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  1. Inaktiver User

    Cohens Liedtexte

    Hallo Gemeinde,

    ich beschäftige mich zurzeit mit Cohens Musik und dazu gehören natürlich auch seine Texte und deren Interpretation.
    Während ich den Songs seines ersten Albums noch für mich zufriedenstellende Bedeutungen herauslesen und -hören konnte, fällt mir das bei seinem zweiten Album "Songs of Love and Hate" schon deutlich schwerer.

    Allen voran der Eröffnungstrack "Avalanche":

    Well I stepped into an avalanche
    It covered up my soul;
    When I am not this hunchback that you see
    I sleep beneath the golden hill
    You who wish to conquer pain
    You must learn, learn to serve me well

    You strike my side by accident
    As you go down for your gold
    The cripple here that you clothe and feed
    Is neither starved nor cold;
    He does not ask for your company
    Not at the centre, the centre of the world

    When I am on a pedestal
    You did not raise me there
    Your laws do not compel me
    To kneel grotesque and bare
    I myself am the pedestal
    For this ugly hump at which you stare

    You who wish to conquer pain
    You must learn what makes me kind;
    The crumbs of love that you offer me
    They're the crumbs I've left behind
    Your pain is no credential here
    It's just the shadow, shadow of my wound

    I have begun to long for you,
    I who have no greed;
    I have begun to ask for you,
    I who have no need.
    You say you've gone away from me,
    But I can feel you when you breathe.

    Do not dress in those rags for me,
    I know you are not poor;
    You don't love me quite so fiercely now
    When you know that you are not sure,
    It is your turn, beloved,
    It is your flesh that I wear.


    Ich liebe ja die düstere, gleichzeitig sehr leiden-schaftliche Atmosphäre dieses Stücks, sowie das mitreißende, für Cohens Verhältnisse sehr schnelle Gitarrenspiel.

    Über die Bedeutung der Zeilen könnte ich mir allerdings nonstop den Kopf zerbrechen...und das macht mich zunehmend wahnsinnig, weil ich einfach zu keinem eindeutigen, für mich schlüssigen Ergebnis komme.
    Mir ist schon klar, dass die meisten seiner Gedichte gar keinen Anspruch auf Eindeutig stellen und finde das auch gut so.
    Mit den meisten seiner Songs verbinde ich aber sehr klare Visionen und Vorstellungen, die sich sehr stimmig in den zugrunde liegenden Text einfügen...nicht aber bei Avalanche. Das Stück überfordert mich.

    Vielleicht hat jemand von euch eine Idee, oder Anregungen, spontane Assoziationen, die er teilen möchte?

    Die Deutung, dass es sich um die Beschreibung einer destruktiven Liebesbeziehung handeln könnte, finde ich irgendwie deutlich zu "platt". Obwohl es sehr gut in den Kontext "Love and Hate" passen würde.

    Eine weitere Idee: der Kampf mit inneren Dämonen, möglicherweise sogar einer Depression.
    "You, who wish to conquer pain, you must learn to serve me well", könnte somit ein Appell darstellen, sich selbst besser wahrzunehmen und entsprechend zu behandeln. Angeblich durchlebte er im Entstehungszeitraum des Albums gerade eine persönliche Krise, das würde also passen.
    So richtig schlüssig erscheint mir diese Auslegung aber dennoch nicht...

    Ich weiß, dass Cohen einen starken Bezug zu seinen jüdischen Wurzeln hatte und viele seiner Liedtexte religiös motiviert sind.
    Ob das hier auch der Fall ist?
    Ich seh's irgendwie nicht...aber das muss ja nix heißen.


    Über Ideen würde ich mir sehr freuen!

    LG,

    Thallula
    Geändert von Inaktiver User (04.11.2018 um 09:42 Uhr)

  2. gesperrt

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    AW: Cohens Liedtexte

    oh mann... da hast du was angerichtet! nichts möchte ich jetzt lieber, als mich da jetzt richtig reinzuwühlen. ich empfinde bei LC ähnlich, aber ich kann mir das jetzt nicht leisten.

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    AW: Cohens Liedtexte

    Ich würde sagen, es beschreibt eine asymmetrische Beziehung.

    Frau / Mann ist naheliegend.

