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  1. Inaktiver User

    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Zitat Zitat von Pusteblum

    Ich gehe täglich unter Menschen. Ich habe Energie für zehn und gehe zahlreichen Hobbys nach: das Ausleben meiner Kreativität, Sport, Theaterspiel, Gesangsunterricht, Tanz und Party, Ausstellungen, VHS-Kurse, etc.
    Manch einer wundert sich, woher ich so viel Energie hole, all diesen Dingen nachzugehen. Man kann mich also nicht wirklich als Couchpotato bezeichnen. Vieles mache ich jedoch alleine.
    Das Ding ist, dass sich aus all den Begegnungen mit anderen Menschen (und ich kann durchaus gut auf andere zugehen) keine engen Beziehungen ergeben. Bestimmt liegt das auch darin begründet, dass ich Angst vor wirklicher Nähe habe und dies bestimmt auch ausstrahle, wie ich befürchte.

    Ich mache eine Therapie. Die Tiefe des Einsamkeitsgefühls kann ich aber noch immer nicht wirklich greifen. Ich wünsche mir pragmatische Tipps, die mir helfen, dieses Gefühl endlich zu überwinden. Leider ist meine Therapeutin nicht dazu in der Lage, mir einen entsprechenden Schlüssel an die Hand zu geben. Bin drauf und dran, diese Therapie an den Nagel zu hängen ...
    Liebe Pusteblum,

    ich fürchte, es wird für Dich kein Trost sein, aber mir geht es ganz genauso. Ich habe diese Diskussion auch schon so oft mit Vertrauten und auch mit Therapeuten geführt und letztlich konnten mir alle doch nur diese lapidaren Ratschläge geben, die ja auch Dir gegenüber schon erwähnt wurden und die Du ja offenbar schon längst beherzigst: unter Menschen gehen, aktiv sein, erstmal mit sich selbst ins Reine kommen, liebevoll zu sich selbst sein usw. usf. .

    Ich beherzige diese ja durchaus handfesten, praktischen Tipps schon eine lange, lange Zeit, aber - so leid es mir tut Dir das jetzt schreiben zu müssen - es hilft nicht gegen dieses grundsätzliche Gefühl der Einsamkeit in mir. Ein Unterschied ist vielleicht: ich habe durchaus liebevolle Beziehungen zu Freunden und Familie, in denen ich Nähe erfahre. Nähe bis zum einem gewissen Grad. Jeder Außenstehende würde sagen: na die haben aber ein wirklich inniges Verhältnis! Das ist auch so, einerseits. Aber dennoch, trotz all den Menschen, die mich lieben und denen ich nahe bin, es bleibt ein Kern meiner Seele, den selbst diese Menschen nicht verstehen können und in den niemand vordringt.

    Es gibt Tage, an denen ich Frieden mit diesen Gefühlen schließen kann. Manchmal denke ich mir: vielleicht ist das mein Schicksal (falls es so etwas gibt), vielleicht ist das meine ganz persönliche Herausforderung im Leben mit dieser Einsamkeit im tiefsten Inneren klarzukommen. Ich habe kein Problem mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Aber früher oder später wird selbst im intimsten Dialog doch ein Punkt erreicht, an dem ich merke: Du verstehst mich nicht. Und ja, auch ich kenne die Erfahrung, dass andere diese allumfassende Dimension der Einsamkeit scheinbar überhaupt nicht nachvollziehen können. Ich glaube aber schon, dass es ähnlich wie das Moringana geschrieben hat, auch damit zutun hat, dass viele Menschen sich gar nicht erst trauen, sich mit diesen Gefühlen zu konfrontieren. D.h. ja nicht, dass sie sie nicht haben. Sie gehen nur anders damit um. Und bei uns liegt es wohl in unserem Wesen verankert nicht einfach dieses Gefühl wegwischen und übergehen zu können, sondern ihm nachgehen zu müssen, ja gar nicht anders zu können, als diesem Gefühl nachzuspüren, selbst wenn es uns sehr weh tut.

    Inzwischen glaube ich auch nicht mehr, dass eine glückliche Liebesbeziehung die "Rettung" aus diesem Gefühl sein könnte. So nah man sich auch seelisch und körperlich kommt, letztlich bleiben wir doch alle Gefangene in unseren Körpern. Aber, so traurig das jetzt klingen mag, gerade diese Erkenntnis finde ich nun irgendwie auch befreiend: wenn wir alle sowieso immer alleine, einsam in unseren Körpern, von den anderen abgegrenzt, bleiben werden, dann ist es auch nicht mehr so schlimm, wenn z.B. eine glückliche Liebesbeziehung fehlt, denn selbst das würde ja nichts ändern! Es wäre nur eine Ablenkung, wie viele anderen sozialen Kontakte auch. Nicht mehr und nicht weniger. Mit mir selbst und meinen Gefühlen müsste ich letztendlich doch alleine klarkommen. Mich hat die bittere Erkenntnis, dass ich letztlich immer einsam sein werde, inzwischen dazu geführt selbst mein bester Freund und mein verlässlichster Beschützer zu sein. Ich passe auf mich selbst auf und bin selbst so liebevoll und aufmerksam zu mir, wie ich mir das von einem "idealen Liebhaber" erwarten würde. Denn wenn man sich selbst hat, wenn man sich selbst liebt, kann einem letztlich niemand mehr ernsthaft etwas anhaben. Und gerade diese Resignation, wenn man so will, gibt mir die Leichtigkeit, auch Kontakte "zu ertragen", die ich eigentlich als völlig unbefriedigend, da sehr oberflächlich empfinde: sie sind keine Lösung, aber sie sind ganz nett. Ich weiß nicht, ob das jetzt verständlich war..So viel jedenfalls zu meiner eigenen Geschichte mit der Einsamkeit.

