Liebes Forum,
ich bin vor einem Jahr umgezogen und wohne nun im DG eines freistehenden 10-Parteienhauses. Es ist sehr ruhig, aber auch sehr hellhörig, wie es eben bei 50er Jahre-Bauten meistens der Fall ist. Mich stört es nicht, denn niemand feiert regelmäßig wilde Parties oder hört stundenlang laut Musik. Ganz zu Beginn habe ich meine Nachbarn unter mir zufällig im Treppenhaus getroffen und direkt erklärt, dass ich Musik mache, täglich ein wenig übe und sie sich nicht wundern brauchen, woher das kommt. Wenn sie aber mal Ruhe benötigen (Migräne, Enkelbesuche etc.) sie gerne klingeln sollen, ich kann sowas auch verschieben. Es ist bisher nicht vorgekommen. Allerdings gab es andere merkwürdige Begegnungen, deren letzte mich zum Verfassen dieses Beitrags brachte.
Zur Vorgeschichte:
Mein Bruder ist Künstler und hatte ein wichtiges Vorsingen bei mir in der Nähe, hat hier übernachtet und sich morgens um halb 9 eingesungen. Nach meinem Verständnise sind i.d.R. die meisten berufstätigen Menschen dann außer Haus, aber es klingelte um 9, ob ich da sei und was denn da los wäre, es sie ja so ungewöhnlich früh (hä?!) und laut. Da wir eh gerade auf dem Weg waren (ich habe ihn begleitet und freigenommen), war das Thema erledigt.
Zwei Monate später hatte ich meine vierjährige Nichte zu Besuch, die morgens um 7 nicht mehr zu bändigen war und wie jedes Kleinkind durch die Wohnung trampelte. Es klingelte, wieder mit der Frage, ob ich da sei und sie könnte ja nicht mehr schlafen und achgottogottogott. Wir machten uns gerade fertig, um ins Schwimmbad zu fahren, also war das Thema erledigt.
Wieder ca. zwei Monate später komme ich auf dem Weg zur Arbeit morgens die Treppe runter, da öffnet sich die Tür und ich werde ohne ein "guten Morgen" direkt ausgefragt, also was denn da bei mir gestern losgewesen sei, extrem laut und sie wären ja aufgewacht und alle seien dadurch aufgewacht... es stellte sich dann heraus, dass ich es nicht gewesen sein konnte und sie ruderten unbeholfen zurück. Stattdessen wurden dann die Nachbarn unterhalb ihrer Wohnung beschuldigt, was mich nicht sonderlich interessiert hat.
Abends wurde ich dann von denen darüber aufgeklärt, dass die sich ständig aufregen, mit dem Besenstiel auf den Boden klopfen und um Punkt 22h an der Tür stehen und sich aufregen, weil man lacht, Geschirr spült, was weiß ich. Teilweise muss dies sehr aggressiv abgelaufen sein und sie fühlen sich nach zehn Jahren guter Nachbarschaft (die anderen sind etwas vor mir eingezogen) mittlerweile wie auf der Hut. Sie wollten mir grundsätzlich nur sagen, dass ich mich nicht einschüchtern lassen oder einschränken soll, denn in einem städtischen Mietshaus müsste man auch mit Alltagsgeräuschen leben. Seitdem fällt mir manchmal auf, dass besagte Aktionen (Besenstielbumpern, an die Wand hämmern) hörbar sind und ich sie den Leuten unter mir zuordne. Mich stört das prinzipiell nicht, aber nun bin ich sensibilisiert und denke, hm, was die wohl jetzt schon wieder stört? Ich bin es nicht, denn ich liege dann schon im Bett und lese... zumal ich ihnen zu Beginn direkt den Zahn gezogen habe, dass sie sich ja gerne melden können, wenn was ist. Ich habe mittlerweile sogar einen Schlüssel zum Blumengießen, soviel zum offiziellen Verhältnis.
Jetzt hatte ich vor ein paar Tagen Besuch zum Skatspielen da, wir haben hier zu viert bis ca. 22:30 gesessen und als sich alle fertig zum Gehen machten, hämmerte jemand (ich denke, direkt unter mir) extrem aggressiv auf Boden, Wand oder ähnliches. Die Wände haben gewackelt und alle guckten mich erstaunt an während ich nur sagte, das sei neu. Meine Nachbarn weiter unten habe ich gefragt, die lagen schon im Bett, also muss es mir gegolten haben. Wir sind alle nicht glücklich mit der Situation. Klar, man könnte sagen, ignorieren, bis sie klingeln oder die Polizei rufen, aber bin kein Stein und will nicht Besuch da haben mit der Angst, dass um 22:01 jemand klingelt und mich anbrüllt (das soll so geschehen sein).