    Aber
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich weiß, dass Cohen einen starken Bezug zu seinen jüdischen Wurzeln hatte und viele seiner Liedtexte religiös motiviert sind.
    Ob das hier auch der Fall ist? Ich seh's irgendwie nicht...aber das muss ja nix heißen.
    Mensch / Gott passt im Prinzip wohl auch.
    schlechte Technik > schlechte Laune


  4. Inaktiver User

    AW: Cohens Liedtexte

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    oh mann... da hast du was angerichtet! *nichts möchte ich jetzt lieber, als mich da jetzt richtig reinzuwühlen. ich empfinde bei LC ähnlich, aber ich kann mir das jetzt nicht leisten.

    Schade. Deine Gedanken hätten mich sehr interessiert. Vielleicht ein andermal, wenn du mehr Zeit hast

    Zitat Zitat von Mr_McTailor Beitrag anzeigen
    Ich würde sagen, es beschreibt eine asymmetrische Beziehung.
    Frau / Mann ist naheliegend.
    Aber*
    Mensch / Gott passt im Prinzip wohl auch.
    Danke für den Input!
    Die Idee einer assymetrischen Beziehung kam mir auch schon. Manche Textpassagen deuten wirklich darauf hin, andere - für mein Gefühl - aber eher dagegen.

    Zum Beispiel:

    You strike my side by accident
    As you go down for your gold.

    Allein diese zwei Zeilen sind so extrem mehrdeutig für mich...
    As you go down for your gold - wie würdet ihr das übersetzen?*
    Während du hinabsteigst, um dein "Gold" zu finden, triffst du aus Versehen auf mich.

    Dieses "Gold", zu dem man hinabsteigt/niedersinkt/was auch immer, habe ich bislang als etwas interpretiert, das in einem selbst liegt...insofern müsste das, was man währendessen versehentlich anrämpelt, ebenfalls ein Teil von einem selbst sein.
    Auf diese Weise kam ich auch zu der Idee, dass es innere Dämonen sein könnten, die hier zu Wort kommen.

    Wie würdest du das (und alles Weitere) im Kontext einer assymetrischen Beziehung (sinnbildlich) übersetzen?

  5. Inaktiver User

    AW: Cohens Liedtexte

    You strike my side by accident
    As you go down for your gold.
    Während du (in mir) nach Gold schürfst (meine Un-/Tiefen suchst/erkundest, mich für besser hälst als ich bin...), berührst du mein Herz wie aus Versehen.

  6. Inaktiver User

    AW: Cohens Liedtexte

    Oder er hat einen mit der Goldschürfaale abgekriegt, weil er im Weg stand.

  7. Inaktiver User

    AW: Cohens Liedtexte

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Während du (in mir) nach Gold schürfst (meine Un-/Tiefen suchst/erkundest, mich für besser hälst als ich bin...), berührst du mein Herz wie aus Versehen.
    Wow, das ist eine richtig schöne Auslegung, danke dafür!

    Die muss ich jetzt erst mal ein bisschen wirken lassen, vor allem im Zusammenhang mit dem Rest des Textes.

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    AW: Cohens Liedtexte

    Cohen erzählt die Geschichte
    sein verlorenes Seelenheil (Glück), seine Zufriedenheit, sein Ich wieder zu finden.


    Well I stepped into an avalanche
    It covered up my soul;
    When I am not this hunchback that you see
    I sleep beneath the golden hill
    You who wish to conquer pain
    You must learn, learn to serve me well


    Durch seinen Ruhm wurde er von einer Lawine (Medien, Presse) verschüttet.
    Sein Ich, sein wahres Glück wurde erdrückt.
    Das scheinbar bessere Glück machte einen Buckligen (er mußte sich verbiegen)
    aus Ihm.
    Er wollte den Schmerz (über sein verlorenes Seelenheil) besiegen und
    mußte lernen sich selbst, sein wahres Ich, zu schützen.


    You strike my side by accident
    As you go down for your gold
    The cripple here that you clothe and feed
    Is neither starved nor cold;
    He does not ask for your company
    Not at the centre, the centre of the world


    Er verletzte seine Seele, da er in der falschen Richtung Glück (Gold) suchte.
    Den Krüppel den er nährte achtete nicht auf sein wirkliches Ich und seine Zufriedenheit.


