Ich mussdarf bis zum Monatsende drei bis fünf Kurztexte für meine November-Lesung einreichen, - Thema und Gattung frei.
15-20 Minuten Lesezeit, die ich gerne mit unterschiedlichen Stimmungsbildern füllen würde, ohne die Basisatmosphäre zu killen.
Problem: Ich kann mich nicht entscheiden und bin auf Hilfe angewiesen.
Gibt es aus der Vielzahl brischer Texte einen Dröpsschen Wort-Erguss, der unbedingt einmal in einer alten Schmiede vor einem Kaminfeuer gelesen werden sollte?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 83
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25.08.2008, 11:59
Dropstext für Lesung gesucht!
1.) Der Unter zwischen einem Schied liegt immer oberhalb.
2.) Das Brot lebt nicht vom Mehl allein.
9.) Iss einen Keks.
Ein Buch ist wie ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinschaut, kann kein Apostel herausblicken.
(Georg Christoph Lichtenberg)
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25.08.2008, 12:41
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
Frau Brink nickt
Sonntag
Sommer 76
Richtige Wörter haben eine Körpertemperatur von ungefähr 37 Grad.
(Günter Ohnemus)
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25.08.2008, 18:20
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
Ich weiß ja nicht, wie edelrustikal Dein Publikum sein wird.
Ab wann die ersten Frauen schreiend den Saal verlassen, die ersten Männer angestrengt - betreten ihr Schuhwerk studieren.
Das finde ich sehr schön, schöne Bilder.
Und auch das.
Zur Enthemmung.
Mehr geht nicht, Dröpschen, denn es fällt schwer, Dich zu lesen, weil es schmerzt.Geändert von arouet58 (25.08.2008 um 18:35 Uhr)
Cum grano salis
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25.08.2008, 18:37
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
Frau Brink nickt - finde ich auch toll
Dies hier - ggfs etwas ausgefeilt
Mittwoch
Sommer 1976: unbedingt
Ich liebe auch das Christkind
Ausgerechnet Maria (fnde ich aber nicht)
Dies hier?
Es ist sehr schwer.Drink in your summer, gather your corn
M. Jagger
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25.08.2008, 18:48
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25.08.2008, 18:49
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
Für Thomas ist sehr schön.
Drink in your summer, gather your corn
M. Jagger
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25.08.2008, 19:23
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
Eine super Idee, weil Berni und Gisela im Publikum sitzen werden.
Zitat von arouet58
Stell mir gerade vor, wie ich mich ins Mikro räuspere und sage:
Den folgenden Text widme ich meinem Kumpel Berni und seiner bezaubernden Freundin Gisela an Tisch 8.1.) Der Unter zwischen einem Schied liegt immer oberhalb.
2.) Das Brot lebt nicht vom Mehl allein.
9.) Iss einen Keks.
Ein Buch ist wie ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinschaut, kann kein Apostel herausblicken.
(Georg Christoph Lichtenberg)
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25.08.2008, 19:26Inaktiver User
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
So ganz auf die Schnelle:
Neben "Frau Brink nickt" mag ich dies hier und das (wobei das wohl zu Bri-bezogen ist ...)
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25.08.2008, 20:37
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
Noch
etwas.
Frühlingshafter Trug auf altem Zaune, das gehört zu den Formulierungen von Dir, die ich nie vergessen werde, Eselchen.
Es gibt so viel von Dir, in der Bri. verstreut.
Du hast sie geübt, die Kunst der Verschwendung.
Dabei bleibt Deine unschätzbar wertvolle Lebenshilfe sogar noch völlig ungewürdigt.Geändert von arouet58 (25.08.2008 um 20:51 Uhr)
Cum grano salis
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25.08.2008, 21:40
AW: Dropstext für Lesung gesucht!
Oh ja!
Zitat von arouet58
Ich hab's einfach dem Leben nachgemacht.
Nichts und niemand "verschwendet" tollkühner und wagemutiger als das Leben selbst.
Es fragt nicht nach Zielen und Ergebnissen.
Genau darin liegt das Geheimnis aller Schöpfung, all der Schönheiten und Grausamkeiten der Existenz.
"Selbstverfeinerung ist Masturbation. Selbstzerstörung hingegen ..."
Ein Zitat aus Fight Club.
Der Grundgedanke ist gut. Man kann ihn prima weiterführen.
Zu Nietzsche zum Beispiel.
"Verbrennen musst du dich wollen in deinen eigenen Flammen. Wie wolltest du neu werden, wenn nicht über die Asche?"
Ich glaube, der Mensch muss sich seine unschuldige Voruneingenommenheit, mit der er auf die Welt kam, durch den unbedingten Willen, neugierig, lebenshungrig und verschwenderisch zu leben, zurückerobern.
Wenn er im Fluss ist mit den Dingen, wenn er mit Schmetterlingen schwimmt, dann findet er den Einklang mit sich selbst.
Er summt dann wie ein Bienenhintern, omt sich ins Herz des Universums und überwindet die Angst vor der Endlichkeit.
Verschwendung macht, im Gegensatz zu ihrem Gegentyl, der Vergeudung, Spaß und Sinn im Unsinn.
Wieder kommt mir Nietzsche in den Sinn:
"Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."
Oder Thoreau:
Ich ging hinaus in die Wälder,
weil ich wohlüberlegt leben wollte.
Intensiv leben wollte ich,
und das Mark des Lebens in mich aufsaugen,
um nicht in der Stunde meines Todes innezuwerden,
niemals gelebt zu haben.
Man muss Mut haben, sinnlich zu sein.
Man muss Mut haben, sich immer wieder zu verrücken.
Niemals stehen zu bleiben, um sich oder anderen zu genügen oder sich an sich selbst festzuhalten.
Schreiben hält auch fest.
Hält Gedanken in Schiffen, die man aufs Meer sendet.
In der Hoffnung, aus den Gedanken würden Tauben, die eines Tages mit einem Ölzweig zurückkehren.
Weil der Mensch aus dem Munde des Schöpfers hören will, dass er existiert, um geliebt zu werden.
Ein tiefmenschliches Paradoxon, das Rätsel der Sterblichen, das in Wahrheit keines ist.
Wir wissen von der Liebe, aber fühlen sie nicht.
Wir suchen nach Beweisbarkeit dessen, was im Wunder unserer Existenz jede Sekunde unseres Lebens leuchtet.
Worte sind Schiffe, sind Kathedralen.
Man muss sie einfach machen. Schlicht. Ganz klein.
Damit sie heimlich ins Unterbewusste sickern können, wie Wasser an die Wurzeln des Geistes und der Seele.
Dort sprengen sie dann alle Fesseln frei.
Worte müssen sein wie Chili-Schokolade. Süß und scharf und samtig.
Damit sie im Seelenmund zergehen und sich dort ausbreiten wie ein Teppich aus Sinnlichkeiten, reif und vollkommen.
Religion nennt das Sünde, Gott nennt es:
Leben.1.) Der Unter zwischen einem Schied liegt immer oberhalb.
2.) Das Brot lebt nicht vom Mehl allein.
9.) Iss einen Keks.
Ein Buch ist wie ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinschaut, kann kein Apostel herausblicken.
(Georg Christoph Lichtenberg)


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