    Ein "praktischer Tipp" noch: ich hatte und habe auch starke Ängste vor der Einsamkeit und vor Verlusten, vor dem Verlassenwerden. Mir hilft es sehr, mir selbst Fragen zu stellen, was genau eigentlich diese Angst verursacht und wovor ich mich im Einzelnen fürchte. Auf diese kleinen "Häppchen" an Angstelementen (z.B. vor der mit der Angst vor der Einsamkeit verbundenen Angst dann mit meiner inneren Leere konfrontiert zu werden) konnte ich mir einfacher Antworten geben und so auch Gegenstrategien entwickeln. Ich lege mir Rüstzeug gegen diese einzelnen "Angstelemente" zu, entwickle Strategien, was ich dagegen tun kann, wenn wieder diese Gefühle aufkommen. Das können ganz banale Dinge sein,z.B. eine bestimmte Musik hören, mich bewusst gerade in dieser Situation an der frischen Luft bewegen, joggen gehen, mir etwas Gutes tun, einen kleinen Luxus gönnen etc.. Ich habe mir inzwischen ein Netz aus Personen geschaffen, die ich z.B. anrufen kann, wenn ich reden möchte. Wenn die Angst vor der Einsamkeit oder z.B. vor dem Tod von geliebten Menschen ganz akut wird, hilft es mir auch z.B. sehr, diese Gedanken aufzuschreiben. Dadurch werden sie für mich fassbarer. Das Schlimmste an der Angst war für mich immer dieses diffuse, dieses allumfassende. Sobald ist das, was mir Angst macht, aufschreibe, gewinnt es eine Gestalt, ich kann es anvisieren, mich ihm stellen und allein dadurch verliert es schon einen Teil seiner Bedrohlichkeit.

    Übrigens hatte ich eine sehr, sehr glückliche Kindheit mit sehr viel Liebe und einer Mutter, die mich in den ersten Wochen und Monaten nach meiner Geburt nicht aus der Hand gegeben hat. Eine echte Glucke, würde ich sagen.. Nähe habe ich also mehr als genug mitbekommen als ich klein war. Ich glaube nicht, dass Dein elementares Einsamkeitsgefühl etwas mit diesem Kindheitserlebnis zu tun hat. Aber alles, was Dir hilft Dich selbst besser kennenzulernen und zu verstehen, ist hilfreich und gut für Dich. Also würde auch ich Dir raten diesem Motiv nachzugehen, wenn Du das Bedürfnis danach hast.

    Ich kenne ein Zwillingspärchen, bei dem man den Eindruck hat, dass beide wesentliche Charaktereigenschaften zwischen sich teilen: sie sind wie Tag und Nacht, die eine lebendig und extrovertiert, die andere ruhig und introvertiert. Wenn Deine Schwester wirklich so grundsätzlich gegensätztlich ist, würde ich Eueren jeweiligen Rollen in der Kindheit etwas Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht hast Du "gelernt" diese Lebenselemente und Inhalte ihr zu überlassen und führst diesen Mechanismus unbewusst fort..?


    Auch von mir alles, alles Gute für Dich

    ...und sorry, dass mein Posting mal wieder so elendlang geworden ist
    Geändert von Inaktiver User (02.11.2008 um 02:15 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Zitat Zitat von Pusteblum
    (Zitat keiner ist zur Einsamkeit verurteilt, man kann etwas dagegen tun)
    Ich möchte es wirklich, weiß aber nicht, wie das geht!!
    Indem Du Dir selbst in den Momenten der Einsamkeit beistehst, indem Du Dich selbst findest und indem Du Dich selbst liebst und mit ganzem Herzen annimmst wie Du bist. Dann bist Du vielleicht nach wie vor allein, aber nicht mehr einsam.
    Sorry, dass das jetzt so esoterisch daherkommt. Klingt irgendwie nach kultivierter Schizophrenie Ich bin eigentlich auch eher rational. Aber das ist meine Antwort für mich, und ich muss sagen: es hilft.

  3. Inaktiver User

    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Es stimmt, aspasia - sie gehen anders damit um.

    Ich weiß, dass ich bei meiner Geburt und bei meinem Tod allein bin - und umso mehr kann ich das dazwischen .. "dieses seltene Klick" genießen.

    Und sei es nur halb, - ich glaube, das fast, fast - und wieder weg - ist es, was einen/uns/mich antreibt. Die Glasscheibe wegzureißen.

    Gute Nacht. T.

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    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Der Graywhim

    Der Graywhim ist ein kleineres Tier. Er könnte zwar auch ein Mensch sein, aber der Unterschied zwischen Mensch und Tier besteht in der Denkfähigkeit des Menschen. Graywhim jedoch erlebt einfach nur. Er sieht und hört und schmeckt, ohne über irgendetwas nachzuden-ken. Er wundert sich nicht, noch stellt er in Frage. Alles was ihm pas-siert, passiert ihm eben. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb, ist er in der Lage, Erfahrungen zu sammeln.
    Warum man ihn für einen Menschen halten könnte, kommt daher, daß seine Augen einen durchaus menschlichen Eindruck machen, ungefähr so, wie man von manchen Hunden sagt, daß sie klug schauen. Die Farbe seiner Augen ist braun und werden von langen Wimpern umrahmt. Auch das übrige Gesicht ist dem der Menschen so ähnlich, daß man meinen könnte, er sei einer. Aber fragte ihn mal jemand, würde er nicht antworten, denn er spricht nicht. In einer Großstadt zwischen Tausenden von anderen Menschen, würde er den wenigsten auffallen, da er in der Lage ist, auf zwei Beinen zu gehen. Und wenn er dann auch noch Handschuhe trüge, die seine klauenartigen Hände verbergen, könnte er seine Pfoten benutzen, wie jeder Mensch es tut. Aber Graywhim hält sich in der Stadt auf, ohne auf zwei Beinen zu gehen und ohne sich einen Mantel überzu-ziehen, was einen humanoiden Eindruck unterstützt hätte. Er geht wie ein Tier auf seinen vier Extremitäten. Und auch sonst benimmt er sich wie ein Tier, indem er frißt und auf die Straße kackt.

