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Thema: Fado

  1. User Info Menu

    Re: Fado

    Hallo Linwen2

    ....oder zu oft Rührei....

    Speziell Cancao do Mar ist ein sehr häufig gespielter Titel
    (auch bei Eiskunstlaufmeisterschaften, Filmuntermalungen etc.)
    Ich kann mich noch gut erinnern, wann, warum, wie ich zum ersten
    Mal darauf aufmerksam wurde. Amalia Rodriguez war auf einem
    zerfledderten Plakat zu sehen und irgendeine Kamera war dauernd
    darauf gerichtet und ich fragte danach und bekam dann von einem
    portugisieschen Bekannten mehr Info über die Sängerin und das Lied.

    Musiktitel rühren wohl am hefigstens, wenn man sie an irgendeinem
    bestimmten Ort, mit irgendeinem besonderen Menschen, in irgendeiner
    außergewöhnlichen Situation zusammen erlebt hat.

    Ich habe für fast jeden Menschen, der mir nahe steht ein Lied, das mich
    mit ihm verbindet. Es kann dann aber sein, dass genau dieses Lied irgendwann
    zu oft zu hören war, das ist mir dann egal. Das kann ich dem Moment
    ausklammern. Weil der Song bringt mir die Situation, den Menschen wieder
    zurück und verdrängt alles andere.

    Das Schöne ist, dass ich die Möglichkeit habe in einer gewissen Form, andere
    am Hören meiner Songs zu beteiligen und oft überlege ich, kann ich das
    überhaupt bringen, weil ich deren Reaktion nicht kenne. Ich wurde dann
    sehr überrascht, meist positiv, weil sie auch eine Geschichte zu dem Lied
    hatten wie ich und ich hörte neugierig zu und freute mich.

    Grüsse

    Feinsinn

    brächte für morgen wieder ein Rührei


  2. User Info Menu

    Re: Weiss ich, was ich höre

    wenn marie boine auf lappisch joikt
    also sagen wir locker, polarkreis jodelt,
    versteh ich nichts, und muss das auch nicht
    es geht um 'voice is a natural instrument'

    was ich sagen wollte, war gerade, dass ich so froh bin, das meiste vom gesungenen inhaltlich nicht verstehen zu muessen, denn es geht, wie ich schon behauptete, meistens um ziemlich flachen ruehrseligkeiten (ach ja, nebenbei bemerkt, auch das arsenal von zb lorenzo da ponte wuerde ich unter diesen rubrik einordnen)
    aber das gluecklich stimmende von diesen lieder (ob nun blues, fado, rembetika, bachkantate, joik oder oper) ist gerade die melodische verpackung, und mein leben wuerde viel aermer sein, ohne diese musik



    gut, noch einmal songtextinhalte und musikalische wirkung
    ich muss zugeben, dass es mir stoert, um sehr oft zu hoeren, wie jemand heutemorgen aufgewacht ist, und wie er sich, verkatert und doof und platt wie er ist, deswegen mies fuehlt -- aber trotzdem, wenn ich dann hoere, wie dieser schlecht aufgestandener diese schlichte worte heiser, mit pathos und roher stimme singt, wie er es schafft dazu einfache, aber immer wieder packende gitarren oder klaviermotive zu spielen, dann vergeb ich ihn die ganze schlichtheit, die ganze political uncorrectnes, den ganzen katzenjammer
    und auch wenn ich endlich nach jahre kapiere, dass fairuz (und um kalsoum) nichts anders singt als unschuldige kinderliedchen (dabei bejubelt durch begeisterte schwaerme von erwachsenen) fuehle ich mich nicht gefoppt in meine erwartung, dass es sich um sehr getragen gesungenen liebeserklaerungen handeln wuerde, sondern geniesse einfach mit einem laecheln um den mund weiter

    musik, sag ich mal, muss man hoeren...

    Hallo SingsTheBlues

    Auch mir geht es meist so.

    Ich verstehe viele Lieder nicht, die mir gefallen. Meist lasse ich sie mir
    übersetzen. Ob sie nun in Tigrynja, türkisch, Native Norway gesungen werden....

    Es gab auch schon eine böse Überraschung. Ein Lied hat es mir besonders angetan.
    Schönes musikalisches Arrangement, eine Männerstimme, die unter die Haut geht
    und in einer bestimmten Zeit, vor ca. 9 - 10 Jahren wurde es immer wieder
    begeistert aufgespielt und ich summte mit. Obwohl ich die Sprache recht gut
    verstand, hab ich erst viel später erfahren, dass es ein sehr politischer
    Song war, leider nicht meine Richtung.

