Angeregt durch den Tatort vom Wochenende, dachte ich mir, ich eröffne mal einen Strang zum Thema "Schräge Typen". Im Tatort-Strang heisst es immer mal wieder, dass soooooooooooo schräge Typen nie und nimmer wahlweise Kommissar, Staatsanwältin oder whatever sein können...
Also ich fang mal an, was mir schon für schräge Typen begegnet sind, die man "glaubhaft" in keinem Tatort oder sonstwo im Fernsehen zeigen könnte...
Der erste schräge Vogel:
Ich habe mal vor Jahren bei einem nationalen Berufsverband gearbeitet. Ein Verband dessen Mitglieder zu den bestverdienensten der Nation gezählt werden.
Der ehemalige Präsident dieses Verbands war abgewählt und als "Verantwortlicher fürs Internationale" berufen worden. Er arbeitete nur zwei Tage die Woche bei uns im Büro sonst von Zuhause aus. Er kam am Montagmorgen und verschwand Dienstagabend wieder.
So weit so gut: Sein recht kleines Büro war gleichzeitig auch sein Schlafplatz - sprich er hatte sein eigenes Bett im Büro, so musste er nie ins Hotel. Die Putzfrau war dafür zuständig, das Bett zu machen und die Bettwäsche zu wechseln.
Wenn man - wie ich manchmal - sehr früh zur Arbeit kam, konnte es passieren, dass er einem im Pyjama und Filzpantoffeln über den Weg lief - auf dem Weg zur Dusche oder von derselben zurück.
Die Filzpantoffeln zog er eh nie aus, er schlurfte damit den ganzen Tag durch die Büros.
Am frühen Nachmittag konnte man immer an seiner Frisur ablesen, dass er gerade direkt von seinem Mittagsschlaf aus seinem Bürobett kam.
Ausserdem gingen die Gerüchte, dass er sich manchmal noch "bezahlte" Begleitung für die Nacht ins Haus bzw. ins Büro geholt hat und auch einmal in flagranti erwischt wurde - das habe ich aber Gott sei Dank nie erlebt.
Achja und was das Ganze noch unglaublicher machte: ich habe erst relativ spät erfahren, dass er Hauptaktionär eines riesigen Unternehmens war, ausserdem Haupterbe eines gigantischen Vermögens - er hätte sich gut und gerne für diese eine Nacht pro Woche ein 5-Sterne-Hotel aus der Portokasse zahlen können.
So, jetzt bin ich erstmal auf Eure schrägen Typen gespannt - die niemals nicht in einem Tatort auftauchen könnten, da es kein Schwein glauben würde....![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 6 von 6
Thema: Schräge Typen im "Real Life"
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29.01.2013, 11:19
Schräge Typen im "Real Life"
Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.
Samuel Beckett
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29.01.2013, 13:33
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29.01.2013, 14:36
AW: Schräge Typen im "Real Life"
Eine entfernte Bekannte von mir, nennen wir sie doch einfach Elli, rannte mal mit dem gezücktem, extra-großen Küchenmesser hinter dem Postboten her und rief: Wo ist das Schwein! Wo ist das Schwein!
Das ist bestimmt Tatortreif!
Aber Elli wäre nicht Elli, wenn sie nicht so schräg wäre!
Damals hatte Elli viele Ideen, einen kleinen Hof mit allerlei Getier und ein Hängebauchschweinchen. Dieses Schweinchen lebt(e) in einer alten Hundehütte hinterm Haus in einen Pferch. Da nun der Winter nahte, sollte die Hütte eine Wärmedämmung bekommen und innen mit Styropor verkleidet werden. Gedacht, getan. Ein sonniger Herbstmorgen und Elli mit dem extra-großen Küchenmesser kämpft gegen den Styropor und das neugierige Schweinchen, welches mit seinen Rüssel eifrig mithilft.