    Aber was ich hier erzählen möchte, ist die Geschichte, die ihm ein-mal zur Weihnachtszeit passiert ist. Es war ein sehr kalter Tag. Das Grau der Bäume und des Himmels war so grau, daß niemand auf die Idee gekommen wäre, bunte Kleidung zu tragen. Die Kälte durch-drang jeden Gedanken und wirkte sich sogar so stark auf die Gemü-ter der Menschen aus, daß jeder meinte, nur durch Schwarz und Dunkelblau und Grau der Kälte trotzen zu können. Graywhim hatte seit jeher bei den Menschen gelebt, aber jetzt zog es ihn hinaus in die Wälder. Er war der letzte seiner Art, so daß er eigentlich sowieso immer allein war. Niemand wäre auf die Idee gekommen, ihn als Haustier zu halten. Und dadurch, daß er nicht sprach, bestand für ihn auch keine Möglichkeit, Freunde zu gewinnen. Überall, wo er auf-tauchte, wurde er nur mit einem verwunderten Seitenblick betrachtet, falls ihn überhaupt jemand bemerkte.

    Doch in diesem Jahr, zog ihn irgend etwas hinaus. Oft war er dort noch nicht gewesen, da es sein normales Leben war, sich mit den Straßenkatern- und kötern um die Inhalte der Mülltonnen zu streiten. Er begann seine Wanderung über die schneebedeckten Felder, die gleich am Rande der Stadt anfingen. Seine dicke Haut, oder besser gesagt sein Fell, auch wenn er nicht sehr stark behaart war, schützte ihn ausreichend gegen die Kälte.

    Graywhim wanderte einfach immer geradeaus; Schaute dabei dem sanften Fall der Flocken zu und ab und zu jagte er erfolglos einem Kaninchen nach, bis es in seinem Bau verschwand. Die Dämmerung hatte schon seit längerem eingesetzt. Doch war ihm dies nicht aufge-fallen, da er sich nicht nach dem Stand der Sonne oder dem Grad der Dämmerung richtete. Sowieso war der ganze Tag so grau gewe-sen, daß es schien, die Dämmerung hätte sich seit dem Morgen nicht zurückgezogen.

    Graywhim wurde irgendwann müde und deshalb suchte er nach ei-nem Platz zum Schlafen. Er fand bald eine große alte Eiche, deren Krone, trotz der Tatsache, das sich kein einziges Blatt darin fand, so dicht war, daß er sich sicher fühlen konnte. Er kletterte ganz hinauf, bis er eine breite Verästelung fand, in der er es sich recht gemütlich machen konnte. Sobald er die Augen geschlossen hatte, war er auch schon eingeschlafen.

    In der Nacht kam Wind auf. Der Schnee türmte sich teilweise zu ho-hen Wehen auf, die dann wie Hügel auf den abgeernteten Feldern standen. Die Zweige der alten Eiche schaukelten im Wind, doch wa-ren sie kein bißchen morsch und hielten dem Wind stand. Graywhim bemerkte nichts von der Wetterveränderung. Er lag ruhig in der Ast-gabel und vielleicht träumte er einen Traum, in den er den Wind, oh-ne aufzuwachen, einbaute.

    Als er von dem Baum wieder herunterstieg, ging Graywhim auch jetzt einfach nur geradeaus. Die Dämmerung verzog sich auch an diesem Tag nicht so ganz. Zudem verdunkelten tiefhängende, schneebela-dene Wolken die Sonne. Der Wind war inzwischen soweit abgeflaut, daß er die Blätter, wenn sie nicht schon im Herbst bunt von den Bäumen gefallen wären, kaum noch bewegt hätte. Nur etwas war anders. Waren in der Stadt wirklich alle Farben vor der Übermacht des Winters verblaßt, und wurde der Schnee, sobald er auf die Stra-ßen fiel, zu Matsch, glitzerte hier draußen manchmal der Schnee wie ein Regenbogen in den intensivsten Farben, falls die Sonne es schaffte, einen Strahl durch die Wolkendecke zu lotsen. Graywhim stapfte durch den Schnee. Ihm fiel nicht auf, daß heute dort Hügel waren, wo sich noch gestern flache Felder erstreckten. Erinnerung an das, was gestern in seiner Umgebung Hügel oder Ebene gewe-sen war, brauchte er nicht, weil nichts davon ihn bedrohte. Graywhim lief immer geradeaus, ihn kümmerte es nicht, wohin er ging. Ein Weg war so gut wie der andere.