    Der Sänger und die Gruppen hatten viele solcher Lieder, aber auch wunderbare
    "Rühreistücke", die total unpolitisch waren.

    Ich war erstaunt, dass z.B. letztes Jahr in NL der Gruppe untersagt wurde,
    dort aufzutreten, ich hatte sie zufällig mal in Deutschland bei einer
    Veranstaltung gehört und damals keine Ahnung, wie extrem ein spezielles
    Lied war.


    Im Nachhinein war ich richtig bekümmert, dass so ein schönes Lied so einen hässlichen Text / Inhalt hat. Ich würde es gerne weiter singen, einfach mit anderen Worten. Die schöne Melodie haben es einfach nicht verdient, nicht mehr gespielt zu werden.

    Da ich immer mal wieder Lieder aufspiele, war ich seit dieser Erkenntnis etwas
    vorsichtiger, was den Liedtext angeht. Ein andermal gab es eine Situation,
    dass es zwei verschiedene Versionen von einer sehr bekannten Weise gab. Den sogenannten "negativen politischen Text" von früher und die neue rockige Fassung und ein Kollege legte sie (die alte Version) aus Versehen auf, da er die Landessprache nicht verstand, in der der Song gesungen wurde und annahm, es wäre die Aktuelle. Zum Glück hat es niemand bemerkt, außer mir, aber es hätte ins Auge gehen können.

    In meinem Umfeld gibt es öfters sehr anstrengende Diskussionen über Songtexte
    und manchmal merke ich, wie unbekümmert ich bestimmte Lieder mitgesummt habe
    und deren Inhalt nicht kenne und keiner hat etwas darüber gesagt.

    Das zu:
    Political Uncorrectnes

    Aufwiederhören



  3. Inaktiver User

    Fado ohne und Oper mit Untertiteln

    Als ich im März 2004 auf der Suche nach so etwas wie FRÜHLING für eine Woche Resturlaub nach Lissabon flog, gab mir die Userin "Marthe" den Gedanken mit auf den Weg, daß die Stadt der Melancholie doch zu mir passen müsse. Im Reiseführer las ich etwas von den letzten "echten" Fado-Kellern im Bairro Alto, doch als ich dort ankam, sah ich, daß es auch englische Speisekarten gab. Ich bin dann in das Restaurant gegenüber gegangen.

    Was in dem Strang anklang, daß man die Texte, die zur Musik gesungen werden, nicht immer verstehen muß, ja daß sie der Schönheit und Größe der Musik manchmal sogar im Wege stehen, das habe ich auch oft erlebt und empfunden.

    Besonders bei der Oper. Viele Libretti sind blamabel einfältig und zum Genuß wird dann die Gnade des Diesprachenichtkönnens. Dennoch liebe ich die Zauberflöte, auch das Libretto von Emanuel Schikaneder. Es gibt da viele Schmähungen von "schlimmster Freimaurerkitsch" bis hin zu der Vermutung, Mozart habe die Oper erst so anlegen wollen, daß die Königin der Nacht gut und Sarastro böse ist, und dann während des Komponierens eine Kehrtwende gemacht.

    Aber mich berührte nicht nur die Musik, sondern seit meiner Kindheit auch der naiv reine Text. Das Duett von Pamina und Papageno "Bei Männern, welche Liebe fühlen, fehlt auch ein gutes Herze nicht", mochte ich immer besonders gern, wohl wegen der Passage: "Mann und Weib und Weib und Mann reichen an die Gottheit an."

    Der technische Fotschritt hat zu einer Serviceausweitung geführt, denn Oper gibt es heute kaum noch ohne Untertitel zu haben. Gestern abend sah ich in der ARD die Übertragung der Premiere von Verdis "La Traviata" von den Salzburger Festspielen mit Anna Netrebko in der Rolle der Violetta.

    http://news.orf.at/050804-89836/

    Anna Netrebko, die ist ja unglaublich sexy, und da ich wie viele Männer ein Augentier bin, ein ganz harmloses Augentier, habe ich es mir schon deshalb auf der Wohnzimmercouch sitzend angesehen. Gesungen wurde in italienisch mit deutschen Untertiteln. Aber ich schaute kaum auf die Untertitel, sondern nur auf die Netrebko, die sich mal im roten Kleid auf roter Couch, mal im geblümten Morgenmantel auf dem Bühnenbett herumräkelte. Mitte Juni sah ich "La Traviata" in Berlin in der Komischen Oper. Es war eine von Harry Kupfers letzten Inszenierungen, etwa von 1994, und gesungen wurde auf deutsch, in einer Übersetzung von Walter Felsenstein.

