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  1. Inaktiver User

    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Zwischendurch was von Baselitz Cartland ...

    “Severina … wo steckst du denn? Ich muss dir unbedingt was zeigen”
    Katharina stellte sich auf die Zehenspitzen um durchs Fenster in die grosse Küche des Haupthauses zu spähen. Sie erblickte drei tote Hühner, die, noch ungerupft, auf dem schweren Tisch in der Mitte des Raumes lagen. Es hätte keinen Sinn noch weiter nach ihrer Freundin zu rufen, wusste Katharina, denn Severina hatte sich aus dem Staub gemacht, und würde die Küche erst dann wieder betreten, wenn sie sicher sein konnte, dass die drei Hühner bereits in der Suppe kochten.
    “Wo könnte sie bloss stecken?” fragte sich Katharina, und schlenderte, nun leicht lustlos und auch etwas enttäuscht in den Garten, um sich dort auf die Bank im Schatten der Linde niederzulassen.

    Severina hatte dem Koch bloss nen Vogel gezeigt, sich geschwind umgedreht und empört die Küche verlassen. Severina brachte den Hühnern morgens ihr Futter, liess sie aus dem Stall, sammelte die Eier ein, und sang bisweilen einer Henne etwas vor, wenn auffiel dass sie kaum noch Eier legte. Manchmal rettete Severinas Gesang eine Henne tatsächlich vorm Schicksal im Kochtopf, denn ab und an begann diese wieder Eier zu legen.
    “Da rupf’ ich doch ihnen nicht das Gefieder!”

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    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Ein feines Dankeschön!
    Richtige Wörter haben eine Körpertemperatur von ungefähr 37 Grad.
    (Günter Ohnemus)

  3. Inaktiver User

    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Rottmann betrat Walters Büdchen. Zu seiner Erleichterung war Walter allein und auch in den engen Gassen Alt-Ehrenfelds war nicht allzu viel los. Eine Unterhaltung dürfte also nicht allzu oft gestört werden.
    Er begrüsste Walter, stellte sich so, dass er den Eingang im Blick hatte und kam gleich zur Sache:
    „Walter, reden wir Tacheles! Du hast für Sylvias Vater die Wetten platziert, und wenn Paul telefoniert hat, hast du das ein oder andere Wort mitbekommen, und ordentlich in deinem Hirn unter der Rubrik Wichtig abgelegt. Stimmt das bis dahin?“
    „Dat es esu. Mööts nä Kabänes?“
    „Äh nä! Weiter! Im „Willis“ sind ähnliche Worte gefallen, und Herrmann vom „Stammer“ hat dir hier erzählt, dass harte Jungs irgendwat von Picasso erzählen, und dat is ihm nur deshalb aufgefallen, weil harte Jungs über sowat normalerweise nich quasseln, richtig!?“
    „Richtich. Mööts nä Früh?“
    „Nä, auch nich! Walter, ich möchte von dir jetzt ein paar Worte wissen, die du noch im „Willis“ aufgeschnappt hast!
    „Naja,“ Walter druckste rum „ich nehm an, dat noch wichtigste Wort war ‚Hotel Lux’!“

    Scheisse!! ... Russen!

    „ Walter, do misch emol nä Kabänes!“

  4. Inaktiver User

    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    „Putzt immer noch Gertrud für dich?“
    „Klar!“
    „Hat sie mal nach mir gefragt?“
    „In den letzten 4-5 Monaten, Gott sei Dank nicht mehr ganz so häufig,“
    Daniel und Sylvia grinsten. Sie fanden einen Parkplatz dicht (!) bei Daniels Wohnung.