Ich bin eine sehr ruhige Person, mache nach 20 Uhr keine Musik mehr und bin mindestens 30% meines Lebens sowieso auf Dienstreise oder im Urlaub. Der besagte Besuch war das zweite Mal dieses Jahr, dass mehr als eine Person hier war und vielleicht Geräusche zu hören gewesen sein könnten - eine offizielle Beschwerde gab es ja nicht. Das nächste Mal, wenn meine Nichte zu Besuch kommt, will ich sowas aber nicht erleben.
Ich habe schon überlegt, mich doof zu stellen und unter mir mal zu fragen, was das war, ob sie das auch gehört haben, ob es von denen kam oder von woanders. Theoretisch kann es ja auch jemand gegenüber gewesen sein, denn ich wurde ja auch schon fälschlicherweise beschuldigt. Zudem hat die Vermieterin dazu geraten, beim nächsten Mal die Polizei zu rufen, denn erfahrungsgemäß würden solche Besenstiel-Aktionen dann aufhören. Das erscheint uns aber derzeit als etwas überdimensioniert. Wir haben uns darauf verständigt, beide ein Protokoll zu führen und in ein paar Wochen nochmal miteinander zu sprechen.
Bisher war ich ja nur eine Handvoll mal betroffen, aber trotzdem will ich mich gar nicht erst unbewusst einschränken. Einen unnötigen Nachbarschaftsstreit vom Zaun brechen mag ich aber auch nicht und umziehen ist keine Option, denn ansonsten ist es sehr nett hier. Was würdet ihr tun?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 56
Thema: Empfindliche Nachbarn
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31.12.2016, 09:57
Empfindliche Nachbarn
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31.12.2016, 10:13
AW: Empfindliche Nachbarn
Ich bin eine von den Überempfindlichen

Und für mich ist es echt z.T unerträglich, wenn es zu laut ist...es gibt bestimmte Triggergeräusche.
Will sagen: ich verstehe Nachbarn gut, die sich belästigt fühlen: aber was du da an Beispielen bringst, ist absolut zumutbar !!
Von daher : ICH würde fragen, was sie denn am Meisten stört und ansonsten
nach 9 und vor 22.30h "fühl dich zuhause"
Es wird Zeit für eine neue Signatur
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31.12.2016, 10:42
AW: Empfindliche Nachbarn
Danke für deine Einschätzung
bis auf die vermeintliche Ruhestörung bin ich mir auch keiner Schuld bewusst. Und auch wenn ich dürfte, ich würde niemals nach Ende der Nachtruhe um 8 Uhr früh meine Posaune auspacken
Was ich nicht ganz einsehe, warum ich fragen sollte, ob ICH zu laut war. Wir hatten keinen offenkundigen Stress, dann sie hätten klingeln können. Ja, es war nach 22uhr, aber wir waren nicht besonders laut und haben auch nicht rumgebrüllt. Ich weiß ja nicht mal, ob sie wirklich mich gemeint haben, ich nehme es nur an. Es könnte auch zur Taktik gehören, denn eine direkte Konfrontation mit mehreren Zeugen scheinen sie zu meiden.
Ich will ja gar nicht in Abrede stellen, dass man sich von den Geräuschen gestört fühlen kann, wenn man etwas empfindlich ist. Und dass es bestimmte Trigger gibt, kenne ich auch, aber das kann bei mir doch noch gar nicht sein, denn ich habe keine richtige Beschwerde erhalten und dem Vermieter liegt offiziell auch nichts vor.
Aber warum zieht man dann in so ein Mietshaus? Die beiden könnten sich locker ein Eigenheim im Wald leisten, aber das ist dann vermutlich zu weit weg. Da denke ich dann auch, man kann nicht alles haben. Entweder Ruhe, günstige Mieten, zentrale Lage, aber nicht alles zusammen.
Mir fällt es schon schwer, mir das nicht zu Herzen zu nehmen, auch wenn ignorieren vermutlich die einfachste Variante wäre und gelegentlich ein Ansprechen dieses Hämmerns. Dass sie damit andere im Haus stören, scheint sie ja nicht zu interessieren...
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31.12.2016, 10:51Inaktiver User
AW: Empfindliche Nachbarn
palimpalim,
wenn ich das richtig interpretiere, sind das immer die gleichen Nachbarn, die sich bei euch und auch bei anderen Mietern beschweren?
Von Ruhestörung kann man bei dir doch absolut nicht reden, deshalb würde ich das einfach ignorieren.
