Hallo,
nach mehr als zehn jahren in einer deutschen grossstadt habe ich nun ein jobangebot im ausland und freu mich wirklich riesig. trotz aller aktivitäten für meinen abflug tu ich mich mit der bilanz meiner jahre hier schwer.
ich kam als junges mädel her zum studieren und es hat sich so ergeben, dass ich hier kleben blieb. im nachhinein bin ich fast schon bitter, dass sich so eine gelegenheit nicht schon früher geboten hat, denn ich habe das gefühl, meine jugend hier weggeschmissen zu haben. der grund heißt einsamkeit.
zwar habe ich wenige gute freunde gefunden, denen ich mich mitteilen konnte und hab damit mehr als manch anderer...was mich stört ist, dass dies, obwohl in der gleichen stadt, "fernbeziehungen" waren und irgendwie "notnägel", da man nie mal was nettes gemeinsam gemacht hat, sondern halt probleme besprochen hat. meine versuche in richtung positiv sind da einfach mal im sande verlaufen.
das "normale" leben hab ich hier nicht auf die reihe bekommen. ich hab nie bekanntschaften gehabt, mit denen man sich einfach mal auf einen cafe getroffen oder was unternommen hätte. bei dem versuch, mich zu verabreden hab ich mir regelmäßig nur ausreden und ablehnung eingehandelt was auf dauer schmerzlich ist, auch wenn ich weiß, dass ich es gewiss nicht "persönlich" nehmen brauch.
um nicht völlig alleine zu versauern war ich unzählige male alleine im kino, in discos und hier und dort. aber wenn ich dann gesehen habe, dass draussen die leute in gruppen unterwegs waren, sich immer alle schon zu kennen schienen, dann hab ich oft weinen müssen und vieles hab ich dann auch nicht gemacht, weil ich da einfach net schon wieder alleine rumgurken wollte. ich war nie "dabei". ich war ein guter kunde in sprachschulen und bei der vhs, aber menschlich was draus entwickelt hat sich NIE. dabei hab ich immer nette leute getroffen und bin wohl auch jemand, der eher positiv auffällt, aber über die kurse und vereine hinaus hatte niemand zeit. wieso mochte niemand mit mir ein bissl zeit verbringen in all den jahren? obwohl ich so viel erlebt habe, scheint mir die zeit im nachhinein leer, da freundschaftlos. und die grausige erinnerung an unzählige wochenenden allein zu haus, das vergebliche bemühen...echt grausig!
ich hoff, es lag net an mir und dass ich einfach in einer neuen (kleineren!) stadt oberwasser krieg. ich hoff, ich bin net zu verbittert...
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Thema: ich gehe jetzt...
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02.11.2008, 19:17
ich gehe jetzt...
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02.11.2008, 19:50Inaktiver User
AW: ich gehe jetzt...
Liebe Miss Smith,
ich weiß nicht genau, was du möchtest: Ratschläge, wie man einen Freundeskreis aufbaut? Gründe, warum es dir nicht gelungen ist? Niemand hier kann beurteilen, woran das lag.
Aber vielleicht hilft dir Folgendes: Es gibt einfach Phasen im Leben, in denen das schwerer fällt als in anderen. Bei mir ging das immer wieder auf und ab. Es hat Zeiten gegeben, in denen sich der Freundeskreis sehr ausdünnt, plötzlich oder schleichend. Und welche, in denen auf einmal dauernd Leute um einen herum sind, die alle etwas unternehmen wollen. So ist das eben.
Was dir nicht helfen wird, ist, verbittert zurückzublicken. Schließ es ab und schau nach vorn! Irgendwann wird es besser werden, und auf einmal ist er da, der Freundeskreis.
Viele Grüße
Cariad
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02.11.2008, 20:09Inaktiver User
AW: ich gehe jetzt...
Liebe Miss_Smith,
Zitat von Miss_Smith
Ich kenne diese halb verzweifelten Soloaktionen auch, und gerade in diesem Forum gibt es mehrere Beispiele von Menschen, die offenbar ähnliches erlebt haben. Die vielbeschworenen Ratschläge, auch allein "raus" und unter Leute zu gehen, in einem Verein oder an der vhs aktiv zu sein, haben auch mir keine wirklich engen persönlichen Kontakte gebracht. So einfach scheint es leider nicht zu sein. Liegt es an diesem Land, dass es einem manchmal so schwierig oder fast unmöglich scheint, herzliche Kontakte zu knüpfen?
Ich habe eine gute Bekannte, die aus den Niederlanden stammt und in Deutschland studiert und die Dir jederzeit einen flammenden Vortrag darüber halten würde, dass dort die Menschen ganz, ganz anders sind. Viel herzlicher, offener. Dass es dort viel leichter ist zu flirten. Dass alle geselliger sind und dass sie daher auf gar keinen Fall in Deutschland leben möchte, weil sie sonst hier wohl depressiv werden würde. Ähnliche Vorträge kenne ich aber auch von einer lieben Kommilitonin aus dem Ruhrgebiet, die im "bayerischen Exil" studiert und von einer ehmaligen Mitschülerin mit französischem Elternhaus. Ich kann das selbst nicht beurteilen, in wie weit es sich dabei um Projektionen handelt. Aber es mag schon sein, dass manche Menschen mentalitätsmäßig sich in einem bestimmten Gebiet einfach wohler fühlen und dort dann auch leichter Kontakte knüpfen.