    Sie betraten den Hausflur, und gingen in den Fahrstuhl.
    „Ich hoffe, es liegt nix rum, für das ich dir das Poppen verweigern muss!“
    „Hau nich so auf den Putz"
    Daniel schloss die Tür auf, und sie betraten die Wohnung.
    „Gibt’s irgendwelche interessanten Veränderungen?“
    „Nur eine.“
    „Und was?“
    „Du wirst nicht lang brauchen, das zu entdecken! Wollen wir hier zu abend essen, oder gehen wir in die ‚Schwarzenburg’?“
    „Frag mich später nochmal, dafür hab ich noch keinen Kopf“
    Sly begab sich auf ihren Kontrollgang, Daniel sah ihr schmunzelnd hinterher.
    „DU HAST EINEN BASELITZ??“...trompetete es aus dem Wohnzimmer.
    Daniel ging hinüber, lehnte sich lässig an den Türrahmen, und seufzte:
    „Ja, Polkes warn grad aus.“

  5. Inaktiver User

    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Katharina setzte sich auf die Bank, und zog das kleine Büchlein hervor, das sie am morgen auf dem Markt in der Stadt erstanden hatte. Es war ein Gedichtband mit zehn Werken von Alfred Henschke, der allgemein unter dem Pseudonym 'Klabund' bekannt war. Katharina würde diesen kleinen Schatz hüten wie ihren Augapfel (wie sie das mit vielen ihrer Schätze tat)
    Jetzt allerdings war es ihr grösster Wunsch, Severina an ihrem Glück teilhaben zu lassen ...

    “O wenn mein Mund an deinem Munde brennt,
    Firmamente erblühen feurig am Firmament!
    Sonne hat sich in aber Sonnen gespalten,
    Wo ein Büsser in dürre Knie sank, Millionen Chöre
    singend die betenden Hände falten.

    Mond rollt mit vielen Monden an goldner Kette.
    Mädchen, o tanzte ich erst in deinem hüpfenden Bette!
    Mein Atem weht wie Beduinenwind um deiner Brüste rosiges Gezelt.
    Mein Auge ist kleiner Gott, dein Leib ist die grosse Welt.

    Alle meine wilden Willen wurden zu Kindern, die spielen möchten
    Und die sich gerne Veilchenblüten in ihre maibraunen Haare flöchten.
    Der ich über das Gebirge hinschreite mit Macht:
    Felsensturz nicht fürchte und nicht Lawine und nicht
    des Dunkels dunkle Nacht -
    Ich zittre, dass mein Körper klirrend wie Kettenpanzer bebt,
    Meine Füsse trommeln, Nebel grau an meinen Schläfen klebt:
    Hebst du wie Schmetterlingsflügel den leichten Blick!
    Ach wie fern ist noch nächste Nähe dem weitesten Glück!


    ... "er ist schon ein kleiner Schelm, der gute Klabund, nicht wahr Katharina?“
    Katharina hatte noch immer leicht Herzklopfen wegen des Schreckens, den der lautlose Ankömmling ihr versetzte, indem er hinter ihr unvermittelt zu sprechen begonnen hatte; daher entgegnete sie kühl, mit allerdings leicht zitternder Stimme: "Nun, Herr von Baselitz, ich empfinde es als recht unziemlich, ausgerechnet dieses Gedicht mir zu rezitieren … ausserdem haben sie mich erschreckt!“
    Geändert von Inaktiver User (07.08.2008 um 23:52 Uhr)

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    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Luur ens, d Basel hät jet in de maue!

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    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Halbmast: Halbmast.
    Sarah Kirsche: Guten Tag, mein Name ist Sarah Kirsche, könnte ich bitte einmal die Frau Hummelchen sprechen?
    Halbmast: Die hab' ich zur Arbeit geschickt.
    Sarah Kirsche:(zögert) Wann könnte ich sie denn erreichen?
    Halbmast: Vielleicht kann ich ihnen ja helfen, ich bin der Ehemann.
    Sarah Kirsche: Ja, es geht um ein Gewinnspiel...
    Halbmast: Ich glaube nicht, dass meine Frau große Lust am Gewinnen hat, sonst hätt' sie auch nicht mich geheiratet.
    Sarah Kirsche: Hmm.
    Halbmast: Das war aber ein sehr diplomatisches Hmm.
    Sarah Kirsche: Das war ein professionelles Hmm.
    Halbmast: Tun sich ihnen oft menschliche Abgründe auf?
    Sarah Kirsche: Immer, wenn ich unseren Teamleiter sehe.
    Halbmast: Sie Ärmste!
    Sarah Kirsche: Ich muss jetzt leider unser Gespräch beenden.
    Halbmast: Machen sie es gut, Sarah.
    Sarah Kirsche: Ich versuch's.