    Das kleine Tier lief den Tag über immer weiter und erreichte Gegen-den, die er noch niemals gesehen hatte. Weiter, gehen, um zu ge-hen, Hügel rauf, auf der anderen Seite wieder hinunter... Graywhim ließ sich treiben. Einen Hügel hinauf und auf der anderen Seite ein-fach wieder runter. Der Schnee lag gerade so hoch, daß man nicht erkennen konnte, was unter ihm verborgen war. Ohne weiteres hätte man sogar einen zugefrorenen See übersehen können. Jedoch gab es in dieser Gegend keine Seen und der einzige Bach war so schmal, daß Graywhim ihn mit einem Satz übersprang. Ein paar Me-ter hinter dem Bach begann der Schnee, sich auf einem sehr steilen Hügel an den Boden zu schmiegen. Graywhim hätte durchaus um diesen Hügel herumgehen können; aber weder ein Geruch, noch ein Geräusch lenkte ihn ab, so daß er sich geradeaus an den Aufstieg machte. Der Schnee buk unter seinen Füßen fest zusammen. Schritt für Schritt kroch Graywhim in die Höhe. Kein Grashalm lugte aus dem Schnee hervor. Und kein Baum oder Strauch wuchs auf diesem Hügel, aber das wäre dem Tier auch gar nicht aufgefallen. Es stakste Meter für Meter voran. Von Zeit zu Zeit verschnaufte Graywhim ein wenig, um sich dann wieder auf den Weg zu machen. Das ganze Land ringsum ruhte in einer Stille, die wohl nur im Winter herrschen kann. Graywhim setzte seine Füße vorsichtig, doch auf einmal rutschte er auf dem festgebackenen Schnee aus. Reflexartig versteif-te Graywhim sich, um wieder Halt zu finden. Ein kleines Stück weiter unten hatte er sich wieder gefangen und begann von Neuem, nach oben zu klettern. An der Stelle, an der er vorher ausgerutscht war, hatte er den Hügel von Schnee freigeräumt und als er jetzt wieder dort ankam, sah er ein Gesicht, daß ihm sonst immer nur in der Stadt begegnet war. An Regentagen hatte er schon manchesmal, wenn sich das Wasser zu Pfützen sammelte, dieses Gesicht gesehen. Doch so deutlich, wie es jetzt vor ihm erschien, hatte er es noch nie erkennen können. Einen kurzen Augenblick hielt er inne und dann fing er an, noch mehr Schnee wegzuschaufeln. Zu seinen Füßen fand er Wolken, die er bisher nur über sich gesehen hatte und da-zwischen stand ein Wesen, das ihm so sehr glich, als wäre er es selbst. Er wölbte seine Brust und bewegte seinen Unterkiefer mah-lend hin und her: eine Drohgebärde seiner Rasse. Doch das Wesen im Spiegel zeigte genau das gleiche Verhalten. Irritiert schüttelte Graywhim seinen Kopf, doch als er wieder auf den Boden zu seinen Füßen starrte, war das Wesen, das ihm so sehr ähnelte, immer noch da. Auch die Wolken spiegelten sich noch immer im Boden. Ko-misch, er wußte überhaupt nichts damit anzufangen. Alarmiert mach-te sich Graywhim wieder auf seinen Weg und durch die Anstrengung des Aufstiegs ließ er den Vorfall hinter sich. Graywhim stieg weiter hinauf, bis es nur noch ein kurzes Stück zum Gipfelpunkt war. Weder wußte er, wie lange er schon unterwegs war, noch konnte er ab-schätzen, wie lange er noch unterwegs sein würde. Zwar konnte er die Spitze schon erkennen, wenn er seinen Kopf weit in den Nacken legte, doch da er nur seinem inneren Antrieb gefolgt war, ohne Ziel und Sinn, achtete er nicht auf den Weg, sondern er spürte jetzt Er-schöpfung in seinen Gliedern. Seine Müdigkeit wurde so stark, daß er sich umschaute, ob von irgendwoher Gefahr drohte, die es ihm verboten hätte, sich einen Schlafplatz zu suchen. Unter seinen Fü-ßen lag Schnee, der ihn nicht gerade einlud, sich hinzulegen. Also marschierte er weiter. Seine Schritte wurden immer langsamer, je länger er ging. Schleppend kroch er nun den Berg weiter hinauf. Nach einiger Zeit sah er die Spitze des Berges genau über sich. Graywhim strengte sich noch einmal kräftig an, um direkt auf die Spitze zu gelangen. Nicht zu stark jedoch, um nicht wieder ins Glei-ten zu kommen. Er erklomm die Spitze und fand sich plötzlich in ei-ner Situation wieder, die ihm keinerlei Möglichkeit gab, sich auszuru-hen. Er stak auf der Spitze fest. Der Berg war mit einem Mal an bei-den Seiten so steil, ohne jegliche Abflachung, auf der er sich hätte ausruhen können, daß seine Vorderpfoten auf der einen Seite und die Hinterpfoten am anderen Abhang schlaff in der Luft hingen. Die Spitze drückte sich schmerzhaft in seinen Magen. Und ihm wurde bewußt, daß sein Magen zu allem Übel auch noch leer war. Er steck-te in einer ausweglosen Klemme. Auf beiden Seiten des Berges ging es so steil bergab, daß er sich ganz ernsthaft verletzten würde, falls er sich auf der einen oder anderen Seite hinabgleiten ließ. Graywhim stak auf der Spitze und wagte nicht, sich zu rühren. Er strampelte ein wenig hin und her, um seine Position so zu verändern, daß die Schmerzen erträglich wurden. Aber auf keine der beiden Seiten schien es ihm möglich, heil herunterzukommen. Inzwischen hing er bereits mehrere Stunden in seiner ungünstigen Stellung. Und außer kläglicher Laute und einer stärker werdenden Verzweiflung änderte sich nichts. Ein tiefer, schmerzvoller Laut entrang sich seiner Kehle. Fast wie das Heulen eines Wolfes trug der Wind diesen Ton davon. Durch diese Anstrengung verstärkte sich der Schmerz nochmals. Graywhim begann, nachdem dieser Laut nichts bewirkte, zu grum-meln und zu stöhnen. Seine Stimmbänder versagten ihm jedoch schon bald den Dienst.
    Ein Gedanke schnitt ihm plötzlich ins Gehirn. Er hatte sich offensicht-lich die ganze Zeit beklagt. Also war er in der Lage, zu denken. Den-ken! Denken? Er begann, zurückzuschauen in seiner Erinnerung. Sein ganzer Schmerz und Ärger müßte ja jetzt durch Überlegen ver-ändert werden können. Wenn er sich beklagen konnte, konnte er denken. Und wenn er denken konnte, dachte er, könnte er sich einen Ausweg ausdenken. Fasziniert testete er noch mal sein Gehirn. Wenn ich denken kann, kann ich meinen Ärger wegdenken und die Situation ändern, da ich mir eine Lösung ausdenken kann und mei-nen Ärger in Vorfreude oder Mut wandeln, den ich doch viel nötiger habe. Die Gedanken kamen präzise, aber noch sehr stockend. Inte-resse flammte in ihm auf. Er erinnerte sich jetzt auch an das, was sich in dem Berg gespiegelt hatte. Daß mußte ja er selbst gewesen sein. Und durch Reflektion kam er jetzt darauf, daß es sich wirklich um sein Spiegelbild gehandelt hatte und er so erschrocken war, weil er sich noch nie wirklich selbst gesehen hatte. Sein Gehirn funktio-nierte nun in einer Geschwindigkeit, die es ihm erlaubte, über eine Lösung für sein Problem nachzudenken. Er betrachtete den Berg un-ter sich und fing an, den Schnee mit den Vorderpfoten fortzuwischen. In kurzer Zeit lag die Krone des Spiegelbergs befreit vor ihm. Er konnte sich wieder sehen und betrachtete sein Bild nun sehr einge-hend. Er schüttelte den Kopf leicht, ohne die Augen abzuwenden und begutachtete jeden seiner Züge. Nach einiger Zeit stiegen ihm Tränen in die Augen. Nicht, daß er sich häßlich fand, oder daß die Schmerzen wieder überhand nahmen. Er wurde sich zum erstenmal wirklich bewußt, daß niemand, den er jemals gesehen hatte, Ähn-lichkeit mit ihm hatte. Er war ganz allein auf der Welt. Niemand, der zu ihm gehörte, oder der ihm hätte helfen können. Wenn ich doch nur in der Stadt geblieben wäre. Dann würde ich jedenfalls nicht wis-sen, daß es so ist. Mir wäre niemals bewußt geworden, was ich jetzt weiß. Die Sicherheit der Stadt wäre mir viel lieber. Und nachdem er sich genug beklagt hatte und das langweilig wurde, fing er an, stumm vor sich hin zu fluchen, und für seine vertrackte Lage die Schuldfrage zu klären. Er überlegte hin und her, fand, daß ihm die Katzen und Hunde in der Stadt näher hätten kommen können und ihn daran hin-dern, die Stadt zu verlassen. Dann fiel ihm ein, daß die Tiere ja zu dumm waren, um überhaupt zu begreifen, was vor sich ging. Er sehnte sich nach einem Menschen auf dessen Schoß er sich legen könnte und der ihm den Nacken kraulte. Er stellte sich vor, vor einem warmen Ofen zu liegen und warm und weich seinen Träumen nach-zuhängen.

