ein gesundheitliches...