  8. Inaktiver User

    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Zitat Zitat von Halbmast...
    Luur ens, d Basel hät jet in de maue!
    Deine Jacke wird mir auf ewig zu gross sein ...

    Danke

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    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Bin durch den Wind, total erledigt, Rosaa. Stör ich? Falls Du Deine 7 Tibeter machen willst sag’ es mir ruhig, ich wäre nicht beleidigt.
    Frau L. schon wieder, lästig wie eine Zecke. Sie duzt mich, ich bleibe beim Sie und lackiere mir die Fußnägel weiter.

    Sturmwarnung im August mit heftigen Regenfällen, so was gab’s doch früher nicht! Der Selige hat’s gut, ruht mit seiner dämlichen Frau Mutter schön trocken unter dem teuren Findling. Ja, ja sag nichts, ich weiß, dass man über Tote nicht schlecht reden soll. Rosaa, ich hör’ ja schon auf. Eigentlich ist Regen gut, erspart mir das Schleppen der Gießkanne von Reihe A30 zum Wasserhahn bei B14.
    Bei feuchtkalter Witterung hatte mein Seliger gut zu tun; die Winzer nahmen sich Zeit, um nach ihren verkühlten Prostatas gucken zu lassen. Nie habe ich mich beschwert, schwieg, wartete, wärmte ihm seine geliebten fetten Kartoffelpuffer dreimal auf. Überhörte geflissentlich, dass Frau Wickert, seine Sprechstundenhilfe eine Perle, ein Juwel sei.

    Literatur war mein Trost, Rosaa. Was der Joyce, die Beauvoir, der Steinbeck, D.H. Lawrence, Ringelnatz, die Vicky Baum, Knittel’s El Hakim - eins meiner Lieblingsbücher – mir gaben, das konnte mir der feine Herr Urologe nie und nimmer geben. Frau Liesegang, die Bibliothekarin der Gemeindebücherei drückte mir einmal „Forschungen eines Hundes“ in die Hand. „Frau Doktor, schau’n Sie nicht so trübsinnig, lesen Sie doch mal was Leichtes, Sie als Hundenärrin müssen diesen Kafka gelesen haben!“

    Kafka. Klingt wie ein Kaff, oder? Der Selige scherzte nach Verzehr von fünf fetten Reibekuchen „Liebelein, ich geh jetzt fein Kaka machen!“ Das Photo im Schutzumschlag war mir auf Anhieb zuwider. Nein, Herr Franz K., Freunde werden wir nicht. Sie können zwar nichts für Ihre durchdringenden, glasklaren Augen, ihren stechenden Drogenblick, Ihre spitzen Ohren – regelrechte Satansohren. Mir war nach dreimal Toi-toi-toi-Ausspucken, unterdrückte diesen Anflug von Gosse. Gehen ließ ich mich nie, gar nie... Rosaa, ich will mich ja nicht einmischen, aber Dein bordeauxschwarzer Nagellack macht alte Füsse.

    Des Seligen derbe spätabendliche Begrüßung, unsäglich. Schlich sich auf weißen Arztsocken von hinten an meinen Lesesessel, drückte mir seine eiskalten, rotgeschrubbten Urologenhände auf die Schultern und deklamierte ironisch „Liebelein, Dein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“.

    Verbrachte meine angeblich besten Jahre mit einem Kafka-Fan Inzwischen schwant mir warum. Ein Bruder im Geiste war der für ihn. Die Zeitungen sind voll damit, dass der Spitzohrige pornographisches Schriftgut hortete, verklemmterweise in ein Schränkchen legte, ordentlich abschloß. Den Schlüssel nahm er auf seine Reisen mit. Sollte wohl keiner sehen, dass der feine Herr Franz sich Zeichnungen von Fellatio ausübenden Tieren anguckte.
    Hörst Du überhaupt zu, Rosaa? Ja, ich bin ganz Ohr, Frau L..