    Und noch immer steckte er auf dem Berg. Obwohl er sich inzwischen so viele Gedanken gedacht hatte und obwohl er schon etliche An-strengungen gemacht hatte, einen Schuldigen zu finden, änderte sich nichts. Graywhim begann zu weinen. Und noch immer steckte er auf dem Berg. Für weiteres Beklagen und Meckern reichte seine Kraft nicht mehr. Resignierend stellte er sich darauf ein, hier auf der Spitze verhungern zu müssen. Die einzige Bewegung, die ihm unge-hindert möglich war, war die seines Kopfes. Er bewegte ihn ein we-nig hin und her, nahm sich wieder im Spiegel war. Jetzt schaute er genauer hin und fand eine feine Linie, die mitten durch sein Gesicht führte. So weit, wie es ihm möglich war, senkte er den Kopf und be-trachtete sich noch eingehender. Die Linie gehörte nicht wirklich zu seinem Gesicht, stellte er plötzlich fest. Das war eine Linie im Berg. Und die Linie reichte, soweit er das überblicken konnte, um die ge-samte Spitze herum. Seine Erschöpfung wich neuerlicher Spannung. Wenn die Spitze gar nicht fest mit dem Berg verbunden ist, gab es vielleicht eine Möglichkeit, hineinzukommen. Er klopfte mit einer Pfo-te auf die Linie, klopfte sie Stück für Stück ab, um zu testen, ob sie sich irgendwo löste. Er stellte fest, daß der Schnitt wirklich um die gesamte Spitze herumreichte. Mit allerletzter Kraft bewegte er noch einmal seinen ganzen Körper, um diesen Riß zu vertiefen oder den Berg abzuflachen, daß er sich darauf hätte legen können. Seine letz-te Kraft reichte aus. Er schaffte es wirklich, die Spitze zu bewegen.

    Im gleichen Augenblick, wo das Innere des Berges sich vor ihm öff-nete, stieß in einer gewaltigen Entladung, wie bei einem Vulkan, et-was aus der Mitte des Berges heraus und trug Graywhim hoch in die Luft. Graywhim hockte nun auf einer Fontäne aus Dreck und Schmutz. Seine Verzweiflung konnte er schon gar nicht mehr in Wor-te fassen. In seinem Gehirn herrschte ein Chaos aus Angst, Schre-cken und Resignation. Mit Schmutz bespritzt und in dieser aussichts-losen Lage ergab er sich dem Druck der Fontäne und von der Gewalt des Schlamms getragen, gab Graywhim, auch wegen seiner Er-schöpfung, nun endgültig auf.
    Von Graywhim unbemerkt, wurde die Fontäne ganz langsam schwä-cher. Stück für Stück senkte sie sich wieder in den Berg hinab und trug dabei aber Graywhim fast zärtlich mit hinein. Verdreckt hockte Graywhim auf der Fontäne und plötzlich spürte er festen Boden unter seinen Pfoten. Dort wo vorher der Gipfelpunkt war, klaffte jetzt eine Öffnung. Eine Treppe führte weiter in das Innere des Berges hinein. Erschöpft schleppte er sich Stufe um Stufe hinunter. Im Innern legte er sich hin und schlief sofort ein.