Leider war der Pferch so eng, dass Elli immer Angst hatte sie könne, beim Styroporsäbeln mit dem extra-großen Küchenmesser, das Schweinchen verletzen und verbannte dieses kurzerhand in den Garten - zum Erbsenzählen.
Der Postbote welcher wie gewohnt durch den Garten gehen musste, übersah nicht nur Elli's Hintern, der Rest von ihr stecke zum Anpassen der Styroporstücke in der Schweinehütte. Nein, er übersah auch das Schweinchen, welches sich nun, im Schweinsgalopp zum Nachbarn aufmachte...
Elli sagte hinterher zu mir, dass Postbote, als er sich seines Lebens wieder sicher war, das Schwein für sie fand und sie anflehte, dem armen Tier doch bitte auch nix zu tun. Das sei doch so niedlich!...sei ein Frosch!
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29.01.2013, 14:58
AW: Schräge Typen im "Real Life"



ich weiß nicht, wen ich netter finde: die schräge elli, oder den postboten, der sich mit leib und leben für das schweinchen einsetzt. herzig.
beide könnten in einem tatort mitspielen finde ich.
genau wie frenchies kauziger chef weiter oben. nettes thema
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29.01.2013, 15:54
AW: Schräge Typen im "Real Life"
Hylidae, Dein Schweinchenbesitzer - Grossartig
!
Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.
Samuel Beckett
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31.01.2013, 09:57Inaktiver User
AW: Schräge Typen im "Real Life"
Mir fallen spontan 3 ein, die ich in keinem Tatort glaubwürdig finden würde:
Eine alte (inzwischen verstorbene) Frau, die bis zu ihrem Tod vor sehr wenigen Jahren stets eine gepackte Reisetasche mit sich führte, weil ja jeden Moment mit dem Einfall der Russen zu rechnen sei, die jeden Metzger und Bäcker furchtbar beschimpfte, ihr nur verdorbene Ware anzudrehen, weil sie vor Lichtjahren als Flüchtling in dieses Land kam und die darüberhinaus eine unstillbare Leidenschaft für Fahrten im Notarztwagen und Aufenthalte auf der Intensivstation hatte und die auf Kommando Schnappatmung bekommen und in Ohnmacht fallen konnte - eine immer wieder gern genommene Showeinlage auf Familienfesten [ironie off]....
(Nach ihrem Tod haben die Angehörigen übrigens erfahren, daß sie im zweiten Weltkrieg keinerlei schlechte Erfahrungen mit Russen oder Flucht gemacht hat und im Gegenteil als stramme Nazisse relativ unbeschadet durch den Krieg kam und auch danach ganz fix auf die Füße fiel.)
Eine Endvierzigerin, die alles und jeden verdächtigt, sie zum Selbstmord nötigen zu wollen und die es schafft, die Frage nach dem Wetter von morgen als Ankündigung ihrer Beerdigung zu verstehen.
Und weil sie leiderleider so damit beschäftigt ist, permanent ihr Leben zu retten, kann sie weder ihren Haushalt führen noch ihre Kinder erziehen oder sonst irgendeiner geregelten / nützlichen Tätigkeit nachgehen, sondern verbringt ihre Tage mit Besuchen in der Bücherei oder bei der Kosmetikerin, weil: Es ist gaaaanz betsimmt ihre letzte Möglichkeit dazu, man weiß ja, daß alle Welt ihr nach dem Leben trachtet.
Sie hat also nicht wirklich Angst um sich, sondern nützt diese Aussage, um sich eine bequeme Zeit zu machen und Gott und die Welt vor ihren Karren zu spannen.
Und schließlich ein Mittvierziger, der ganz ernsthaft an Aliens glaubt, nie eine Freundin hatte und sich nichtmal traut, mit Frauen zu telefonieren, sondern immer noch bei Mami und Papi wohnt, in seinem Kinderzimmer hochkomplizierte Gebilde baut, mit denen er Kontakt zu den Außerirdischen aufnehmen möchte und vor jedem angekündigten Weltuntergang das große Heulen bekommt.


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