    Na die alte Kamelle reichte natürlich nicht an die mit Stars gespickte Salzburgaufführung heran. Der Berliner Alfred zum Beispiel sah aus wie ein fünfundfünfzigjähriger Imbissbudenbesitzer und war deutlich älter als der Mann, der seinen Vater spielte. Aber ich fand auch den deutschen Text nicht schön. Italienisch wirkt einfach viel eleganter, paßt besser (nicht nur) zu Verdis Musik, schmiegt sich an sie wie ein wunderschönes verführerisches Kleid, während die deutsche Sprache an ihr wie ein Kartoffelsack herunterhängt.

    Aber die Untertitel, mit denen habe ich schon lustige Sachen erlebt. In der Met werden sie nicht über der Bühne gezeigt, sondern das Laufband ist in die Lehne des Vordersitzes eingelassen, wie die kleinen Bildschirme im ICE. Ich sah dort "Rigoletto" mit Franz Grundheber in der Titelrolle, und als der Mörder Sparafucile seine Dienste anbietet und nachzubessern verspricht, weil er noch nie einen customer enttäuscht habe, lachte das halbe Parkett auf. Daß die Dub-Möglichkeit so sehr nachgefragt wird, daß die meisten New Yorker nur noch kauernd in der Oper sitzen, hätte ich nicht gedacht.

    Am Teatro di Liceu in Barcelona sah ich Luc Bondys Inszenierung von "Ein Wintermärchen"

    http://opera.medianotes.com/premiere...rmaerchen2.htm

    und es war ein skurriles Erlebnis, weil die Oper auf deutsch gesungen wurde und ich einer der wenigen Zuschauer war, der der Handlung folgen konnte, ohne zu dem spanischen Laufband schauen zu müssen.

    Im März besuchte ich in der Opera Bastille die Premiere von Sergej Prokofieffs "La Guerre et la Paix". Es war ein Gastspiel, gesungen wurde in russisch.

    http://www.opera-de-paris.fr/?Rub=Fi...ras&Id=694

    Ich bekam wunderbarste Karten in einer Loge direkt hinter dem Parkett mit bester Mitte-Sicht auf die riesige Bühne, auf der gleichzeitig bis zu 200 Chormitglieder und Komparsen ein Massenspektakel veranstalteten, das Cecil B. De Mille zur Ehre gereicht hätte. Ein Erlebnis - und spottbillig, denn die Karten kosteten das Stück nur zehn Euro.

    Die Begründung: Die Plätze seien sichtbehindert. Man könne zwar die Bühne komplett und herrlich sehen, aber wegen des Logendaches fehle die Sicht auf das Laufband mit den französischen Untertiteln. Mir war das egal. Ich kann kein französisch.


  4. Inaktiver User

    Re: Fado ohne und Oper mit Untertiteln

    Hallo Geisterfahrer,

    ich habe mich nicht getraut, von Fado zu Oper zu wechseln, aber nun ist ja vollbracht. Bei der Frage, ob man die Texte verstehen muss oder nicht, drängt sich die Oper einfach auf.
    Oper ist ein komisches Ding. Wenn Sängerinnen und Sänger die Emotionen krachen lassen und sich die hohen Töne um die Ohren hauen, werden Worte so überflüssig. Auch auf Gestik und Schauspiel achtet man besser nicht mehr, denn schwierige Passagen erfordern eine eklige Spuck und Speicheltechnik.
    Die Oper ist unser europäisches Ritual, und seine Sprache ist italienisch. Die Oper ist aggressiv und erotisch. Und die Netrebko eine Zicke.

  5. Inaktiver User

    Re: Fado ohne und Oper mit Untertiteln


  6. Inaktiver User

    AW: Re: Fado ohne und Oper mit Untertiteln

    schubs für Prado..

  7. Inaktiver User

    AW: Re: Fado ohne und Oper mit Untertiteln

    schubs

  8. Inaktiver User

    AW: Fado

    ein Neuentdeckungsgeschenk für mich..

    YouTube - Joana Amendoeira

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