    Als Graywhim aufwachte, hob er den Kopf und sah ein Napf mit et-was zu Fressen vor sich stehen. Er bediente sich und kam erneut zu Kräften. Nun blickte er sich um und fand sich in einem Raum von so unsagbarer Schönheit und strahlender Helligkeit wieder, wie er sie noch nicht gesehen hatte. Wispernde Stimmen wehten wie ein seichter Wind durch den Raum und wärmten ihn und er verstand, daß dies die Stimme des Berges war, der ihm sagte, daß er nun zu Hause sei. Eine Tür an einer Seite des Raums war offen und ihm stand es jederzeit frei zu kommen und zu gehen, wie es ihm beliebte.
    Nachdem er sich gestärkt hatte, sah er sich noch einmal um in seinem Innern, und nahm nun das neue Wissen, das er hier gefunden hatte mit zurück in die Stadt.
    Hier lernte er nun von den anderen Tieren und lernte zu spielen und zu leben wie sie. Mal gebärdete er sich wie eine Katze, und strich sanft an den Beinen von Menschen entlang, oder er beschützte ein Kind, wie es ein Hund tun würde. Sein Weggang und seine Traum im Winter, hatten ihm nun Möglichkeiten gegeben, Beziehungen ganz nach seinem Geschmack und seinen Fähigkeiten zu bilden.
    Wer nicht nach innen geht,
    geht leer aus.

    看起来我像是在说中文

    我说的是中文吗?

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    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Ich kenne dieses tiefe Einsamkeitsgefühl und das Gefühl der Abgespaltenheit von anderen auch...

    Ich glaube, dass es ansatzweise in jedem vorhanden ist, sich die einen dessen aber gar nicht bewusst sind (sein können), und andere wiederum "konstuktiver", "lebbarer" damit umgehen.

    Vielleicht hat es auch mit Perfektionismus zu tun und ganz einfach mit unserem Erkennen, dass wir im tiefsten Inneren immer einsam sein werden, was wir auch tun.

    Gleichgesinnte bzw. "Gleichgepolte" zu finden ist zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer, doch nicht ganz "falsch" zu sein.

    Danke für diesen Strang

    @ aspasia:

    Vollkommene Zustimmung zu deinem langen Post!

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    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Zitat Zitat von Malina70
    Und mir ist in Deinem Posting nicht so ganz klar geworden, wieviel von Deiner Einsamkeit frei gewählt ist und wieviel auf dem Umstand zurückzuführen, dass Du Dich aufgrund von Enttäuschungen von dem Menschen zurückgezogen hast.
    Gute Frage! Ich glaube, zweiteres trifft auf mich zu.
    Zitat Zitat von Malina70
    ... "kontaktfreudige Einzelgängerin"
    Hmm, schöne Bezeichnung!
    Zitat Zitat von Malina70
    Aber um das Alleinsein zu schätzen, braucht man die innere Gewissheit, dass es sich um eine bewusste Entscheidung handelt und nicht aus der Not heraus geboren ist. Und es ist auch ein Unterschied, ob man im Grunde gerne allein ist und nur das Gefühl hat, das sei nicht normal. Oder ob man sich insgeheim sehr intensiv nach Geselligkeit, Austausch und Kontakt sehnt, nur für sich keinen Weg findet, daran teilzuhaben.
    Ich glaube, ich habe mich nicht bewusst für das Alleinesein entschieden, aber habe trotz alledem versucht, mir mein Leben mit dem Alleinesein schön und lebenswert einzurichten. Ich habe also quasi aus der Not heraus versucht, mich damit zu arrangieren. Heute brauche ich tatsächlich viel Zeit für mich alleine, aus einem inneren Bedürfnis heraus und weil ich mir im Laufe der Jahre viele Hobbys und Beschäftigungen zugelegt habe, die ich mit mir selber machen kann und möchte, wie z.B. das Ausleben meiner eigenen Kreativität.
    Zitat Zitat von Malina70
    Aber wie sieht es ansonsten mit Deinem aktuellen sozialen Umfeld aus? Wie sähe Dein Leben im Idealfall aus? Und ist das wirklich Dein Wunsch, oder eher der Wunsch, einem gesellschaftlichen Ideal zu entsprechen? Wie fühlst Du Dich von Deinen Eltern wahrgenommen, im Gegensatz zu Deiner kontaktfreudigen und beliebten Schwester?
    Ich habe eine Freundin.
    Mein Leben sähe im Idealfall so aus, dass ich einige, vielleicht drei, vier, fünf sehr gute Freunde hätte. Das fände ich mehr als ausreichend. Außerdem wünschte ich mir, allgemein beliebter bei den Menschen zu sein. Ich wünschte mir, einer dieser Menschen zu sein, denen man auf Anhieb gerne viel Sympathieen entgegenbringt. Leider gehöre ich nicht zu diesen Menschen. Ich glaube, man nimmt mich da als eher etwas "sperriger" und unbequemer wahr ...
    Haha, bald ist Weihnachten und ich kann dem Christkind ja mal meinen Wunschzettel auf den Kaminsims legen ...

    Ich glaube, dass ein Teil meiner Einsamkeitsgefühle auch daher rührt, weil "man einfach Freunde hat". Das scheint eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit zu sein. Es gibt einfach niemanden, der keine Freunde hat oder einsam ist. Zumindest in unserer Gesellschaft scheint dies ein unausgesprochenes Faktum zu sein. Jeder HAT einfach ein ausgewogenes, intaktes Sozialleben. Wenn es denn Menschen gibt, bei denen dies nicht der Fall ist, stimmt irgendetwas nicht mit ihnen, so die Sichtweise in unserer Gesellschaft - zumindest ist dies mein Eindruck.