Jemand, der dermaßen empfindlich auf Geräusche reagiert, sollte vielleicht nicht in einem (und dann auch noch sehr hellhörigen) Mehrfamilienhaus wohnen.
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31.12.2016, 10:57
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31.12.2016, 10:58
AW: Empfindliche Nachbarn
Es wird Zeit für eine neue Signatur
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31.12.2016, 10:59
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31.12.2016, 11:00Inaktiver User
AW: Empfindliche Nachbarn
Du kannst auch nach 22:00 Uhr Besuch haben. Wenn der Besuch dann um 23:00/24:00 Uhr geht und das Treppenhaus benutzt, dann ist das ganz normal. Man sollte sich um diese Zeit im Treppenhaus nicht laut unterhalten und tschüss u.ä. rufen.
Man muss nicht durch die Wohnung und durch das Treppenhaus schleichen, nur weil es nach 22:00 Uhr ist.
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31.12.2016, 11:05Inaktiver User
AW: Empfindliche Nachbarn
Ich bin auch eine von den Empfindlichen.

Für mich ist es wichtig, dass man merkt, der andere gibt sich Mühe und läuft zum Beispiel nicht in Hackenschuhen, sondern in Filzpantoffeln durch die Wohnung. Wenn es zwischenmenschlich stimmt, leidet man ja auch viel weniger unter den Geräuschen!
Ich fände es nett, wenn jemand sagen würde, am Wochenende kommt meine Nichte (oder wir feiern Geburtstag) und es könnte etwas lauter werden. Dann kann ich mein WE so planen, dass ich dem Lärm ausweiche. Vielen sind solche Mitteilungen aber schon zu viel Einschränkgun ("Ich muss doch nicht sagen, wa sich vor habe!"). Das verstehe ich auch. Es macht auch nur Sinn, wenn das Verhältnis noch ein gutes ist.
Stimmt die Chemie nicht mehr, würde ich mich immer ganz höfliche, ruhige, vielleicht förmlich Art äußern. Nicht gegen Regeln (Hausordnung) verstoßen und sonst den anderen aus dem Wege gehen.
Noch etwas zu den Uhrzeiten: Heute arbeiten die Leute alle zu den unterschiedlichsten Zeiten. Ich habe unter einem Schauspieler, der nach der Vorstellung um 24 Uhr erst einmal kochte und alles machte, was andere um 20 Uhr machen, genauso gelitten, wie unter einem Fabrikarbeiter, der um 5 Uhr morgens nach der Schicht den Fernseher aufdrehte wie unter meiner jetzigen Obermieterin, die um 5.30 Uhr aufsteht und um kurz nach 6 Uhr die Waschmaschine anstellt. Das Schlimme, sie stehen ja auch am Wochenende fast genauso früh auf und um 7.30 Uhr wird das Schlafzimmer aufgeräumt. Ich finde am Wochenende sollte vor 10 oder eventuell 9 Uhr Ruhe sein.
Das ist immer gut für ein Streitgegspräch beim Kaffeetrinken mit meinen Freundinnen: Wer empfindet was als normal.
Ich sauge jetzt abends Staub, wenn sie mir oben zu laut rumtrampeln.
Das verrückte ist ja, das unterschiedliche Menschen, unterschiedlichen Lärm machen, auch in einem hellhörigen Haus. Von dem vorherigen Mieter habe ich so gut wie nichts gehört. Ich frage mich wirklich, wie er das gemacht hat.
Die jetzige Obermieterin will nicht glauben, dass ich ihre Schritte viel, viel stärker höre, als die ihres kräftigen Mannes. Sie ist zwar ein Leichtgewicht, hat aber einen energischen Gang und eben oft auch Straßenschuhe an.
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31.12.2016, 11:18Inaktiver User
AW: Empfindliche Nachbarn
Hat dir schon Mal ein Vermieter gesagt, das Haus ist aber sehr hellhörig. ?
Und nicht jeder kann sich ein freistehendes Haus leisten!
Ich wäre sehr dafür, dass man Mieteinteressenten sagt, unser Haus ist hellhörig. Das wurde aber abgelehnt. Und wer selbst leise und lärmempfindlich ist, zieht nicht in ein hellhöriges Haus.
Mir hat zum Beispiel mal jemand wutentbrand verständlich gemacht, dass er es unmöglich findet, wenn ich um 22 Uhr auf dem Dachboden Wäsche aufhänge. Also habe ich es von da ab früher gemacht. Das geht doch. Man stellt sich aufeinander ein.
Wenn man aber auf mich keine Rücksicht nimmt, habe ich dazu auch wenig Lust. Schon aus purer Selbstbehauptung.


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