Ehrlich gesagt scheint mit diese Antwort pauschal gesehen zu einfach. Aber ich wünsche es Dir sehr, dass Du mit Deinem räumlichen Aufbruch zu neuen Ufern auch ganz neue und erfüllende Kontakte zu lieben, herzlichen Menschen findest! Lass es uns wissen, ich würde dann auch packen
Ganz so "leer" war die Zeit aber, wie Du schreibst, wohl doch nicht: ich finde es beeindruckend, was Du alles alleine auf die Beine gestellt und unternommen hast! Ich denke, damit hast Du Erfahrungen und Fähigkeiten bekommen, die Dir immer wertvolle Dienste erweisen können. Du weißt jetzt, dass Du auch allein klarkommen kannst, auch wenn es vielleicht nicht schön ist. Aber es geht. Vielleicht wärst Du ohne dieses Wissen gar nicht bereit, so leichten Herzens ins Ausland aufzubrechen und Dein Glück dort zu suchen? Vielleicht bekommt diese traurige, einsame Zeit dann dadurch nachträglich ihren Sinn?
Viele Grüße und alles Gute,
AspasiaGeändert von Inaktiver User (02.11.2008 um 21:54 Uhr)
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03.11.2008, 17:04Inaktiver User
AW: ich gehe jetzt...
Zitat von Inaktiver User
Aber die halten sich hartnäckig, die Ratschläge, gell? Werden immer wieder gerne gegeben. Und wenn man sagt, das bringt nichts, weil es über die funktionelle Mitgliedschaft ganz oft nicht hinausgeht, kriegt man den Stempel Ausnahme drauf und es wird munter weiter als erfolgversprechend empfohlen. Ich glaube, heute hat einfach niemand mehr Zeit. Wir verzetteln und verlieren uns in unserem modernen Leben, überfrachtet mit seinen Möglichkeiten. Meine Meinung.
Ich drück Dir, Miss_Smith, die Däumchen, daß Du neue Erfahrungen anderer Art machen darfst, wo Du jetzt hingehst.
Geändert von Inaktiver User (03.11.2008 um 17:09 Uhr)
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03.11.2008, 18:11
AW: ich gehe jetzt...
hi hallo
danke für die antworten! tut gut
@cariad: das ist ein guter gedanke, dass man sagt, es ist mal so und mal so. dass es hier noch mal anders gekommen wäre, glaub ich allerdings nicht, nach mehr als zehn jahren und unzähligen versuchen empfinde ich es einfach nur als erleichterung, diesen ort zu verlassen. denke mal der wechsel birgt da große möglichkeiten, sodass die idee wahr werden kann. pack ich mir auf alle fälle ins schatzkästchen!
@aspasia:
ja, nicht wahr...ich find es soo schade...gerade in diesem Forum gibt es mehrere Beispiele von Menschen, die offenbar ähnliches erlebt haben.
thema flirten: in deutschland keines
, verglichen mit anderen ländern, da kann ich deiner freundin nur zustimmen. oh ja das ist was zu naschen: so ein blick oder eine nette geste, das kommt hier viel zu kurz. kommt auch ins schatzkästchen
sicher, alleine klar kommen gibt eine ungeheure sicherheit. ohne diese würde ich diesen schritt nicht wagen. dass ich das SO nicht gewollt habe kann man dann einfach mal so stehen lassen. ich hoffe sehr, dass es irgendwie sinn bekommt, denn es ist wirklich viel zeit verflossen, die kommt nicht mehr zurück, man darf echt nicht drüber nachdenken...der ein oder andere kennt das ja leider...ich will es dann auch nicht weiter auswalzen und nasche von deinem lobGanz so "leer" war die Zeit aber, wie Du schreibst, wohl doch nicht: ich finde es beeindruckend, was Du alles alleine auf die Beine gestellt und unternommen hast! Ich denke, damit hast Du Erfahrungen und Fähigkeiten bekommen, die Dir immer wertvolle Dienste erweisen können. Du weißt jetzt, dass Du auch allein klarkommen kannst, auch wenn es vielleicht nicht schön ist. Aber es geht. Vielleicht wärst Du ohne dieses Wissen gar nicht bereit, so leichten Herzens ins Ausland aufzubrechen und Dein Glück dort zu suchen? Vielleicht bekommt diese traurige, einsame Zeit dann dadurch nachträglich ihren Sinn?
@Uli_F: ganz bestimmt spielt das eine rolle. und doch glaube ich nur wenigen leuten, dass sie wirklich keine zeit haben oder andere dinge einfach keine energie lassen.
an der stelle sitzt bei mir ein stachel im fleisch. was ich nämlich ganz oft gehört habe, ist dass die anderen schon verabredet sind. wenn sich immerzu alle verabreden, müßte ich doch schon aus statistischen gründen mal verabredet sein...war ich aber nie. doch, ich muss schon sagen, das hat mich verletzt auf dauer. zurückgewiesen zu werden, und zudem noch in die rolle des publikums gedrängt zu werden plus mich selbst dann immer wieder alleine zu "amüsieren". das hat viel kraft gekostet, das macht mich grollig.
eigentlich könnte ich jetzt nach oben scrollen und mir eure antworten noch mal durchlesen und mich dazu entschließen, mich gut zu fühlen. und doch: den punkt hab ich für mich noch nicht klar. es mag normal sein, es mag vielen so gehen...mir tut es weh und ein bissl angst hab ich, dass mich das verbogen hat.
jetzt scroll ich hoch und les mir die guten sachen noch mal durch


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