    Einsamkeit ist ein Tabu. Wenn ich meine Einsamkeit anderen gegenüber benenne, schaut man mich immer ein wenig kritisch aus den Augenwinkeln an und zieht sich nicht selten ein stückweit zurück ...
    Zitat Zitat von Malina70
    Das sind Techniken, die die meisten von uns bereits in der Kindheit lernen. Und ich habe oft erlebt, dass Menschen, die in ihrer Kindheit starke Außenseiter waren, genau damit ein Problem haben.
    Ja, da gebe ich dir Recht. Auch ich habe das Gefühl, in meiner Sozialkompetenz Defizite zu haben.
    Zitat Zitat von Malina70
    Aber ich bin davon überzeugt, dass man auch in fortgeschrittenem Alter noch viel lernen kann. Niemand ist dazu verdammt, auf ewig mit den Auswirkungen seiner Vergangenheit zu leben.
    Da stimme ich dir hundertprozentig zu.

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    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Zitat Zitat von Kuehlesblondes
    Wie ist die Beziehung zu deiner Zwillingsschwester? Kann sie in irgendeiner Form Motor für deinen Weg aus der Einsamkeit sein?
    Meine Zwillingsschwester glaubt, dass ich ihr ihre Freunde neide, und sie ihr missgönne. Ersteres trifft in der Tat zu, zweites aber nicht. Durch sie wird mir immer wieder klar, was es ist, was ich mir doch auch so sehr wünschen würde. Durch den Kontakt zu ihr werde ich immer wieder mit der Nase drauf gestoßen. Das ist u.a. ein Grund, weshalb ich den Kontakt zu ihr sehr reduziert habe.Wirklich doof, ich weiß, aber mir geht es besser, wenn ich nicht immer wieder daran erinnert werde.


    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Was ich wohl nie schaffen werde, ist das echte "Networking".
    Oh ja, da sagst du etwas! Darin bin ich auch sehr schlecht, was aber gerade in meinem Beruf ziemlich nützlich wäre.
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Je entspannter ich mich so akzeptiere, wie ich nun einmal bin, desto besser geht es mir dabei. Ich würde sagen: ich habe mich für mich selbst entschieden.
    Heißt das auch, dass du dich mit deinem Alleinesen und auch mit Einsamkeit abgefunden hast? Oder kommt die Einsamkeit gar nicht mehr so auf seitdem du dich mit deinem "Andersein" angefreundet hast?
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Allein ist schon härter!

    Ich hatte in den letzten Monaten eine Ehekrise zu bewältigen, zwei Todesfälle in der Familie und auch bei mir hat das in dieser Zeit meine dunkle, traurige Seite befördert.
    Oh je, da hattest du aber viel zu verarbeiten, du Arme. Ich wünsche dir, dass es dir langsam wieder besser geht und du dich bald von diesen Ereignissen erholst!!
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    (...) von unserer Sorte gibt es doch einige, und es gibt nichts schöneres, als sie zu erkennen und ihre Bekanntschaft zu geniessen, auch wenn es flüchtig und nicht von Dauer ist.
    Ich bin auch ganz erfreut, dass es von uns noch mehr gibt. Irgendwie beruhigt mich das und macht ein wenig weniger einsam, findet ihr nicht auch??


    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Diese Dinge haben sich irgendwie eingeschliffen, der Gedanke, ich könnte trotz meines Andersseins gemocht werden erscheint mir absurd. Deshalb habe ich den Mechanismus entwickelt, Menschen von vorneherein auf Distanz zu halten. 'Die/Der wird mich eh nicht mögen' ist so ein typischer Gedanke, der mich davon abhält, mich näher auf andere Menschen einzulassen.
    Jaja, du sagst es! Auch ich kann mir oft gar nicht vorstellen, dass mein Gegenüber mich mögen könnte und sogar womöglich mit mir befreundet sein möchte. Wuaaah! Gibt es eine Möglichkeit, sein Hirn neu zu programmieren??


    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Es gibt Tage, an denen ich Frieden mit diesen Gefühlen schließen kann. Manchmal denke ich mir: vielleicht ist das mein Schicksal (falls es so etwas gibt), vielleicht ist das meine ganz persönliche Herausforderung im Leben mit dieser Einsamkeit im tiefsten Inneren klarzukommen.
    Darüber habe ich auch schon häufig nachgedacht, aber ich bin weder ein religiöser, noch ein schicksalsgläubiger Mensch. Aber ich glaube ein Stück weit an selbsterfüllende Prophezeiung, und daran, dass sich das Leben in Teilen so ereignet, wie man sich den Weg im Vorfeld (auch unbewusst) ebnet. Diesen Kreislauf würde ich gerne durchbrechen. Ich kann mich nicht damit abfinden, dass Einsamkeit und Alleinesein wesentlicher Bestandteil meines Lebens sein und bleiben sollen.
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    (...), dass viele Menschen sich gar nicht erst trauen, sich mit diesen Gefühlen zu konfrontieren. D.h. ja nicht, dass sie sie nicht haben. Sie gehen nur anders damit um. Und bei uns liegt es wohl in unserem Wesen verankert nicht einfach dieses Gefühl wegwischen und übergehen zu können, sondern ihm nachgehen zu müssen, ja gar nicht anders zu können, als diesem Gefühl nachzuspüren, selbst wenn es uns sehr weh tut.
    Ich denke schon, es gibt Menschen, die faktisch einsamer sind als andere. Und ich gebe dir recht, dass Menschen unterschiedlich intensiv mit diesem Thema umgehen.