    When I am on a pedestal
    You did not raise me there
    Your laws do not compel me
    To kneel grotesque and bare
    I myself am the pedestal
    For this ugly hump at which you stare


    Auf dem Podest, auf das Ihn die Lawine stellte, fühlte er sich nicht wohl.
    Er wollte sich durch die Zwänge nicht verrenken und niederknien.
    Er sah sich selbst dort oben als hässlichen Buckligen, Verbogenen.


    You who wish to conquer pain
    You must learn what makes me kind;
    The crumbs of love that you offer me
    They're the crumbs I've left behind
    Your pain is no credential here
    It's just the shadow, shadow of my wound


    Seine Selbstverliebtheit war Selbstbetrug.
    Die Schmerzen die er sich dadurch zufügte machten Ihn nicht glücklich.
    Die Wunden ließen das strahlende Leuchten seiner Seele erlöschen,
    sie war nur noch ein schwarzer Schatten.


    I have begun to long for you,
    I who have no greed;
    I have begun to ask for you,
    I who have no need.
    You say you've gone away from me,
    But I can feel you when you breathe.


    Er vermisst sein altes Glück und beginnt danach zu suchen.
    Er dachte er hätte es für immer verloren,
    spürte aber noch einen kleinen Rest.


    Do not dress in those rags for me,
    I know you are not poor;
    You don't love me quite so fiercely now
    When you know that you are not sure,
    It is your turn, beloved,
    It is your flesh that I wear.


    Versuche kein andere Mensch zu sein, spiele keine fremde Rolle.
    Unzufriedenheit schwächt dein Glück.
    Akzeptiere Dein Ich, du kannst nicht aus Deiner Haut.


    Schneller, höher, weiter, Ruhm, Macht, Reichtum machen nicht glücklich.

    Schwimme gegen den Strom (die Lawine) und Du erreichst die Quelle.





    Just my 2 cents.
    Der Mond ist die Sonne des Wolfes.

    "I am the master of my fate, I am the captain of my soul."

  9. Inaktiver User

    AW: Cohens Liedtexte

    Zitat Zitat von dabbeljudie Beitrag anzeigen
    Cohen erzählt die Geschichte
    sein verlorenes Seelenheil (Glück), seine Zufriedenheit, sein Ich wieder zu finden.
    Danke für Deine tolle Interpretation!

    Genau so hatte ich mir das erhofft

    Dieser Ansatz, dass er von der Suche nach dem eigenen Glück und den dabei auftretenden Hindernissen singt, also quasi zu sich selbst spricht, deckt sich ja ungefähr mit dem, was ich selbst vermutet habe (..."innere Dämonen", die es zu bekämpfen gilt).

    Es wäre interessant, wenn jemandem eine ähnlich ausführliche Interpretation im Kontext einer asymmetrischen Beziehungen gelingen würde.
    Ich "scheitere" ja schon beim ersten Absatz:

    Well I stepped into an avalanche
    It covered up my soul;
    Die Lawine, in der gestiegen ist und die seine Seele umhüllt, könnte als Maske, Schutzpanzer, Hülle betrachtet werden, die sein wahres Ich verdeckt.

    When I am not this hunchback that you see
    I sleep beneath the golden hill
    Er gibt sich bedürftiger als er tatsächlich ist? Oder sein Gegenüber sieht ihn bloß so?

    Weiß jemand, ob "golden hill" ein Begriff aus dem Tanach ist?

    You who wish to conquer pain
    You must learn, learn to serve me well
    Es fällt mir extrem schwer, das auf eine Mann-Frau-Ebene umzulegen. Jedenfalls käme nichts Nettes dabei raus und schon gar nichts, was ich mit meinem (positiven) Bild von Cohen vereinbaren könnte

    Selbiges gilt für das Verhältnis Mensch-Gott.

    McTailor, TT333 - was sind Eure Assoziationen hierzu?

  10. Inaktiver User

    AW: Cohens Liedtexte

    Es ist zu spät am Abend für eine genauere sophistische Analyse.

    Ich kenne allerdings eine einfache Interpretation, ein Lied, das einen ähnlichen Inhalt, eine ähnliche Bedeutung zu haben scheint - zumindest so wie ich das bei Cohen lese:

    YouTube

    Gute Nacht.

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