    Da lob’ ich mir den Obermacker vom Playboy, den Herrn Hefner. So weltmännisch offen zeigt er sich im Fernsehen mit seinen sexy girls auf ihrem gemeinsamen Riesenbett. Daß Hugh mit zweiundachtzig Prostatabeschwerden hat, davon gehe ich aus, ist ja nicht peinlich. So was von vital, sein Blick, eng anliegende Ohren, schmale Hände, die sich sinnlich ein Träubchen aus dem riesigen Fruchtkorb zupfen. Seine Spielmädels tragen feines Geschmeide um den Hals, Brillanten, Perlen, im Bauchnabel Amethyste.

    Nein, wirklich ...?

    „Herr Franz K., ziemlich schwaches Bild, Ihr geheimer Sammeltrieb von Heftchen namens „Der Amethyst“ und „Die Opale“. Veröffentlichen doppeldeutig „ Forschungen eines Hundes“. Was sollte das geheimnistuerische Versteckspiel? Forschungen eines Franz Kafka wäre ehrlicher“.

    ... Wir Hunde dagegen! Man darf doch wohl sagen, dass wir alle förmlich in einem einzigen Haufen leben, alle, so unterschieden wir sonst durch die unzähligen und tiefgehenden Unterscheidungen, die sich im Laufe der Zeiten ergeben haben.

    Alle in einem Haufen!

    Es drängt uns zueinander und nichts kann uns hindern, diesem Drängen genugzutun, alle unsere Gesetze und Einrichtungen, die wenigen, die ich noch kenne und die zahllosen, die ich vergessen habe, gehen zurück auf die Sehnsucht nach dem größten Glück, dessen wir fähig sind, dem warmen Beisammensein.

    Nun aber das Gegenspiel hierzu. Kein Geschöpf lebt meines Wissens so weithin zerstreut wie wir Hunde, keines hat so viele, gar nicht übersehbare Unterschiede der Klassen, der Arten, der Beschäftigungen.

    Wir, die wir zusammenhalten wollen, - und immer wieder gelingt es uns trotz allem in überschwänglichen Augenblicken - gerade wir leben weit von einander getrennt, in eigentümlichen, oft schon dem Nebenhund unverständlichen Berufen, festhaltend an Vorschriften, die nicht die der Hundeschaft sind; ja, eher gegen sie gerichtet. Was für schwierige Dinge das sind, Dinge, an die man lieber nicht rührt - ich verstehe auch diesen Standpunkt, verstehe ihn besser als den meinen -, und doch Dinge, denen ich ganz und gar verfallen bin...

    Mir rollen sich die Fußnägel hoch, Rosaa, was hältst Du von Kafka?
    Richtige Wörter haben eine Körpertemperatur von ungefähr 37 Grad.
    (Günter Ohnemus)

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    AW: Das Leben ist pures Dingsbums

    Zitat Zitat von Halbmast...
    Halbmast: Machen sie es gut, Sarah.
    Sarah Kirsche: Ich versuch's.
    Du bist ein unübertreffliches Motivationsgenie.
    Die gleichmütige Leichtigkeit, mit der du es verstehst, arglosen Menschen die Ausweglosigkeit ihrer Existenz in einer kurzen, kafkaesken Vision als bedeutungslose Tatsache zu verkaufen, ist bewundernswert und beispielhaft.

    Ich glaube fest daran, dass Callcenter die Schaltzentralen ausgeklügelt und subtil operierender, teuflischer Organe sind, die wir unbedingt alle nach Kräften unterstützen sollten.
    1.) Der Unter zwischen einem Schied liegt immer oberhalb.

    2.) Das Brot lebt nicht vom Mehl allein.

    9.) Iss einen Keks.


    Ein Buch ist wie ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinschaut, kann kein Apostel herausblicken.
    (Georg Christoph Lichtenberg)

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