  8. User Info Menu

    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Hallo Pusteblum,

    Außerdem wünschte ich mir, allgemein beliebter bei den Menschen zu sein. Ich wünschte mir, einer dieser Menschen zu sein, denen man auf Anhieb gerne viel Sympathieen entgegenbringt. Leider gehöre ich nicht zu diesen Menschen. Ich glaube, man nimmt mich da als eher etwas "sperriger" und unbequemer wahr ...
    Was glaubst, woran es liegt, dass man Dich sperriger wahrnimmt? Wie müsstest Du sein, damit man Dich gleich mag?

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ein Stück weit kann man lernen, offener auf andere Menschen zuzugehen und ihre Sympathien zu wecken. Und ein Stück weit muss man u.U. auch damit leben, nicht der Typ für den ersten Blick zu sein.

    Oft ist es auch einfach die Einstellung, die man anderen Menschen gegenüber hat, die man ausstrahlt und die einen dann sympathisch wirken lässt. Also wenn ich der Meinung bin, bis zum Beweis des Gegenteils sind andere Menschen grundsätzlich nett und freundlich und wollen mir nichts Böses, dann geh ich schon mal anders auf sie zu, als ich wenn ich mich innerlich in Abwehrhaltung begebe und ständig aufpasse, wer mir was tun könnte.

    Ich habe oft beobachtet, dass gerade Menschen, die in der Kindheit und Jugend Außenseiter waren, oft letztere Haltung haben, was es teilweise sehr anstrengend macht, mit ihnen umzugehen. Ein einziges "Fehlverhalten" kann dann soviel Misstrauen und Abwehr aktivieren, dass darüber jahrelange Freundschaften zerbrechen können. Und plötzlich merkt man, dass dieses Misstrauen latent immer vorhanden war und durch nichts ausgeräumt werden kann.

    Ich glaube aber, dass man es grundsätzlich selbst in der Hand hat, welche Einstellung man zu anderen Menschen hat. Auch Therapie hilft da in meinen Augen nur insoweit, als man dadurch bestimmte Impulse bekommen kann. Aber die Entscheidung, wie man sein möchte und die Umsetzung liegt ganz allein bei einem selbst. Das ist zugleich gut und schlecht. Gut, weil man eben von niemandem abhängig ist, auch nicht von äußeren Umständen. Und schlecht, weil es wirkliche Arbeit erfordert und nicht auf Knöpfchendruck passiert.

    Insofern würde ich Dir sagen: sei Dein eigenes Christkind

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  9. Inaktiver User

    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Zitat Zitat von Malina70
    Hallo Pusteblum,

    Oft ist es auch einfach die Einstellung, die man anderen Menschen gegenüber hat, die man ausstrahlt und die einen dann sympathisch wirken lässt. Also wenn ich der Meinung bin, bis zum Beweis des Gegenteils sind andere Menschen grundsätzlich nett und freundlich und wollen mir nichts Böses, dann geh ich schon mal anders auf sie zu, als ich wenn ich mich innerlich in Abwehrhaltung begebe und ständig aufpasse, wer mir was tun könnte.

    Ich habe oft beobachtet, dass gerade Menschen, die in der Kindheit und Jugend Außenseiter waren, oft letztere Haltung haben, was es teilweise sehr anstrengend macht, mit ihnen umzugehen. Ein einziges "Fehlverhalten" kann dann soviel Misstrauen und Abwehr aktivieren, dass darüber jahrelange Freundschaften zerbrechen können. Und plötzlich merkt man, dass dieses Misstrauen latent immer vorhanden war und durch nichts ausgeräumt werden kann.
    Mit dieser Beobachtung hast du leider Recht, Malina. Genau diese Abwehrhaltung schleppe ich auch schon sehr lange mit mir herum.

    Ich bemühe mich, das abzulegen, aber es ist eben nicht so einfach. Ja, man kann seine Einstellung gegenüber anderen beeinflussen, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Tiefliegende Gedankenmuster verschwinden nicht einfach.

    Von daher denke ich, dass eine Therapie schon weiterhelfen kann. Natürlich gibt sie nur Impulse, aber gerade das ist notwendig, wenn man seine Einstellung verändern will.

  10. Inaktiver User

    AW: Abgenabelt von der Welt ...

    Hallo Pusteblum,

    danke für deine lieben Worte!

    Ja, mir geht es schon wieder besser. Bin zwar immer noch etwas anfällig für Traurigkeit, aber der Trend ist positiv...

    Dazu möchte ich noch was antworten:

    Heißt das auch, dass du dich mit deinem Alleinesen und auch mit Einsamkeit abgefunden hast? Oder kommt die Einsamkeit gar nicht mehr so auf seitdem du dich mit deinem "Andersein" angefreundet hast?
    Gut gefragt! Und - es stimmt beides, irgendwie. Ich hab mich irgendwie entspannt. Ich bin so. Ich bin jetzt auch in einem Alter, wo ich mich nicht mehr total umkrempeln will (Altersstarrsinn, haha!), wo ich aber auch denke: hey, für wen denn? Ich bin okay, auch und gerade mit meinen Einsamkeitsgefühlen.
    Tja, und seit ich das vor einiger Zeit so für mich entschieden habe, interessierten sich plötzlich einige nette Leute für mich (ja, ich meine im rl!).

    Ich fand auch deine Anmerkungen zum Bereich "Freunde hat jeder - soziales Tabu" ganz interessant. Manche(r) wäre vielleicht zufriedener, wenn es nicht "dazu gehören" würde, beliebt zu sein und gern gesehen... Freunde sind doch eine persönliche Angelegenheit, eine schöne Verbindung zwischen 2 Menschen. Haben wir vielleicht zuviel Respekt vor dem Thema, während andere durchaus eine Statussymbol-Aktion draus machen? Naja, wer braucht schon Freunde, die einen nur interessant finden, wenn man etwas darstellt oder angesagt ist.....?

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